Bayer 04 Leverkusen | lauthals

Category: Bayer 04 Leverkusen

Ach, äh…

…ich habe gestern übrigens was geschrieben. Im bayer04blog. Ihr kennt ja den Weg, einfach den Gang runter, zweite Tür links.

Enzian

Blau isser. Der Hintergrund. Endlich wieder blau. Ich bin verlockt, zu sagen, königsblau, doch ich möchte bitte korrigieren, es ist natürlich championsblau. Oder das Blau der Champions, das hört sich schöner an. Wir spielen nämlich wieder in der Champions League, und wer in der Champions League spielt, hält seine Pressekonferenzen vor einem blauen Hintergrund ab. Da sitzt dann, in unserem speziellen Falle, der Herr Dutt, das ist nämlich unser Trainer und erzählt, nun ja, soleidesmirtut, irgendetwas halt. Bestimmt etwas Wichtiges und Richtiges, wie das nunmal für ihn so üblich ist, und neben ihm, dem Trainer, der aber genau so gut unser Zeugwart sein könnte, sitzt dann der Michael Ballack, der genau so gut Philipp Lahm sein könnte, das bekomme ich gerade noch so mit, der auch über irgendetwas redet. Wahrscheinlich darüber, dass er sich freut, die alten Kollegen noch mal wieder zu sehen. Vielleicht erzählt er das sogar auf eine bewegende Art und Weise, auch wenn ich das nicht glaube, aber das tut auch nichts zur Sache, denn auch das nehme ich irgendwie nicht wirklich wahr.

Meine ganze Aufmerksamkeit gilt nur diesen blauem Hintergrund und ich bin fast ein bisschen fasziniert davon, denn plötzlich realisiere ich, dass wir wirklich wieder in der Champions League spielen werden. Und zwar nicht in drei Monaten oder so. Nein: morgen. Morgen steht da ein Schiedsrichter in einem Mittelkreis in einem Stadion, das sich Stamford Bridge nennt, schüttelt dem Rolfes und dem, ich weiß gar nicht genau und mag jetzt auch nicht recherchieren, ich sag einfach mal, Terry oder Lampard die Hand und pfeift dann ein Spiel zwischen den Mannschaften dieser beiden Herren an. Und dieses Stadion, das sich Stamford Bridge nennt, das steht in London. Das ist in England. Dem Land, von dem alle sagen, da käme der Fußball her. Ja. Ukraine war gestern.

Und um die Kurve zu kriegen, hin zu einer Analogie, die ich euch nicht vorenthalten möchte und um die herum sich der ganze Text hier aufgebaut hat, muss ich zurückkommen zu dem Blau, dem faszinierenden. Da sah ich es also, im Hintergrund von unserem Zeugwart, der irgendetwas daherredete, und dachte sogleich an Enzian, der doch bekanntlich in ähnlicher Weise blau zu sein pflegt. Will sagen: blau, blau, blau sogar. Und da fiel mir ein: Der blüht in deutschen Landen doch für gewöhnlich höchstens mal in Bayern. Ab morgen blüht er auch in Leverkusen. Das finde ich wunderbar.

Robin Dutt

Eine ausführliche und anschauliche Analyse des Werdegangs und der Spielphilosophie Robin Dutts liefert uns “TE” von spielverlagerung.de:

Mit seinem neuen Verein Bayer Leverkusen hat er nach wenigen Spieltagen bereits eine ganze Handvoll Probleme. Als neutraler Beobachter sollte man jedoch verstehen, dass Dutts Idee vom Fußball eine gewisse Zeit braucht, bis sie bei einem Verein hundertprozentig funktionieren kann – ballbesitzorientierter Fußball ist immer schwerer zu vermitteln als eine Kontertaktik aus einer sattelfesten Defensive. Die Fans sollten ihm Zeit geben, seine Idee vom Spiel zu entwickeln.

Zum vollständigen Artikel, den ich wärmstens empfehlen möchte, bitte hier entlang.

Wir müssen uns mal unterhalten.

