lauthals - Part 2

Große Sätze unterm Bayer-Kreuz [3]

Da sitze ich hier, sehnsüchtig darauf wartend, dass die falschen Mannschaften endlich die neue Bundesligasaison einläuten – und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Während meiner Abstinenz vom Bloggertum¹ fielen mächtige Wörter, die zusammen gewichtige Worte und, nur wenig überraschend, einen ganzen Satz, in diesem Falle sogar zwei Sätze, bildeten, die hier natürlich nicht unerwähnt bleiben dürfen. Der Mann des Tages, bzw. der Mann eines vergangenen Tages², da ich, wie erwähnt, viel zu spät dran bin, ist dieses mal der großartige André Schürrle.

Für mich ist Bayer ein absoluter Traumverein, ich mochte ihn schon immer.

-kicker-Printausgabe vom 26.05.11

Mit einem etwas relativierenden Intro, dafür aber mit einem umso absoluteren und besonders nachhaltigen Finale schlägt der folgende Satz zu Buche, der mir fast noch besser gefällt:

Bayer ist mein Wunschverein, weil es einfach ein geiler Klub ist.

-Sportschau vom 18.07.11

In diesem Sinne: Auf eine ereignisreiche Bundesliga-Saison 2011/2012. Auch wenn ihr nicht Fan vom Bayer seid, versteht sich.

¹ die, wie mich dünkt, endgültig³ vorbei zu sein scheint, angesichts des Spaßes, den mir schon dieser kleine Blogartikel hier macht

² und hoffentlich noch vieler zukünftiger Tage

³ eine Fußnote in einer Fußnote. So etwas ist ganz bestimmt noch nie dagewesen. Jedenfalls: Ihr wisst ja… Adenauer, Geschwätz und so.

Damit hier auch mal wieder der Name Ballack in der Überschrift steht.

Ballack nervt. Und zwar jeden. Und das Beste ist: dafür kann der Mann gar nichts. In Ordnung, er hat ein paar Probleme mit dem DFB, aber Herr Gott: Wer von uns hat die nicht? Im Gegensatz zu unserer, ist seine Antipathie natürlich öffentlich gemacht worden. Aber wenn man sich in der Funktion des prägendsten deutschen Spielers der letzten zehn Jahre befindet, wird jedes Knöllchen fürs Falschparken in der Öffentlichkeit diskutiert.

Aber selbst der Streit mit dem DFB wurde, zumindest von seiner Seite aus, in den letzten Wochen nicht weiter fortgeführt. Und trotzdem geht es in jedem Artikel auf den Sportseiten dieser Welt, der auch nur im Entferntesten mit dem SVB zu tun hat, um Michael Ballack. Zur Zeit liegt das angeblich daran, dass, und jetzt haltet euch fest, er vergangene Woche ein schlechtes Spiel gemacht hat. Und das, obwohl er es diese Saison doch allen zeigen wollte! (!!!1!1eins11elf… ihr wisst schon). Nicht, dass er solche Worte je tatsächlich öffentlich in den Mund genommen hätte. Allerdings macht es natürlich Spaß, sich vorzustellen, wie der Capitano einen vorlauten investigativen Journalisten umgrätscht, zornig auf ihn hinabblickt und brüllt: “Euch werd ichs nochmal zeigen!”

Meines Erachtens gibt er sich zur Zeit eher zurückhaltend, was ich so deuten würde, als dass er die Antwort tatsächlich auf dem Platz geben wolle. Am letzten Samstag hat das freilich noch nicht geklappt. Das wird er auch selber wissen. Vielleicht klappt es auch überhaupt nicht mehr, aber auch das wäre kein Grund jeden Tag das Volk mit dem Thema Ballack zu langweilen. Dutt betont stets und ständig, dass Ballack sich professionell verhalte und dass er sich eingliedere, wenn er, Ballack, zuweilen auch – selbstverständlich – “sportlich enttäuscht” sei. Spektakulär oder gar sensationell ist daran nichts.

Aber dennoch: “Dutt gibt Ballack Teilschuld” hieß es heute zum Beispiel  in einer Überschrift bei Spox (die inzwischen löblicherweise in die – zugegeben – weniger knackige Überschrift “Dutt: ‘Jedem Spieler kann die Bank drohen’” geändert wurde, nachdem in den Kommentaren Beschwerden laut wurden). Die Überschrift hätte allerdings genau so gut “Dutt gibt Balitsch Teilschuld” oder “Dutt gibt Schürrle Teilschuld” heißen können. Laut Dutt hatte nämlich jeder Spieler auf dem Platz eine solche, wie man erst erfährt, nachdem man sich das Interview durchgelesen hat.

