Selten war die Auswährtsfahrt in eine doch recht nahe Stadt (ich komme aus der Aachener Ecke) so anstrengend. Geschlagene zehn Stunden waren wir letztlich unterwegs, für einen Trip, der planmäßig sechs einhalb Stunden dauern sollte. Spielzeit allerdings inklusive. Schuld daran waren diverse gehäufte Ausfälle der Deutschen Bahn. Gut, dass wir reichlich Zeitpuffer eingeplant hatten.
Aber hey: Es hat sich gelohnt.
Michael Ballack schnupperte seit einer halben Ewigkeit wieder Bundesligaluft. Um ihm den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten, lief die Werkself ausnahmsweise im Chelsea-Trikot auf. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass er schon ziemlich bald gemerkt hat, dass die Mannschaft in der er da spielt, nicht Chelsea sein kann. Dafür wurde vorne zu viel gezaubert und hinten zu sehr gewackelt.
Im Vordergrund standen heute allerdings andere, nicht Michael Ballack. Es ist schwierig einen Spieler des Spiels zu bestimmen, doch was Arturo Vidal, Gonzalo Castro und Renato Augusto vor beiden Treffern gezeigt haben, war schon erste Sahne. Gerade von Gonzo kam im Rest des Spieles nicht viel, doch die Aktion vor dem 1:0 tröstet über vieles hinweg. Vidal und Renato hingegen waren stehts gefährlich, präsent und trickreich. So wird Fußball gespielt. Sagte ich eigentlich bereits, dass es DIE Saison von Renato werden wird?
In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, doch das war auch nicht nötig. Dortmund spielte optisch überlegen, erarbeitete sich aber kaum zwingende Chancen. Ist natürlich aber auch nicht einfach, wenn der Gegner hinten drin einen blonden, beweglichen Leuchtturm beschäftigt und hinter diesem noch immer ein René Adler in Topform steht.
Würde ich jetzt schreiben, dass der Block 90 Minuten lang vor Heiterkeit tobte, würde mir das hier ja eh wieder keiner abnehmen. Dennoch war es so. Es hat Spaß gemacht. Danke für die 15 Minuten “Bayer Leverkusen .. von 19hundert4″, hoffentlich finde ich davon irgendwann eine Aufnahme im Netz. So stelle ich mir Support vor. Da kann die schwarzgelbe Wand von gegenüber noch so vielzählig sein. Bei einem 2:0 ist es natürlich nicht schwierig, ausgelassen zu sein, aber dadurch macht es ja nicht weniger Spaß.
Als nächstes, das bedeutet Donnerstag, fliegt die Mannschaft in ein Trainingslager in die Ukraine, um drei Tage später gut erholt der anderen Borussia ebenfalls den Hintern zu versohlen. Ich freu mich.
Seit gestern Abend hat Europa uns endlich wieder. Und dazu, dass das auch noch einige Wochen so bleiben wird, wurde gestern der Grundstein gelegt.
Ein gutes Spiel war es nicht, weder von der einen noch von der anderen Seite – wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was “gutes Spiel” bei Simferopol bedeutet. Von Leverkusener Seite hat es letztlich gereicht, schlussendlich war der Sieg angesichts fehlender Chancen des Gegners auch in der Höhe nicht unverdient, wenn auch in der Entstehung vielleicht etwas glücklich.
Technisch war das alles teilweise sehr fein anzusehen, insbesondere von Renato Augusto. Leute, ich sach euch: Das wird seine Saison. Mutig, spritzig, überraschend, intelligent. Zugegebenermaßen hat er bzw. sein Glück im Laufe der zweiten Halbzeit etwas nachgelassen, doch die Ansätze, die er schon jetzt wieder zeigt, sind mehr als vielversprechend.
Ungewohnt selbstbewusst agierte auch Daniel Schwaab, der von dem Spielwitz Renatos Inspiration zu schöpfen scheint. Blinde Flanken aus dem Halbfeld sind mir von gestern nicht in Erinnerung, wohl aber die ein oder andere Situation, in der er sich im Zusammenspiel mit Renato gegen ein oder zwei Gegner durchzusetzen versucht. Die auffälligste Szene von ihm war sicher der Zweikampf an der gegnerischen Torauslinie vor seinem Pass auf Michael Ballack zu dessen ersten Torchance. Nach hinten agierte Schwaab allerdings etwas fahrlässig. Mehr als einmal stand er hinten rechts so weit weg vom Mann, dass man auf den ersten Blick nicht mal erkennen konnte, dass er dafür zuständig gewesen sein könnte. Ein Glück, dass Simferopol seine Konter nie konsequent ausspielte.
