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Verkehrte Welt: Bayer 04 – Borussia Mönchengladbach 3:6

Freuen wir uns: Dieses Jahr gibt es keine endlose Serie von Spielen ohne Niederlage, an deren Ende wir die Schande über uns ergehen lassen müssen, trotz allem nicht mehr als den vierten Platz erreicht zu haben. Ihr merkt schon, mein Glas ist meistens halbvoll.

Ich bin mit einem guten Gefühl ins Stadion gegangen. Wie könnte es auch anders sein? Nie kann man drei Punkte fester einplanen als gegen Gladbach. 4:0 war mein Tipp. Kann auch 5:0 ausgehen. Vielleicht wirds auch nur ein 2:0. Aber ne Null steht hinten am Ende definitiv. So viel zur Theorie, das Ende ist bekannt.

In den ersten Minuten lief es auch ganz gut, obgleich eine gewisse Lässigkeit zu Erkennen war. Konnte ich der Mannschaft gar nicht übel nehmen, der Gegner war schließlich Gladbach. Irgendwann wird das erste Tor schon fallen. Das einzige, was mich richtig genervt hat war dieser Herrmann im rechten Mittelfeld. Vielleicht war das, was mich genervt hat aber auch unsere linke Defensiv-Seite. Ansichtssache. Fakt ist: Ein ums andere mal gelang es Herrmann mit einem steilen Pass, meist auf Idrissou, unsere Abwehr zu entblößen. Häufig musste Sami Hyypiä dort aushelfen, da Kadlec sich bereits in der Offensive düpieren ließ. Leider Gottes konnte man in diesen Szenen gestern schon erkennen, dass Hyypiä keine 25 mehr ist. Meistens war er einen Schritt zu spät wodurch regelmäßig der Strafraum brannte.

Letzten Endes war es jener Herrmann, der nach einem Weltklasse-Patzer von Arturo Vidal zur Stelle war und das 1:0 für die Gäste markierte.

“Passiert”, dachte ich mir, ein blindes Huhn findet schließlich auch mal ein Korn. Der Ausgleich konnte nur eine Frage der Zeit sein. Diese Prognose war die einzige, die mir am gestrigen Abend zuverlässig gelang. Nach Castros Flanke aus dem Halbfeld macht Derdiyok das, was er am besten kann: Humorlos einköpfen.

Dass der Bayer-Express nun warmlaufen würde, war allerdings ein Fehlschluss.

Bayer spielte gestern quasi ohne Innenverteidigung. Ein zusätzliches Problem war, dass man sich nicht sicher sein konnte, ob mit Friedrich und Vida noch eine echte Innenverteidigung auf der Bank saß. Ob es so war, werden wir nie herausfinden – Hyypiä und Reinartz durften mussten bis zum Ende durchspielen. Wenn dann noch der Torwart patzt (der ansonsten sehr gute Szenen hatte) ist das eine ganz unglückliche Konstellation. Das 1:2 fiel nach einem flachen Fernschuss, den Adler nicht festhalten konnte und dadurch Brouwers Tür und Tor öffnete.

Es ergibt keinen Sinn, den restlichen Spielverlauf im Detail zu erklären. Man nehme das bisherige Resultat und multipliziere es mit Drei, da kann man nicht viel falsch machen. Es ist nicht so, dass Bayer sich aufgab. Das war wirklich nie der Fall – auch nach dem 2:6 nicht. Doch die Tore schossen letztendlich meistens die Gladbacher. Dies lässt als einzigen Schluss zu, dass das Training der Gladbacher unter der Woche relativ eintönig aussah: Torschusstraining, Torschusstraining, Torschusstraining. Selten habe ich Bälle so zielstrebig gen Winkel fliegen sehen, wie gestern.