Jetzt können wir – als einfache Fußballfans – natürlich nicht einfach die Medienlandschaft umkrempeln, obgleich wir wissen, dass es auch abseits des Themas Ballack genügend Gründe dafür gibt. Was uns bleibt, ist, dass wir die Ballack-Fanchöre wieder anstimmen können, vielleicht müssen. Selbst dann, wenn wir von Ballacks Leistung ebenfalls enttäuscht sein sollten. Auch wenn wir denken, und das tun viele von uns, Ballack gehöre nicht in die Startelf, weil andere zur Zeit stärker sind als er. Einfach nur, um zu zeigen, dass wir nicht auf jeden beknackten Zug aufspringen, der von der Presse befeuert wird.

Der DFB-Pokal als Bauernopfer

Endlich: Keine Dreifachbelastung mehr. Es war eine harte, kraftraubende Zeit, aber Gott sei Dank brauchen wir uns schließlich nur noch auf zwei Wettbewerbe konzentrieren. Dabei musste man gestern fast 70, eigentlich sogar 85 Minuten zittern und befürchten, dass die Mannschaft nicht nur Meisterschaft und Champions League, sondern auch den DFB-Pokal gewinnen wolle. Dass solche Vorsätze allerdings nur zu drei Vize-Titeln führen können, ist ja hinlänglich bekannt.

Da hatte man doch extra David Yelldell verpflichtet, dessen Qualitäten man seit dem letztjährigen Pokal-Finale kannte und da bekommt der erst in der Mitte der zweiten Halbzeit die Möglichkeit diese unter Beweis zu stellen. Gerade noch rechtzeitig. Letzten Endes muss ich der Mannschaft allerdings ein Kompliment machen, denn nach den abgelaufenen 120 Minuten konnten schließlich alle zufrieden sein: Dresden, weil es die zweite Runde erreicht hat, wir aus den oben beschriebenen Gründen und die Republik, weil sie genau solche Spiele ja im DFB-Pokalfinale (EDIT, 19:00: Da war ich wohl etwas voreilig.) sehen will. Und, na ja, weil sie jetzt einen Grund zum Lachen hat natürlich.

Wir hingegen können jetzt die Katze aus dem Sack lassen. Selbstverständlich haben wir schon längst einen gestandenen Top-Innenverteidiger in der Hinterhand und selbstverständlich wird spätestens ab dem zweiten Spieltag Fabian Giefer im Tor stehen. Dass dies gegen Mainz schon passieren wird ist unwahrscheinlich – das wäre doch etwas arg offensichtlich.

PS: Ich wollte ja eigentlich nicht mehr zu jedem Spiel etwas schreiben. Werde ich auch nicht. Aber es fällt doch schwer zu den Ereignissen des gestrigen Tages nichts zu schreiben.

Der Stachel sitzt tief

Dass Arturo Vidal nicht kam, bedauere ich überhaupt nicht. [...] Solche Spieler möchte ich nicht beim FC Bayern haben.

(Karl-Heinz Rummenigge)

Mmh, ja. Das Thema lässt einem aber auch keine Ruhe. Er habe wohl noch “ironisch” hinzugefügt, dass Arturo sehr gut zu Juventus passen würde. Gibt es eine Möglichkeit diese Aussage zu kommentieren, ohne selbst vergleichbar stillos zu werden?

Einen wunderschönen guten Tach!

Ein herzliches Hallo an die optimistisch geschätzten fünf Leute, die mich vielleicht noch immer nicht aus ihrem Feed-Reader geschmissen haben. Ich trau mich ja gar nicht einen Blick auf das Datum meines letzten Artikels zu werfen.

War es unhöflich das Blog in den letzten Monaten (Oh bitte, liebes Spaghettimonster, lass es nur Monate gewesen sein… – nein, ich habe wirklich nicht aufs Datum der letzten Veröffentlichung geguckt) so verwaisen zu lassen und nicht mal dafür zu sorgen, dass es vom verdammten Spam verschont bleibt? Oder war es egal? Ich weiß es nicht. Vermutlich “macht man sowas nicht”. Aber was soll ich sagen, ich hatte einfach keinen Bock mehr. Und umso länger ich keinen Bock mehr hatte etwas zu schreiben, desto sinnfreier erschien mir das Verfassen eines weiteren Artikels. Ich sag euch, das ist echt Arbeit, was die Kollegen von nebenan teilweise tagtäglich zu Stande bringen.