Auf der anderen Seite zeigte Katsche, wieso er 2008/2009 bei uns zum Publikumsliebling aufstieg. Hinten sicher und vorne mit Übersicht und Gewalt. Bravo.
Ansonsten fiel positiv auf, dass es Barnetta gut zu tun scheint, dass Sidney Sam auf seiner Position Druck macht, obgleich dieser gestern unauffällig war und zumeist glücklos wirkte. Außerdem hat Michael Ballack offensichtlich nichts verlernt, seit er uns verlassen hat. Hätte sein Linksschuss aus der Ferne den Kasten getroffen, hätte Leverkusen Kopf gestanden. Geht es nur mir so, oder habt ihr auch das Gefühl, dass einfach nichts Schlechtes passieren kann, wenn der Mann am Ball ist? Solche Spieler gibt es ja, in Leverkusen ist mir so einer jedoch lange nicht mehr aufgefallen. Der Letzte war Berbatov. Für einige Monate hatte ich dieses Gefühl auch mal bei Franca. Davor fällt mir nur noch Micha selbst ein. Und nein, Schnix habe ich nicht vergessen. Doch diesen “Zauber” versprühte er nicht. Er hatte andere Qualitäten.
So positiv sich dieser Bericht jetzt auch liest, ich habe hier wirklich nur die Glanzpunkte herausgepickt. Über den nicht genannten negativen Punkten schwebt indes ein einziger Grund, aus dem diese Punkte resultieren: Phlegma. Man führt nach der ersten Minute 1:0 und geht davon aus, das Spiel von nun an im Vorbeigehen 4 oder 5:0 nach Hause zu bringen. So läuft das natürlich nicht. Aber das wird der Jupp den Jungs schon klarmachen. Fraglich ist lediglich, ob das so einfach ist, ob der deutlichen Ergebnisse, die bislang eingefahren wurden.
Sonntag geht es also zum BVB nach Dortmund. Für mich war das Ordern eines Tickets für dieses Spiel natürlich Pflicht. Für viele anderen scheint das anders auszusehen, demnach gibt es noch einige wenige Tickets für die Gästeblöcke an der Stadionkasse. Ich hoffe doch, dass sich reichlich Kurzentschlossene finden, um den SVB im vermutlich ersten Bundesligaspiel der Saison zu unterstützen. (Update: Das vermutlich kann ich streichen. Der Satz sollte erst anders enden ;-) Ich bin mir hingegen relativ sicher, dass am Sonntag definitiv das erste Bundesligaspiel der neuen Saison von Bayer 04 stattfinden wird.)
Ich habe eigentlich keinen Schimmer von Fußball. Böse Zungen werden diesen Satz zitieren und entgegnen, dass dies der Grund sei, aus dem ich Leverkusen-Fan bin. Aber so meine ich das nicht. Ich meine das ungefähr so, wie Maricius von Hamburg Schwarz-Gelb es vor geraumer Zeit beschrieben hat. Bei mir ist es zugegebenermaßen nicht ganz so extrem, wie er es schildert. Aber was jetzt genau passiert, wenn Kießling als hängende Spitze spielt, statt als echte, also, welche taktischen Auswirkungen das hat, das weiß ich nicht. Klar, Kies spielt dann etwas weiter hinten, kommt dadurch schneller an die Bälle oder “holt sie sich gar selbst aus dem Mittelfeld”™. Dafür fehlt er dann möglicherweise vorne. Logisch. Aber wodurch diese hängende Spitze ihren Namen verdient, ist mir ein Rätsel.