Es ist ein Uhr. Nachts. Also, zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel veröffentlichen werde sicher schon längst nicht mehr, doch als ich anfing ihn zu schreiben, da war es ein Uhr. Nachts ¹. Ich kann nicht schlafen. Bis eben wälzte ich mich noch im Bett umher. Wie so häufig, wenn es ein Uhr Nachts ist, war es zwei Stunden zuvor noch 23 Uhr. Da las ich diesen offenen Brief an Dietmar Hopp. Von schwatzgelb.de, diesen hier. Und der lässt mir keine Ruhe.

In Ihrem (Dietmar Hopps, Anmerkung der zehnfingrigen lauthals.de-Redaktion) Falle ist es doch aber so, dass Fans aller Vereine, außer vermutlich Leverkusen, Wolfsburg und RB Leipzig, das Projekt Hoffenheim konsequent ablehnen. Diese Ablehnung betrifft aber in ähnlichem oder gleichem Maße Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und ganz besonders RB Leipzig.

Nun, dies wird mein Aufhänger für diesen Artikel sein. Ich möchte zwar schon lange über dieses Thema schreiben, doch es gab verschiedene Gründe, warum ich es nicht getan habe.

Zunächst wurde darüber schon gefühlte, na komm, ich sags, mir fällt ohnehin keine bessere Zahl ein, also: gefühlte 1904 Mal über dieses Thema gesprochen. Allerdings: Dieses Blog hat dieses Thema bislang höchstens touchiert und fußnotiert. Das letzte Mal ist gar nicht so lange her. Nun, so ist das Ziel, wird es also endlich einen Grundsatzartikel an dieser Stelle geben. Einen, auf den ich vielleicht bei zukünftigen Diskussionen einfach mal verlinken kann, damit es mich keine oder zumindest nur noch weniger Nerven kostet.

Ein weiterer Grund ist, dass ich darüber eigentlich gar nicht jammern möchte. Et es wie et es. Nachher heißt es bloß: “Sieh mal, diese Bayer-Fans. Identitätskrise. Kein Selbstvertrauen. So sind sie, die Anhänger der Retorte, müssen sich für ihre Fanschaft rechtfertigen.” Na ja, dazu später mehr.

Der letzte Grund, aus dem es bislang noch keinen Artikel von mir dazu gab: Ich habe schlicht noch keinen anständigen Aufhänger gefunden. Endlich habe ich einen – und den kann man auch noch ordentlich zitieren, siehe oben.

Zur Sache: Ich würde sehr gerne erklärt bekommen, was Bayer 04 Leverkusen von vermeintlichen Traditionsvereinen abgrenzt und was es stattdessen mit Clubs wie der TSG Hoffenheim oder aber auch RB Leipzig ²  verbindet. Ernsthaft. Vielleicht verstehe ich es ja tatsächlich bloß nicht.

Es folgt ein kurzer Abriss der Vereinsgeschichte:

Am 1. Juli eines bekannten, glorreichen Jahres wurde auf Anfrage von 170 Arbeitern des Bayerwerks ein Verein mit dem wohlklingenden Namen Turn- und Spielverein 1904 der Farbenfabrik vormals Friedrich Bayer Co. Leverkusen gegründet. Dabei möchte ich nicht darauf hinaus, dass der Verein mittlerweile seit über 100 Jahren existiert. Ich reite schließlich auch nicht darauf herum, dass der 1. FC Köln gerade mal seit 63 Jahren besteht. Beide Gründungen datieren deutlich früher als meine Geburt, deswegen ist diese Tatsache für mich nichts weiter als ein netter Bonus. Worauf ich wirklich hinaus möchte: Die Arbeiter eines Konzerns dachten sich dazumal: “Leute, lasst uns gemeinsam Sport machen. Fußball zum Beispiel. Aber nicht nur. In einem Verein. In unserem Verein. Fragen wir doch mal die Herrschaften von oben, ob die uns bei einer Gründung nicht ein wenig unterstützen können.” Und, was ganz wichtig dabei ist: Die Arbeiter dachten sich nichts Böses dabei. Es lag einfach nur auf der Hand. Während (nebenbei bemerkt fünf Jahre später) sich in Dortmund einige Jugendliche auf dem Borsigplatz trafen und vermutlich Ähnliches dachten, traf maf sich in Leverkusen nunmal im Bayerwerk. Und während man sich in Dortmund einer Stadt verschrieb, verschrieb man sich in Leverkusen einem Werk. So what?

