Borussia Dortmund | lauthals

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Wir müssen uns mal unterhalten.

Es ist ein Uhr. Nachts. Also, zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel veröffentlichen werde sicher schon längst nicht mehr, doch als ich anfing ihn zu schreiben, da war es ein Uhr. Nachts ¹. Ich kann nicht schlafen. Bis eben wälzte ich mich noch im Bett umher. Wie so häufig, wenn es ein Uhr Nachts ist, war es zwei Stunden zuvor noch 23 Uhr. Da las ich diesen offenen Brief an Dietmar Hopp. Von schwatzgelb.de, diesen hier. Und der lässt mir keine Ruhe.

In Ihrem (Dietmar Hopps, Anmerkung der zehnfingrigen lauthals.de-Redaktion) Falle ist es doch aber so, dass Fans aller Vereine, außer vermutlich Leverkusen, Wolfsburg und RB Leipzig, das Projekt Hoffenheim konsequent ablehnen. Diese Ablehnung betrifft aber in ähnlichem oder gleichem Maße Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und ganz besonders RB Leipzig.

Nun, dies wird mein Aufhänger für diesen Artikel sein. Ich möchte zwar schon lange über dieses Thema schreiben, doch es gab verschiedene Gründe, warum ich es nicht getan habe.

Zunächst wurde darüber schon gefühlte, na komm, ich sags, mir fällt ohnehin keine bessere Zahl ein, also: gefühlte 1904 Mal über dieses Thema gesprochen. Allerdings: Dieses Blog hat dieses Thema bislang höchstens touchiert und fußnotiert. Das letzte Mal ist gar nicht so lange her. Nun, so ist das Ziel, wird es also endlich einen Grundsatzartikel an dieser Stelle geben. Einen, auf den ich vielleicht bei zukünftigen Diskussionen einfach mal verlinken kann, damit es mich keine oder zumindest nur noch weniger Nerven kostet.

Ein weiterer Grund ist, dass ich darüber eigentlich gar nicht jammern möchte. Et es wie et es. Nachher heißt es bloß: “Sieh mal, diese Bayer-Fans. Identitätskrise. Kein Selbstvertrauen. So sind sie, die Anhänger der Retorte, müssen sich für ihre Fanschaft rechtfertigen.” Na ja, dazu später mehr.

Der letzte Grund, aus dem es bislang noch keinen Artikel von mir dazu gab: Ich habe schlicht noch keinen anständigen Aufhänger gefunden. Endlich habe ich einen – und den kann man auch noch ordentlich zitieren, siehe oben.

Zur Sache: Ich würde sehr gerne erklärt bekommen, was Bayer 04 Leverkusen von vermeintlichen Traditionsvereinen abgrenzt und was es stattdessen mit Clubs wie der TSG Hoffenheim oder aber auch RB Leipzig ²  verbindet. Ernsthaft. Vielleicht verstehe ich es ja tatsächlich bloß nicht.

Es folgt ein kurzer Abriss der Vereinsgeschichte:

Am 1. Juli eines bekannten, glorreichen Jahres wurde auf Anfrage von 170 Arbeitern des Bayerwerks ein Verein mit dem wohlklingenden Namen Turn- und Spielverein 1904 der Farbenfabrik vormals Friedrich Bayer Co. Leverkusen gegründet. Dabei möchte ich nicht darauf hinaus, dass der Verein mittlerweile seit über 100 Jahren existiert. Ich reite schließlich auch nicht darauf herum, dass der 1. FC Köln gerade mal seit 63 Jahren besteht. Beide Gründungen datieren deutlich früher als meine Geburt, deswegen ist diese Tatsache für mich nichts weiter als ein netter Bonus. Worauf ich wirklich hinaus möchte: Die Arbeiter eines Konzerns dachten sich dazumal: “Leute, lasst uns gemeinsam Sport machen. Fußball zum Beispiel. Aber nicht nur. In einem Verein. In unserem Verein. Fragen wir doch mal die Herrschaften von oben, ob die uns bei einer Gründung nicht ein wenig unterstützen können.” Und, was ganz wichtig dabei ist: Die Arbeiter dachten sich nichts Böses dabei. Es lag einfach nur auf der Hand. Während (nebenbei bemerkt fünf Jahre später) sich in Dortmund einige Jugendliche auf dem Borsigplatz trafen und vermutlich Ähnliches dachten, traf maf sich in Leverkusen nunmal im Bayerwerk. Und während man sich in Dortmund einer Stadt verschrieb, verschrieb man sich in Leverkusen einem Werk. So what?

