2010 August | lauthals

Verkehrte Welt: Bayer 04 – Borussia Mönchengladbach 3:6

Freuen wir uns: Dieses Jahr gibt es keine endlose Serie von Spielen ohne Niederlage, an deren Ende wir die Schande über uns ergehen lassen müssen, trotz allem nicht mehr als den vierten Platz erreicht zu haben. Ihr merkt schon, mein Glas ist meistens halbvoll.

Ich bin mit einem guten Gefühl ins Stadion gegangen. Wie könnte es auch anders sein? Nie kann man drei Punkte fester einplanen als gegen Gladbach. 4:0 war mein Tipp. Kann auch 5:0 ausgehen. Vielleicht wirds auch nur ein 2:0. Aber ne Null steht hinten am Ende definitiv. So viel zur Theorie, das Ende ist bekannt.

In den ersten Minuten lief es auch ganz gut, obgleich eine gewisse Lässigkeit zu Erkennen war. Konnte ich der Mannschaft gar nicht übel nehmen, der Gegner war schließlich Gladbach. Irgendwann wird das erste Tor schon fallen. Das einzige, was mich richtig genervt hat war dieser Herrmann im rechten Mittelfeld. Vielleicht war das, was mich genervt hat aber auch unsere linke Defensiv-Seite. Ansichtssache. Fakt ist: Ein ums andere mal gelang es Herrmann mit einem steilen Pass, meist auf Idrissou, unsere Abwehr zu entblößen. Häufig musste Sami Hyypiä dort aushelfen, da Kadlec sich bereits in der Offensive düpieren ließ. Leider Gottes konnte man in diesen Szenen gestern schon erkennen, dass Hyypiä keine 25 mehr ist. Meistens war er einen Schritt zu spät wodurch regelmäßig der Strafraum brannte.

Letzten Endes war es jener Herrmann, der nach einem Weltklasse-Patzer von Arturo Vidal zur Stelle war und das 1:0 für die Gäste markierte.

“Passiert”, dachte ich mir, ein blindes Huhn findet schließlich auch mal ein Korn. Der Ausgleich konnte nur eine Frage der Zeit sein. Diese Prognose war die einzige, die mir am gestrigen Abend zuverlässig gelang. Nach Castros Flanke aus dem Halbfeld macht Derdiyok das, was er am besten kann: Humorlos einköpfen.

Dass der Bayer-Express nun warmlaufen würde, war allerdings ein Fehlschluss.

Bayer spielte gestern quasi ohne Innenverteidigung. Ein zusätzliches Problem war, dass man sich nicht sicher sein konnte, ob mit Friedrich und Vida noch eine echte Innenverteidigung auf der Bank saß. Ob es so war, werden wir nie herausfinden – Hyypiä und Reinartz durften mussten bis zum Ende durchspielen. Wenn dann noch der Torwart patzt (der ansonsten sehr gute Szenen hatte) ist das eine ganz unglückliche Konstellation. Das 1:2 fiel nach einem flachen Fernschuss, den Adler nicht festhalten konnte und dadurch Brouwers Tür und Tor öffnete.

Es ergibt keinen Sinn, den restlichen Spielverlauf im Detail zu erklären. Man nehme das bisherige Resultat und multipliziere es mit Drei, da kann man nicht viel falsch machen. Es ist nicht so, dass Bayer sich aufgab. Das war wirklich nie der Fall – auch nach dem 2:6 nicht. Doch die Tore schossen letztendlich meistens die Gladbacher. Dies lässt als einzigen Schluss zu, dass das Training der Gladbacher unter der Woche relativ eintönig aussah: Torschusstraining, Torschusstraining, Torschusstraining. Selten habe ich Bälle so zielstrebig gen Winkel fliegen sehen, wie gestern.

Ebenso bin ich nach einer Niederlage selten so gleichgültig nach Hause gefahren. Ein Sieg war einfach nicht drin. Gladbach hat verdient gewonnen. Bayer hat weder clever, noch gut, noch sicher gespielt. Aber die Mannschaft hat von Anfang bis Ende alles versucht und sich nie aufgegeben, was will ich als Fan mehr? Die Entschlossenheit, mit der Vidal sich nach dem 2:4 (58.Minute) und dem 3:6 (70.) noch den Ball geschnappt hat und Richtung Mittelpunkt gelaufen ist, war schon beeindruckend. Wenn ich das richtig sehe, sah das gestern auch der Großteil des restlichen Blocks so. Vielleicht ist diese Niederlage zu dieser Zeit gar nicht so verkehrt. Ein zweites Mal wird das nicht passieren. Hut ab, Gladbach! Mund abwischen und weitermachen, Leverkusen.

