2011 August | lauthals

Robin Dutt

Eine ausführliche und anschauliche Analyse des Werdegangs und der Spielphilosophie Robin Dutts liefert uns “TE” von spielverlagerung.de:

Mit seinem neuen Verein Bayer Leverkusen hat er nach wenigen Spieltagen bereits eine ganze Handvoll Probleme. Als neutraler Beobachter sollte man jedoch verstehen, dass Dutts Idee vom Fußball eine gewisse Zeit braucht, bis sie bei einem Verein hundertprozentig funktionieren kann – ballbesitzorientierter Fußball ist immer schwerer zu vermitteln als eine Kontertaktik aus einer sattelfesten Defensive. Die Fans sollten ihm Zeit geben, seine Idee vom Spiel zu entwickeln.

Zum vollständigen Artikel, den ich wärmstens empfehlen möchte, bitte hier entlang.

Von Schulhöfen und Coladosen

Ich habe gestern geträumt, ich würde Fußball spielen. Also nicht in einem großen Stadion und von Tausenden umjubelt und vom Blitzlichtgewitter halbblind werdend, das meine ich gar nicht. Nein, ich träumte, ich wäre wieder auf dem Schulhof und würde dort kicken. Mit den Jungens.

Der kleine Platz war ja mein zu Hause. Damit meine ich nicht, dass ich bei jeder Gelegenheit dort gespielt hätte, ich war da eher zurückhaltend. Als Zuschauer geboren, möchte man meinen. “Besser gut geschaut als schlecht gespielt”, so oder so ähnlich kommentierte das mal ein Freund von mir. Aber um zurückzukommen: Was ich meine ist, wie gesagt, nicht, dass ich bei jeder Gelegenheit dort gespielt hätte, sondern, dass, wenn ich gespielt habe, ich nur auf dem kleinen Platz gut war. Fünf gegen fünf, besser noch vier gegen vier. Sobald es in die Turnhalle zum Sportunterricht ging war es vorbei mit der Herrlichkeit. Da musste ich dann im Tor stehen, weil die, die nichts auf die Reihe kriegen, immer im Tor stehen müssen in der Schule. Was seltsam ist, da ich auch dort nur äußerst selten glänzen konnte. Ich habe, das ist jetzt kein Scherz, sogar mal den Piplica gemacht. Das waren noch Zeiten.

Und dann gab es ja, nach der Schule, auch noch größere Plätze als die Turnhalle, so richtig mit Rasen, nicht nur, aber auch, und da musste man ja schon wirklich schreien, wenn man einem Teamkollegen auf der anderen Seite des Platzes Kommandos geben wollte. Oder, was meinem Fall häufiger entsprach, man musste sehr, sehr genau hinhören, wenn man sie empfangen musste. Da stand ich dann, nebenbei erwähnt, auch nicht mehr im Tor, denn in ein so großes Tor konnte man mich schließlich dann doch nicht stellen. Bei den kleinen Toren in der Halle bestand immerhin noch die Möglichkeit, dass ich regelmäßig durch Abgeschossenwerden den ein oder anderen Gegentreffer verhinderte, bei den großen Toren sank diese Wahrscheinlichkeit nachvollziehbarerweise immens. Ich spielte dann meistens den rechten Verteidiger. Ein bisschen wie Gonzalo Castro, sah ich meine Stärken doch auch eher in der Offensive. Verschenkt war ich da, sollte man meinen. Tat aber niemand.