Was mich angeht, so ist mir irgendwann aufgefallen, dass ich mir Spieltag für Spieltag lediglich neue Phrasen ausdenke um das ganze ein bisschen amüsanter zu gestalten. Doch letztendlich ähneln sich die meisten Spiele doch sehr, wenn man sie nicht gerade taktisch auseinander nehmen will kann. Und irgendwann wurde mir das einfach zu blöd. Die Alternative wäre gewesen, den eigenen Anspruch von mindestens einem Artikel in der Woche etwas herunterzuschrauben und sich nur noch dann zu Wort zu melden, wenn mir wirklich etwas Neues, Relevantes ™, etwas Elementares einfällt. Aber das wäre mir auch wiederrum zu wenig gewesen. Und was macht ein Mensch in der Regel, wenn er sich nicht zwischen Möglichkeiten entscheiden kann? Nix natürlich.

Ich weiß nicht, wie es hier weitergehen soll. Ich glaube nicht, dass ich mit Bayer 04 weitermachen werde. Was ziemlich schade ist. Nicht weil dieses Blog ein Stern am Netzfirmament war (aber freilich: auch deswegen), sondern weil unser Verein ohnehin stark unterpräsentiert ist, was das angeht. Zumal ich vor wenigen Tagen lesen musste, dass auch der Grand Seigneur des Werkbloggings sich – zumindest zeitweilig – mit Abschiedsgedanken beschäftigt hat¹.

Hier wird es demnächst vielleicht um etwas ganz anderes gehen². Vielleicht packt es mich aber auch wieder und ich werde noch den ein oder anderen Artikel zum Transfergeschehen schreiben. Danach vielleicht wieder zu den ersten paar Spieltagen. Danach verlässt mich die Lust vielleicht auch schon wieder. Das mich ja keiner auf etwas festnagelt. Wer weiß, vielleicht melde ich mich auch erst in zwei Jahren wieder. Aber das glaube ich nicht. So viel Unentschlossenheit geht mir selbst auf den Geist. Kommt damit klar. ;-)

So, das war es erstmal mit dem emotionalen Teil. Jetzt, wo ich ohnehin mal hier bin, kann ich auch noch meinen Senf zur aktuellen Situation abgeben:

Zur Vizemeisterschaft: Yeah.

Zum Star der letzten Saison: Da kann ich Stefan fast in allen Punkten zustimmen. Der Mann der letzten Saison heißt Hanno Balitsch. Er wurde von den meisten von uns zunächst als überflüssig eingestuft. Als dann auch noch Ballack verpflichtet wurde, war jede Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Balitsch-Transfers endgültig hinfällig. Und dann spielt dieser Mann so souverän und – verdammt noch mal – fehlerfrei auf, dass es einen zu Tränen rührt. Balitsch verkörpert “nur” einen durchschnittlichen Bundesligakicker, aber er macht es wirklich jedem Trainer schwer, ihn nicht aufzustellen. So macht das Spaß.

Zu Aturo Vidal: Weg mit dem. Jetzt. Top Bundesligaspieler, aber dennoch maßlos überschätzt meiner Meinung nach. Den Verlust fangen wir locker auf. Im Prinzip darf er sogar zu den Bayern wechseln. Ich erkenne nicht, wie er die Qualität des Mittelfeldes dort signifikant erhöhen könnte. Und Elfmeter können da auch andere schießen (Ich weiß, es ist ungerecht, Vidal auf seine Elfmeter zu reduzieren. Doch wenn allerorten von seiner Torgefährlichkeit geschwärmt wird, kommt man da nicht drum herum). Dennoch kann er nicht zu den Bayern wechseln. Leverkusen muss an dieser Stelle Eier zeigen. Da bin ich recht zuversichtlich.

Zum Transfergeschehen im Allgemeinen: Ansonsten würde ich mir selbstverständlich auch noch einen gestandenen Innenverteidiger wünschen. Aber ich komme eigentlich super damit klar, wie wir aufgestellt sind. Reinartz wird nicht noch so eine unkonstante Saison abliefern und von Schwaab in der Innenverteidigung bin ich zeitweilig begeistert gewesen. Wenn beide ne Schippe drauflegen, worauf man sich in dem Alter nicht verlassen – worauf man aber dennoch hoffen kann. Vielleicht setzt sich ja auch Toprak durch. Letztendlich werden wir schon zwei ordentliche Innenverteidiger aufstellen können, davon bin ich überzeugt. Und dass ich Friedrich mag, habe ich an der ein oder anderen Stelle schon mal fallen lassen, denke ich. Versteht mich nicht falsch: Die IV ist unsere Schwachstelle – aber das ist jammern auf ziemlich hohem Niveau.