Im Laufe der nächsten knapp 50 Jahre entwickelte sich die Fußballabteilung, eingegliedert in den SVB, kontinuierlich weiter bis endlich der Aufstieg in die damalige höchste deutsche Spielklasse erreicht wurde, die Oberliga. 1951 war das. Gerade rechtzeitig eigentlich um Punkte für die Zwölfjahreswertung zu sammeln und sich dadurch als Kandidat für ein Gründungsmitglied der ersten deutschen Bundesliga zu empfehlen. Wenn man denn in der Saison 55/56 nicht hätte absteigen und daraufhin geschlagene sechs Jahre auf den Wiederaufstieg hätte warten müssen. Aber nun ja: So oder so hatte die Qualifizierung für die erste Saison der Bundesliga offenbar nicht nur sportliche Gründe. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich möchte euch nicht mit weiteren Details von anno dazumal bis zum derzeitigen Status Quo langweilen, dabei hilft euch schließlich die Wikipedia. Es wäre eine Lüge, würde ich behaupten, ich hätte dort nicht auch selbst nachschlagen müssen. Fakt ist: Der SVB hat eine lebendige Geschichte. Die Solidarität aus Offenbach, das spektakuläre Comeback im Rückspiel des UEFA-Pokalfinales gegen Espanyol Barcelona, die Entstehung einer der ersten Ultra-Szenen Deutschlands, die Mutter aller Abstiegsdramen 1996, das Vize-Syndrom, Reiner Calmund und der Einzug ins Champions League Finale in Glasgow sind da nur die Highlights.

Dass die goldenen Jahre um Reiner Calmund und die Jahrtausendwende herum, durchaus auch dunkle Jahre waren, dürfte klar sein. Wir lebten derzeit weit über unsere Verhältnisse, was die spätere und erst vor wenigen Jahren abgeschlossene Konsolidierung zur Folge hatte – ganz ähnlich lief es im Übrigen auch bei der Borussia aus Dortmund, die den Hals ebenfalls nicht voll bekam. Schließlich stützt uns der Bayer-Konzern nicht annähernd so sehr, wie viele sich das gerne vorstellen. Wie jeder andere Sponsor auch, unterstützt Bayer uns nur dann, wenn es auch selbst etwas davon hat. Das war schon bei der Gründung so und hat sich bis heute nicht geändert. In den ersten Jahren nach 1904 war die finanzielle Zuwendung wohl relativ gering, diente der Verein doch nur dem innerbetrieblichen Zusammenhalt und zur Stärkung der Identifikation mit dem Werk. Heute dient der Verein – wie jeder andere Verein auch – dem Werk als Werbeträger. Dabei springt für den Verein etwas mehr heraus als ein anderer Sponsor einem anderen Verein vergleichbarer Größe zahlen würde. Das ist mehr als verständlich. Schließlich handelt es sich bei Bayer nicht um einen Retortensponsor, sondern um einen der mit dem Verein gewachsen ist. Bayer gehört zur Geschichte von Bayer 04 Leverkusen. Der SVB trägt die Buchstaben Bayers im Namen und verewigt das Markenzeichen in seinem Wappen – nicht um Kohle abzuschöpfen, sondern aus Identifikation und Tradition. Dass dadurch nebenbei tatsächlich etwas mehr Kohle abfällt, ist nur selbstverständlich und gerechtfertigt. Dagegen beschwert sich in Leverkusen auch niemand darüber, dass sie beispielsweise ihr Stadion selber bezahlen müssen (wenn auch auf Pump bei der Bayer AG), während andere Vereine ihr Hütte zu Großteilen von Bund und Ländern finanziert bekommen. Die Identifikation geht soweit, dass Leverkusener Bürger und Fanclubs des Vereins vor knapp vier Jahren Initiativen starteten, das zum Abriss vorgesehene Bayer-Kreuz zu retten – mit Erfolg.