Na ja, nach dem Spiel ist vor dem Spiel, sagt man ja so, und meistens hat man ja auch Recht damit. Und manchmal war das nächste Spiel dann doch wieder auf dem Schulhof, in irgendeiner Nische, fünf gegen fünf, besser noch vier gegen vier. Da stand dann ohnehin jeder mal im Tor, also nicht nur ich. Und wenn ich dann mal drin stand, hatte ich nicht mit Piplicabällen zu kämpfen, da, erstens, Schüsse oberhalb der 30-Zentimeter-Marke schon übers Tor (lies: eine Art Bordstein) geflogen sind und, zweitens, Coladosen generell eher selten in solchen Höhenlagen anzutreffen sind. Und wenn ich auf dem Feld stand, konnte ich hier und da tatsächlich brillieren, auch wenn das nie jemand erwartete. Vielleicht lag das daran, dass eine meiner Stärken zwar schon immer das Laufen großer Distanzen war, während es aber gleichzeit eine meiner Schwächen war, eine ebensolche Leistung auch auszuhalten. Auf dem kleinen Platz kam ich gar nicht erst auf die Idee viel zu laufen, also war ich auch nicht zu müde mich auf meine überragende Technik zu konzentrieren.

Jedenfalls – eigentlich wollte ich ja gar nicht so weit abschweifen – ist nach dem Spiel vor dem Spiel, aber nicht immer, sondern eben nur meistens. Was mich betrifft, so ist die Zeit nach dem letzten Spiel momentan schon ziemlich ausgedehnt und wie ich gestern so träumte, von Schulhöfen und von Coladosen, bekam ich wohl Lust die weitere Zeit vor dem nächsten Spiel etwas zu verkürzen. Ich müsste mal wieder telefonieren und mich erkundigen, ob denn jemand Lust hätte, mit einem Gonzalo Castro oder meinetwegen auch nur mit einem Tomislav Piplica, mir doch egal, einen der ruhmreichen Bolzplätze unsicher zu machen.

Auf Dauer nur davon zu träumen, wie man Fußball spielt, ist schließlich auch nichts. Zumal ich mit einem schmerzenden Fuß aufwachen musste, nachdem ich, überzeugt davon, den Ball in die Maschen zu hämmern, gegen die Wand neben meinem Bett getreten hatte. Früher, auf dem kleinen Platz, wäre mir so etwas sicher nicht passiert.

lauthals twittert dann mal.

Jetzt ist auch wirklich das allerletzte Blog Deutschlands bei Twitter. Wurde ja Zeit.

Wer also mag, findet mich hier: @lauthals_blog

(Da ist @lauthals schon vergeben. Hat man dafür Worte?)

Wir müssen uns mal unterhalten.

Es ist ein Uhr. Nachts. Also, zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel veröffentlichen werde sicher schon längst nicht mehr, doch als ich anfing ihn zu schreiben, da war es ein Uhr. Nachts ¹. Ich kann nicht schlafen. Bis eben wälzte ich mich noch im Bett umher. Wie so häufig, wenn es ein Uhr Nachts ist, war es zwei Stunden zuvor noch 23 Uhr. Da las ich diesen offenen Brief an Dietmar Hopp. Von schwatzgelb.de, diesen hier. Und der lässt mir keine Ruhe.

In Ihrem (Dietmar Hopps, Anmerkung der zehnfingrigen lauthals.de-Redaktion) Falle ist es doch aber so, dass Fans aller Vereine, außer vermutlich Leverkusen, Wolfsburg und RB Leipzig, das Projekt Hoffenheim konsequent ablehnen. Diese Ablehnung betrifft aber in ähnlichem oder gleichem Maße Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und ganz besonders RB Leipzig.

Nun, dies wird mein Aufhänger für diesen Artikel sein. Ich möchte zwar schon lange über dieses Thema schreiben, doch es gab verschiedene Gründe, warum ich es nicht getan habe.

Zunächst wurde darüber schon gefühlte, na komm, ich sags, mir fällt ohnehin keine bessere Zahl ein, also: gefühlte 1904 Mal über dieses Thema gesprochen. Allerdings: Dieses Blog hat dieses Thema bislang höchstens touchiert und fußnotiert. Das letzte Mal ist gar nicht so lange her. Nun, so ist das Ziel, wird es also endlich einen Grundsatzartikel an dieser Stelle geben. Einen, auf den ich vielleicht bei zukünftigen Diskussionen einfach mal verlinken kann, damit es mich keine oder zumindest nur noch weniger Nerven kostet.