Für mich ist das alles einfach nur der “Sturm”. Und der “Sturm-Bereich” (das ist jetzt kein Fachausdruck, ich weiß), das ist irgendwie ein vielleicht 700-800m² (das kommt einem jetzt verdammt groß vor, nech?) großes Areal irgendwo am gegnerischen Strafraum bis knapp davor. Ob die Stürmer da jetzt nach rechts, links, hinten oder vorne laufen, springen, einen Handstand machen oder sich verbuddeln, interessiert mich nicht. Oder na ja: interessieren tut es mich vielleicht schon, aber ich bekomme es nicht mit. Ich sehe natürlich – in der Zeitlupe, vielleicht auch erst in der zweiten -, wenn der Depp¹ mal wieder den “Freien Raum”™ übersehen hat, aus welchem er ganz bequem den Ball hätte annehmen und in einer Manier hätte abschließen können, derer selbst ich fähig gewesen wäre – also unplatziert, lasch und mit einer unvorhersehbaren Höhe. Aber das hat ja rein gar nichts mit taktischem Verständnis zu tun.
Um den Bogen zurück zur hängenden Spitze zu schlagen: Wenn der Stürmer der Meinung ist, er bekommt zu wenig Bälle, dann soll er sich halt etwas zurückfallen lassen. Meinetwegen darf er sich – oder der Trainer ihn – dann auch hängende Spitze nennen. Warum er dann Sekunden später, nachdem er den erarbeiteten Ball auf die verbliebene(n) Sturmspitze gepasst hat und folgerichtig (oder nicht?) mit ins Sturmzentrum gelaufen ist, immer noch eine hängende Spitze sein soll ist mir schleierhaft. Oder ist er das dann nicht mehr?
Wem noch immer nicht klar geworden ist, was ich meine, wenn ich sage, dass ich keinen Schimmer von Fußball habe – vielleicht weil ich bisher rein zufällig eine professionelle und präzise Beschreibung der taktischen Position “hängende Spitze” geliefert habe -, dem sei es an einem weiteren Beispiel erläutert.
Michael Ballack soll bei uns künftig wieder offensiver spielen, als er es zuletzt bei Chelsea tat. Ob das heißt, dass wir von nun an mit Raute spielen und Ballack als ZM oder OM agiert, oder ob er als DM genau so spielen soll wie sein Nebenmann, bloß etwas offensiver (ich tippe ja auf Letzteres), das weiß ich nicht. Und was der genaue Unterschied wäre, weiß ich auch nicht. Das bedeutet nicht, dass ich keine Taktiktafel von erwähnten Varianten zeichnen könnte. Es bedeutet nur, dass ich, wenn ich so eine Tafel anfertigen würde, nicht wüsste, was ich da eigentlich tue. Das wäre dann nicht ganz so, als würde ich jetzt aus einer göttlichen Eingebung heraus anfangen arabisch zu schreiben, aber es wäre so, als würde ich anfangen, Französisch zu schreiben. Von Zweiterem sind aus der Schule immerhin ein paar Brocken übrig geblieben. Mais ce n’ est pas beaucoup. Oder so ähnlich.
Worauf ich hinaus will: Sowas wie das hier, das hier oder jenes von nebenan¹, das bekomme ich nicht hin. Nicht nur, dass ich Spiele nicht selbst so analysieren könnte – es ist sogar so, dass ich nach der Lektüre solcher Analysen nicht zuverlässig sagen könnte, ob es stimmt, was da steht oder nicht. Ich finde es trotzdem beeindruckend, wie jemand auf solche Weise Fußball gucken kann, obwohl er es nicht muss, da er weder Trainer noch Kommentator ist. Da steckt keine Ironie, keine Häme, kein Sarkasmus in meinen Worten: Ich würde das auch gerne können und bin ein bisschen neidisch auf diese Fähigkeit. Es gibt Texte – da bereue ich es, sie nicht gebookmarked zu haben -, die lesen sich, als würde ein Weinkenner über einen guten (oder einen schlechten) Wein schreiben. Ich verstehe das dann zwar nicht alles, aber es fasziniert mich.
Ich habe das schon unzählige Male versucht. Immer wieder nehme ich mir vor, ein Spiel nicht nur zu sehen (und, nicht zu vergessen, zu genießen), sondern auch zu studieren. Ich will darauf achten, welcher Spieler in welcher Situation zu welchem anderen Spieler passt. Welcher Spieler wann seine Position offensiver oder defensiver interpretiert als zu Beginn des Spiels. Das funktioniert auch meistens ganz ordentlich. Für fünf Minuten. Irgendwann ist das weg, meistens ergreift mich das Spiel dann, insbesondere, versteht sich, wenn ich im Stadion bin. Spätestens die erste Torchance vernichtet meine Konzentration aber endgültig. Es ist – man entschuldige mir mein vielleicht überflüssiges Pathos – ein bisschen wie mit der Liebe. Am Anfang beschließt man womöglich rational und überlegt zu handeln, das hat schließlich immer seine Vorteile. Doch diese Vorsätze kann man normalerweise alsbald über den Haufen werfen, da die Sinne den Verstand über kurz oder lang erbarmungslos niederstrecken.