Die Lage in Leverkusen stellt sich so dermaßen anders dar als in Hoffenheim, Malaga, Chelsea und den unzähligen anderen Vereinen, die einen Mäzen ihr eigen nennen dürfen. Mäzene handeln nicht aus einer wirtschaftlichen Vernunft heraus. Diese haben theoretisch die Möglichkeit, unbegrenzte Geldmittel in einen Verein zu schießen, so lange sie der Meinung sind, dass sie es sich leisten können. Wenn sich das am Ende nicht rechnet, stört sie das vermutlich nicht.

Dabei ist der Begriff “wirtschaftliche Vernunft” vermutlich schon einer, bei dem sich bei einigen selbsternannten Fußballtraditionalisten die Zehennägel zusammenrollen. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Auch ich würde lieber in einer Welt, besonders in einer Fußballwelt, ohne Werbung und Kommerz leben. Tatsache ist aber, dass wir eigentlich glücklich sein können mit dem wirtschaflichen Einfluss, dem der Fußball sich ausgesetzt sieht. So hässlich dieser Einfluss auch sein mag: Er gibt dem Geschehen der Branche wenigstens einen klaren Rahmen und eine gewisse Berechenbarkeit. Ganz im Gegensatz zu einem Mäzenen-System, welches entweder faktisch oder meinetwegen auch nur potenziell der Willkür unterliegt.

So sehr ich meine Phantasie auch auszureizen versuche: Die Finanzierung der Vereine kann es einfach nicht sein, was den SVB in euren Augen mit der TSG Hoffenheim verbindet. Was ist es dann? Ist es die Masse der Fans? Häufig frage ich mich ja wie groß der Anteil derer ist, die in Dortmunds Südtribüne stehen, einfach nur, weil es gerade en vogue ist Dortmundfan zu sein und ein als Teil der gelben Wand zu gelten. Wir, die im C-Block stehen, sind nicht annähernd so zahlreich, aber da kann ich mir zumindest sicher sein, dass es jeder, der sich dort einfindet, ernst meint und nicht dort ist, weil er damit prahlen möchte. Wenn es also tatsächlich bloß die schiere Masse sein sollte, die uns angeblich unterscheidet: In Ordnung, geschenkt.

Wenn aber nicht: Dann erklärt es mir bitte. Ich habe nichts dagegen, wenn wir die Pillen genannt werden oder wenn sich darüber lustig gemacht wird, dass wir nie deutscher Meister werden. Wie weiter oben gesagt: Ich möchte ja gar nicht jammern. Das gehört zum Fußball, das gefällt mir und das kontere ich im Stadion auch gerne. Doch wenn gewisse Vorwürfe in einen vor Sachlichkeit nur so triefenden Nebensatz ³ gepackt werden, wie dem weiter oben zitierten, dann geht mir das auf den Keks.

Wir, dass heißt wir Fußballfans, genau genommen heißt es eigentlich wir Vereinsfans, sind im weitesten Sinne doch alle Fundamentalisten. Machen wir uns nichts vor. Es wird schwierig meine Meinung zu meinem Verein zu ändern, so schwierig es ist, eure Meinungen zu ändern. Darum muss es hier auch nicht gehen. Dennoch würde es mich freuen, wenn meine vielleicht etwas begrenzte Sichtweise an dieser Stelle etwas erweitert wird. Ich weiß, dass es sehr viele Menschen gibt, auch außerhalb der Leverkusener Fanszene, die das Ganze so ähnlich sehen wie ich. Und natürlich freue ich mich auch über Kommentare dieser Seite, genau so, wie ich mich immer über jeden einzelenen Kommentar freue – also lasst euch jetzt nicht abschrecken. Dennoch geht es mir hier hauptsächlich um die Gegenseite. Wenn ihr jetzt also denkt: “Was verzapft der schon wieder für einen Unsinn?” – Dann dreht euch bitte nicht einfach um und geht weiter, sondern erklärt mir die Schwächen in meiner Argumentation. Es ist mir ein Anliegen.

In diesem Sinne: Nur der SVB. ⁴

¹  In der Tat ist diese Nacht jetzt schon mehrere Tage her. Nicht, dass ihr euch über die zeitliche Divergenz zwischen dem Erscheinen des offenen Briefs und dieses Artikels wundert.