Hier! regiert! der S-V-B!: Borussia Dortmund – Bayer 04 0:2

Selten war die Auswährtsfahrt in eine doch recht nahe Stadt (ich komme aus der Aachener Ecke) so anstrengend. Geschlagene zehn Stunden waren wir letztlich unterwegs, für einen Trip, der planmäßig sechs einhalb Stunden dauern sollte. Spielzeit allerdings inklusive. Schuld daran waren diverse gehäufte Ausfälle der Deutschen Bahn. Gut, dass wir reichlich Zeitpuffer eingeplant hatten.

Aber hey: Es hat sich gelohnt.

Michael Ballack schnupperte seit einer halben Ewigkeit wieder Bundesligaluft. Um ihm den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten, lief die Werkself ausnahmsweise im Chelsea-Trikot auf. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass er schon ziemlich bald gemerkt hat, dass die Mannschaft in der er da spielt, nicht Chelsea sein kann. Dafür wurde vorne zu viel gezaubert und hinten zu sehr gewackelt.

Im Vordergrund standen heute allerdings andere, nicht Michael Ballack. Es ist schwierig einen Spieler des Spiels zu bestimmen, doch was Arturo Vidal, Gonzalo Castro und Renato Augusto vor beiden Treffern gezeigt haben, war schon erste Sahne. Gerade von Gonzo kam im Rest des Spieles nicht viel, doch die Aktion vor dem 1:0 tröstet über vieles hinweg. Vidal und Renato hingegen waren stehts gefährlich, präsent und trickreich. So wird Fußball gespielt. Sagte ich eigentlich bereits, dass es DIE Saison von Renato werden wird?

In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, doch das war auch nicht nötig. Dortmund spielte optisch überlegen, erarbeitete sich aber kaum zwingende Chancen. Ist natürlich aber auch nicht einfach, wenn der Gegner hinten drin einen blonden, beweglichen Leuchtturm beschäftigt und hinter diesem noch immer ein René Adler in Topform steht.

Würde ich jetzt schreiben, dass der Block 90 Minuten lang vor Heiterkeit tobte, würde mir das hier ja eh wieder keiner abnehmen. Dennoch war es so. Es hat Spaß gemacht. Danke für die 15 Minuten “Bayer Leverkusen .. von 19hundert4″, hoffentlich finde ich davon irgendwann eine Aufnahme im Netz. So stelle ich mir Support vor. Da kann die schwarzgelbe Wand von gegenüber noch so vielzählig sein. Bei einem 2:0 ist es natürlich nicht schwierig, ausgelassen zu sein, aber dadurch macht es ja nicht weniger Spaß.

Als nächstes, das bedeutet Donnerstag, fliegt die Mannschaft in ein Trainingslager in die Ukraine, um drei Tage später gut erholt der anderen Borussia ebenfalls den Hintern zu versohlen. Ich freu mich.

Katsche kanns noch: Bayer 04 – Simferopol 3:0

Seit gestern Abend hat Europa uns endlich wieder. Und dazu, dass das auch noch einige Wochen so bleiben wird, wurde gestern der Grundstein gelegt.

Ein gutes Spiel war es nicht, weder von der einen noch von der anderen Seite – wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was “gutes Spiel” bei Simferopol bedeutet. Von Leverkusener Seite hat es letztlich gereicht, schlussendlich war der Sieg angesichts fehlender Chancen des Gegners auch in der Höhe nicht unverdient, wenn auch in der Entstehung vielleicht etwas glücklich.

Technisch war das alles teilweise sehr fein anzusehen, insbesondere von Renato Augusto. Leute, ich sach euch: Das wird seine Saison. Mutig, spritzig, überraschend, intelligent. Zugegebenermaßen hat er bzw. sein Glück im Laufe der zweiten Halbzeit etwas nachgelassen, doch die Ansätze, die er schon jetzt wieder zeigt, sind mehr als vielversprechend.

