2009 Juli | lauthals

Souverän ist anders: SV Babelsberg – Bayer 04 0:1

Das Positivste an diesem Tag war, dass ich mit meiner Vermutung, der Ball würde bald wieder rollen, scheinbar recht hatte.  Er tat es, und das sogar in sechsfacher Ausführung. Auch in Babelsberg, wo Bayer 04 empfangen wurde, ging er pflichtbewusst seiner Aufgabe nach – heraus kam ein inzwischen gewohnt knappes Erstrundenspiel, dass die Leverkusener für sich entscheiden konnten.

Ich habe lange gegrübelt, wie ich dieses Spiel beschreiben soll. Ich versuche es mal mit “Nun ja, kann man so machen”.

Mehr fällt mir dazu in der Tat nicht ein, viel mehr gab es in der Sky-Konferenz ja auch nicht zu sehen. Vielleicht fällt mir auch deshalb nicht mehr dazu ein, weil es ein bisschen so war wie immer: Schön spielen, viele Chancen herausarbeiten, diese versieben, Gegentor kassieren, verlieren.

Zum Glück war es dann aber eben nur ein bisschen so wie immer und die Babelsberger haben es nicht hinbekommen, uns den Ball über die Linie zu drücken. Stattdessen schafft Derdiyok nach vier Minuten das, was Fanis in 60 Minuten vergeblich versucht hat, und hämmert dem bedauernswerten Babelsberger Schlussmann Unger das Ding durch die Beine hindurch ins Tor.

Ansonsten sah das für mich alles nach einer Art besserem Warmlaufen aus – Dynamik konnte ich zumindest nicht ausmachen. Gepaart mit der gewohnten Mentalität den Ball ins Tor tragen zu wollen und dem Kunststück gleichzeitig etwas arrogant und dennoch zu wenig selbstbewusst zu sein, ergibt dies ein müdes, glückliches und dennoch sehr verdientes 1:0.

Ich sag ja: Kann man so machen. Obwohl man es auch besser machen könnte.  Zum Beispiel gegen Mainz dann.

Fühlt ihr auch schon die Schwingungen?

Ich glaub, es geht bald wieder los. Das fühl ich irgendwie.

Wird aber auch Zeit – dieses ganze Getestspiele ist ja ein lustiger Zeitvertreib für zwischendurch… aber irgendwie… ist das ja doch nix Handfestes. Nach so langer Zeit freut man sich fast wieder auf ein womögliches 0:0 gegen Mainz. Da weiß man wenigstens was man hat.

Morgen schon findet natürlich die erste Runde des DFB-Pokals statt. Ich will das nicht unterschlagen, aber hochmütigerweise umgibt mich in Bezug darauf noch immer ein gewisses 5:0-Testspiel-Feeling. Wir treten gegen dieses Babelsberg an.  Man verzeihe mir meine Respektlosigkeit – vielleicht werde ich ja morgen schon auf den Boden der Tatsachen zurückgeschleudert.

Wie dem auch sei: Da warte ich nun seit Wochen, dass der Tageskartenverkauf für Clubmitglieder beginnt und kaum isser da, verpenn ich ihn fast. Nördlich sind die Tickets selbstverständlich rar, zumal wir einen (nicht gerade überraschenden) Dauerkartenverkaufsrekord erzielt haben. Ansonsten scheint der Ansturm auf das erste Heimspiel in der aufgemotzten BayArena zum Glück nicht allzugroß zu sein, so dass ich mir immerhin schonmal Hoffenheim, Dortmund und Gladbach gesichert habe für die Hinrunde.

Von mir aus kanns jetzt jedenfalls losgehn.

Mal ein bisschen aufgeräumt

Bloß zur Information:

Ich hab mal die paar Artikel rausgenommen, die hier in den ersten Wochen veröffentlicht wurden, aber nichts mit Fußball am Hut haben (Abgesehen von denen, die die Entstehung hier ein bisschen erläutern). Ich hab sie nicht gelöscht, aber ich finde es irgendwie konsequenter, wenn sie nicht mehr hier zu finden sind. Wenn ich Lust habe, erstell ich irgendwann einen Freestyle-Blog, auf dem ich die dann wieder veröffentliche, aber im Moment hab ich dazu keine Lust. ;-)

Außerdem hab ich mal in meinem Feedreader gewühlt und die Blogroll hier thematisch etwas angepasst, bzw. ausgeweitet.