Zu Robin Dutt: Macht auf mich bisher einen sensationellen Eindruck. Seiner Saisonvorhersage möchte ich mich zu 100% anschließen: Ein Verpassen des internationalen Wettbewerbs wäre schlecht, die Europaleague wäre durchschnittlich, die Championsleague wäre gut und die Meisterschaft ist das Ziel. Danke dafür.

So, verehrte Leserschaft.  Das war es zunächst von meiner Seite. Ich werde jetzt hier erstmal etwas aufräumen.

¹ was mich letzten Endes auch dazu getrieben hat, hier mal einen Stand der Dinge zu posten.

² “Um etwas ganz anderes?” – “Ja.” – “Etwa um den FC??!!?” – “Nein… So sehr anders auch wieder nicht. Aber trotzdem nicht um Fußball.”

Gold, Silber und Bronze für Deutschland.

Im Tischtennis. Bei der Europameisterschaft in Tschechien. Zumindest, was die Herren-Konkurrenz betrifft. Und keiner kriegt es mit. Aber es muss ja mal erwähnt werden. Dann mach ich das hiermit: Deutschland ist das China Europas.

Im Halbfinale des Einzelwettbewerbs standen aus deutscher Sicht Timo Boll, Christian Süß und – die Überraschung des Turniers – Patrick Baum. Letzterer bezwang im Viertelfinale den Weltranglisten Siebten Wladimir Samsonov und im Halbfinale den Weltmeister von 2003 Werner Schlager. Im Finale musste er sich allerdings Europas Nummer eins und der Nummer Zwei der Welt, Timo Boll, beugen.

Kurz zuvor hatte das Doppel Timo Boll / Christian Süß zum vierten Mal hintereinander die Europameisterschaft gewonnen. Ebenfalls zum vierten Mal hintereinander gewann das deutsche Team, namentlich Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Christian Süß, Patrick Baum und Patrick Franziska mit Trainer Jörg Roßkopf.

Deutschlands Nummer zwei und Ausnahmetalent Ovtcharov verletzte sich im Teamwettbewerb, so dass er am Einzelwettbewerb nicht mehr teilnehmen konnte. Ansonsten wäre ein zweites rein deutsches Halbfinale realistisch gewesen.

Für Menschen, die das tatsächlich interessiert: viele Partien wurden live im Internet übertragen und lassen sich auch im Nachhinein noch einmal ansehen. Die interessantesten Partien liste ich hier auf und verlinke sie, sobald sie verfügbar sind.

Patrick Baum gegen Wladimir Samsonov (Viertelfinale)

Timo Boll gegen Christian Süß (Halbfinale)

Timo Boll gegen Patrick Baum (Finale)

Verkehrte Welt: Bayer 04 – Borussia Mönchengladbach 3:6

Freuen wir uns: Dieses Jahr gibt es keine endlose Serie von Spielen ohne Niederlage, an deren Ende wir die Schande über uns ergehen lassen müssen, trotz allem nicht mehr als den vierten Platz erreicht zu haben. Ihr merkt schon, mein Glas ist meistens halbvoll.

Ich bin mit einem guten Gefühl ins Stadion gegangen. Wie könnte es auch anders sein? Nie kann man drei Punkte fester einplanen als gegen Gladbach. 4:0 war mein Tipp. Kann auch 5:0 ausgehen. Vielleicht wirds auch nur ein 2:0. Aber ne Null steht hinten am Ende definitiv. So viel zur Theorie, das Ende ist bekannt.

In den ersten Minuten lief es auch ganz gut, obgleich eine gewisse Lässigkeit zu Erkennen war. Konnte ich der Mannschaft gar nicht übel nehmen, der Gegner war schließlich Gladbach. Irgendwann wird das erste Tor schon fallen. Das einzige, was mich richtig genervt hat war dieser Herrmann im rechten Mittelfeld. Vielleicht war das, was mich genervt hat aber auch unsere linke Defensiv-Seite. Ansichtssache. Fakt ist: Ein ums andere mal gelang es Herrmann mit einem steilen Pass, meist auf Idrissou, unsere Abwehr zu entblößen. Häufig musste Sami Hyypiä dort aushelfen, da Kadlec sich bereits in der Offensive düpieren ließ. Leider Gottes konnte man in diesen Szenen gestern schon erkennen, dass Hyypiä keine 25 mehr ist. Meistens war er einen Schritt zu spät wodurch regelmäßig der Strafraum brannte.