Ungewohnt selbstbewusst agierte auch Daniel Schwaab, der von dem Spielwitz  Renatos Inspiration zu schöpfen scheint. Blinde Flanken aus dem Halbfeld sind mir von gestern nicht in Erinnerung, wohl aber die ein oder andere Situation, in der er sich im Zusammenspiel mit Renato gegen ein oder zwei Gegner durchzusetzen versucht. Die auffälligste Szene von ihm war sicher der Zweikampf an der gegnerischen Torauslinie vor seinem Pass auf Michael Ballack zu dessen ersten Torchance. Nach hinten agierte Schwaab allerdings etwas fahrlässig. Mehr als einmal stand er hinten rechts so weit weg vom Mann, dass man auf den ersten Blick nicht mal erkennen konnte, dass er dafür zuständig gewesen sein könnte. Ein Glück, dass Simferopol seine Konter nie konsequent ausspielte.

Auf der anderen Seite zeigte Katsche, wieso er 2008/2009 bei uns zum Publikumsliebling aufstieg. Hinten sicher und vorne mit Übersicht und Gewalt. Bravo.

Ansonsten fiel positiv auf, dass es Barnetta gut zu tun scheint, dass Sidney Sam auf seiner Position Druck macht, obgleich dieser gestern unauffällig war und zumeist glücklos wirkte. Außerdem hat Michael Ballack offensichtlich nichts verlernt, seit er uns verlassen hat. Hätte sein Linksschuss aus der Ferne den Kasten getroffen, hätte Leverkusen Kopf gestanden. Geht es nur mir so, oder habt ihr auch das Gefühl, dass einfach nichts Schlechtes passieren kann, wenn der Mann am Ball ist? Solche Spieler gibt es ja, in Leverkusen ist mir so einer jedoch lange nicht mehr aufgefallen. Der Letzte war Berbatov. Für einige Monate hatte ich dieses Gefühl auch mal bei Franca. Davor fällt mir nur noch Micha selbst ein. Und nein, Schnix habe ich nicht vergessen. Doch diesen “Zauber” versprühte er nicht. Er hatte andere Qualitäten.

So positiv sich dieser Bericht jetzt auch liest, ich habe hier wirklich nur die Glanzpunkte herausgepickt. Über den nicht genannten negativen Punkten schwebt indes  ein einziger Grund, aus dem diese Punkte resultieren: Phlegma. Man führt nach der ersten Minute 1:0 und geht davon aus, das Spiel von nun an im Vorbeigehen 4 oder 5:0 nach Hause zu bringen. So läuft das natürlich nicht. Aber das wird der Jupp den Jungs schon klarmachen. Fraglich ist lediglich, ob das so einfach ist, ob der deutlichen Ergebnisse, die bislang eingefahren wurden.

Sonntag geht es also zum BVB nach Dortmund. Für mich war das Ordern eines Tickets für dieses Spiel natürlich Pflicht. Für viele anderen scheint das anders auszusehen, demnach gibt es noch einige wenige Tickets für die Gästeblöcke an der Stadionkasse. Ich hoffe doch, dass sich reichlich Kurzentschlossene finden, um den SVB im vermutlich ersten Bundesligaspiel der Saison zu unterstützen. (Update: Das vermutlich kann ich streichen. Der Satz sollte erst anders enden ;-) Ich bin mir hingegen relativ sicher, dass am Sonntag definitiv das erste Bundesligaspiel der neuen Saison von Bayer 04 stattfinden wird.)

Wie ich Fußball gucke

Ich habe eigentlich keinen Schimmer von Fußball. Böse Zungen werden diesen Satz zitieren und entgegnen, dass dies der Grund sei, aus dem ich Leverkusen-Fan bin. Aber so meine ich das nicht. Ich meine das ungefähr so, wie Maricius von Hamburg Schwarz-Gelb es vor geraumer Zeit beschrieben hat. Bei mir ist es zugegebenermaßen nicht ganz so extrem, wie er es schildert. Aber was jetzt genau passiert, wenn Kießling als hängende Spitze spielt, statt als echte, also, welche taktischen Auswirkungen das hat, das weiß ich nicht. Klar, Kies spielt dann etwas weiter hinten, kommt dadurch schneller an die Bälle oder “holt sie sich gar selbst aus dem Mittelfeld”™. Dafür fehlt er dann möglicherweise vorne. Logisch. Aber wodurch diese hängende Spitze ihren Namen verdient, ist mir ein Rätsel.