Die Kategorien sind strenggenommen auch ein wenig zwecklos, mal sehen, was ich damit mache. Ich überleg auch noch, ob ich hier irgendwo das Bayer04-Logo verarbeiten soll. Und streng genommen hat auch der Titel des Blogs nicht viel mit der Sache zu tun, aber das wird wohl so bleiben.

Das wars auch eigentlich schon. Weitermachen.

BayArena 2.0

Ich selbst hatte noch keine Möglichkeit mir die “neue” BayArena anzusehen und das wird wohl auch noch bis Hoffenheim warten müssen.

André vom Fernglas FCB findets im Großen und Ganzen wohl nicht so toll. Es wirkt fast ein bisschen erfrischend mal etwas anderes zu lesen als die PR-getränkten Artikel von bayer04.de ;-) . Was wäre ein Stadion auch ohne Ecken und Kanten.

20.000?

Ich frag nochmal: Herr Holzhäuser, 20.000?

Wo soll ich denn dann noch hin? Und wie viele Dauerkarten hatten wir in der “alten” BayArena verkauft?

Update, 27.07.09, 12:11 Uhr: Und nebenbei… schon erstaunlich, was so eine Meisterschaft bewirken kann.

Kaderanalyse 09

Wie versprochen wollen wir nun einmal den Kader der nächsten Saison genauer beleuchten. Im Gegensatz zu manch anderem Verein ist bei uns nicht viel passiert. Die einzigen wirklichen Zugänge sind Samy Hyypiä, Eren Derdiyok und Daniel Schwaab. Stefan Reinartz, Pirre De Wit, Assimiou Touré, Theofanis Gekas, Burak Kaplan und Fabian Giefer kamen von ihren Ausleihstationen (Osnabrück, Nürnberg, Portsmouth) zurück oder wurden befördert.

Den Verein haben Henrique, Angelos Charisteas (beide zurück zum Verleiher), Pirmin Schwegler, Karim Haggui, Vratislav Gresko und Erik Domaschke gewechselt.  Constant Djakpa wird ausgeliehen und Bernd Schneider musste seine Karriere leider beenden. Den bisherigen Testspielen zufolge dürfte die etatmäßige Stammelf momentan etwa so aussehen:

Aufstellung 09

Aufstellung 09¹ (Klick für ein größeres Bild)

Obwohl ich persönlich es interessant gefunden hätte in der Vorbereitung mal ein 4-3-3 ohne Kroos, dafür mit Derdiyok, Gekas und Kies, auszuprobieren, hat Heynckes sich offensichtlich für das klassische 4-4-2 entschieden. Fein, damit kann ich auch leben, zumal sich die Stürmer beim 4-3-3 wohl auch nur gegenseitig auf den Füßen gestanden hätten. Aber schauen wies damit läuft, hätt ich schon gewollt. Na, ein ander mal.

Hier also die Kaderanalyse im Detail für ein 4-4-2 System:

Tor

Der Keeper befindet sich quasi nicht im akuten Konkurrenzkampf. Als Nationaltorhüter ist Adler die unangefochtene Nummer 1 beim Bayer.  Als Backups stehen Fernandez und Giefer bereit. Fernandez musste in der Vorbereitung drei der insgesamt fünf Gegentore hinnehmen, an denen er allerdings schuldlos war. Alle drei Treffer fing er in dem einzigen Spiel, das er absolvieren konnte, gegen Wydad Casablanca. Zur Zeit laboriert er an einem Meniskusschaden. In Folge dessen kam Giefer in den übrigen Testspielen häufiger zum Einsatz, genau genommen zwei mal über 90 und zwei mal über 45 Minuten. Die übrigen beiden Gegentreffer teilten sich gerecht unter Adler und Giefer auf. Sobald Fernandez fit ist, darf man davon ausgehen, dass er die Nummer zwei sein wird.

Abwehr

Hier wird es langsam interessant.  Meine favorisierte Abwehrreihe lautet

Kadlec – Friedrich – Hyypiä – Castro.