Ebenso bin ich nach einer Niederlage selten so gleichgültig nach Hause gefahren. Ein Sieg war einfach nicht drin. Gladbach hat verdient gewonnen. Bayer hat weder clever, noch gut, noch sicher gespielt. Aber die Mannschaft hat von Anfang bis Ende alles versucht und sich nie aufgegeben, was will ich als Fan mehr? Die Entschlossenheit, mit der Vidal sich nach dem 2:4 (58.Minute) und dem 3:6 (70.) noch den Ball geschnappt hat und Richtung Mittelpunkt gelaufen ist, war schon beeindruckend. Wenn ich das richtig sehe, sah das gestern auch der Großteil des restlichen Blocks so. Vielleicht ist diese Niederlage zu dieser Zeit gar nicht so verkehrt. Ein zweites Mal wird das nicht passieren. Hut ab, Gladbach! Mund abwischen und weitermachen, Leverkusen.

Hier! regiert! der S-V-B!: Borussia Dortmund – Bayer 04 0:2

Selten war die Auswährtsfahrt in eine doch recht nahe Stadt (ich komme aus der Aachener Ecke) so anstrengend. Geschlagene zehn Stunden waren wir letztlich unterwegs, für einen Trip, der planmäßig sechs einhalb Stunden dauern sollte. Spielzeit allerdings inklusive. Schuld daran waren diverse gehäufte Ausfälle der Deutschen Bahn. Gut, dass wir reichlich Zeitpuffer eingeplant hatten.

Aber hey: Es hat sich gelohnt.

Michael Ballack schnupperte seit einer halben Ewigkeit wieder Bundesligaluft. Um ihm den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten, lief die Werkself ausnahmsweise im Chelsea-Trikot auf. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass er schon ziemlich bald gemerkt hat, dass die Mannschaft in der er da spielt, nicht Chelsea sein kann. Dafür wurde vorne zu viel gezaubert und hinten zu sehr gewackelt.

Im Vordergrund standen heute allerdings andere, nicht Michael Ballack. Es ist schwierig einen Spieler des Spiels zu bestimmen, doch was Arturo Vidal, Gonzalo Castro und Renato Augusto vor beiden Treffern gezeigt haben, war schon erste Sahne. Gerade von Gonzo kam im Rest des Spieles nicht viel, doch die Aktion vor dem 1:0 tröstet über vieles hinweg. Vidal und Renato hingegen waren stehts gefährlich, präsent und trickreich. So wird Fußball gespielt. Sagte ich eigentlich bereits, dass es DIE Saison von Renato werden wird?

In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, doch das war auch nicht nötig. Dortmund spielte optisch überlegen, erarbeitete sich aber kaum zwingende Chancen. Ist natürlich aber auch nicht einfach, wenn der Gegner hinten drin einen blonden, beweglichen Leuchtturm beschäftigt und hinter diesem noch immer ein René Adler in Topform steht.

Würde ich jetzt schreiben, dass der Block 90 Minuten lang vor Heiterkeit tobte, würde mir das hier ja eh wieder keiner abnehmen. Dennoch war es so. Es hat Spaß gemacht. Danke für die 15 Minuten “Bayer Leverkusen .. von 19hundert4″, hoffentlich finde ich davon irgendwann eine Aufnahme im Netz. So stelle ich mir Support vor. Da kann die schwarzgelbe Wand von gegenüber noch so vielzählig sein. Bei einem 2:0 ist es natürlich nicht schwierig, ausgelassen zu sein, aber dadurch macht es ja nicht weniger Spaß.

Als nächstes, das bedeutet Donnerstag, fliegt die Mannschaft in ein Trainingslager in die Ukraine, um drei Tage später gut erholt der anderen Borussia ebenfalls den Hintern zu versohlen. Ich freu mich.

Die Bilanz der Bundesligasaison 2010/2011 in Zahlen

Verlasst euch auf mein Gefühl:

  • Tore/Vorlagen von Patrick Helmes: 24/2
  • Tore/Vorlagen von Stefan Kießling: 14/8
  • Tore/Vorlagen von Eren Derdiyok: 6/3
  • Einsätze von Nicolai Jørgensen: 8
  • Einsätze/Scorerpunkte von Burak Kaplan: 4/4
  • Gelbe/Gelb-Rote/Rote Karten von Arturo Vidal: 22/1/0
  • Marktwertanstieg von Sidney Sam: 3.500.000 €
  • Einsätze von Beginn an von Hanno Balitsch: 1
  • Kopfballtore von Michael Ballack: 3
  • Erarbeitete Elfmeter von Renato Augusto: 2
  • Fragwürdige Gerüchte um Anfragen aus England für Tranquillo Barnetta: 4
  • Einsätze von Simon Rolfes: 22
  • Häufigkeit, mit der Gonzalo Castro beim kicker in der Elf des Tages auftaucht: 7
  • Einsätze/Verursachte Elfmeter von Domagoij Vida: 7/2
  • Einsätze von Manuel Friedrich mit Kapitänsbinde: 8
  • Spieltag an dem Sami Hyypiä sein erstes Bundesligator 2010/2011 erzielt: 34
  • Ernstzunehmende Gerüchte für Stefan Reinartz: 4
  • Gegentore gegen René Adler: 34
http://transfermarkt.de/de/sidney-sam/profil/spieler_39102.html

Na endlich: 1. FC Nürnberg – Bayer 04 3:2

So, ich habe erst mal zwei, drei Tage Abstand gebraucht um dieses Spiel zu verdauen. Das ist jetzt geschehen. Berichten möchte ich von diesem Spiel auch gar nicht weiter, sondern nur einen Kommentar abgeben.

Eigentlich ist ja gar nichts Wildes passiert. Wir haben ein Spiel verloren. Wir sind also doch sterblich. Na und? Dann haben wir jetzt halt die Krise, “die jede Mannschaft innerhalb einer Saison zwangsläufig erfahren muss”. Das heißt doch alles noch lange nichts. Vielleicht hatten die ganzen Besserwisser sogar recht, als sie sagten “Leverkusen knickt sowieso wieder ein”. Und vielleicht haben sie recht, wenn sie inzwischen sagen “Seht ihr? Da ist der Knick schon”. Vielleicht ist Psychologie im Fußball tatsächlich noch viel wichtiger als man dachte. Vielleicht werden Statistiken und Berechnungen aller Art dadurch noch sehr viel unsinniger, als in der halben Blogosphäre behauptet.

Vielleicht wird die Mannschaft jetzt aber auch wachgerüttelt, was selbst eine ganze Flut an Unentschieden womöglich nicht vermag. Mund abwischen, weitermachen. Den Glauben verliere ich erst, wenn wir auch noch den dritten Platz abgeben.

Unterm Strich ordentlich: Bayer 04 – VfL Wolfsburg 2:1

Bayer04.de – zumindest die Club-Seite – titelt “Bayer reißt Wölfe auseinander”. Ist das ein Kalauer, den ich nicht verstehe? Das Spiel war ordentlich, aber übertreiben wollen wir doch mal nicht.

Nachdem mir das Spiel gegen Bochum überhaupt nicht gefallen hat, war das, was Bayer 04 am Samstag abgeliefert hat, aber tatsächlich wieder recht zufriedenstellend. Wir waren spielerisch überlegen und wandelten diese Überlegenheit auch in Torchancen um – freilich nicht in Tore, sonst wäre es am Ende nicht noch einmal eng geworden. Sicher lag diese Leistungssteigerung auch am Gegner, der, anders als Bochum, sich nicht hinten reinstellte, nicht auf Konter lauern wollte, dem andererseits aber trotzdem nicht viel anderes übrig blieb.

In der ersten Hälfte wurde es genau einmal wirklich kritisch für Bayer 04: Nach einem sensationellen Fehlpass von Stefan Reinartz auf den vielleicht einzigen Wolfsburger Spieler, dem man zur Zeit keinen solchen Fehlpass servieren sollte, und durch den nicht aus den Startlöchern kommenden Manuel Friedrich. Doch Reinartz machte seinen Patzer, der ja ohnehin folgenlos blieb, da man nicht André Lenz René Adler im Tor stehen hat, kurz nach dem Seitenwechsel gedankenschnell wieder wett. Doch genau nach diesem Treffer hat sich gezeigt, wieso Bayer 04 die Wölfe nicht “zerrissen” hat: Sicher, wir haben weiterhin gut nach vorne gespielt, doch Chancen, wie die von Derdiyok kurz nach dem 1:0, wären noch vor wenigen Spieltagen nicht so lässig vergeben worden. Weiterhin schade, dass Derdiyok die beiden Klaus-Fischer-Gedächtnis-Fallrückzieher nicht besser getroffen hat. Es wäre ihm zu gönnen. Dafür hatte er beim 2:0 das verdiente Glück des Tüchtigen, als André Lenz seinen tollen Latten-Kopfball über die Linie drückte. Schade, dass dieses Tor nicht auf Erens Konto verbucht wird (Update, 20:04 Uhr: Och, fein, scheinbar doch; via). Generell wundert es mich, dass ein so fantastischer Kopfballspieler noch nicht mehr Kopfballtore erzielen konnte.

