2010 Juni | lauthals

Willkommen zu Hause

Ballack13TrikotEs ist wohl perfekt: Die 13 ist wieder dort, wo sie hingehört. Auch wenn es wohl letzte Details zu klären gibt, wird Michael Ballack in den nächsten zwei bis drei Tagen einen Vertrag bei Bayer 04 unterschreiben und somit bis 2012 das Kreuz auf der Brust tragen.

Wie kurzzeitig hier zu lesen war, haben auch die Aktionen der Fans einen Ausschlag für Michas Entscheidung gegeben. Mittlerweile ist die Seite allerdings wieder verschwunden und es ist nur ein Foto Ballacks dort zu sehen. Offenbar hat ein übereifriger Redakteur den Artikel zu schnell online gestellt. ;-) (EDIT: Der Text ist wieder da.)

Doch ich bin mir relativ sicher, dass die Sache in trockenen Tüchern ist. Wenn jetzt noch was passiert, ist da Hexerei im Spiel.

Zum ersten Mal überhaupt findet am kommenden Montag das Auftakttraining zur nächsten Saison in der BayArena statt.  Nicht nur der Ort, auch die Uhrzeit ist ungewöhnlich. Diese Information, die schon seit wenigen Tagen bekannt ist, nährte die Gerüchte, die in der Bayer04-Fangemeinde kursierten, dass der Wechsel noch bis zum Wochenende vollzogen werden würde. Schließlich wäre ein Auftakttraining abends in der BayArena, bei dem auch die weiteren Neuzugänge vorgestellt werden, die perfekte Bühne für Michael Ballack um sich zum ersten Mal wieder im Trikot der Werkself zu zeigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es tatsächlich so kommen wird.

Junge, Junge. Michael Ballack entscheidet sich gegen 3-4 Millionen Jahresgehalt, das er angeblich beim VfL Wolfsburg mehr verdient hätte. Es ist irrelevant, dass Ballack ohnehin schon ausgesorgt hat. Das muss man trotzdem erst mal schaffen. Danke Micha. Und danke Rudi Völler.

Leute, ich ich lass die Korken knallen.

Wenn ich jemand anderes wär’ – Teil 2: Bayer 04 Leverkusen

Also wenn ich Bayer Leverkusen wäre… dann würde ich mir feste auf die Schulter klopfen, angesichts der stabilen Situation, die sich mittlerweile nach dem Konsolidierungskurs ergeben hat. Natürlich, ich würde mir denken, die Jahre ohne internationalen Wettbewerb hätten nicht sein müssen. Vielleicht würde ich hier und da mit mir hadern, ob der ein oder andere risikoreiche Transfer womöglich doch die entscheidenden Punkte zu den Zusatzmillionen garantiert hätte. Ganz sicher wäre ich nicht mit all meinen Entscheidungen zufrieden.

Aber wenn ich mir ansehen würde, was unterm Strich dabei herausgekommen ist, dann wäre ich stolz auf mich. Aus einem Team, dem seit 2002 nach und nach die Stars ausgingen, einem Team, das im ersten Jahr nach dem Triple-Vize gar gegen den Abstieg kämpfte, wurde inzwischen mit Instinkt und Klugheit eine junge, durch deutsche Spieler geprägte und durch ausländische Spieler punktuell verstärkte Mannschaft geformt. Eine Mannschaft, die die Vorteile ihrer Jugend mitbringt und mittlerweile dennoch nicht mehr unerfahren ist. Eine Mannschaft, die den Eindruck erweckt, charakterlich so gefestigt zu sein, dass sie – zumindest im Großen und Ganzen – noch einige Jahre zusammen spielen und Titel gewinnen möchte.