Ein weiterer Grund ist, dass ich darüber eigentlich gar nicht jammern möchte. Et es wie et es. Nachher heißt es bloß: “Sieh mal, diese Bayer-Fans. Identitätskrise. Kein Selbstvertrauen. So sind sie, die Anhänger der Retorte, müssen sich für ihre Fanschaft rechtfertigen.” Na ja, dazu später mehr.

Der letzte Grund, aus dem es bislang noch keinen Artikel von mir dazu gab: Ich habe schlicht noch keinen anständigen Aufhänger gefunden. Endlich habe ich einen – und den kann man auch noch ordentlich zitieren, siehe oben.

Zur Sache: Ich würde sehr gerne erklärt bekommen, was Bayer 04 Leverkusen von vermeintlichen Traditionsvereinen abgrenzt und was es stattdessen mit Clubs wie der TSG Hoffenheim oder aber auch RB Leipzig ²  verbindet. Ernsthaft. Vielleicht verstehe ich es ja tatsächlich bloß nicht.

Es folgt ein kurzer Abriss der Vereinsgeschichte:

Am 1. Juli eines bekannten, glorreichen Jahres wurde auf Anfrage von 170 Arbeitern des Bayerwerks ein Verein mit dem wohlklingenden Namen Turn- und Spielverein 1904 der Farbenfabrik vormals Friedrich Bayer Co. Leverkusen gegründet. Dabei möchte ich nicht darauf hinaus, dass der Verein mittlerweile seit über 100 Jahren existiert. Ich reite schließlich auch nicht darauf herum, dass der 1. FC Köln gerade mal seit 63 Jahren besteht. Beide Gründungen datieren deutlich früher als meine Geburt, deswegen ist diese Tatsache für mich nichts weiter als ein netter Bonus. Worauf ich wirklich hinaus möchte: Die Arbeiter eines Konzerns dachten sich dazumal: “Leute, lasst uns gemeinsam Sport machen. Fußball zum Beispiel. Aber nicht nur. In einem Verein. In unserem Verein. Fragen wir doch mal die Herrschaften von oben, ob die uns bei einer Gründung nicht ein wenig unterstützen können.” Und, was ganz wichtig dabei ist: Die Arbeiter dachten sich nichts Böses dabei. Es lag einfach nur auf der Hand. Während (nebenbei bemerkt fünf Jahre später) sich in Dortmund einige Jugendliche auf dem Borsigplatz trafen und vermutlich Ähnliches dachten, traf maf sich in Leverkusen nunmal im Bayerwerk. Und während man sich in Dortmund einer Stadt verschrieb, verschrieb man sich in Leverkusen einem Werk. So what?

Im Laufe der nächsten knapp 50 Jahre entwickelte sich die Fußballabteilung, eingegliedert in den SVB, kontinuierlich weiter bis endlich der Aufstieg in die damalige höchste deutsche Spielklasse erreicht wurde, die Oberliga. 1951 war das. Gerade rechtzeitig eigentlich um Punkte für die Zwölfjahreswertung zu sammeln und sich dadurch als Kandidat für ein Gründungsmitglied der ersten deutschen Bundesliga zu empfehlen. Wenn man denn in der Saison 55/56 nicht hätte absteigen und daraufhin geschlagene sechs Jahre auf den Wiederaufstieg hätte warten müssen. Aber nun ja: So oder so hatte die Qualifizierung für die erste Saison der Bundesliga offenbar nicht nur sportliche Gründe. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich möchte euch nicht mit weiteren Details von anno dazumal bis zum derzeitigen Status Quo langweilen, dabei hilft euch schließlich die Wikipedia. Es wäre eine Lüge, würde ich behaupten, ich hätte dort nicht auch selbst nachschlagen müssen. Fakt ist: Der SVB hat eine lebendige Geschichte. Die Solidarität aus Offenbach, das spektakuläre Comeback im Rückspiel des UEFA-Pokalfinales gegen Espanyol Barcelona, die Entstehung einer der ersten Ultra-Szenen Deutschlands, die Mutter aller Abstiegsdramen 1996, das Vize-Syndrom, Reiner Calmund und der Einzug ins Champions League Finale in Glasgow sind da nur die Highlights.