Letzten Endes war es jener Herrmann, der nach einem Weltklasse-Patzer von Arturo Vidal zur Stelle war und das 1:0 für die Gäste markierte.

“Passiert”, dachte ich mir, ein blindes Huhn findet schließlich auch mal ein Korn. Der Ausgleich konnte nur eine Frage der Zeit sein. Diese Prognose war die einzige, die mir am gestrigen Abend zuverlässig gelang. Nach Castros Flanke aus dem Halbfeld macht Derdiyok das, was er am besten kann: Humorlos einköpfen.

Dass der Bayer-Express nun warmlaufen würde, war allerdings ein Fehlschluss.

Bayer spielte gestern quasi ohne Innenverteidigung. Ein zusätzliches Problem war, dass man sich nicht sicher sein konnte, ob mit Friedrich und Vida noch eine echte Innenverteidigung auf der Bank saß. Ob es so war, werden wir nie herausfinden – Hyypiä und Reinartz durften mussten bis zum Ende durchspielen. Wenn dann noch der Torwart patzt (der ansonsten sehr gute Szenen hatte) ist das eine ganz unglückliche Konstellation. Das 1:2 fiel nach einem flachen Fernschuss, den Adler nicht festhalten konnte und dadurch Brouwers Tür und Tor öffnete.

Es ergibt keinen Sinn, den restlichen Spielverlauf im Detail zu erklären. Man nehme das bisherige Resultat und multipliziere es mit Drei, da kann man nicht viel falsch machen. Es ist nicht so, dass Bayer sich aufgab. Das war wirklich nie der Fall – auch nach dem 2:6 nicht. Doch die Tore schossen letztendlich meistens die Gladbacher. Dies lässt als einzigen Schluss zu, dass das Training der Gladbacher unter der Woche relativ eintönig aussah: Torschusstraining, Torschusstraining, Torschusstraining. Selten habe ich Bälle so zielstrebig gen Winkel fliegen sehen, wie gestern.

Ebenso bin ich nach einer Niederlage selten so gleichgültig nach Hause gefahren. Ein Sieg war einfach nicht drin. Gladbach hat verdient gewonnen. Bayer hat weder clever, noch gut, noch sicher gespielt. Aber die Mannschaft hat von Anfang bis Ende alles versucht und sich nie aufgegeben, was will ich als Fan mehr? Die Entschlossenheit, mit der Vidal sich nach dem 2:4 (58.Minute) und dem 3:6 (70.) noch den Ball geschnappt hat und Richtung Mittelpunkt gelaufen ist, war schon beeindruckend. Wenn ich das richtig sehe, sah das gestern auch der Großteil des restlichen Blocks so. Vielleicht ist diese Niederlage zu dieser Zeit gar nicht so verkehrt. Ein zweites Mal wird das nicht passieren. Hut ab, Gladbach! Mund abwischen und weitermachen, Leverkusen.

Hier! regiert! der S-V-B!: Borussia Dortmund – Bayer 04 0:2

Selten war die Auswährtsfahrt in eine doch recht nahe Stadt (ich komme aus der Aachener Ecke) so anstrengend. Geschlagene zehn Stunden waren wir letztlich unterwegs, für einen Trip, der planmäßig sechs einhalb Stunden dauern sollte. Spielzeit allerdings inklusive. Schuld daran waren diverse gehäufte Ausfälle der Deutschen Bahn. Gut, dass wir reichlich Zeitpuffer eingeplant hatten.

Aber hey: Es hat sich gelohnt.

Michael Ballack schnupperte seit einer halben Ewigkeit wieder Bundesligaluft. Um ihm den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten, lief die Werkself ausnahmsweise im Chelsea-Trikot auf. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass er schon ziemlich bald gemerkt hat, dass die Mannschaft in der er da spielt, nicht Chelsea sein kann. Dafür wurde vorne zu viel gezaubert und hinten zu sehr gewackelt.

Im Vordergrund standen heute allerdings andere, nicht Michael Ballack. Es ist schwierig einen Spieler des Spiels zu bestimmen, doch was Arturo Vidal, Gonzalo Castro und Renato Augusto vor beiden Treffern gezeigt haben, war schon erste Sahne. Gerade von Gonzo kam im Rest des Spieles nicht viel, doch die Aktion vor dem 1:0 tröstet über vieles hinweg. Vidal und Renato hingegen waren stehts gefährlich, präsent und trickreich. So wird Fußball gespielt. Sagte ich eigentlich bereits, dass es DIE Saison von Renato werden wird?