Im Laufe der nächsten knapp 50 Jahre entwickelte sich die Fußballabteilung, eingegliedert in den SVB, kontinuierlich weiter bis endlich der Aufstieg in die damalige höchste deutsche Spielklasse erreicht wurde, die Oberliga. 1951 war das. Gerade rechtzeitig eigentlich um Punkte für die Zwölfjahreswertung zu sammeln und sich dadurch als Kandidat für ein Gründungsmitglied der ersten deutschen Bundesliga zu empfehlen. Wenn man denn in der Saison 55/56 nicht hätte absteigen und daraufhin geschlagene sechs Jahre auf den Wiederaufstieg hätte warten müssen. Aber nun ja: So oder so hatte die Qualifizierung für die erste Saison der Bundesliga offenbar nicht nur sportliche Gründe. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich möchte euch nicht mit weiteren Details von anno dazumal bis zum derzeitigen Status Quo langweilen, dabei hilft euch schließlich die Wikipedia. Es wäre eine Lüge, würde ich behaupten, ich hätte dort nicht auch selbst nachschlagen müssen. Fakt ist: Der SVB hat eine lebendige Geschichte. Die Solidarität aus Offenbach, das spektakuläre Comeback im Rückspiel des UEFA-Pokalfinales gegen Espanyol Barcelona, die Entstehung einer der ersten Ultra-Szenen Deutschlands, die Mutter aller Abstiegsdramen 1996, das Vize-Syndrom, Reiner Calmund und der Einzug ins Champions League Finale in Glasgow sind da nur die Highlights.

Dass die goldenen Jahre um Reiner Calmund und die Jahrtausendwende herum, durchaus auch dunkle Jahre waren, dürfte klar sein. Wir lebten derzeit weit über unsere Verhältnisse, was die spätere und erst vor wenigen Jahren abgeschlossene Konsolidierung zur Folge hatte – ganz ähnlich lief es im Übrigen auch bei der Borussia aus Dortmund, die den Hals ebenfalls nicht voll bekam. Schließlich stützt uns der Bayer-Konzern nicht annähernd so sehr, wie viele sich das gerne vorstellen. Wie jeder andere Sponsor auch, unterstützt Bayer uns nur dann, wenn es auch selbst etwas davon hat. Das war schon bei der Gründung so und hat sich bis heute nicht geändert. In den ersten Jahren nach 1904 war die finanzielle Zuwendung wohl relativ gering, diente der Verein doch nur dem innerbetrieblichen Zusammenhalt und zur Stärkung der Identifikation mit dem Werk. Heute dient der Verein – wie jeder andere Verein auch – dem Werk als Werbeträger. Dabei springt für den Verein etwas mehr heraus als ein anderer Sponsor einem anderen Verein vergleichbarer Größe zahlen würde. Das ist mehr als verständlich. Schließlich handelt es sich bei Bayer nicht um einen Retortensponsor, sondern um einen der mit dem Verein gewachsen ist. Bayer gehört zur Geschichte von Bayer 04 Leverkusen. Der SVB trägt die Buchstaben Bayers im Namen und verewigt das Markenzeichen in seinem Wappen – nicht um Kohle abzuschöpfen, sondern aus Identifikation und Tradition. Dass dadurch nebenbei tatsächlich etwas mehr Kohle abfällt, ist nur selbstverständlich und gerechtfertigt. Dagegen beschwert sich in Leverkusen auch niemand darüber, dass sie beispielsweise ihr Stadion selber bezahlen müssen (wenn auch auf Pump bei der Bayer AG), während andere Vereine ihr Hütte zu Großteilen von Bund und Ländern finanziert bekommen. Die Identifikation geht soweit, dass Leverkusener Bürger und Fanclubs des Vereins vor knapp vier Jahren Initiativen starteten, das zum Abriss vorgesehene Bayer-Kreuz zu retten – mit Erfolg.

Die Lage in Leverkusen stellt sich so dermaßen anders dar als in Hoffenheim, Malaga, Chelsea und den unzähligen anderen Vereinen, die einen Mäzen ihr eigen nennen dürfen. Mäzene handeln nicht aus einer wirtschaftlichen Vernunft heraus. Diese haben theoretisch die Möglichkeit, unbegrenzte Geldmittel in einen Verein zu schießen, so lange sie der Meinung sind, dass sie es sich leisten können. Wenn sich das am Ende nicht rechnet, stört sie das vermutlich nicht.