Dass die goldenen Jahre um Reiner Calmund und die Jahrtausendwende herum, durchaus auch dunkle Jahre waren, dürfte klar sein. Wir lebten derzeit weit über unsere Verhältnisse, was die spätere und erst vor wenigen Jahren abgeschlossene Konsolidierung zur Folge hatte – ganz ähnlich lief es im Übrigen auch bei der Borussia aus Dortmund, die den Hals ebenfalls nicht voll bekam. Schließlich stützt uns der Bayer-Konzern nicht annähernd so sehr, wie viele sich das gerne vorstellen. Wie jeder andere Sponsor auch, unterstützt Bayer uns nur dann, wenn es auch selbst etwas davon hat. Das war schon bei der Gründung so und hat sich bis heute nicht geändert. In den ersten Jahren nach 1904 war die finanzielle Zuwendung wohl relativ gering, diente der Verein doch nur dem innerbetrieblichen Zusammenhalt und zur Stärkung der Identifikation mit dem Werk. Heute dient der Verein – wie jeder andere Verein auch – dem Werk als Werbeträger. Dabei springt für den Verein etwas mehr heraus als ein anderer Sponsor einem anderen Verein vergleichbarer Größe zahlen würde. Das ist mehr als verständlich. Schließlich handelt es sich bei Bayer nicht um einen Retortensponsor, sondern um einen der mit dem Verein gewachsen ist. Bayer gehört zur Geschichte von Bayer 04 Leverkusen. Der SVB trägt die Buchstaben Bayers im Namen und verewigt das Markenzeichen in seinem Wappen – nicht um Kohle abzuschöpfen, sondern aus Identifikation und Tradition. Dass dadurch nebenbei tatsächlich etwas mehr Kohle abfällt, ist nur selbstverständlich und gerechtfertigt. Dagegen beschwert sich in Leverkusen auch niemand darüber, dass sie beispielsweise ihr Stadion selber bezahlen müssen (wenn auch auf Pump bei der Bayer AG), während andere Vereine ihr Hütte zu Großteilen von Bund und Ländern finanziert bekommen. Die Identifikation geht soweit, dass Leverkusener Bürger und Fanclubs des Vereins vor knapp vier Jahren Initiativen starteten, das zum Abriss vorgesehene Bayer-Kreuz zu retten – mit Erfolg.

Die Lage in Leverkusen stellt sich so dermaßen anders dar als in Hoffenheim, Malaga, Chelsea und den unzähligen anderen Vereinen, die einen Mäzen ihr eigen nennen dürfen. Mäzene handeln nicht aus einer wirtschaftlichen Vernunft heraus. Diese haben theoretisch die Möglichkeit, unbegrenzte Geldmittel in einen Verein zu schießen, so lange sie der Meinung sind, dass sie es sich leisten können. Wenn sich das am Ende nicht rechnet, stört sie das vermutlich nicht.

Dabei ist der Begriff “wirtschaftliche Vernunft” vermutlich schon einer, bei dem sich bei einigen selbsternannten Fußballtraditionalisten die Zehennägel zusammenrollen. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Auch ich würde lieber in einer Welt, besonders in einer Fußballwelt, ohne Werbung und Kommerz leben. Tatsache ist aber, dass wir eigentlich glücklich sein können mit dem wirtschaflichen Einfluss, dem der Fußball sich ausgesetzt sieht. So hässlich dieser Einfluss auch sein mag: Er gibt dem Geschehen der Branche wenigstens einen klaren Rahmen und eine gewisse Berechenbarkeit. Ganz im Gegensatz zu einem Mäzenen-System, welches entweder faktisch oder meinetwegen auch nur potenziell der Willkür unterliegt.

