Wenn ich jemand anderes wär’ – Teil 1: Michael Ballack | lauthals

Wenn ich jemand anderes wär’ – Teil 1: Michael Ballack

Liebe Leserinnen und Leser!
Es folgt Geschwafel in eigener Sache. Wen dies nicht interessiert, der möge bitte bitte zur Trennlinie unterhalb des dritten Absatzes scrollen und von dort aus weiterlesen. ;-)


Hach, weh mir! Als ich vorhin hier in meinen Blog schauen wollte um mal wieder einen Artikel zu verfassen, habe ich doch tatsächlich versucht “lauthals.de” in die Adresszeile einzugeben und wunderte mich ob des Anblicks, der mich traf. So lange war ich schon nicht mehr hier. Die Hochfrequenz-Bloggerei ist einfach nicht mein Fall, so scheint es. Doch manchmal, wenn auch selten, dachte ich mir in letzter Zeit “Mensch, zu diesem Thema müsstest du jetzt doch mal was loswerden” oder “Na, wenigstens zum Saisonausgang wirst du doch ein paar sentimentale und hoffnungsschöpfende Zeilen schreiben können”. Doch letztlich kam ich immer wieder zu dem Schluss, dass ich mir das auch schenken kann, wenn ich die regelmäßige Bloggerei ja doch nicht durchziehe. Ein Teufelskreis.

Doch heute muss ich mich hier einfach einem Thema widmen, das mich noch mehr fesselt als die derzeitige WM – und die fesselt mich schon gewaltig, das könnt ihr mir glauben. Dieses Thema fesselt mich so ungemein, dass ich bereit bin die Definition von “regelmäßig” (im Sinne von “regelmäßige Bloggerei”) auszuweiten, so dass ich zu dem Schluss komme, dass auch “alle zwei bis drei Monate” eine Regelmäßigkeit beschreibt. Demnach ergibt es sicher keinen Sinn für euch, jeden Tag hier auf die Seite zu schauen. Denjenigen, die mein Geschwafel aber dennoch interessiert, sei ein Feed-Reader ans Herz gelegt.

So viel dazu, ich neige offensichtlich dazu, in meinen wenigen Beiträgen zu häufig von mir, diesem Blog und dem Verhältnis zwischen mir und diesem Blog zu erzählen. Nervt, gä?


Ballack13Trikot

Wie dem auch sei: Das oben bereits angesprochene Thema, über das ich sprechen möchte, ist, wie sollte es auch anders sein, ein sehr Emotionales: Michael Ballack.

Was habe ich ihn doch verflucht in den ersten Monaten seit seinem Weggang aus Leverkusen? Wie sehr habe ich aus irrationaler, kindlicher Wut heraus versucht, seinen Abgang zu relativieren (“Der Abgang von Zé wiegt doch viel schlimmer.“)? Wie neidisch war ich auf die Bayern und auf Chelsea, die mit ihm und durch ihn zahlreiche Meisterschaften feiern durften, was uns stets vergönnt war? Wie oft habe ich diesen Neid vehement geleugnet? Doch wie sehr ist mir in den letzten Jahren klar geworden: Ich hätte wohl alles genau so gemacht, wie er es tat. Er hat die perfekte Fußballer-Karriere hingelegt und dazu bedarf es nicht unbedingt eines Champions League- oder Weltmeistertitels.

Ich hätte, wie gesagt, vermutlich genau so wie er gehandelt. Doch ich würde – das behaupte ich jetzt einfach mal in meiner Kleinstadt-Naivität – , in den letzten Jahren meiner Karriere auch an die Stätte zurückkehren wollen, die mich groß gemacht hat. Freilich wären daran einige Randbedingungen geknüpft: Ich würde gerne eine junge, hoffnungsvolle Mannschaft führen wollen. Ich würde die Chance sehen wollen, mit dieser Mannschaft mehr als nur zweite Plätze zu erreichen. Ich würde erwarten, dass das das realistische Ziel zur nächsten Saison mindestens die CL-Qualifikation ist. Ich würde über die sportlichen Bedigungen hinaus natürlich auch erwarten, dass meine Kinder mit einer guten schulischen Ausbildung rechnen können. Und, selbstredend, würde ich  – auch an der Stätte meines Herzens – nicht für lau arbeiten wollen.

Wenn diese Bedinungen erfüllt sein würden… dann würde sich in mir die Hoffnung regen, noch einmal etwas ganz Großes zu schaffen. Nicht mit einem FC Bayern oder einem FC Chelsea, in dem ich einer von vielen bin. Sondern in einer Mannschaft, die außerordentlich talentiert, aber noch immer unerfahren ist. Ich würde mich gegen fünf Millionen Jahresgehalt entscheiden. Gegen schönes Spanien-Wetter. Gegen den englischen London- und Manchester-Flair. Und, natürlich, gegen Plattdeutsch und Seniorenheim. Ich würde mich stattdessen für meine alte Heimat entscheiden. Für mein bekanntes und befreundetes Umfeld. Und für wenige, dafür aber treue, echte und mich aufopferungsvoll liebende Fans. Und den Ausschlag für diese Entscheidung hätte für mich vielleicht eine Kleinigkeit gegeben. Eine Kleinigkeit wie der Moment, in dem jene Fans im Abschiedsspiel von Bernd Schneider “Micha, komm zurück” skandierten.

Kurz gesagt: Ich würde mir Gedanken machen, bei welchen Fans ich mehr wäre, als “bloß eine weitere Verstärkung fürs Mittelfeld“.

Ja, so würde ich das machen, wenn ich Michael Ballack wäre. Glaube ich.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

  1. Nachtgewäsch [2]

Keine Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

RSS Feed für die Kommentare. TrackBack URI

Schreibe einen Kommentar

WordPress Themes