Dabei ist der Begriff “wirtschaftliche Vernunft” vermutlich schon einer, bei dem sich bei einigen selbsternannten Fußballtraditionalisten die Zehennägel zusammenrollen. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Auch ich würde lieber in einer Welt, besonders in einer Fußballwelt, ohne Werbung und Kommerz leben. Tatsache ist aber, dass wir eigentlich glücklich sein können mit dem wirtschaflichen Einfluss, dem der Fußball sich ausgesetzt sieht. So hässlich dieser Einfluss auch sein mag: Er gibt dem Geschehen der Branche wenigstens einen klaren Rahmen und eine gewisse Berechenbarkeit. Ganz im Gegensatz zu einem Mäzenen-System, welches entweder faktisch oder meinetwegen auch nur potenziell der Willkür unterliegt.

So sehr ich meine Phantasie auch auszureizen versuche: Die Finanzierung der Vereine kann es einfach nicht sein, was den SVB in euren Augen mit der TSG Hoffenheim verbindet. Was ist es dann? Ist es die Masse der Fans? Häufig frage ich mich ja wie groß der Anteil derer ist, die in Dortmunds Südtribüne stehen, einfach nur, weil es gerade en vogue ist Dortmundfan zu sein und ein als Teil der gelben Wand zu gelten. Wir, die im C-Block stehen, sind nicht annähernd so zahlreich, aber da kann ich mir zumindest sicher sein, dass es jeder, der sich dort einfindet, ernst meint und nicht dort ist, weil er damit prahlen möchte. Wenn es also tatsächlich bloß die schiere Masse sein sollte, die uns angeblich unterscheidet: In Ordnung, geschenkt.

Wenn aber nicht: Dann erklärt es mir bitte. Ich habe nichts dagegen, wenn wir die Pillen genannt werden oder wenn sich darüber lustig gemacht wird, dass wir nie deutscher Meister werden. Wie weiter oben gesagt: Ich möchte ja gar nicht jammern. Das gehört zum Fußball, das gefällt mir und das kontere ich im Stadion auch gerne. Doch wenn gewisse Vorwürfe in einen vor Sachlichkeit nur so triefenden Nebensatz ³ gepackt werden, wie dem weiter oben zitierten, dann geht mir das auf den Keks.

Wir, dass heißt wir Fußballfans, genau genommen heißt es eigentlich wir Vereinsfans, sind im weitesten Sinne doch alle Fundamentalisten. Machen wir uns nichts vor. Es wird schwierig meine Meinung zu meinem Verein zu ändern, so schwierig es ist, eure Meinungen zu ändern. Darum muss es hier auch nicht gehen. Dennoch würde es mich freuen, wenn meine vielleicht etwas begrenzte Sichtweise an dieser Stelle etwas erweitert wird. Ich weiß, dass es sehr viele Menschen gibt, auch außerhalb der Leverkusener Fanszene, die das Ganze so ähnlich sehen wie ich. Und natürlich freue ich mich auch über Kommentare dieser Seite, genau so, wie ich mich immer über jeden einzelenen Kommentar freue – also lasst euch jetzt nicht abschrecken. Dennoch geht es mir hier hauptsächlich um die Gegenseite. Wenn ihr jetzt also denkt: “Was verzapft der schon wieder für einen Unsinn?” – Dann dreht euch bitte nicht einfach um und geht weiter, sondern erklärt mir die Schwächen in meiner Argumentation. Es ist mir ein Anliegen.

In diesem Sinne: Nur der SVB. ⁴

¹  In der Tat ist diese Nacht jetzt schon mehrere Tage her. Nicht, dass ihr euch über die zeitliche Divergenz zwischen dem Erscheinen des offenen Briefs und dieses Artikels wundert.

² In diesem Artikel soll es allerdings hauptsächlich um eine Abgrenzung zum Mäzenentum gehen. Dass sich Bayer Leverkusen auch deutlich von Vereinen wie RB Leipzig abhebt sollte im Laufe des Artikels zwar auch deutlich werden, aber darauf wird hier nicht weiter eingegangen.