Wenn ich in der Halbzeit gefragt werde, wie das Spiel aus meiner Sicht bislang verlaufen ist, dann kann ich sagen wie gut oder wie beschissen es war. Die Analyse, dass die Hornochsen mal wieder zu viele hohe Pässe geschlagen haben, als man eher hätte flach spielen sollen, krieg ich auch noch hin. Aber mehr ist nicht drin. Wenn die ersten 45 Minuten eher ausgeglichen waren und sowohl der SVB als auch der Gegner drei “Hundertprozentige Chancen”™ generierten, habe ich zum Pausentee die Hälfte davon schon wieder vergessen. Die des Gegners versteht sich.
Was Fußball im Allgemeinen und Bayer 04 im Speziellen angeht, da kann ich weder fachlich, noch sachlich, noch objektiv bleiben. Es funktioniert einfach nicht.
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¹ Um Missverständnissen zu vorzubeugen: damit ist nicht unbedingt oben genannter Kießling gemeint.
² Bis auf den letzten Link, welcher mir ein wenig die Inspiration für diese Zeilen lieferte (Danke, Stefan ;-) ), sind die Artikel relativ willkürlich ergoogelt. Es gibt, nicht zuletzt bei der Taktikbesprechung, natürlich noch unzählige solcher Art.
Eigentlich wollte ich gar nichts zu diesem Spiel schreiben. Zu den anderen Testspielen habe ich schließlich auch nichts weiter geschrieben. Aber irgendwie ist die Saison gestern ja tatsächlich offiziell gestartet, demnach muss ich das hier natürlich würdigen.
Die Mannschaft, so viel steht fest, hat den Saisonstart zu würdigen gewusst. Das war keine Glanztat, schon gar nicht in der ersten Hälfte. Es war ein Kantersieg gegen einen Fünftligisten, nichts weiter. Und dennoch muss man ein solches Spiel erstmal in solcher Konsequenz spielen. Ich habe keine Geschichtsbücher zur Hand, aber so weit ich mich entsinne, entstehen solche Ergebnisse auch in der ersten Pokalrunde nicht sehr häufig.
Ich muss zugeben: ich konnte die ersten 35 Minuten nicht sehen, habe es später auch nicht mehr geschafft mir die Zusammenfassung anzugucken und habe auch vom restlichen Spiel nur die Konferenzschaltung gesehen. Angeblich (und an diesen Angaben zweifel ich im Geringsten) standen wir in der ersten halben Stunde häufig recht wacklig hinten drin. Das zeigt allerdings doch nur, dass auch Bayer Leverkusen nur mit Wasser kocht. Das ist natürlich für jeden eine faustdicke Überraschung. Im ersten Saisonspiel, noch dazu gegen einen Gegner, gegen den – bei allem Respekt für den FKP – kein Bundesligaspieler problemlos 100% seines Potenzials abrufen könnte, darf so etwas mal passieren. Vorraussetzung ist natürlich, dass man sich im Laufe des Spieles am Riemen reißt und zeigt, wo der Kapitän der Nationalmannschaft spielt Hammer hängt. Indem die Konferenzschaltung quasi in eine Liveübertragung von FK Pirmasens gegen Bayer 04 verwandelt wurde, wurde dies auch bravourös bewerkstelligt.
Wenn man diesem Spiel wirklich unbedingt eine Bewertung geben möchte, darf diese nur positiv ausfallen. In erster Linie würde es mich freuen, dass insbesondere die drei Stürmer gezeigt haben, dass sie wissen, wo die Kiste steht und dass Renato Augusto seine Spielfreude nicht verloren hat. Und eins steht fest: Wir haben unsere Chancen schon schlechter genutzt.
Ich möchte diesen Artikel weder als Schönrederei noch als Euphoriebremse verstanden wissen. Dieser Artikel hat lediglich den Anspruch die gleiche Wichtigkeit und Aussagekraft zu besitzen wie das Testspiel von gestern: Gar keine.