² In diesem Artikel soll es allerdings hauptsächlich um eine Abgrenzung zum Mäzenentum gehen. Dass sich Bayer Leverkusen auch deutlich von Vereinen wie RB Leipzig abhebt sollte im Laufe des Artikels zwar auch deutlich werden, aber darauf wird hier nicht weiter eingegangen.

³ Nein, es handelt sich bei dem Beispiel oben nicht um einen Nebensatz. Ich fand dennoch, dass es sich so dramatischer anhört.

⁴ Oder dürfen das nur HSV-Blogs? Mir war gerade so danach.

Souveränität

Gestern spielte der SVB gegen Werder Bremen. Dass es in diesem Artikel nicht um dieses Spiel gehen kann, sollte jedem klar sein, der die Bedeutung des Wortes “Souveränität” kennt. Obwohl. Eigentlich ist das Thema dieses Artikels weniger Souveränität, sondern das Fehlen einer solchen. Nichtsdestotrotz geht es hier um ein Spiel des Samstages, nämlich um das der TSG Hoffenheim gegen die Borussia aus Dortmund.

Bei diesem Spiel wurde der Gästeblock offenbar mit Störgeräuschen beschallt, sobald dort Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp ertönten. Nun sitze ich also hier und bin fest dazu entschlossen meine Gedanken dazu niederzuschreiben. Allein: Mir fehlen die Worte.

Womöglich hatte der Verein damit tatsächlich nichts zu tun und nichts davon gewusst. Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber das sollen andere ermitteln. Mich erschüttert hingegen vielmehr, dass einigen (meinetwegen auch nur einigen wenigen), die Tragweite einer solchen Aktion (so sie denn tatsächlich durch den Verein gebilligt war) nicht bewusst zu sein scheint.

Es mag nicht in Ordnung sein, es mag sogar gegen den ein oder anderen Gesetzesparagraphen verstoßen, was aus der Dortmunder Kurve tönte (Nein, das Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Höhö). Natürlich ist es nicht okay, wenn gar die Mutter Dietmar Hopps mit in die Sache hineingezogen wird. Aber jetzt tun wir doch mal nicht so, als hätte man damit nicht rechnen können, als man sich entschloss, Mäzen einer Fußballmannschaft zu werden. Jetzt tun wir doch mal nicht so, als hätten gewisse Herren nicht schon lange vor Hopp ähnliche Schmähungen für viel weniger ertragen müssen. Uli Hoeneß, Tim Wiese, Oliver Kahn – die Liste ist natürlich endlos. Interessant ist, dass auch der Dortmunder Anhang selbst in dieser Liste vertreten ist, gelten die Mütter der Dortmunder doch mitunter als, nun, Arbeitnehmerinnen einer Branche, der die Mutter Hopps vermeintlich ebenfalls angehöre.

Jetzt kann es keine Rechtfertigung sein, dass etwas, das schon sehr lange praktiziert wird auch gleichzeitig in Ordnung ist. Doch durch die Konditionierung von Fußballfans stellt man sich nicht nur auf die gleiche Stufe wie die Schmähsänger, man platziert sich sogar noch weit unter deren Niveau. Es ist schließlich schlicht ein Unterschied, ob eine Aktion von einer spontan agierenden, lebenden und privaten Masse ausgeht oder von einer öffentlichen, professionellen und – hoffentlich – vorausdenkenden Struktur.

Meine Theorie ist ja, dass die TSG zu wenig Zeit hatte in den Alltag des Profifußballs hineinzuwachsen. Sowohl der Verein als auch die Anhängerschaft wurden mit der Bundesliga überrollt und sind noch immer dabei sich zu orientieren. Ich kann da schlicht zu mehr Souveränität raten. Der SVB wird selbst nicht gerade ständig mit Sympathie überschüttet, wir wissen also wie das ist¹. Wir versuchen es mit dem Prinzip Selbstironie – und das nicht erst seit der Werkselfkampagne von Seiten des Vereins. Und ich würde mal darauf wetten, dass sich kein BVB-Fan darüber beschweren würde, wären ihre Gesänge, statt durch einen Lautsprecher, durch Kontergesänge der TSG-Fans übertönt worden. Auch dann nicht, wenn aus dem 1899-Block Pfiffe gekommen wären, die so ähnlich geklungen hätten wie die Störgeräusche. Mit autoritären Mitteln schießt man sich hingegen nur Eigentore.