So sehr ich meine Phantasie auch auszureizen versuche: Die Finanzierung der Vereine kann es einfach nicht sein, was den SVB in euren Augen mit der TSG Hoffenheim verbindet. Was ist es dann? Ist es die Masse der Fans? Häufig frage ich mich ja wie groß der Anteil derer ist, die in Dortmunds Südtribüne stehen, einfach nur, weil es gerade en vogue ist Dortmundfan zu sein und ein als Teil der gelben Wand zu gelten. Wir, die im C-Block stehen, sind nicht annähernd so zahlreich, aber da kann ich mir zumindest sicher sein, dass es jeder, der sich dort einfindet, ernst meint und nicht dort ist, weil er damit prahlen möchte. Wenn es also tatsächlich bloß die schiere Masse sein sollte, die uns angeblich unterscheidet: In Ordnung, geschenkt.

Wenn aber nicht: Dann erklärt es mir bitte. Ich habe nichts dagegen, wenn wir die Pillen genannt werden oder wenn sich darüber lustig gemacht wird, dass wir nie deutscher Meister werden. Wie weiter oben gesagt: Ich möchte ja gar nicht jammern. Das gehört zum Fußball, das gefällt mir und das kontere ich im Stadion auch gerne. Doch wenn gewisse Vorwürfe in einen vor Sachlichkeit nur so triefenden Nebensatz ³ gepackt werden, wie dem weiter oben zitierten, dann geht mir das auf den Keks.

Wir, dass heißt wir Fußballfans, genau genommen heißt es eigentlich wir Vereinsfans, sind im weitesten Sinne doch alle Fundamentalisten. Machen wir uns nichts vor. Es wird schwierig meine Meinung zu meinem Verein zu ändern, so schwierig es ist, eure Meinungen zu ändern. Darum muss es hier auch nicht gehen. Dennoch würde es mich freuen, wenn meine vielleicht etwas begrenzte Sichtweise an dieser Stelle etwas erweitert wird. Ich weiß, dass es sehr viele Menschen gibt, auch außerhalb der Leverkusener Fanszene, die das Ganze so ähnlich sehen wie ich. Und natürlich freue ich mich auch über Kommentare dieser Seite, genau so, wie ich mich immer über jeden einzelenen Kommentar freue – also lasst euch jetzt nicht abschrecken. Dennoch geht es mir hier hauptsächlich um die Gegenseite. Wenn ihr jetzt also denkt: “Was verzapft der schon wieder für einen Unsinn?” – Dann dreht euch bitte nicht einfach um und geht weiter, sondern erklärt mir die Schwächen in meiner Argumentation. Es ist mir ein Anliegen.

In diesem Sinne: Nur der SVB. ⁴

¹  In der Tat ist diese Nacht jetzt schon mehrere Tage her. Nicht, dass ihr euch über die zeitliche Divergenz zwischen dem Erscheinen des offenen Briefs und dieses Artikels wundert.

² In diesem Artikel soll es allerdings hauptsächlich um eine Abgrenzung zum Mäzenentum gehen. Dass sich Bayer Leverkusen auch deutlich von Vereinen wie RB Leipzig abhebt sollte im Laufe des Artikels zwar auch deutlich werden, aber darauf wird hier nicht weiter eingegangen.

³ Nein, es handelt sich bei dem Beispiel oben nicht um einen Nebensatz. Ich fand dennoch, dass es sich so dramatischer anhört.

⁴ Oder dürfen das nur HSV-Blogs? Mir war gerade so danach.