Dies lässt allerdings einige Variationen zu. Aus Mangel an gleichwertigen Alternativen dürfte Katsche (wie ich ihn seit kurzem auch liebevoll nenne) am sichersten im Sattel sitzen. Sollte er ausfallen steht Hans Sarpei auf dem Posten, der auf dieser Position bisher eigentlich immer einen ordentlichen Job gemacht hat, dessen Offensivqualitäten allerdings nicht mit denen Katsches zu vergleichen sind. Alternativ steht Touré zur Verfügung, der in der kommenden Saison aber vermutlich erstmal nur wenige Bundesligaminuten sammeln darf.

In der Innenverteidigung ist Sami Hyypiä, der von allen Seiten als  der Heilsbringer angesehen wird, gesetzt. Da auch ich mich nur allzu leicht euphorisieren lasse, hab ich ebenfalls das Gefühl, vor allem aber die Hoffnung, dass unsere Abwehr durch ihn deutlich an Sicherheit gewinnen wird. An seiner Seite wird (zumindest zu Saisonbeginn) Manuel Friedrich seinen Platz finden, da es fraglich ist, ob Sinke bis dahin wieder bei 100% sein wird. Und so sehr ich Sinkiewicz auch mag, so schätze ich, dass sich Friedrich auch langfristig weiterhin durchsetzen wird. Erstaunlicherweise genießt Friedrich bei einem Großteil der Fans nicht ganz das Ansehen, dass er meiner Meinung nach verdient hätte – obgleich doch alle hellauf begeistert sind, sobald er wieder mal nach einer Ecke den Kopf an die richtige Stelle hält (wodurch er zumindest in dieser Kategorie das Erbe des Juan antritt). Als vierter Mann steht Reinartz für die Innenverteidigung bereit, der in der Vorbereitung bislang auf der 6er-Position eine gute Figur machte. Der Platz neben Hyypiä (sollte Hyypiä in der Bundesliga tatsächlich eine so stabile Figur abgeben) dürfte damit hart umkämpft sein.

Auf der rechten Seite findet das Duell der U21-Europameister statt. Gonzo dürfte die Nase zur Zeit vorne haben, doch Schwaab machte in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Die Position des LV könnte in dieser Saison noch eine interessante Angelegenheit werden.

Mittelfeld

Auch das Mittelfeld stellt sich nicht von alleine auf. Hier würde ich Jupp in der Regel folgendes empfehlen:

Barnetta – Rolfes – Kroos – Renato Augusto

Heynckes hat im Mittelfeld vor allem zwei Optionen: Mit Raute oder mit zwei 6ern. Die erstere ist wahrscheinlicher und darüber hinaus ausgesprochen wünschenswert. Obgleich wir im defensiven Mittelfeld am breitesten besetzt sind (mit Rolfes, Vidal, Zdebel, Sinkewiecz, Castro und Reinartz, die dort spielen können), wird es nötig sein die Offensive durch einen klassischen 10er, seines Zeichen Toni Kroos, zu unterstützen, gerade nach dem Ausfall der Torgefährlichkeit eines Patrick Helmes. Den defensiven Part dürfte dem Kapitän wohl niemand ernsthaft streitig machen können. Sollte manchmal mit zwei 6ern gespielt werden, dürfteVidal den Vorzug erhalten neben Rolfes zu spielen. Die beiden würden sich dann abwechselnd in die Offensive einschalten. Sollte Schwaab sich allerdings mit der Zeit aufdrängen, könnte dies indirekt zu Vidals Verhängnis werden, wenn Heynckes Castro auf dessen eigentlicher Lieblingsposition stärker einstuft als den Chilenen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erfahrung eines Zdebel, über dessen Leistung man sich bislang selten beklagen konnte. Wie erwähnt hat auch Reinartz als Rolfes-Ersatz in der Vorbereitung eine gute Figur gemacht.