¹ Wobei ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass es mich unfassbar nervt, wenn mein Verein in einen Topf mit der TSG geschmissen wird, was schlicht und einfach unsinnig ist. Auch mir gefällt vieles nicht, was bei der TSG passiert.

Hier! regiert! der S-V-B!: Borussia Dortmund – Bayer 04 0:2

Selten war die Auswährtsfahrt in eine doch recht nahe Stadt (ich komme aus der Aachener Ecke) so anstrengend. Geschlagene zehn Stunden waren wir letztlich unterwegs, für einen Trip, der planmäßig sechs einhalb Stunden dauern sollte. Spielzeit allerdings inklusive. Schuld daran waren diverse gehäufte Ausfälle der Deutschen Bahn. Gut, dass wir reichlich Zeitpuffer eingeplant hatten.

Aber hey: Es hat sich gelohnt.

Michael Ballack schnupperte seit einer halben Ewigkeit wieder Bundesligaluft. Um ihm den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten, lief die Werkself ausnahmsweise im Chelsea-Trikot auf. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass er schon ziemlich bald gemerkt hat, dass die Mannschaft in der er da spielt, nicht Chelsea sein kann. Dafür wurde vorne zu viel gezaubert und hinten zu sehr gewackelt.

Im Vordergrund standen heute allerdings andere, nicht Michael Ballack. Es ist schwierig einen Spieler des Spiels zu bestimmen, doch was Arturo Vidal, Gonzalo Castro und Renato Augusto vor beiden Treffern gezeigt haben, war schon erste Sahne. Gerade von Gonzo kam im Rest des Spieles nicht viel, doch die Aktion vor dem 1:0 tröstet über vieles hinweg. Vidal und Renato hingegen waren stehts gefährlich, präsent und trickreich. So wird Fußball gespielt. Sagte ich eigentlich bereits, dass es DIE Saison von Renato werden wird?

In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, doch das war auch nicht nötig. Dortmund spielte optisch überlegen, erarbeitete sich aber kaum zwingende Chancen. Ist natürlich aber auch nicht einfach, wenn der Gegner hinten drin einen blonden, beweglichen Leuchtturm beschäftigt und hinter diesem noch immer ein René Adler in Topform steht.

Würde ich jetzt schreiben, dass der Block 90 Minuten lang vor Heiterkeit tobte, würde mir das hier ja eh wieder keiner abnehmen. Dennoch war es so. Es hat Spaß gemacht. Danke für die 15 Minuten “Bayer Leverkusen .. von 19hundert4″, hoffentlich finde ich davon irgendwann eine Aufnahme im Netz. So stelle ich mir Support vor. Da kann die schwarzgelbe Wand von gegenüber noch so vielzählig sein. Bei einem 2:0 ist es natürlich nicht schwierig, ausgelassen zu sein, aber dadurch macht es ja nicht weniger Spaß.

Als nächstes, das bedeutet Donnerstag, fliegt die Mannschaft in ein Trainingslager in die Ukraine, um drei Tage später gut erholt der anderen Borussia ebenfalls den Hintern zu versohlen. Ich freu mich.

Katsche kanns noch: Bayer 04 – Simferopol 3:0

Seit gestern Abend hat Europa uns endlich wieder. Und dazu, dass das auch noch einige Wochen so bleiben wird, wurde gestern der Grundstein gelegt.

Ein gutes Spiel war es nicht, weder von der einen noch von der anderen Seite – wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was “gutes Spiel” bei Simferopol bedeutet. Von Leverkusener Seite hat es letztlich gereicht, schlussendlich war der Sieg angesichts fehlender Chancen des Gegners auch in der Höhe nicht unverdient, wenn auch in der Entstehung vielleicht etwas glücklich.

Technisch war das alles teilweise sehr fein anzusehen, insbesondere von Renato Augusto. Leute, ich sach euch: Das wird seine Saison. Mutig, spritzig, überraschend, intelligent. Zugegebenermaßen hat er bzw. sein Glück im Laufe der zweiten Halbzeit etwas nachgelassen, doch die Ansätze, die er schon jetzt wieder zeigt, sind mehr als vielversprechend.