In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, doch das war auch nicht nötig. Dortmund spielte optisch überlegen, erarbeitete sich aber kaum zwingende Chancen. Ist natürlich aber auch nicht einfach, wenn der Gegner hinten drin einen blonden, beweglichen Leuchtturm beschäftigt und hinter diesem noch immer ein René Adler in Topform steht.

Würde ich jetzt schreiben, dass der Block 90 Minuten lang vor Heiterkeit tobte, würde mir das hier ja eh wieder keiner abnehmen. Dennoch war es so. Es hat Spaß gemacht. Danke für die 15 Minuten “Bayer Leverkusen .. von 19hundert4″, hoffentlich finde ich davon irgendwann eine Aufnahme im Netz. So stelle ich mir Support vor. Da kann die schwarzgelbe Wand von gegenüber noch so vielzählig sein. Bei einem 2:0 ist es natürlich nicht schwierig, ausgelassen zu sein, aber dadurch macht es ja nicht weniger Spaß.

Als nächstes, das bedeutet Donnerstag, fliegt die Mannschaft in ein Trainingslager in die Ukraine, um drei Tage später gut erholt der anderen Borussia ebenfalls den Hintern zu versohlen. Ich freu mich.

Katsche kanns noch: Bayer 04 – Simferopol 3:0

Seit gestern Abend hat Europa uns endlich wieder. Und dazu, dass das auch noch einige Wochen so bleiben wird, wurde gestern der Grundstein gelegt.

Ein gutes Spiel war es nicht, weder von der einen noch von der anderen Seite – wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was “gutes Spiel” bei Simferopol bedeutet. Von Leverkusener Seite hat es letztlich gereicht, schlussendlich war der Sieg angesichts fehlender Chancen des Gegners auch in der Höhe nicht unverdient, wenn auch in der Entstehung vielleicht etwas glücklich.

Technisch war das alles teilweise sehr fein anzusehen, insbesondere von Renato Augusto. Leute, ich sach euch: Das wird seine Saison. Mutig, spritzig, überraschend, intelligent. Zugegebenermaßen hat er bzw. sein Glück im Laufe der zweiten Halbzeit etwas nachgelassen, doch die Ansätze, die er schon jetzt wieder zeigt, sind mehr als vielversprechend.

Ungewohnt selbstbewusst agierte auch Daniel Schwaab, der von dem Spielwitz  Renatos Inspiration zu schöpfen scheint. Blinde Flanken aus dem Halbfeld sind mir von gestern nicht in Erinnerung, wohl aber die ein oder andere Situation, in der er sich im Zusammenspiel mit Renato gegen ein oder zwei Gegner durchzusetzen versucht. Die auffälligste Szene von ihm war sicher der Zweikampf an der gegnerischen Torauslinie vor seinem Pass auf Michael Ballack zu dessen ersten Torchance. Nach hinten agierte Schwaab allerdings etwas fahrlässig. Mehr als einmal stand er hinten rechts so weit weg vom Mann, dass man auf den ersten Blick nicht mal erkennen konnte, dass er dafür zuständig gewesen sein könnte. Ein Glück, dass Simferopol seine Konter nie konsequent ausspielte.

Auf der anderen Seite zeigte Katsche, wieso er 2008/2009 bei uns zum Publikumsliebling aufstieg. Hinten sicher und vorne mit Übersicht und Gewalt. Bravo.

Ansonsten fiel positiv auf, dass es Barnetta gut zu tun scheint, dass Sidney Sam auf seiner Position Druck macht, obgleich dieser gestern unauffällig war und zumeist glücklos wirkte. Außerdem hat Michael Ballack offensichtlich nichts verlernt, seit er uns verlassen hat. Hätte sein Linksschuss aus der Ferne den Kasten getroffen, hätte Leverkusen Kopf gestanden. Geht es nur mir so, oder habt ihr auch das Gefühl, dass einfach nichts Schlechtes passieren kann, wenn der Mann am Ball ist? Solche Spieler gibt es ja, in Leverkusen ist mir so einer jedoch lange nicht mehr aufgefallen. Der Letzte war Berbatov. Für einige Monate hatte ich dieses Gefühl auch mal bei Franca. Davor fällt mir nur noch Micha selbst ein. Und nein, Schnix habe ich nicht vergessen. Doch diesen “Zauber” versprühte er nicht. Er hatte andere Qualitäten.