Bei der Variante mit Raute dürfte Kroos uneingeschränkt gesetzt sein, während De Witt als Ergänzung zur Verfügung steht. Auch auf den Flügeln ergeben sich neben Barnetta und Renato Augusto wenig Alternativen. Obwohl man Barnetta häufig anmerkt, dass die Bundesliga ihn zu langweilen scheint und er keinen Hehl daraus macht, sich zu Höherem berufen zu fühlen,  dürfte er sich gegen die einzige echte Alternative Sascha Dum durchsetzen. Dennoch weiß man dessen Qualitäten als Flügelflitzer zu schätzen, wodurch er als Ergänzung nicht abzuschreiben ist. Ich bin ausgesprochen froh, dass wir ihn nicht abgegeben haben und hoffe, dass er seine Chancen bekommen wird. Renato Augusto verkörpert die Kreativität des Bayerspiels und dürfte nicht adäquat zu ersetzen sein. Bei einem Ausfall wäre es denkbar, dass Castro (welcher bei der U21-EM auf ähnlicher Position gesetzt war und zum Teil brillierte) vorrückt, oder der junge Burak Kaplan seine Chance erhält.

Sturm

Mein Sturm sieht zunächst wie folgt aus:

Derdiyok – Kießling

Im Sturm wird Kießling definitiv gesetzt sein. Ähnlich wie bei Friedrich, allerdings für mich noch deutlich erstaunlicher, steht auch dieser häufig in der Kritik eines Teils der Fans. Also der Mann, der in der letzten Saison zwölf Tore und neun Vorlagen für Leverkusen geliefert hat. Der Stürmer, der die besten Zweikampfwerte aller Stürmer der Bundesliga aufweist (Quelle: mein Gedächtnis; kann als verlässlich angesehen werden). Der Mann, der eigentlich überall auf dem Platz anzutreffen ist. Ein Mann, dem man tatsächlich abkaufen könnte, sich mit dem Verein zu identifzieren und von dem ich noch nie Abwanderungswünsche gehört habe. Aber lassen wir das. Selbstverständlich wird sich Kies durchsetzen und nichts Anderes zählt. Freut mich, dass er es bei uns aushält, obwohl er davon ausgehen könnte, bei jedem anderen Verein (außer den Bayern vermutlich) der Publikumsliebling zu sein. Neben ihm wird zunächst wohl Derdiyok gesetzt sein, obwohl es Gekas ist, der in der Vorbereitung durch Tore auf sich Aufmerksam machte. Auch Heynckes scheint viel von Gekas zu halten. Man darf wohl gespannt sein, gerade wenn man bedenkt, dass beide wissen, dass in der Rückrunde (oder aber doch etwas früher?) ein gewisser Patrick Helmes wieder fit sein wird, den man de facto nicht verdrängen kann. Nicht unterschlagen werden soll Richard Sukuta-Pasu, dem in Fankreisen einiges zugetraut wird. Doch gegen die drei, respektive vier Top-Stürmer, wird es schwer für ihn sein, sich schon in dieser Saison durchzusetzen.

Es könnte also eine interessante Saison werden, ich halts kaum noch aus.

¹Alle Spielerbilder von Bayer 04, das Bild der Arena von funky1opti bei flickr.

Bayer Leverkusen und die Suche nach der Unberechenbarkeit

Butt – Sebescen, Lucio, Nowotny, Placente – Schneider, Ballack, Zé Roberto, Bastürk – Kirsten, Brdaric

Was diese Aneinanderreihung von Namen zu bedeuten hat, muss ich wohl den Wenigsten erklären. Obgleich man nicht unbedingt wissen muss, dass dies die Elf war, die 2002 an einem legendären Dienstagabend den englischen und damals alleinigen Rekordmeister FC Liverpool bezwungen hat, so wird doch jeder erahnen können, dass oben gelistete Mannen irgendetwas mit dieser einzigartigen Saison 2001/2002 zu tun haben müssen.

Und Liverpool – das sind eben die, die normalerweise selber dafür bekannt sind durch einen gesunden Mix aus Moral, Ehrgeiz und einer Prise Übermut Europas Fußballmächte auf dramaturgisch wertvolle Weise zu bezwingen. Damals, 2002, schienen sie dem Willen einer Werkself aus dem Großdorf mit der ähnlich klingenden Präposition nicht viel entgegensetzen zu können. Leverkusen lag nach dem Hinspiel in Liverpool 0:1 zurück und war auch während des Rückspiels nach den Toren zum 1:1 und zum 3:2 so gut wie ausgeschieden. Doch Bayer drehte dieses Spiel auf eine Art und Weise, wie es nie wieder ein Spiel drehen würde. 15 Jahre alt war ich, hockte zitternd vor dem Fernseher und muss ein ums andere mal meine Mutter durch einen Freudenschrei (der natürlich regelmäßig aktualisiert werden musste) geweckt haben.