Souveränität

Gestern spielte der SVB gegen Werder Bremen. Dass es in diesem Artikel nicht um dieses Spiel gehen kann, sollte jedem klar sein, der die Bedeutung des Wortes “Souveränität” kennt. Obwohl. Eigentlich ist das Thema dieses Artikels weniger Souveränität, sondern das Fehlen einer solchen. Nichtsdestotrotz geht es hier um ein Spiel des Samstages, nämlich um das der TSG Hoffenheim gegen die Borussia aus Dortmund.

Bei diesem Spiel wurde der Gästeblock offenbar mit Störgeräuschen beschallt, sobald dort Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp ertönten. Nun sitze ich also hier und bin fest dazu entschlossen meine Gedanken dazu niederzuschreiben. Allein: Mir fehlen die Worte.

Womöglich hatte der Verein damit tatsächlich nichts zu tun und nichts davon gewusst. Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber das sollen andere ermitteln. Mich erschüttert hingegen vielmehr, dass einigen (meinetwegen auch nur einigen wenigen), die Tragweite einer solchen Aktion (so sie denn tatsächlich durch den Verein gebilligt war) nicht bewusst zu sein scheint.

Es mag nicht in Ordnung sein, es mag sogar gegen den ein oder anderen Gesetzesparagraphen verstoßen, was aus der Dortmunder Kurve tönte (Nein, das Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Höhö). Natürlich ist es nicht okay, wenn gar die Mutter Dietmar Hopps mit in die Sache hineingezogen wird. Aber jetzt tun wir doch mal nicht so, als hätte man damit nicht rechnen können, als man sich entschloss, Mäzen einer Fußballmannschaft zu werden. Jetzt tun wir doch mal nicht so, als hätten gewisse Herren nicht schon lange vor Hopp ähnliche Schmähungen für viel weniger ertragen müssen. Uli Hoeneß, Tim Wiese, Oliver Kahn – die Liste ist natürlich endlos. Interessant ist, dass auch der Dortmunder Anhang selbst in dieser Liste vertreten ist, gelten die Mütter der Dortmunder doch mitunter als, nun, Arbeitnehmerinnen einer Branche, der die Mutter Hopps vermeintlich ebenfalls angehöre.

Jetzt kann es keine Rechtfertigung sein, dass etwas, das schon sehr lange praktiziert wird auch gleichzeitig in Ordnung ist. Doch durch die Konditionierung von Fußballfans stellt man sich nicht nur auf die gleiche Stufe wie die Schmähsänger, man platziert sich sogar noch weit unter deren Niveau. Es ist schließlich schlicht ein Unterschied, ob eine Aktion von einer spontan agierenden, lebenden und privaten Masse ausgeht oder von einer öffentlichen, professionellen und – hoffentlich – vorausdenkenden Struktur.

Meine Theorie ist ja, dass die TSG zu wenig Zeit hatte in den Alltag des Profifußballs hineinzuwachsen. Sowohl der Verein als auch die Anhängerschaft wurden mit der Bundesliga überrollt und sind noch immer dabei sich zu orientieren. Ich kann da schlicht zu mehr Souveränität raten. Der SVB wird selbst nicht gerade ständig mit Sympathie überschüttet, wir wissen also wie das ist¹. Wir versuchen es mit dem Prinzip Selbstironie – und das nicht erst seit der Werkselfkampagne von Seiten des Vereins. Und ich würde mal darauf wetten, dass sich kein BVB-Fan darüber beschweren würde, wären ihre Gesänge, statt durch einen Lautsprecher, durch Kontergesänge der TSG-Fans übertönt worden. Auch dann nicht, wenn aus dem 1899-Block Pfiffe gekommen wären, die so ähnlich geklungen hätten wie die Störgeräusche. Mit autoritären Mitteln schießt man sich hingegen nur Eigentore.