Für mich ist das alles einfach nur der “Sturm”. Und der “Sturm-Bereich” (das ist jetzt kein Fachausdruck, ich weiß), das ist irgendwie ein vielleicht 700-800m² (das kommt einem jetzt verdammt groß vor, nech?)  großes Areal irgendwo am gegnerischen Strafraum bis knapp davor. Ob die Stürmer da jetzt nach rechts, links, hinten oder vorne laufen, springen, einen Handstand machen oder sich verbuddeln, interessiert mich nicht. Oder na ja: interessieren tut es mich vielleicht schon, aber ich bekomme es nicht mit. Ich sehe natürlich – in der Zeitlupe, vielleicht auch erst in der zweiten -, wenn der Depp¹ mal wieder den “Freien Raum”™ übersehen hat, aus welchem er ganz bequem den Ball hätte annehmen und in einer Manier hätte abschließen können, derer selbst ich fähig gewesen wäre – also unplatziert, lasch und mit einer unvorhersehbaren Höhe. Aber das hat ja rein gar nichts mit taktischem Verständnis zu tun.

Um den Bogen zurück zur hängenden Spitze zu schlagen: Wenn der Stürmer der Meinung ist, er bekommt zu wenig Bälle, dann soll er sich halt etwas zurückfallen lassen. Meinetwegen darf er sich – oder der Trainer ihn – dann auch hängende Spitze nennen. Warum er dann Sekunden später, nachdem er den erarbeiteten Ball auf die verbliebene(n) Sturmspitze gepasst hat und folgerichtig (oder nicht?) mit ins Sturmzentrum gelaufen ist, immer noch eine hängende Spitze sein soll ist mir schleierhaft. Oder ist er das dann nicht mehr?

Wem noch immer nicht klar geworden ist, was ich meine, wenn ich sage, dass ich keinen Schimmer von Fußball habe – vielleicht weil ich bisher rein zufällig eine professionelle und präzise Beschreibung der taktischen Position “hängende Spitze” geliefert habe -, dem sei es an einem weiteren Beispiel erläutert.

Michael Ballack soll bei uns künftig wieder offensiver spielen, als er es zuletzt bei Chelsea tat. Ob das heißt, dass wir von nun an mit Raute spielen und Ballack als ZM oder OM agiert, oder ob er als DM genau so spielen soll wie sein Nebenmann, bloß etwas offensiver (ich tippe ja auf Letzteres), das weiß ich nicht. Und was der genaue Unterschied wäre, weiß ich auch nicht. Das bedeutet nicht, dass ich keine Taktiktafel von erwähnten Varianten zeichnen könnte. Es bedeutet nur, dass ich, wenn ich so eine Tafel anfertigen würde, nicht wüsste, was ich da eigentlich tue. Das wäre dann nicht ganz so, als würde ich jetzt aus einer göttlichen Eingebung heraus anfangen arabisch zu schreiben, aber es wäre so, als würde ich anfangen, Französisch zu schreiben. Von Zweiterem sind aus der Schule immerhin ein paar Brocken übrig geblieben. Mais ce n’ est pas beaucoup. Oder so ähnlich.

Worauf ich hinaus will: Sowas wie das hier, das hier oder jenes von nebenan¹, das bekomme ich nicht hin. Nicht nur, dass ich Spiele nicht selbst so analysieren könnte – es ist sogar so, dass ich nach der Lektüre solcher Analysen nicht zuverlässig sagen könnte, ob es stimmt, was da steht oder nicht. Ich finde es trotzdem beeindruckend, wie jemand auf solche Weise Fußball gucken kann, obwohl er es nicht muss, da er weder Trainer noch Kommentator ist. Da steckt keine Ironie, keine Häme, kein Sarkasmus in meinen Worten:  Ich würde das auch gerne können und bin ein bisschen neidisch auf diese Fähigkeit. Es gibt Texte – da bereue ich es, sie nicht gebookmarked zu haben -, die lesen sich, als würde ein Weinkenner über einen guten (oder einen schlechten) Wein schreiben. Ich verstehe das dann zwar nicht alles, aber es fasziniert mich.

Ich habe das schon unzählige Male versucht. Immer wieder nehme ich mir vor, ein Spiel nicht nur zu sehen (und, nicht zu vergessen, zu genießen), sondern auch zu studieren. Ich will darauf achten, welcher Spieler in welcher Situation zu welchem anderen Spieler passt. Welcher Spieler wann seine Position offensiver oder defensiver interpretiert als zu Beginn des Spiels. Das funktioniert auch meistens ganz ordentlich. Für fünf Minuten. Irgendwann ist das weg, meistens ergreift mich das Spiel dann, insbesondere, versteht sich, wenn ich im Stadion bin. Spätestens die erste Torchance vernichtet meine Konzentration aber endgültig. Es ist – man entschuldige mir mein vielleicht überflüssiges Pathos – ein bisschen wie mit der Liebe. Am Anfang beschließt man womöglich rational und überlegt zu handeln, das hat schließlich immer seine Vorteile. Doch diese Vorsätze kann man normalerweise alsbald über den Haufen werfen, da die Sinne den Verstand über kurz oder lang erbarmungslos niederstrecken.