Momentan ist Derdiyok wohl die Nummer 1 im Sturm, da auf Kießlings Zeugnis mal wieder nur das Wörtchen “bemüht” zu finden ist. Aber Kopf hoch, Kies. Es stehen ja elf begabte Jungs auf dem Platz, da kann auch eine längere Schwächeperiode mal überwunden werden.

Bis zur 80. Minute hatte ich wirklich nie das Gefühl, dass wir in diesem Spiel Punkte lassen könnten. Doch mit einem Dzeko muss man wohl immer rechnen, egal wie schlecht der Rest seiner Mannschaft spielt. Und schon geht die große Zitterei mal wieder los. Man stelle sich vor Josué hätte am Schluss die Nerven bewahrt. Doch wäre es so gewesen hätte ich auf meinen Kalender geguckt um festzustellen, dass wir uns noch immer in der Saison 08/09 befinden. Doch wir haben 2010 und da gewinnen wir solche Spiele einfach.

Nun gilt es den Blick auf Werder Bremen zu richten. Das könnte ein richtungsweisendes Spiel werden. Die Bayern werden gegen Nürnberg unter Garantie gewinnen, sogar bei einem Sieg von Bayer 04 am nächsten Wochenende ist es nicht unwahrscheinlich, die Tabellenführung durch eine schlechtere Tordifferenz abzugeben. Damit müssen wir umgehen können.

Kein Grund zur Panik: VfL Bochum – Bayer 04 1:1

Darf ich vorstellen: Mein persönlicher, gefühlter Saisontiefpunkt. Uns fehlten die Ideen wie mir die Worte.

Allerdings war es ebenfalls eines dieser Spiele über die ich nicht meckern kann, da mir auch aus der übersichtlichen TV-Perspektive selten etwas besseres einfiel. Bochum stand zu tief für uns und zu eng. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass einfach zu wenig Bewegung im Spiel war (Kies? Das kennt man von ihm gar nicht), oft dass das Passspiel schlicht zu ungenau (Barnetta? Kroos? Katsche?) war.

Natürlich war nicht alles mies. Derdiyok zum Beispiel machte am Samstag zum ersten mal für Bayer 04 ein überragendes Spiel. Nicht nur das souveräne Tor hat überzeugt: Einige schöne Aktionen, wie der Aufsetzer von der Strafraumkante und der Kopfball nach Lupfer von Kießling, zwangen Heerwagen zu Glanzparaden.

Schade, dass Derdiyok (der Mann benötigt dringend einen Spitznamen) zur Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Schön, dass man da einen Helmes auf der Bank hat. Enttäuschend, dass dieser sich nicht einzubringen vermochte.

Klar, dass Leverkusen sich irgendwann das Gegentor fängt. Das ist ja nicht ungewöhnlich. Normalerweise steht es zu diesem Zeitpunkt allerdings schon 3:0. Auf diese Weise ziehen die Bayern, die zur Zeit nicht den Eindruck machen, patzen zu können, wieder punktgleich.

Aber hey, das ist doch nicht wild. Noch immer sind wir die Unbesiegbaren und mein Gefühl sagt mir, dass das auch noch eine ganze Weile so weitergeht. Solche Spiele wie jenes am Samstag kommen vor und wenn unsere schlechten Phasen (die ja angeblich jedes Team in einer Saison ja haben soll) so aussehen, beschwere ich mich nicht. Das Spiel gegen die Hertha war übrigens ganz ähnlich. Danach folgten fünf Siege. Gerne.