¹ Wobei ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass es mich unfassbar nervt, wenn mein Verein in einen Topf mit der TSG geschmissen wird, was schlicht und einfach unsinnig ist. Auch mir gefällt vieles nicht, was bei der TSG passiert.

Druck und Selbstvertrauen

Erwartungen, Druck. Die Pflicht, gewinnen zu müssen. Die Pflicht des Vizemeisters. Der Druck auf das Kollektiv, eine erbrachte Leistung zu bestätigen. Gar der Druck, eine Leistung noch weiter auszubauen. Der Druck auf einen Einzelnen, die Erwartungen zu erfüllen, es noch einmal allen zeigen zu wollen. Druck auf einen anderen, der dadurch entsteht, dass er nicht nachgesagt bekommen möchte, gegen den Ex-Verein nicht alles gegeben zu haben. Der Druck auf einen Trainer, nicht den gleichen Fehler zwei mal zu machen. Der Druck auf einen Trainer, richtig zu handeln, obwohl er zu Recht davon überzeugt ist, beim ersten Mal schon keinen Fehler gemacht zu haben. Wenn auch nur insgeheim. Und dann doch: Zweifel. Druck auf einen Torhüter, der endlich diese eine Chance erhält. Druck, durch die Gewissheit, dass ein anderer Torhüter ein Thema ist.

Selbstvertrauen, Unbekümmertheit. Das Selbstvertrauen desjenigen, der nicht bloß Zweiter geworden ist. Unbekümmertheit, die daraus entsteht, zu wissen, dass einem die Nation ohnehin schon zu Füßen liegt. Selbstvertrauen, dass auch ein Gegentor nach einer 3:0-Führung eben nicht zwangsläufig das Ende bedeuten muss. Selbstvertrauen, immer die richtige Entscheidung zu treffen. Unbekümmert darauf vertrauen zu können, dass das, was Spaß macht, nicht verkehrt sein kann. Selbstvertrauen, zu wissen, dass man es einfach drauf hat.

Im Gegensatz zu dem Druck, der daraus entsteht, sich bloß sehr, sehr sicher zu sein, dass man genau so viel drauf hat. Druck, entstanden aus einer Tradition der Misserfolge. Druck, der aus fehlgedeutetem Selbstbewusstsein entsteht. Zum Beispiel aus dem Selbstbewusstsein, One-Touch-Fußball zu spielen, auch wenn man Torwart ist.

Große Sätze unterm Bayer-Kreuz [3]

Da sitze ich hier, sehnsüchtig darauf wartend, dass die falschen Mannschaften endlich die neue Bundesligasaison einläuten – und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Während meiner Abstinenz vom Bloggertum¹ fielen mächtige Wörter, die zusammen gewichtige Worte und, nur wenig überraschend, einen ganzen Satz, in diesem Falle sogar zwei Sätze, bildeten, die hier natürlich nicht unerwähnt bleiben dürfen. Der Mann des Tages, bzw. der Mann eines vergangenen Tages², da ich, wie erwähnt, viel zu spät dran bin, ist dieses mal der großartige André Schürrle.

Für mich ist Bayer ein absoluter Traumverein, ich mochte ihn schon immer.

-kicker-Printausgabe vom 26.05.11

Mit einem etwas relativierenden Intro, dafür aber mit einem umso absoluteren und besonders nachhaltigen Finale schlägt der folgende Satz zu Buche, der mir fast noch besser gefällt:

Bayer ist mein Wunschverein, weil es einfach ein geiler Klub ist.

-Sportschau vom 18.07.11

In diesem Sinne: Auf eine ereignisreiche Bundesliga-Saison 2011/2012. Auch wenn ihr nicht Fan vom Bayer seid, versteht sich.