Und dieses Spiel im Viertelfinale der Champions League 2001/2002 steht nur symbolisch für eines von vielen aus jener denkwürdigen Saison: Vom zehnten bis zum 16. Bundesligaspieltag geriet die Bayer-Elf acht mal in Rückstand (gegen Nürnberg doppelt) und gewann dennoch sechs der sieben Spiele¹.

Adler – Castro, Friedrich, Henrique, Kadlec – Renato Augusto, Rolfes, Barnetta, Vidal – Helmes, Kiesling

Diese ungleich weniger legendäre Elf, besteht aus den Spielern, die in der vergangenen Spielzeit zumeist das Bayer-Kreuz spazieren führen durften. Vom verletzten Schneider einmal abgesehen, stand kein Spieler des damaligen Teams im Kader. Gedrehte Spiele: 0 (In Worten: Null). Das ist nicht viel für eine Mannschaft, die in die Europa-League möchte und die, wenn sie ehrlich ist, eigentlich am besten sofort wieder zurück in die Königsklasse will. Nicht viel für eine Mannschaft, der manchmal (und nicht nur von Rudi) sogar attestiert wird, sie sei die Zweitbeste der Bundesliga. Und nicht viel für eine Mannschaft, von der ich behaupte, dass sie sportlich nicht deutlich schlechter ist, als die wackere Elf von 2002.

Natürlich hat ein Kadlec nicht die Eleganz eines Diego Placente. Henrique hat nicht die Erfahrung eines Jens Nowotny und niemand die Durchschlagskraft eines Lucio. Renato Augusto hat vielleicht die Technik, aber noch nicht den Spielwitz eines Bernd Schneiders. Und solch präzise Flanken, wie sie von Zé Roberto geschlagen wurden, werden wir mittelfristig von Barnetta auch nicht mehr zu sehen bekommen. Natürlich war das Team damals besser – Qualität misst sich letztendlich immer am Erfolg. Doch sportlich – spielerisch – sind, denke ich, die Kompetenzen eher verschoben worden als verschwunden. Rolfes wird natürlich nicht die 17 Saisontore eines Ballacks machen. Dafür ist Helmes heute zuständig. Renato wird nicht das halbe Spielfeld umpflügen wie Schneider. Aber Kiesling und Vidal tun es. Ein Friedrich ist nicht der Typ, der mal eben das Spiel selbst in die Hand nimmt, wie Lucio. Aber ein Barnetta hat das Zeug dazu (auch wenn er es manchmal scheinbar verlegt hat). Die Kompetenzen haben sich verschoben – wenn man es genau betrachtet, haben sich die Kompetenzen sogar geordnet. Sie liegen nun dort, wo man sie erwartet. Die Verteidigung riegelt ab, die Abteilung Attacke attackiert. Und René Adler verhindert Tore, statt Elfmeter zu schießen.

Bayer 08/09 war eine gute, ambitionierte und talentierte Mannschaft. Keiner der Spieler muss sich vor Spielern der gleichen Position anderer Bundesligamannschaften verstecken. Das Team war harmonisch (Vielleicht sogar zu harmonisch, Herr Heynckes?). Das Team war aber eben auch berechenbar. Die seltenen Überraschungsmomente resultierten nur aus Instinktreaktionen einzelner Akteure, als zum Beispiel Helmes wie am 21. Spieltag die Fernsteuerung des Balles entdeckte oder Renato Augusto wie am 30. Spieltag anfing seine Beine zu verknoten. Ein Konzept – quasi berechnete Unberechenbarkeit – steckte nicht dahinter. Spätestens Ende der Hinrunde ist das den Bundesligamannschaften außerhalb Hoffenheims und Gladbachs aufgefallen und die spielerische Leichtigkeit hatte ein Ende.