So positiv sich dieser Bericht jetzt auch liest, ich habe hier wirklich nur die Glanzpunkte herausgepickt. Über den nicht genannten negativen Punkten schwebt indes  ein einziger Grund, aus dem diese Punkte resultieren: Phlegma. Man führt nach der ersten Minute 1:0 und geht davon aus, das Spiel von nun an im Vorbeigehen 4 oder 5:0 nach Hause zu bringen. So läuft das natürlich nicht. Aber das wird der Jupp den Jungs schon klarmachen. Fraglich ist lediglich, ob das so einfach ist, ob der deutlichen Ergebnisse, die bislang eingefahren wurden.

Sonntag geht es also zum BVB nach Dortmund. Für mich war das Ordern eines Tickets für dieses Spiel natürlich Pflicht. Für viele anderen scheint das anders auszusehen, demnach gibt es noch einige wenige Tickets für die Gästeblöcke an der Stadionkasse. Ich hoffe doch, dass sich reichlich Kurzentschlossene finden, um den SVB im vermutlich ersten Bundesligaspiel der Saison zu unterstützen. (Update: Das vermutlich kann ich streichen. Der Satz sollte erst anders enden ;-) Ich bin mir hingegen relativ sicher, dass am Sonntag definitiv das erste Bundesligaspiel der neuen Saison von Bayer 04 stattfinden wird.)

Wie ich Fußball gucke

Ich habe eigentlich keinen Schimmer von Fußball. Böse Zungen werden diesen Satz zitieren und entgegnen, dass dies der Grund sei, aus dem ich Leverkusen-Fan bin. Aber so meine ich das nicht. Ich meine das ungefähr so, wie Maricius von Hamburg Schwarz-Gelb es vor geraumer Zeit beschrieben hat. Bei mir ist es zugegebenermaßen nicht ganz so extrem, wie er es schildert. Aber was jetzt genau passiert, wenn Kießling als hängende Spitze spielt, statt als echte, also, welche taktischen Auswirkungen das hat, das weiß ich nicht. Klar, Kies spielt dann etwas weiter hinten, kommt dadurch schneller an die Bälle oder “holt sie sich gar selbst aus dem Mittelfeld”™. Dafür fehlt er dann möglicherweise vorne. Logisch. Aber wodurch diese hängende Spitze ihren Namen verdient, ist mir ein Rätsel.

Für mich ist das alles einfach nur der “Sturm”. Und der “Sturm-Bereich” (das ist jetzt kein Fachausdruck, ich weiß), das ist irgendwie ein vielleicht 700-800m² (das kommt einem jetzt verdammt groß vor, nech?)  großes Areal irgendwo am gegnerischen Strafraum bis knapp davor. Ob die Stürmer da jetzt nach rechts, links, hinten oder vorne laufen, springen, einen Handstand machen oder sich verbuddeln, interessiert mich nicht. Oder na ja: interessieren tut es mich vielleicht schon, aber ich bekomme es nicht mit. Ich sehe natürlich – in der Zeitlupe, vielleicht auch erst in der zweiten -, wenn der Depp¹ mal wieder den “Freien Raum”™ übersehen hat, aus welchem er ganz bequem den Ball hätte annehmen und in einer Manier hätte abschließen können, derer selbst ich fähig gewesen wäre – also unplatziert, lasch und mit einer unvorhersehbaren Höhe. Aber das hat ja rein gar nichts mit taktischem Verständnis zu tun.

Um den Bogen zurück zur hängenden Spitze zu schlagen: Wenn der Stürmer der Meinung ist, er bekommt zu wenig Bälle, dann soll er sich halt etwas zurückfallen lassen. Meinetwegen darf er sich – oder der Trainer ihn – dann auch hängende Spitze nennen. Warum er dann Sekunden später, nachdem er den erarbeiteten Ball auf die verbliebene(n) Sturmspitze gepasst hat und folgerichtig (oder nicht?) mit ins Sturmzentrum gelaufen ist, immer noch eine hängende Spitze sein soll ist mir schleierhaft. Oder ist er das dann nicht mehr?

Wem noch immer nicht klar geworden ist, was ich meine, wenn ich sage, dass ich keinen Schimmer von Fußball habe – vielleicht weil ich bisher rein zufällig eine professionelle und präzise Beschreibung der taktischen Position “hängende Spitze” geliefert habe -, dem sei es an einem weiteren Beispiel erläutert.