Und wenn ich, der gesunde Verein Bayer 04 Leverkusen, jetzt feststellen würde, dass einer der verlorenen Söhne – oder halt: nicht bloß einer, nein, der verlorene Sohn – von 2002 wieder auf dem Markt ist und nicht abgeneigt zu sein scheint aus dem großen London zurück ins kleine Leverkusen zu wandern, dann würde ich meine Chance wittern. Dann würde ich mir Gedanken machen. Ich würde mir überlegen, ob ich die Zeiten der konservativen Finanzplanungen nicht wenigstens für ein Momentchen vergessen soll. Ich müsste mich natürlich fragen, wie das anspruchsvolle Gehalt eines Michael Ballack gestämmt werden könnte. Ich würde natürlich erkennen, dass meine Chancen auf die Champions League Qualifikation im nächsten Jahr signifikant steigen würden. Doch auf so einer schwammigen Theorie würde ich mich natürlich nicht einlassen. Aber im Hinterkopf, würde ich sie schon behalten. Ich wüsste natürlich auch, dass einige Einnahmen durch Trikotverkäufe zu erzielen wären. Jedoch  sind auch “einige Einnahmen” leider immer noch ein Witz, wenn man zehn Millionen Euro Gehalt für zwei Jahre gegenüberstellt.

Aber ich würde weiterüberlegen und hoffentlich schließlich verstehen, das der Wert eines Ballacks sich gar nicht unbedingt in ihm selbst manifestiert, sondern stattdessen in jener jungen, erfolgshungrigen Mannschaft, die ich die letzten Jahre aufgebaut habe. Soll heißen: Selbst, wenn ich durch die Leistungen des Michael Ballacks keine neuen Millionen erspielen würde, ist es sehr realistisch, dass ein Spieler wie er – der deutschen Sprache mächtig; im internationalen Geschäft eine große Nummer; ein Leader, wie er im Buche steht; das Symbol der Aufstiegsmöglichkeiten, die einen in Leverkusen erwarten – meine jungen Spieler (gerade im Mittelfeld und im Angriff, worauf ein Sami Hyypiä wenig bis keinen Einfluss nehmen kann) mitreißt und dadurch ihre Leistungsfähigkeit und somit auch ihren Marktwert in solchem Maße steigert, dass sich die Ausgaben für ihn auch finanziell rechtfertigen. Ich würde hoffentlich erkennen, was die Fans schon lange wissen: Dass Ballack für Leverkusen mehr wäre, als bloß eine weitere Verstärkung im Mittelfeld.

Wenn ich Bayer Leverkusen wäre, dann würden mir diese Gedanken zumindest mal so durch den Kopf gehen. Glaube ich.

Edit, 13:52 Uhr: Ach, ehe ich es vergesse, ein Klick hierhin kann natürlich nicht schaden.

Wenn ich jemand anderes wär’ – Teil 1: Michael Ballack

Liebe Leserinnen und Leser!
Es folgt Geschwafel in eigener Sache. Wen dies nicht interessiert, der möge bitte bitte zur Trennlinie unterhalb des dritten Absatzes scrollen und von dort aus weiterlesen. ;-)


Hach, weh mir! Als ich vorhin hier in meinen Blog schauen wollte um mal wieder einen Artikel zu verfassen, habe ich doch tatsächlich versucht “lauthals.de” in die Adresszeile einzugeben und wunderte mich ob des Anblicks, der mich traf. So lange war ich schon nicht mehr hier. Die Hochfrequenz-Bloggerei ist einfach nicht mein Fall, so scheint es. Doch manchmal, wenn auch selten, dachte ich mir in letzter Zeit “Mensch, zu diesem Thema müsstest du jetzt doch mal was loswerden” oder “Na, wenigstens zum Saisonausgang wirst du doch ein paar sentimentale und hoffnungsschöpfende Zeilen schreiben können”. Doch letztlich kam ich immer wieder zu dem Schluss, dass ich mir das auch schenken kann, wenn ich die regelmäßige Bloggerei ja doch nicht durchziehe. Ein Teufelskreis.