Die Suche nach der Unberechenbarkeit hängt selbstverständlich auch mit der Suche nach einem Arschloch zusammen, nach jemandem der dazwischen haut, wenns sein muss. Denn dass die Castros, Rolfes und Kieslings eher der Traum einer jeden Schwiegermutter sind, wie die 11 Freunde in ihrem Saisonheft richtig feststellen, ist ja nichts Neues. Auch ein Vidal erinnert zur Zeit eher noch an einen Raufbold, als an einen Typen der Marke Nowotny, Ballack oder Kirsten.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf wundere ich mich, dass ich der neuen Saison so positiv gegenübertrete. Denn wir haben mit Hyypiä und Derdiyok mit Sicherheit Qualität, aber nicht unbedingt ein fußballerisches Kuriositätenkabinett verpflichtet.

Vielleicht stimmt es mich aber auch einfach nur zuversichtlich, dass mit Hyypiä wieder ein Hauch von 2002 in Leverkusen einkehrt.

¹Lustigerweise war das verlorene Spiel gegen Werder in jener Phase das einzige Spiel, dass nicht durch ein 0:1 aus Bayer-Sicht eingeleitet wurde.

Ich bin zwar noch nicht blass vor Neid…

…aber wie die Kölner dieses Jahr ihre Mannschaft aufstellen ist schon recht beeindruckend. Das hat Hand und Fuß. Problematische Abgänge sind quasi nicht existent, der Sturm gehört potenziell zu den besten der Liga, das Mittelfeld ist international erfahren und inzwischen zur Hälfte portugiesisch. Mit Podolski, Maniche und Freis wurde genau an den richtigen Ecken in Qualität investiert und mit Schorch ein hoffnungsvolles Talent für die Zukunft geholt (Obgleich letzterer gestern einen wenig geglückten Einstand gefeiert hat). Effzeh fasst das Ganze gut zusammen – nur in einem Punkt möchte ich widersprechen:

Lediglich 50 Gegentore musste der FC in der vergangenen Saison hinnehmen, ein ordentlicher Wert (zum Vergleich: Meister Wolfsburg kassierte 41 Gegentreffer).

50 Gegentore sind schon kein Pappenstiel (zum Vergleich: Absteiger Karlsruhe kassierte 54 Gegentreffer). Damit haben sie zwar immer noch weniger Treffer kassiert, als jeder Bundesligist, der am Ende der Saison hinter ihnen gelandet ist (und als Hannover 96 mit – vermutlich aus rein symbolischen Gründen – 69 Gegentreffern!), doch ein Kader der jetztigen Qualität sollte einen solchen Wert dennoch nicht mehr anpeilen.

Aber ansonsten: Chapeau! Man muss ja auch mal gönnen können.

Stand der Dinge

Wie bereits erwähnt, gibt es einiges aufzuarbeiten (denn seit spätestens heute ist dies hier ein Bayer04-Blog).

Der Coach…

…wird mir immer sympathischer. Wie die meisten war ich anfangs ziemlich skeptisch, als ich von Jupps Verpflichtung hörte. Mir sind nunmal hauptsächlich Gladbach und Schalke als letzte Stationen von Jupp Heynckes im Gedächtnis geblieben und weniger die paar Wochen bei den Bayern. Doch die Interviews, die man von ihm und über ihn hört, stimmen mich immer optimistischer. Aber ganz egal was man von Heynckes hält oder erwartet: Seine Verpflichtung war die einzige mögliche Antwort auf die Entwicklung der letzten Jahre. Endlich wieder ein Fußballlehrer der alten Schule. Einer, der Ruhe ins Team bringt. Einer, der die Euphorie des Umfelds in Grenzen hält, nur weil man gegen Leipzig 5:0 gewinnt. Einer, der dadurch auch den Spielern den Druck nimmt. Einer, der weiß, dass attraktiver Offensivfußball in Leverkusen zwar Tradition hat, ein ordentliches Umschalten auf die Defensive aber Grundvorraussetzung für Erfolg ist. Wenn in der nächsten Saison nicht das internationale Geschäft erreicht wird, dann liegt es nicht am Trainer. Woran es dann liegt, sollte jedem klar sein, doch schreiben werde ich es nicht, da ich es nicht wahrhaben will.

Die Zugänge…

…wissen zu gefallen. Allen voran Eren Derdiyok (21, FC Basel). Was ich bisher sehen durfte löst schon eine gewisse Begeisterung in mir aus. Er ist vermutlich nicht der 21-Tore-Stürmer, den wir nach dem Ausfall von Helmes sicher gebrauchen könnten. Doch mit einer (für einen Stürmer dieser Größe) feinen Technik und astreinem Kopfballspiel ausgestattet, scheint er sich perfekt ins Team zu integrieren. Im Gegensatz zu Helmes schießt er nicht aus allen Lagen, braucht dafür allerdings auch deutlich weniger Chancen für ein Tor.