Ungewohnt selbstbewusst agierte auch Daniel Schwaab, der von dem Spielwitz  Renatos Inspiration zu schöpfen scheint. Blinde Flanken aus dem Halbfeld sind mir von gestern nicht in Erinnerung, wohl aber die ein oder andere Situation, in der er sich im Zusammenspiel mit Renato gegen ein oder zwei Gegner durchzusetzen versucht. Die auffälligste Szene von ihm war sicher der Zweikampf an der gegnerischen Torauslinie vor seinem Pass auf Michael Ballack zu dessen ersten Torchance. Nach hinten agierte Schwaab allerdings etwas fahrlässig. Mehr als einmal stand er hinten rechts so weit weg vom Mann, dass man auf den ersten Blick nicht mal erkennen konnte, dass er dafür zuständig gewesen sein könnte. Ein Glück, dass Simferopol seine Konter nie konsequent ausspielte.

Auf der anderen Seite zeigte Katsche, wieso er 2008/2009 bei uns zum Publikumsliebling aufstieg. Hinten sicher und vorne mit Übersicht und Gewalt. Bravo.

Ansonsten fiel positiv auf, dass es Barnetta gut zu tun scheint, dass Sidney Sam auf seiner Position Druck macht, obgleich dieser gestern unauffällig war und zumeist glücklos wirkte. Außerdem hat Michael Ballack offensichtlich nichts verlernt, seit er uns verlassen hat. Hätte sein Linksschuss aus der Ferne den Kasten getroffen, hätte Leverkusen Kopf gestanden. Geht es nur mir so, oder habt ihr auch das Gefühl, dass einfach nichts Schlechtes passieren kann, wenn der Mann am Ball ist? Solche Spieler gibt es ja, in Leverkusen ist mir so einer jedoch lange nicht mehr aufgefallen. Der Letzte war Berbatov. Für einige Monate hatte ich dieses Gefühl auch mal bei Franca. Davor fällt mir nur noch Micha selbst ein. Und nein, Schnix habe ich nicht vergessen. Doch diesen “Zauber” versprühte er nicht. Er hatte andere Qualitäten.

So positiv sich dieser Bericht jetzt auch liest, ich habe hier wirklich nur die Glanzpunkte herausgepickt. Über den nicht genannten negativen Punkten schwebt indes  ein einziger Grund, aus dem diese Punkte resultieren: Phlegma. Man führt nach der ersten Minute 1:0 und geht davon aus, das Spiel von nun an im Vorbeigehen 4 oder 5:0 nach Hause zu bringen. So läuft das natürlich nicht. Aber das wird der Jupp den Jungs schon klarmachen. Fraglich ist lediglich, ob das so einfach ist, ob der deutlichen Ergebnisse, die bislang eingefahren wurden.

Sonntag geht es also zum BVB nach Dortmund. Für mich war das Ordern eines Tickets für dieses Spiel natürlich Pflicht. Für viele anderen scheint das anders auszusehen, demnach gibt es noch einige wenige Tickets für die Gästeblöcke an der Stadionkasse. Ich hoffe doch, dass sich reichlich Kurzentschlossene finden, um den SVB im vermutlich ersten Bundesligaspiel der Saison zu unterstützen. (Update: Das vermutlich kann ich streichen. Der Satz sollte erst anders enden ;-) Ich bin mir hingegen relativ sicher, dass am Sonntag definitiv das erste Bundesligaspiel der neuen Saison von Bayer 04 stattfinden wird.)

Notizen zum 18. Spieltag

  • Die Hertha kann nur gegen Hannover gewinnen.
  • Was aber immerhin bedeutet: Die Hertha kann gewinnen.
  • Gekas spielt und trifft sofort.
  • Dortmund meint es ernst.
  • Skibbe wird vom Leverkusener Schönreder zum Frankfurter Frontkritiker.
  • Skibbe meckert erwiesenermaßen auf hohem Niveau.
  • Klose schießt ein Tor und macht Druck auf Stefan Kießling.
  • Dass Arjen Robben in langen Unterhosen spielt, scheint für jeden Berichterstatter eine Information wert zu sein.
  • Udo Lattek feiert seinen 75. Geburtstag und das DSF denkt, dass uns das interessiert.

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