Michael Ballack soll bei uns künftig wieder offensiver spielen, als er es zuletzt bei Chelsea tat. Ob das heißt, dass wir von nun an mit Raute spielen und Ballack als ZM oder OM agiert, oder ob er als DM genau so spielen soll wie sein Nebenmann, bloß etwas offensiver (ich tippe ja auf Letzteres), das weiß ich nicht. Und was der genaue Unterschied wäre, weiß ich auch nicht. Das bedeutet nicht, dass ich keine Taktiktafel von erwähnten Varianten zeichnen könnte. Es bedeutet nur, dass ich, wenn ich so eine Tafel anfertigen würde, nicht wüsste, was ich da eigentlich tue. Das wäre dann nicht ganz so, als würde ich jetzt aus einer göttlichen Eingebung heraus anfangen arabisch zu schreiben, aber es wäre so, als würde ich anfangen, Französisch zu schreiben. Von Zweiterem sind aus der Schule immerhin ein paar Brocken übrig geblieben. Mais ce n’ est pas beaucoup. Oder so ähnlich.

Worauf ich hinaus will: Sowas wie das hier, das hier oder jenes von nebenan¹, das bekomme ich nicht hin. Nicht nur, dass ich Spiele nicht selbst so analysieren könnte – es ist sogar so, dass ich nach der Lektüre solcher Analysen nicht zuverlässig sagen könnte, ob es stimmt, was da steht oder nicht. Ich finde es trotzdem beeindruckend, wie jemand auf solche Weise Fußball gucken kann, obwohl er es nicht muss, da er weder Trainer noch Kommentator ist. Da steckt keine Ironie, keine Häme, kein Sarkasmus in meinen Worten:  Ich würde das auch gerne können und bin ein bisschen neidisch auf diese Fähigkeit. Es gibt Texte – da bereue ich es, sie nicht gebookmarked zu haben -, die lesen sich, als würde ein Weinkenner über einen guten (oder einen schlechten) Wein schreiben. Ich verstehe das dann zwar nicht alles, aber es fasziniert mich.

Ich habe das schon unzählige Male versucht. Immer wieder nehme ich mir vor, ein Spiel nicht nur zu sehen (und, nicht zu vergessen, zu genießen), sondern auch zu studieren. Ich will darauf achten, welcher Spieler in welcher Situation zu welchem anderen Spieler passt. Welcher Spieler wann seine Position offensiver oder defensiver interpretiert als zu Beginn des Spiels. Das funktioniert auch meistens ganz ordentlich. Für fünf Minuten. Irgendwann ist das weg, meistens ergreift mich das Spiel dann, insbesondere, versteht sich, wenn ich im Stadion bin. Spätestens die erste Torchance vernichtet meine Konzentration aber endgültig. Es ist – man entschuldige mir mein vielleicht überflüssiges Pathos – ein bisschen wie mit der Liebe. Am Anfang beschließt man womöglich rational und überlegt zu handeln, das hat schließlich immer seine Vorteile. Doch diese Vorsätze kann man normalerweise alsbald über den Haufen werfen, da die Sinne den Verstand über kurz oder lang erbarmungslos niederstrecken.

Wenn ich in der Halbzeit gefragt werde, wie das Spiel aus meiner Sicht bislang verlaufen ist, dann kann ich sagen wie gut oder wie beschissen es war. Die Analyse, dass die Hornochsen mal wieder zu viele hohe Pässe geschlagen haben, als man eher hätte flach spielen sollen, krieg ich auch noch hin. Aber mehr ist nicht drin. Wenn die ersten 45 Minuten eher ausgeglichen waren und sowohl der SVB als auch der Gegner drei “Hundertprozentige Chancen”™ generierten, habe ich zum Pausentee die Hälfte davon schon wieder vergessen. Die des Gegners versteht sich.

Was Fußball im Allgemeinen und Bayer 04 im Speziellen angeht, da kann ich weder fachlich, noch sachlich, noch objektiv bleiben. Es funktioniert einfach nicht.

¹ Um Missverständnissen zu vorzubeugen: damit ist nicht unbedingt oben genannter Kießling gemeint.

² Bis auf den letzten Link, welcher mir ein wenig die Inspiration für diese Zeilen lieferte (Danke, Stefan ;-) ), sind die Artikel relativ willkürlich ergoogelt. Es gibt, nicht zuletzt bei der Taktikbesprechung, natürlich noch unzählige solcher Art.

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