Ebenfalls als treffsicher erweist sich bislang Fanis Gekas (29, Portsmouth, war verliehen). Ich dachte mir doch, dass er nicht alles verlernt haben kann. Wenn er sich damit abfinden kann nur Stürmer Nummer drei oder vier zu sein ist das natürlich wunderbar. Schade ist das ganze allerdings für Sukuta-Pasu, zumal er es in der bisherigen Vorbereitung nicht geschafft hat, sich aufzudrängen.

In der Defensiv-Abteilung hat sich ebenfalls einiges getan. Sami Hyypiä (35, FC Liverpool) ist natürlich der Startransfer überhaupt. Zusammen mit Stefan Reinartz (20, 1.FC Nürnberg, war ausgeliehen) soll er die Lücke schließen, die Henrique (planmäßig zurück zum FC Barcelona) und Haggui (zu Hannover 96) hinterlassen. Sami gibt sich bislang routiniert und kopfballstark. Außerdem hab ich das Gefühl, dass wir von dem Finnen nicht das gleiche Phlegma erwarten müssen, dass Roque Junior (als ebenfalls ein Spieler, der bereits alles erreicht hat) phasenweise in der Bundesliga an den Tag gelegt hat. Reinartz spielt sich zur Zeit insbesondere als Rolfes-Ersatz auf der 6er-Position in den Vordergrund und wird in höchsten Tönen gelobt. Wenn jener zum Bundesligastart wieder fit ist, wird sich Reinartz wohl dennoch zunächst auf der Bank wiederfinden müssen, da neben Hyypiä garantiert (und zu Recht meiner Meinung nach) Friedrich in der Innenverteidigung gesetzt sein wird. Ebenfalls interessant wird das Duell sein, dass sich Gonzalo Castro und Neuzugang Daniel Schwaab (20, SC Freiburg) auf der rechten Abwehrseite liefern werden. Gonzo ist selbstverständlich im Vorteil, auch weil er als Eigengewächs zu einer Rarität in der Bundesliga geworden ist. Beide kennen sich aus der U21, sind vor kurzem beide Europameister geworden. Während Andreas Beck (TSG Hoffenheim) dort allerdings die Position des rechten Außenverteidigers einnahm, rückte Castro ins Mittelfeld und erzielte von dort gar wichtige Tore (das 1:1 gegen England zum Einzug ins Halbfinale und das 1:0 gegen England im Finale). Schwaab kam indessen im Finale in der 69. Minute zu seinem Debüt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Schwaab den Konkurrenzkampf auf der rechten Seite ankurbeln wird.

Des Weiteren kehren mit Pierre de Wit und Assimiou Touré (beide 21, beide Vfl Osnabrück, waren beide ausgeliehen) zwei weitere Eigengewächse zurück. De Wit hat bislang noch mit seinem Kreuzbandriss zu kämpfen, wird, sobald er fit ist, jedoch eine Ergänzung im zentralen Mittelfeld darstellen. Touré wurde zur WM 2006 überraschend unter Otto Pfister togolesischer Nationalspieler, seit dem erwartete man teilweise Wunderdinge von ihm. Talentiert ist er und schnell ist er auch, wodurch er als brauchbare Alternative auf den Außenbahnen angesehen werden kann.

Des Weiteren erhalten Fabian Giefer (19, Leverkusen II) und der in der Vorbereitung groß aufspielende Burak Kaplan (19, Leverkusen U19) Profiverträge. Während Giefer sich als Torhüter selbstverständlich hinten anstellen muss, wird der ein oder andere Einsatz für Kaplan sicher drin sein.