³ Nein, es handelt sich bei dem Beispiel oben nicht um einen Nebensatz. Ich fand dennoch, dass es sich so dramatischer anhört.

⁴ Oder dürfen das nur HSV-Blogs? Mir war gerade so danach.

Druck und Selbstvertrauen

Erwartungen, Druck. Die Pflicht, gewinnen zu müssen. Die Pflicht des Vizemeisters. Der Druck auf das Kollektiv, eine erbrachte Leistung zu bestätigen. Gar der Druck, eine Leistung noch weiter auszubauen. Der Druck auf einen Einzelnen, die Erwartungen zu erfüllen, es noch einmal allen zeigen zu wollen. Druck auf einen anderen, der dadurch entsteht, dass er nicht nachgesagt bekommen möchte, gegen den Ex-Verein nicht alles gegeben zu haben. Der Druck auf einen Trainer, nicht den gleichen Fehler zwei mal zu machen. Der Druck auf einen Trainer, richtig zu handeln, obwohl er zu Recht davon überzeugt ist, beim ersten Mal schon keinen Fehler gemacht zu haben. Wenn auch nur insgeheim. Und dann doch: Zweifel. Druck auf einen Torhüter, der endlich diese eine Chance erhält. Druck, durch die Gewissheit, dass ein anderer Torhüter ein Thema ist.

Selbstvertrauen, Unbekümmertheit. Das Selbstvertrauen desjenigen, der nicht bloß Zweiter geworden ist. Unbekümmertheit, die daraus entsteht, zu wissen, dass einem die Nation ohnehin schon zu Füßen liegt. Selbstvertrauen, dass auch ein Gegentor nach einer 3:0-Führung eben nicht zwangsläufig das Ende bedeuten muss. Selbstvertrauen, immer die richtige Entscheidung zu treffen. Unbekümmert darauf vertrauen zu können, dass das, was Spaß macht, nicht verkehrt sein kann. Selbstvertrauen, zu wissen, dass man es einfach drauf hat.

Im Gegensatz zu dem Druck, der daraus entsteht, sich bloß sehr, sehr sicher zu sein, dass man genau so viel drauf hat. Druck, entstanden aus einer Tradition der Misserfolge. Druck, der aus fehlgedeutetem Selbstbewusstsein entsteht. Zum Beispiel aus dem Selbstbewusstsein, One-Touch-Fußball zu spielen, auch wenn man Torwart ist.

Große Sätze unterm Bayer-Kreuz [3]

Da sitze ich hier, sehnsüchtig darauf wartend, dass die falschen Mannschaften endlich die neue Bundesligasaison einläuten – und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Während meiner Abstinenz vom Bloggertum¹ fielen mächtige Wörter, die zusammen gewichtige Worte und, nur wenig überraschend, einen ganzen Satz, in diesem Falle sogar zwei Sätze, bildeten, die hier natürlich nicht unerwähnt bleiben dürfen. Der Mann des Tages, bzw. der Mann eines vergangenen Tages², da ich, wie erwähnt, viel zu spät dran bin, ist dieses mal der großartige André Schürrle.

Für mich ist Bayer ein absoluter Traumverein, ich mochte ihn schon immer.

-kicker-Printausgabe vom 26.05.11

Mit einem etwas relativierenden Intro, dafür aber mit einem umso absoluteren und besonders nachhaltigen Finale schlägt der folgende Satz zu Buche, der mir fast noch besser gefällt:

Bayer ist mein Wunschverein, weil es einfach ein geiler Klub ist.

-Sportschau vom 18.07.11

In diesem Sinne: Auf eine ereignisreiche Bundesliga-Saison 2011/2012. Auch wenn ihr nicht Fan vom Bayer seid, versteht sich.

¹ die, wie mich dünkt, endgültig³ vorbei zu sein scheint, angesichts des Spaßes, den mir schon dieser kleine Blogartikel hier macht

² und hoffentlich noch vieler zukünftiger Tage

³ eine Fußnote in einer Fußnote. So etwas ist ganz bestimmt noch nie dagewesen. Jedenfalls: Ihr wisst ja… Adenauer, Geschwätz und so.

Damit hier auch mal wieder der Name Ballack in der Überschrift steht.