Letzte Woche ist es angekommen und während meines Urlaubs in den vergangenen sechs Tagen konnte ich es durchblättern: Unser Propagandablättchen zur neuen Saison. Wie immer ist es aufregend dick, bis zum Rand gefüllt mit viel Un- und ein bisschen Kaum-Information sowie Statistiken, die man auf gefühlt jeder vierten Webseite, die sich mit Fußball befasst, finden kann. Wirklich schön hingegen, und das fällt mir wirklich erst jetzt beim Tippen dieser wirren Zeilen auf, ist die Übersicht aller aktuellen und ehemaligen Bundesligaspieler vom Bayer (Ich weiß gar nicht mehr, ob es das zur letzten Saison auch schon gab). Das ist immerhin schon mal ein Grund, das Heft nicht wegzuschmeißen.
Und sonst… hach ja… man lässt sich als Fan des SVB ja gerne mal fallen in die Leichtigkeit der Illusion, dass Bayer 04 in allen Belangen der geilste… nein, falsch, bei uns – also der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH – heißt es meistens “der professionellste” oder, ach, was weiß ich, halt der irgendwie beste Fußballverein der Welt ist. Oder nein, das ist immer noch nicht ganz richtig. Natürlich nicht in allen Belangen. Sportlich zum Beispiel. Da ist nämlich Platz Eins für die Bayern reserviert. Also in der Bundesliga. Aus der EL winken hingegen Man City und Liverpool und so. Dafür haben wir aber die schönsten Trikots, das hübscheste Stadion, den spektakulärsten Transfer und benötigen für einen Support, der sich anhört “als wären 10.000 Fans hinter dir” (Zitat von Paffi) die wenigsten Fans. Und die beste Fan-Kampagne haben wir auch gestartet. Also die Werkself-Geschichte. Ich frage mich gerade, wie es sich für mich anfühlt, wenn so offen und ehrlich gesagt wird, dass eine Kampagne eine Kampagne ist. Natürlich weiß ich, dass es so ist, aber dennoch wird das kleine Stück Romantik, an das man im Zusammenhang mit dem neuen “Eure-’Ihr-werdet-nie-deutscher-Meister-Gesänge’-sind-uns-scheißegal”-Image geglaubt hat, in der Luft zerrissen. Oder nicht?
Es ist nur ein Saison-Heft, ausdrücklich ohne überparteiliche Ansprüche, worüber rege ich mich also auf? Wenigstens habe ich jetzt endlich mal ein Mannschaftsfoto in einer brauchbaren Auflösung (man vergleiche hier), auf dem man die Spieler also auch mal erkennen kann.
Ach Saison, ey. Fang doch bitte einfach endlich an.
Wenn zur Zeit über Bayer 04 Leverkusen berichtet wird, steht meistens die Personalie Michael Ballack im Zentrum des Interesses. Auch hier im Blog. Dies geschieht auch nicht ganz zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass ein Charakter wie Ballack uns in der letzten Saison zum Sprung in die Champions League gefehlt haben mag. Doch in der Vorbereitung auf die neue Saison ist noch viel mehr passiert. Wie formulierte es einst ein großer Mann?
Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
Aber sowas von. Richten wir nun also einen Blick auf die weiteren Neuzugänge. Wagen wir eine Prognose in Hinsicht auf ihre Einsatzzeiten und ihr Leistungsvermögen. Für Prognosen zur gesamten Mannschaft, inklusive möglicher Startaufstellungen, möchte ich hingegen auf Stefans Taktik-Grafik und Jens’ detaillierte Kaderplanung verweisen.