Doch heute muss ich mich hier einfach einem Thema widmen, das mich noch mehr fesselt als die derzeitige WM – und die fesselt mich schon gewaltig, das könnt ihr mir glauben. Dieses Thema fesselt mich so ungemein, dass ich bereit bin die Definition von “regelmäßig” (im Sinne von “regelmäßige Bloggerei”) auszuweiten, so dass ich zu dem Schluss komme, dass auch “alle zwei bis drei Monate” eine Regelmäßigkeit beschreibt. Demnach ergibt es sicher keinen Sinn für euch, jeden Tag hier auf die Seite zu schauen. Denjenigen, die mein Geschwafel aber dennoch interessiert, sei ein Feed-Reader ans Herz gelegt.

So viel dazu, ich neige offensichtlich dazu, in meinen wenigen Beiträgen zu häufig von mir, diesem Blog und dem Verhältnis zwischen mir und diesem Blog zu erzählen. Nervt, gä?


Ballack13Trikot

Wie dem auch sei: Das oben bereits angesprochene Thema, über das ich sprechen möchte, ist, wie sollte es auch anders sein, ein sehr Emotionales: Michael Ballack.

Was habe ich ihn doch verflucht in den ersten Monaten seit seinem Weggang aus Leverkusen? Wie sehr habe ich aus irrationaler, kindlicher Wut heraus versucht, seinen Abgang zu relativieren (“Der Abgang von Zé wiegt doch viel schlimmer.“)? Wie neidisch war ich auf die Bayern und auf Chelsea, die mit ihm und durch ihn zahlreiche Meisterschaften feiern durften, was uns stets vergönnt war? Wie oft habe ich diesen Neid vehement geleugnet? Doch wie sehr ist mir in den letzten Jahren klar geworden: Ich hätte wohl alles genau so gemacht, wie er es tat. Er hat die perfekte Fußballer-Karriere hingelegt und dazu bedarf es nicht unbedingt eines Champions League- oder Weltmeistertitels.

Ich hätte, wie gesagt, vermutlich genau so wie er gehandelt. Doch ich würde – das behaupte ich jetzt einfach mal in meiner Kleinstadt-Naivität – , in den letzten Jahren meiner Karriere auch an die Stätte zurückkehren wollen, die mich groß gemacht hat. Freilich wären daran einige Randbedingungen geknüpft: Ich würde gerne eine junge, hoffnungsvolle Mannschaft führen wollen. Ich würde die Chance sehen wollen, mit dieser Mannschaft mehr als nur zweite Plätze zu erreichen. Ich würde erwarten, dass das das realistische Ziel zur nächsten Saison mindestens die CL-Qualifikation ist. Ich würde über die sportlichen Bedigungen hinaus natürlich auch erwarten, dass meine Kinder mit einer guten schulischen Ausbildung rechnen können. Und, selbstredend, würde ich  – auch an der Stätte meines Herzens – nicht für lau arbeiten wollen.

Wenn diese Bedinungen erfüllt sein würden… dann würde sich in mir die Hoffnung regen, noch einmal etwas ganz Großes zu schaffen. Nicht mit einem FC Bayern oder einem FC Chelsea, in dem ich einer von vielen bin. Sondern in einer Mannschaft, die außerordentlich talentiert, aber noch immer unerfahren ist. Ich würde mich gegen fünf Millionen Jahresgehalt entscheiden. Gegen schönes Spanien-Wetter. Gegen den englischen London- und Manchester-Flair. Und, natürlich, gegen Plattdeutsch und Seniorenheim. Ich würde mich stattdessen für meine alte Heimat entscheiden. Für mein bekanntes und befreundetes Umfeld. Und für wenige, dafür aber treue, echte und mich aufopferungsvoll liebende Fans. Und den Ausschlag für diese Entscheidung hätte für mich vielleicht eine Kleinigkeit gegeben. Eine Kleinigkeit wie der Moment, in dem jene Fans im Abschiedsspiel von Bernd Schneider “Micha, komm zurück” skandierten.

Kurz gesagt: Ich würde mir Gedanken machen, bei welchen Fans ich mehr wäre, als “bloß eine weitere Verstärkung fürs Mittelfeld“.

Ja, so würde ich das machen, wenn ich Michael Ballack wäre. Glaube ich.

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