Wenn ich in der Halbzeit gefragt werde, wie das Spiel aus meiner Sicht bislang verlaufen ist, dann kann ich sagen wie gut oder wie beschissen es war. Die Analyse, dass die Hornochsen mal wieder zu viele hohe Pässe geschlagen haben, als man eher hätte flach spielen sollen, krieg ich auch noch hin. Aber mehr ist nicht drin. Wenn die ersten 45 Minuten eher ausgeglichen waren und sowohl der SVB als auch der Gegner drei “Hundertprozentige Chancen”™ generierten, habe ich zum Pausentee die Hälfte davon schon wieder vergessen. Die des Gegners versteht sich.

Was Fußball im Allgemeinen und Bayer 04 im Speziellen angeht, da kann ich weder fachlich, noch sachlich, noch objektiv bleiben. Es funktioniert einfach nicht.

¹ Um Missverständnissen zu vorzubeugen: damit ist nicht unbedingt oben genannter Kießling gemeint.

² Bis auf den letzten Link, welcher mir ein wenig die Inspiration für diese Zeilen lieferte (Danke, Stefan ;-) ), sind die Artikel relativ willkürlich ergoogelt. Es gibt, nicht zuletzt bei der Taktikbesprechung, natürlich noch unzählige solcher Art.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal: FK Pirmasens – Bayer 04 1:11

Eigentlich wollte ich gar nichts zu diesem Spiel schreiben. Zu den anderen Testspielen habe ich schließlich auch nichts weiter geschrieben. Aber irgendwie ist die Saison gestern ja tatsächlich offiziell gestartet, demnach muss ich das hier natürlich würdigen.

Die Mannschaft, so viel steht fest, hat den Saisonstart zu würdigen gewusst. Das war keine Glanztat, schon gar nicht in der ersten Hälfte. Es war ein Kantersieg gegen einen Fünftligisten, nichts weiter. Und dennoch muss man ein solches Spiel erstmal in solcher Konsequenz spielen.  Ich habe keine Geschichtsbücher zur Hand, aber so weit ich mich entsinne, entstehen solche Ergebnisse auch in der ersten Pokalrunde nicht sehr häufig.

Ich muss zugeben: ich konnte die ersten 35 Minuten nicht sehen, habe es später auch nicht mehr geschafft mir die Zusammenfassung anzugucken und habe auch vom restlichen Spiel nur die Konferenzschaltung gesehen. Angeblich (und an diesen Angaben zweifel ich im Geringsten) standen wir in der ersten halben Stunde häufig recht wacklig hinten drin. Das zeigt allerdings doch nur, dass auch Bayer Leverkusen nur mit Wasser kocht. Das ist natürlich für jeden eine faustdicke Überraschung. Im ersten Saisonspiel, noch dazu gegen einen Gegner, gegen den – bei allem Respekt für den FKP – kein Bundesligaspieler problemlos 100% seines Potenzials abrufen könnte, darf so etwas mal passieren. Vorraussetzung ist natürlich, dass man sich im Laufe des Spieles am Riemen reißt und zeigt, wo der Kapitän der Nationalmannschaft spielt Hammer hängt. Indem die Konferenzschaltung quasi in eine Liveübertragung von FK Pirmasens gegen Bayer 04 verwandelt wurde, wurde dies auch bravourös bewerkstelligt.

Wenn man diesem Spiel wirklich unbedingt eine Bewertung geben möchte, darf diese nur positiv ausfallen. In erster Linie würde es mich freuen, dass insbesondere die drei Stürmer gezeigt haben, dass sie wissen, wo die Kiste steht und dass Renato Augusto seine Spielfreude nicht verloren hat. Und eins steht fest: Wir haben unsere Chancen schon schlechter genutzt.

Ich möchte diesen Artikel weder als Schönrederei noch als Euphoriebremse verstanden wissen. Dieser Artikel hat lediglich den Anspruch die gleiche Wichtigkeit und Aussagekraft zu besitzen wie das Testspiel von gestern: Gar keine.