Der Verliehene: Marcel Risse (1.FC Nürnberg)
Vor knapp 20 Monaten schaffte Marcel Risse den Sprung aus der U19 von Bayer 04 ins Profigeschäft, wurde jedoch sogleich in die zweite Liga zum 1.FC Nürnberg verliehen. Dort spielte er sich in der Rückrunde immer näher an die erste Elf heran, blieb meist aber lediglich Einwechselspieler Nummer Eins. Doch wie auch der Club aufstieg, so stieg auch Marcel Risse innerhalb des Teams auf. In der vergangenen Bundesliga-Saison kam er auf 20 Spiele (zehn davon von Beginn an) und ordentliche sechs Assists (alle innerhalb einer Zeitspanne von zehn Spieltagen). Nürnberg hätte ihn (wie auch Jens Hegeler (wie auch Stefan Reinartz (ach ja, wie auch Peter Hermann)) gerne gehalten. Jupp Heynckes sieht in ihm allerdings eine brauchbare Alternative für die vermeintlichen Stammkräfte Tranquillo Barnetta und Renato Augusto. Dafür muss er sich allerdings ersteinmal an Sidney Sam und Burak Kaplan vorbeikämpfen. Insbesondere von Sidney Sam verspreche ich mir allerdings deutlich mehr. Mehr dazu weiter unten. Zwischen Kaplan und Risse könnte indes ein Kampf der Eigengewächse um Platz Nummer Vier auf den Außenbahnen entstehen – respektive um Platz Nummer Zwei der Außenbahnalternativen. Kaplan, von dem Jupp Heynckes in der kommenden Saison mehr Robustheit erwartet, genießt vermutlich noch einen kleinen Bonus durch seine überragende Effektivität in der vergangenen Spielzeit.
In den bisherigen Testspielen lieferte Risse eine ordentliche Leistung ab. Drei Mal stand er in der Startelf, drei Mal wurde er eingewechselt, drei Treffer hat er zu verbuchen, zuletzt gestern Abend gegen St. Gallen.
Der Wackelkandidat: Domagoj Vida (NK Osijek)
Mit 2,4 Millionen € ist Domagoj Vida der teuerste Transfer, den Bayer 04 in dieser Sommerpause gestemmt hat – sollte nicht noch etwas völlig Unerwartetes passieren. Nominell spielt Vida in der Innenverteidigung, wird angesichts der Konkurrenz in Kombination mit erwähnter Ablösesumme jedoch mit Sicherheit auch als Alternative für die Außenverteidigung geplant sein. Die Vorbereitung deutet dies mit vier Spielen auf der rechten Außenposition auch an. Dem gegenüber stehen zwei Spiele, in denen Vida in der Inneverteidung auflief.
Zur Zeit sieht es allerdings so aus, als hätte er sich noch nicht an das Leistungsniveau angepasst. Bislang trat Vida häufig durch unnötige Fouls in Erscheinung, die offenbar aus fehlender Fittness und der daraus entstehenden, oft zitierten halben Sekunde, die einem zu einem sauberen Tackling häufig fehlt, resultierten. Zudem spricht Vida bislang kein Deutsch und nur wenig englisch. Einer glücklichen Fügung des Schicksals ist es allerdings zu verdanken, dass Zvonko Komes erstens Konditionstrainer ist und zweitens Kroate. Meine Prognose: Das wird schon noch.
Der Vizemeister: Thanos Petsos (U19)
Petsos ist 19 Jahre alt und stößt von der U19 in den Profi Kader. Er war einer der Leistungsträger, die Bayer Leverkusen den zweiten Platz in der A-Jungend-Meisterschaft einbrachten. Nachdem er auch in der letzten Saison schon im Regionalligateam zu überzeugen wusste, durfte Petsos auch in der der vergangenen Bundesliga-Saison gegen Hannover 96 sein können für gut zehn Minuten unter Beweis stellen. Meist spielt Petsos im defensiven Mittelfeld, kann allerdings auch in der Innenverteididung und auf den Außen eingesetzt werden. Innerhalb der ersten Mannschaft ist er vermutlich als Ergänzungsspieler in der Verteidigung eingeplant, da wir im defensiven Mittelfeld eine Überpopulation vorfinden. Gegen Hassia Bingen bestritt er sein bislang einziges Testspiel für die Werkself – in der Innenverteidigung.
Der für seine defensive Ausrichtung durchaus torgefährliche Thanos Petsos (Neun Tore in 28 Spielen der A-Jugend in der letzten Saison) wird sich vermutlich erst einmal hinten anstellen müssen. Potenzial ist dennoch deutlich erkennbar.