Ballack nervt. Und zwar jeden. Und das Beste ist: dafür kann der Mann gar nichts. In Ordnung, er hat ein paar Probleme mit dem DFB, aber Herr Gott: Wer von uns hat die nicht? Im Gegensatz zu unserer, ist seine Antipathie natürlich öffentlich gemacht worden. Aber wenn man sich in der Funktion des prägendsten deutschen Spielers der letzten zehn Jahre befindet, wird jedes Knöllchen fürs Falschparken in der Öffentlichkeit diskutiert.

Aber selbst der Streit mit dem DFB wurde, zumindest von seiner Seite aus, in den letzten Wochen nicht weiter fortgeführt. Und trotzdem geht es in jedem Artikel auf den Sportseiten dieser Welt, der auch nur im Entferntesten mit dem SVB zu tun hat, um Michael Ballack. Zur Zeit liegt das angeblich daran, dass, und jetzt haltet euch fest, er vergangene Woche ein schlechtes Spiel gemacht hat. Und das, obwohl er es diese Saison doch allen zeigen wollte! (!!!1!1eins11elf… ihr wisst schon). Nicht, dass er solche Worte je tatsächlich öffentlich in den Mund genommen hätte. Allerdings macht es natürlich Spaß, sich vorzustellen, wie der Capitano einen vorlauten investigativen Journalisten umgrätscht, zornig auf ihn hinabblickt und brüllt: “Euch werd ichs nochmal zeigen!”

Meines Erachtens gibt er sich zur Zeit eher zurückhaltend, was ich so deuten würde, als dass er die Antwort tatsächlich auf dem Platz geben wolle. Am letzten Samstag hat das freilich noch nicht geklappt. Das wird er auch selber wissen. Vielleicht klappt es auch überhaupt nicht mehr, aber auch das wäre kein Grund jeden Tag das Volk mit dem Thema Ballack zu langweilen. Dutt betont stets und ständig, dass Ballack sich professionell verhalte und dass er sich eingliedere, wenn er, Ballack, zuweilen auch – selbstverständlich – “sportlich enttäuscht” sei. Spektakulär oder gar sensationell ist daran nichts.

Aber dennoch: “Dutt gibt Ballack Teilschuld” hieß es heute zum Beispiel  in einer Überschrift bei Spox (die inzwischen löblicherweise in die – zugegeben – weniger knackige Überschrift “Dutt: ‘Jedem Spieler kann die Bank drohen’” geändert wurde, nachdem in den Kommentaren Beschwerden laut wurden). Die Überschrift hätte allerdings genau so gut “Dutt gibt Balitsch Teilschuld” oder “Dutt gibt Schürrle Teilschuld” heißen können. Laut Dutt hatte nämlich jeder Spieler auf dem Platz eine solche, wie man erst erfährt, nachdem man sich das Interview durchgelesen hat.

Jetzt können wir – als einfache Fußballfans – natürlich nicht einfach die Medienlandschaft umkrempeln, obgleich wir wissen, dass es auch abseits des Themas Ballack genügend Gründe dafür gibt. Was uns bleibt, ist, dass wir die Ballack-Fanchöre wieder anstimmen können, vielleicht müssen. Selbst dann, wenn wir von Ballacks Leistung ebenfalls enttäuscht sein sollten. Auch wenn wir denken, und das tun viele von uns, Ballack gehöre nicht in die Startelf, weil andere zur Zeit stärker sind als er. Einfach nur, um zu zeigen, dass wir nicht auf jeden beknackten Zug aufspringen, der von der Presse befeuert wird.

Der DFB-Pokal als Bauernopfer

Endlich: Keine Dreifachbelastung mehr. Es war eine harte, kraftraubende Zeit, aber Gott sei Dank brauchen wir uns schließlich nur noch auf zwei Wettbewerbe konzentrieren. Dabei musste man gestern fast 70, eigentlich sogar 85 Minuten zittern und befürchten, dass die Mannschaft nicht nur Meisterschaft und Champions League, sondern auch den DFB-Pokal gewinnen wolle. Dass solche Vorsätze allerdings nur zu drei Vize-Titeln führen können, ist ja hinlänglich bekannt.