Die Abgänge…

…sind kaum der Rede wert. Mensch, klingt das hart. Aber es entspricht der Wahrheit. Der Transfer von Henrique (22, FC Barcelona, war ausgeliehen) ist schade, war aber vorrauszusehen und unumgänglich. Ebenfalls zurück zum Absender gehts für Angelos Charisteas (29, 1. FC Nürnberg, war ausgeliehen). Obwohl er mir in seinen wenigen Joker-Einsätzen nicht so schlecht gefallen hat, ist der Abschied zu verschmerzen. Mit Karim Haggui (25, Hannover 96) bricht schon eher eine Säule weg – allerdings ebenfalls keine, die nicht zu ersetzen wäre. Constant Djakpa (22, Hannover 96, ist ausgeliehen), der talentierte Linksverteidiger wird in Hannover hoffentlich Erfahrung sammeln, denn an Kadlec führt zur Zeit kein Weg vorbei. Erik Domaschke (23) wechselt zum SV Wehen Wiesbaden, während die Wege des Vratislav Gresko (31) noch offen sind, so weit ich weiß. Dann wäre da noch Pirmin Schwegler (22, Eintracht Frankfurt). Ich ziehe nicht gerne über Ex-Spieler her und werde das auch hier nicht tun. Allerdings sind mir nicht viele Spieler in Erinnerung, die beim Bayer so wenig Eindruck hinterlassen haben (im Verhältnis zu den Erwartungen, die man an sie knüpft). Na ja, vielleicht schafft er unter Skibbe ja diesmal den Durchbruch, zu wünschen ist es ihm.

Die bisherige Vorbereitung…

…läuft doch eigentlich ganz prima. Wir sind bislang ungeschlagen gegen recht passable Gegner und haben sogar dieses komische Turnier da in Wattenscheid gewonnen. Phasenweise (in der ersten Hälfte gegen Istanbul beispielsweise) könnte man glatt meinen, dass man den guten alten Bayer04-Style wiederentdeckt hat. Die Jungs haben offensichtlich Spaß zusammen, der Trainer ist zufrieden, die Stimmung großartig. Alles wie immer also – das kann eigentlich nichts Gutes bedeuten.

Zur Zeit findet ein Trainingslager in Elztal statt, in dessen Rahmen der Kaiserstuhlcup ausgetragen wird. Gegner werden am 24.07., bzw. 25.07. der SC Freiburg und der Bahlinger SC sein. Endlich richtig los gehts dann am 31.07. im DFB-Pokal gegen den SV Babelsberg, selbstverständlich in Babelsberg.

Die Stammelf…

…bekommt in den nächsten Tagen noch ihren eigenen Artikel, denk ich mal.

Bernd Schneider…

…wird hier aus Prinzip nicht im Abschnitt der Abgänge genannt, da er seinen eigenen Abschnitt verdient hat. Ohne Zweifel ist es der herbste Verlust an Spielqualität und Charakter, den wir in den letzten Jahren hinnehmen mussten. Schnix war der Grundstein der Leverkusener Spielkultur. Der Initiator, der Vordenker, der Kapitän. Mit ihm verlässt ein ganz Großer die Fußballbühne, ohne auch nur einen namenhaften Titel gewonnen zu haben. Spielerisch hat es in der letzten Saison phasenweise auch ohne ihn funktioniert, dennoch bricht ein großer Brocken Identifikation weg. Und das so plötzlich. Wenn ich an das DFB-Pokalfinale denke und an den ganzen Block, der Schneider gefordert hat und an Bruno Labbadia, der trotz allem nicht mal mit der Wimper gezuckt hat, könnte ich kotzen. Das hätte ein würdiger Abschied werden können. Doch nun hoffen wir einfach, dass er das Abschiedsspiel bekommt, dass er verdient.

Der zweite erste Blogeintrag

Es ist vollbracht. 18 Tage vor der 47. Bundesligasaison meint dieser Blog endlich ein Thema gefunden zu haben, mit dem es sich beschäftigen möchte.

In Zukunft wird es hier um Sport im Allgemeinen und um Fußball, die Bundesliga und Bayer 04 Leverkusen im Speziellen gehen. Oder um Bayer 04 Leverkusen, die Bundesliga und Fußball im Speziellen und Sport im Allgemeinen. Oder um Sport und Fußball im Allgemeinen und um die Bundesliga und Bayer 04 Leverkusen im Speziellen.  Die Gewichtung ist offensichtlich noch etwas schwammig, aber die wird sich mit der Zeit sicher genauer abzeichnen.

Packen wirs an, es gibt einiges aufzuarbeiten.

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