Der Hoffnungsträger: Sidney Sam (Hamburger SV)
Offiziell wechselt Sidney Sam vom HSV an die Dhünn, zuletzt aktiv war er allerdings für den 1.FC Kaiserslautern in der zweiten Liga. Vom Kicker wurde er zuletzt deutlich zum besten offensiven Spieler der Rückrunde auf der Außenbahn gewählt, acht Tore und vier Vorlagen in diesem Zeitraum (zehn Tore und sieben Vorlagen insgesamt) unterstreichen diese Wahl. Die Unbekümmertheit, mit der er dort zuweilen auftrat, hat auch mich beeindruckt. So sehr, dass ich relativ viel von ihm erwarte. Ich erwarte einen offenen Konkurrenzkampf mit Tranquillo Barnetta. Interessant wird dieses Duell dadurch, dass sich beide Spielertypen sehr stark unterscheiden. Während Barnetta mittlerweile auf Einsatz und Kampfgeist setzt, setzt Sidney Sam zunehmend auf Spielfreude und Risikobereitschaft. Wenn Sidney Sam, der außerhalb des Platzes durch seine ruhige und lässige Art die Sympathien auf seine Seite zieht, es schafft, sich einen Stammplatz zu erkämpfen, dann, so sage ich vorraus, haben wir einen neuen Publikumsliebling.
In der Vorbereitung stand er bislang vier Mal in der Startaufstellung, drei Mal wurde er eingewechselt, einmal traf er bisher ins Schwarze.
Schon in der Saison 08/09 zeigte Sidney Sam mit fünf Scorer-Punkten in den letzten vier Spielen sein Können. Gegen Augsburg schoss er ein Tor, welches für das Tor der Woche nominiert war. Nicht, dass ich meinen würde, Youtube-Schnipsel könnten die Klasse eines Spielers repräsentieren, aber dennoch: So eigensinnig jenes Tor auch war, so wunderschön war es auch, so sehr macht es Lust auf mehr.
Der Rückkehrer: Hanno Balitsch (Hannover 96)
Er hat es vorgemacht, Ballack nahm sich diese Geschichte nur als Vorbild. Zwischen 2002 und 2005 spielte er bereits 1,5 Jahre für den SVB. Nun kehrt er zurück und wird genau wissen, dass er in erster Linie als erfahrener Ersatzmann eingeplant ist. Ob ihm das reichen wird, weiß ich nicht. Und ob es dabei bleiben wird, möchte ich auch nicht prognostizieren. Der Wille und die Führungsqualität, die sich Hanno Balitsch, gerade in den letzten Jahren bei Hannover, zweifellos angeeignet hat, imponieren mir. Er könnte die Überraschung der Saison werden, mit der niemand gerechnet hat – hat er doch die vermeintlich talentierteren Spieler Ballack, Rolfes, Vidal, vielleicht Reinarzt, noch vielleichter Castro vor sich. Auch Bender klopft an. Ich rechne nicht mit dieser Überraschung, doch es soll mir keiner nachsagen können, ich hätte es nicht gerochen, wenn es doch passieren sollte. Am liebsten würde ich Balitsch mit dem nach Aachen abgewanderten Thomas Zdebel vergleichen, allerdings werde ich mir das verkneifen, da ersterer mit seinen gerade einmal 29 Jahren (meint man gar nicht, was?) durchaus noch eine gewisse Perspektive hat. Man darf also gespannt sein.
Auch Balitsch kam bisher in jedem der sieben Vorbereitungsspiele zum Zug - drei mal in der Startaufstellung.
Der Unbekannte: Nicolai Jørgensen (Akademisk BK)
Zu guter Letzt: Ein Zauberer-Duett, namentlich bekannt als Rudolf und Wolfgang, ein Zauberhut, getarnt als Scoutingabteilung und ein weißer Hase mit blondem Kurzhaarschnitt. Der weiße Hase, das ist Nicolai Jørgensen. Kennt ihr nicht? Wenn man Jupp Heynckes glauben kann, wird sich das ziemlich schnell ändern. 19 Jahre ist er alt und wechselt aus der zweiten dänischen Liga für stattliche 800.000 € nach Leverkusen. In der 1.Division (nicht irritieren lassen, die erste Liga Dänemarks ist die Superligaen) erzielte er in 23 Spielen sieben Tore und legte den Ball vier Mal zum Torerfolg auf. Was das bedeutet weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass er in fünf Testspieleinsätzen (jeweils von Beginn an) fünf Mal getroffen hat. Da vier dieser Treffer gegen die Zillertaler Auswahl fielen (und auch Wacker Insbruck keine Übermannschaft ist), kann ich allerdings auch das nicht weiter bewerten. Dennoch scheint er ein Mann zu sein, der über eine gesunde Portion Selbstvertrauen verfügt und durchaus auch aus der zweiten Reihe zum Torerfolg kommen kann. Ich gehe davon aus, dass Jørgensen in der kommenden Spielzeit Stürmer Nummer Vier sein wird. Allerdings vertraue ich auch den Worten Heynckes’, der ihm durchaus eine beachtliche Einsatzzeit vorraussagt.