Die Bilanz der Bundesligasaison 2010/2011 in Zahlen

Verlasst euch auf mein Gefühl:

  • Tore/Vorlagen von Patrick Helmes: 24/2
  • Tore/Vorlagen von Stefan Kießling: 14/8
  • Tore/Vorlagen von Eren Derdiyok: 6/3
  • Einsätze von Nicolai Jørgensen: 8
  • Einsätze/Scorerpunkte von Burak Kaplan: 4/4
  • Gelbe/Gelb-Rote/Rote Karten von Arturo Vidal: 22/1/0
  • Marktwertanstieg von Sidney Sam: 3.500.000 €
  • Einsätze von Beginn an von Hanno Balitsch: 1
  • Kopfballtore von Michael Ballack: 3
  • Erarbeitete Elfmeter von Renato Augusto: 2
  • Fragwürdige Gerüchte um Anfragen aus England für Tranquillo Barnetta: 4
  • Einsätze von Simon Rolfes: 22
  • Häufigkeit, mit der Gonzalo Castro beim kicker in der Elf des Tages auftaucht: 7
  • Einsätze/Verursachte Elfmeter von Domagoij Vida: 7/2
  • Einsätze von Manuel Friedrich mit Kapitänsbinde: 8
  • Spieltag an dem Sami Hyypiä sein erstes Bundesligator 2010/2011 erzielt: 34
  • Ernstzunehmende Gerüchte für Stefan Reinartz: 4
  • Gegentore gegen René Adler: 34
http://transfermarkt.de/de/sidney-sam/profil/spieler_39102.html

Das BayArena Magazin zur neuen Saison

BayArena Magazin zur Saison 2010/11Letzte Woche ist es angekommen und während meines Urlaubs in den vergangenen sechs Tagen konnte ich es durchblättern: Unser Propagandablättchen zur neuen Saison. Wie immer ist es aufregend dick, bis zum Rand gefüllt mit viel Un- und ein bisschen Kaum-Information sowie Statistiken, die man auf gefühlt jeder vierten Webseite, die sich mit Fußball befasst, finden kann. Wirklich schön hingegen, und das fällt mir wirklich erst jetzt beim Tippen dieser wirren Zeilen auf, ist die Übersicht aller aktuellen und ehemaligen Bundesligaspieler vom Bayer (Ich weiß gar nicht mehr, ob es das zur letzten Saison auch schon gab). Das ist immerhin schon mal ein Grund, das Heft nicht wegzuschmeißen.

Und sonst… hach ja… man lässt sich als Fan des SVB ja gerne mal fallen in die Leichtigkeit der Illusion, dass Bayer 04 in allen Belangen der geilste… nein, falsch, bei uns – also der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH – heißt es meistens “der professionellste” oder, ach, was weiß ich, halt der irgendwie beste Fußballverein der Welt ist. Oder nein, das ist immer noch nicht ganz richtig. Natürlich nicht in allen Belangen. Sportlich zum Beispiel. Da ist nämlich Platz Eins für die Bayern reserviert. Also in der Bundesliga. Aus der EL winken hingegen Man City und Liverpool und so. Dafür haben wir aber die schönsten Trikots, das hübscheste Stadion, den spektakulärsten Transfer und benötigen für einen Support, der sich anhört “als wären 10.000 Fans hinter dir” (Zitat von Paffi) die wenigsten Fans. Und die beste Fan-Kampagne haben wir auch gestartet. Also die Werkself-Geschichte. Ich frage mich gerade, wie es sich für mich anfühlt, wenn so offen und ehrlich gesagt wird, dass eine Kampagne eine Kampagne ist. Natürlich weiß ich, dass es so ist, aber dennoch wird das kleine Stück Romantik, an das man im Zusammenhang mit dem neuen “Eure-’Ihr-werdet-nie-deutscher-Meister-Gesänge’-sind-uns-scheißegal”-Image geglaubt hat, in der Luft zerrissen. Oder nicht?

Es ist nur ein Saison-Heft, ausdrücklich ohne überparteiliche Ansprüche, worüber rege ich mich also auf? Wenigstens habe ich jetzt endlich mal ein Mannschaftsfoto in einer brauchbaren Auflösung (man vergleiche hier), auf dem man die Spieler also auch mal erkennen kann.

Ach Saison, ey. Fang doch bitte einfach endlich an.

WordPress Themes