Da hatte man doch extra David Yelldell verpflichtet, dessen Qualitäten man seit dem letztjährigen Pokal-Finale kannte und da bekommt der erst in der Mitte der zweiten Halbzeit die Möglichkeit diese unter Beweis zu stellen. Gerade noch rechtzeitig. Letzten Endes muss ich der Mannschaft allerdings ein Kompliment machen, denn nach den abgelaufenen 120 Minuten konnten schließlich alle zufrieden sein: Dresden, weil es die zweite Runde erreicht hat, wir aus den oben beschriebenen Gründen und die Republik, weil sie genau solche Spiele ja im DFB-Pokalfinale (EDIT, 19:00: Da war ich wohl etwas voreilig.) sehen will. Und, na ja, weil sie jetzt einen Grund zum Lachen hat natürlich.

Wir hingegen können jetzt die Katze aus dem Sack lassen. Selbstverständlich haben wir schon längst einen gestandenen Top-Innenverteidiger in der Hinterhand und selbstverständlich wird spätestens ab dem zweiten Spieltag Fabian Giefer im Tor stehen. Dass dies gegen Mainz schon passieren wird ist unwahrscheinlich – das wäre doch etwas arg offensichtlich.

PS: Ich wollte ja eigentlich nicht mehr zu jedem Spiel etwas schreiben. Werde ich auch nicht. Aber es fällt doch schwer zu den Ereignissen des gestrigen Tages nichts zu schreiben.

Der Stachel sitzt tief

Dass Arturo Vidal nicht kam, bedauere ich überhaupt nicht. [...] Solche Spieler möchte ich nicht beim FC Bayern haben.

(Karl-Heinz Rummenigge)

Mmh, ja. Das Thema lässt einem aber auch keine Ruhe. Er habe wohl noch “ironisch” hinzugefügt, dass Arturo sehr gut zu Juventus passen würde. Gibt es eine Möglichkeit diese Aussage zu kommentieren, ohne selbst vergleichbar stillos zu werden?

Einen wunderschönen guten Tach!

Ein herzliches Hallo an die optimistisch geschätzten fünf Leute, die mich vielleicht noch immer nicht aus ihrem Feed-Reader geschmissen haben. Ich trau mich ja gar nicht einen Blick auf das Datum meines letzten Artikels zu werfen.

War es unhöflich das Blog in den letzten Monaten (Oh bitte, liebes Spaghettimonster, lass es nur Monate gewesen sein… – nein, ich habe wirklich nicht aufs Datum der letzten Veröffentlichung geguckt) so verwaisen zu lassen und nicht mal dafür zu sorgen, dass es vom verdammten Spam verschont bleibt? Oder war es egal? Ich weiß es nicht. Vermutlich “macht man sowas nicht”. Aber was soll ich sagen, ich hatte einfach keinen Bock mehr. Und umso länger ich keinen Bock mehr hatte etwas zu schreiben, desto sinnfreier erschien mir das Verfassen eines weiteren Artikels. Ich sag euch, das ist echt Arbeit, was die Kollegen von nebenan teilweise tagtäglich zu Stande bringen.

Was mich angeht, so ist mir irgendwann aufgefallen, dass ich mir Spieltag für Spieltag lediglich neue Phrasen ausdenke um das ganze ein bisschen amüsanter zu gestalten. Doch letztendlich ähneln sich die meisten Spiele doch sehr, wenn man sie nicht gerade taktisch auseinander nehmen will kann. Und irgendwann wurde mir das einfach zu blöd. Die Alternative wäre gewesen, den eigenen Anspruch von mindestens einem Artikel in der Woche etwas herunterzuschrauben und sich nur noch dann zu Wort zu melden, wenn mir wirklich etwas Neues, Relevantes ™, etwas Elementares einfällt. Aber das wäre mir auch wiederrum zu wenig gewesen. Und was macht ein Mensch in der Regel, wenn er sich nicht zwischen Möglichkeiten entscheiden kann? Nix natürlich.

Ich weiß nicht, wie es hier weitergehen soll. Ich glaube nicht, dass ich mit Bayer 04 weitermachen werde. Was ziemlich schade ist. Nicht weil dieses Blog ein Stern am Netzfirmament war (aber freilich: auch deswegen), sondern weil unser Verein ohnehin stark unterpräsentiert ist, was das angeht. Zumal ich vor wenigen Tagen lesen musste, dass auch der Grand Seigneur des Werkbloggings sich – zumindest zeitweilig – mit Abschiedsgedanken beschäftigt hat¹.