Zur Zeit laboriert Jørgensen an einem Außenbandriss, den er sich gegen Altach nach einem Foul zugezogen hat.
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¹der Vollständigkeit halber sei hiermit erwähnt: Der Spieler Zvonko Pamic vom HNK Rijeka hat ebenfalls bei uns unterschrieben, wird jedoch mit sofortiger Wirkung an den SC Freiburg verliehen. Ebenso kehrte Jens Hegeler von Augsburg zurück zu Bayer 04, reiste jedoch sofort nach Nürnberg weiter.
eue Mannschaftsfoto. Darf natürlich auch hier nicht fehlen.
Ein Klick lässt einen Vergrößerungszauber wirken
Erstellt mit dem auf Basis des allseits bekannten SP-Studios.
Update: Die Werbebande sieht so leer aus. Ich verlose demnach Werbefläche an jeden, der, sagen wir mal, drei (natürlich noch nicht zuvor erkannte) Personen erkennt. ;-)
Update 2: Ich wollte ja eigentlich keine Auflösung hier drunter schreiben, aber in den Kommentaren stehen die meisten Namen ja inzwischen ohnehin, also liste ich hier mal wenigstens die erkannten Figuren(bzw. die, die sich automatisch erschlossen haben und die, die ich leichtsinniger Weise selbst aufgelöst habe) auf:
Erste Reihe (von oben, v.l.n.r.):? , Renato Augusto, ? , Tranquillo Barnetta
Zweite Reihe (v.l.n.r.): Arturo Vidal, Sami Hyypiä, Manuel Friedrich, Marcel Risse, ? , Hanno Balitsch, Michael Ballack
Dritte Reihe (v.l.n.r.): Jupp Heynckes, Wolfgang Holzhäuser, Lars Bender, ? , Simon Rolfes, Eren Derdiyok, Nicolai Jörgensen, Burak Kaplan, Michal Kadlec, Daniel Schwaab, Rudi Völler
Vierte Reihe (v.l.n.r.): Sidney Sam, Domagoj Vida, ? , Tomasz Bobel, Fabian Giefer, Rene Adler, Benedikt Fernandez, ? Patrick Helmes
Es ist wohl perfekt: Die 13 ist wieder dort, wo sie hingehört. Auch wenn es wohl letzte Details zu klären gibt, wird Michael Ballack in den nächsten zwei bis drei Tagen einen Vertrag bei Bayer 04 unterschreiben und somit bis 2012 das Kreuz auf der Brust tragen.
Wie kurzzeitig hier zu lesen war, haben auch die Aktionen der Fans einen Ausschlag für Michas Entscheidung gegeben. Mittlerweile ist die Seite allerdings wieder verschwunden und es ist nur ein Foto Ballacks dort zu sehen. Offenbar hat ein übereifriger Redakteur den Artikel zu schnell online gestellt. ;-) (EDIT: Der Text ist wieder da.)
Doch ich bin mir relativ sicher, dass die Sache in trockenen Tüchern ist. Wenn jetzt noch was passiert, ist da Hexerei im Spiel.
Zum ersten Mal überhaupt findet am kommenden Montag das Auftakttraining zur nächsten Saison in der BayArena statt. Nicht nur der Ort, auch die Uhrzeit ist ungewöhnlich. Diese Information, die schon seit wenigen Tagen bekannt ist, nährte die Gerüchte, die in der Bayer04-Fangemeinde kursierten, dass der Wechsel noch bis zum Wochenende vollzogen werden würde. Schließlich wäre ein Auftakttraining abends in der BayArena, bei dem auch die weiteren Neuzugänge vorgestellt werden, die perfekte Bühne für Michael Ballack um sich zum ersten Mal wieder im Trikot der Werkself zu zeigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es tatsächlich so kommen wird.
Junge, Junge. Michael Ballack entscheidet sich gegen 3-4 Millionen Jahresgehalt, das er angeblich beim VfL Wolfsburg mehr verdient hätte. Es ist irrelevant, dass Ballack ohnehin schon ausgesorgt hat. Das muss man trotzdem erst mal schaffen. Danke Micha. Und danke Rudi Völler.