¹ die, wie mich dünkt, endgültig³ vorbei zu sein scheint, angesichts des Spaßes, den mir schon dieser kleine Blogartikel hier macht

² und hoffentlich noch vieler zukünftiger Tage

³ eine Fußnote in einer Fußnote. So etwas ist ganz bestimmt noch nie dagewesen. Jedenfalls: Ihr wisst ja… Adenauer, Geschwätz und so.

Damit hier auch mal wieder der Name Ballack in der Überschrift steht.

Ballack nervt. Und zwar jeden. Und das Beste ist: dafür kann der Mann gar nichts. In Ordnung, er hat ein paar Probleme mit dem DFB, aber Herr Gott: Wer von uns hat die nicht? Im Gegensatz zu unserer, ist seine Antipathie natürlich öffentlich gemacht worden. Aber wenn man sich in der Funktion des prägendsten deutschen Spielers der letzten zehn Jahre befindet, wird jedes Knöllchen fürs Falschparken in der Öffentlichkeit diskutiert.

Aber selbst der Streit mit dem DFB wurde, zumindest von seiner Seite aus, in den letzten Wochen nicht weiter fortgeführt. Und trotzdem geht es in jedem Artikel auf den Sportseiten dieser Welt, der auch nur im Entferntesten mit dem SVB zu tun hat, um Michael Ballack. Zur Zeit liegt das angeblich daran, dass, und jetzt haltet euch fest, er vergangene Woche ein schlechtes Spiel gemacht hat. Und das, obwohl er es diese Saison doch allen zeigen wollte! (!!!1!1eins11elf… ihr wisst schon). Nicht, dass er solche Worte je tatsächlich öffentlich in den Mund genommen hätte. Allerdings macht es natürlich Spaß, sich vorzustellen, wie der Capitano einen vorlauten investigativen Journalisten umgrätscht, zornig auf ihn hinabblickt und brüllt: “Euch werd ichs nochmal zeigen!”

Meines Erachtens gibt er sich zur Zeit eher zurückhaltend, was ich so deuten würde, als dass er die Antwort tatsächlich auf dem Platz geben wolle. Am letzten Samstag hat das freilich noch nicht geklappt. Das wird er auch selber wissen. Vielleicht klappt es auch überhaupt nicht mehr, aber auch das wäre kein Grund jeden Tag das Volk mit dem Thema Ballack zu langweilen. Dutt betont stets und ständig, dass Ballack sich professionell verhalte und dass er sich eingliedere, wenn er, Ballack, zuweilen auch – selbstverständlich – “sportlich enttäuscht” sei. Spektakulär oder gar sensationell ist daran nichts.

Aber dennoch: “Dutt gibt Ballack Teilschuld” hieß es heute zum Beispiel  in einer Überschrift bei Spox (die inzwischen löblicherweise in die – zugegeben – weniger knackige Überschrift “Dutt: ‘Jedem Spieler kann die Bank drohen’” geändert wurde, nachdem in den Kommentaren Beschwerden laut wurden). Die Überschrift hätte allerdings genau so gut “Dutt gibt Balitsch Teilschuld” oder “Dutt gibt Schürrle Teilschuld” heißen können. Laut Dutt hatte nämlich jeder Spieler auf dem Platz eine solche, wie man erst erfährt, nachdem man sich das Interview durchgelesen hat.

Jetzt können wir – als einfache Fußballfans – natürlich nicht einfach die Medienlandschaft umkrempeln, obgleich wir wissen, dass es auch abseits des Themas Ballack genügend Gründe dafür gibt. Was uns bleibt, ist, dass wir die Ballack-Fanchöre wieder anstimmen können, vielleicht müssen. Selbst dann, wenn wir von Ballacks Leistung ebenfalls enttäuscht sein sollten. Auch wenn wir denken, und das tun viele von uns, Ballack gehöre nicht in die Startelf, weil andere zur Zeit stärker sind als er. Einfach nur, um zu zeigen, dass wir nicht auf jeden beknackten Zug aufspringen, der von der Presse befeuert wird.

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