Hier wird es demnächst vielleicht um etwas ganz anderes gehen². Vielleicht packt es mich aber auch wieder und ich werde noch den ein oder anderen Artikel zum Transfergeschehen schreiben. Danach vielleicht wieder zu den ersten paar Spieltagen. Danach verlässt mich die Lust vielleicht auch schon wieder. Das mich ja keiner auf etwas festnagelt. Wer weiß, vielleicht melde ich mich auch erst in zwei Jahren wieder. Aber das glaube ich nicht. So viel Unentschlossenheit geht mir selbst auf den Geist. Kommt damit klar. ;-)

So, das war es erstmal mit dem emotionalen Teil. Jetzt, wo ich ohnehin mal hier bin, kann ich auch noch meinen Senf zur aktuellen Situation abgeben:

Zur Vizemeisterschaft: Yeah.

Zum Star der letzten Saison: Da kann ich Stefan fast in allen Punkten zustimmen. Der Mann der letzten Saison heißt Hanno Balitsch. Er wurde von den meisten von uns zunächst als überflüssig eingestuft. Als dann auch noch Ballack verpflichtet wurde, war jede Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Balitsch-Transfers endgültig hinfällig. Und dann spielt dieser Mann so souverän und – verdammt noch mal – fehlerfrei auf, dass es einen zu Tränen rührt. Balitsch verkörpert “nur” einen durchschnittlichen Bundesligakicker, aber er macht es wirklich jedem Trainer schwer, ihn nicht aufzustellen. So macht das Spaß.

Zu Aturo Vidal: Weg mit dem. Jetzt. Top Bundesligaspieler, aber dennoch maßlos überschätzt meiner Meinung nach. Den Verlust fangen wir locker auf. Im Prinzip darf er sogar zu den Bayern wechseln. Ich erkenne nicht, wie er die Qualität des Mittelfeldes dort signifikant erhöhen könnte. Und Elfmeter können da auch andere schießen (Ich weiß, es ist ungerecht, Vidal auf seine Elfmeter zu reduzieren. Doch wenn allerorten von seiner Torgefährlichkeit geschwärmt wird, kommt man da nicht drum herum). Dennoch kann er nicht zu den Bayern wechseln. Leverkusen muss an dieser Stelle Eier zeigen. Da bin ich recht zuversichtlich.

Zum Transfergeschehen im Allgemeinen: Ansonsten würde ich mir selbstverständlich auch noch einen gestandenen Innenverteidiger wünschen. Aber ich komme eigentlich super damit klar, wie wir aufgestellt sind. Reinartz wird nicht noch so eine unkonstante Saison abliefern und von Schwaab in der Innenverteidigung bin ich zeitweilig begeistert gewesen. Wenn beide ne Schippe drauflegen, worauf man sich in dem Alter nicht verlassen – worauf man aber dennoch hoffen kann. Vielleicht setzt sich ja auch Toprak durch. Letztendlich werden wir schon zwei ordentliche Innenverteidiger aufstellen können, davon bin ich überzeugt. Und dass ich Friedrich mag, habe ich an der ein oder anderen Stelle schon mal fallen lassen, denke ich. Versteht mich nicht falsch: Die IV ist unsere Schwachstelle – aber das ist jammern auf ziemlich hohem Niveau.

Zu Robin Dutt: Macht auf mich bisher einen sensationellen Eindruck. Seiner Saisonvorhersage möchte ich mich zu 100% anschließen: Ein Verpassen des internationalen Wettbewerbs wäre schlecht, die Europaleague wäre durchschnittlich, die Championsleague wäre gut und die Meisterschaft ist das Ziel. Danke dafür.

So, verehrte Leserschaft.  Das war es zunächst von meiner Seite. Ich werde jetzt hier erstmal etwas aufräumen.

¹ was mich letzten Endes auch dazu getrieben hat, hier mal einen Stand der Dinge zu posten.

² “Um etwas ganz anderes?” – “Ja.” – “Etwa um den FC??!!?” – “Nein… So sehr anders auch wieder nicht. Aber trotzdem nicht um Fußball.”

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