Kies kanns noch: Bayer 04 – SC Freiburg 3:1

Heute mal ein sehr kompakter Spielbericht, quasi als Hommage an das kompakte Spiel unserer Mannschaft. Alles was man wissen muss in knapp 15 Zeilen:

Bislang dachten wir: Dem Bayer reichen zehn gute Minuten um ein Spiel zu entscheiden. Heute wissen wir: Es reichen vier. Eat this, FC Bayern Munich!

Ich bezweifel, dass ich noch einen detaillierteren Spielbericht schreiben muss, denn eigentlich war es ein für Leverkusen in letzter Zeit sehr typisches Spiel. Nennt es Unsicherheit, nennt es Arroganz, nennt das, was die ersten 35 Minuten des Spiels bestimmt hat, wie ihr wollt. Danach gab es drei Tore, das Spiel war gelaufen. Der Gegentreffer hätte zwar nicht mehr sein müssen, aber geschenkt. Weiterhin Spitzenreiter, am nächsten Wochenende wird Bochum abgeschossen.

Nur in der Haut des wertvollsten Bankdrückers der Liga, der sich auch in der Nachspielzeit noch warmlief, möchte ich nicht stecken.

PS: Der schon wieder steckt in der Krise und hat heute nur eine Vorlage zu verzeichnen.

Meckern unerwünscht: TSG Hoffenheim – Bayer 04 0:3

Ich hatte es ja gesagt: Hoffenheim tritt erneut ohne Abwehr an, wie das dritte Tor deutlich belegt. Ebenfalls vakant: Der Sturm. Dies wiederum zeigt die Anzahl der von Hoffenheim geschossenen Tore.

Doch schauen wir der Wahrheit ins Gesicht, so schwer es fallen mag. Dieser Sieg, gerade in solcher Höhe, ist mehr als schmeichelhaft und nur einigen wenigen Einzelkönnern zu verdanken, die da wären: Hyypiä, Schwaab, Reinartz, Barnetta und, na ja, ihr wisst schon wer (Ja genau, der schon wieder). Der Rest des Teams wirkte erschreckend fehleranfällig.

Insgesamt war es vielleicht das zerfahrenste Spiel, dass die Mannschaft in der bisherigen Saison abgeliefert hat. Viel Hick Hack, viel Klein-Klein, wie man so schön sagt, viel Unsicherheit. Bezeichnend sind die beiden Chancen von Vukcevic, denen haarsträubende Fehler von Friedrich, respektive Adler vorausgegangen waren. Ich hätte ihm eine Kiste gegönnt. Ein ganz großer Spieler, dem der Torschuss wichtiger ist als ein geschindetes Foul.

Insgesamt wussten defensiv nur Hyypiä, Schwaab (vielleicht sein bestes Spiel bisher, das möchte ich schon hervorheben) und Reinartz zu überzeugen. Gerade letzterer hat gezeigt, wie man als moderner Sechser seinen Stammplatz verteidigt. Schade, dass der Schiri häufiger Fouls von ihm gesehen hat, wo meiner Ansicht nach keine waren. Doch wieso Vidal zur Pause nicht durch Rolfes ersetzt wurde, ist mir ein Rätsel. Dabei lag für ihn, wie in alten Zeiten, ständig die Gelb-Rote Karte in der Luft. Im Übrigen kam auch Helmes für mich zu spät. Wenn er Leistung zeigen soll um sich wieder heran zu kämpfen, muss er schließlich auch die Chance dazu bekommen. Heute, wo nach vorne nicht viel ging, wäre eine frühere Einwechslung durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Doch “nicht viel” kann für ein Team mit diesem Lauf natürlich immer noch genug sein, um drei Tore zu schießen, daher hat Jupp die Argumente sicher noch immer auf seiner Seite.

Das Wenige, was offensiv stattfand, war teilweise aber mal wieder allererste Sahne. Barnetta, der in letzter Zeit unglaublich aufdreht, was Tempo und Kampfgeist angeht, leitete fast jede Aktion ein und wurde am Ende mit dem eigenen Tor belohnt. Leute, den Jungen hatte ich vor einem Jahr schon längst abgeschrieben. Asche auf mein Haupt.

Auch Reinartz, der, wie ich es wahrnahm, als einziger Spieler sowohl defensiv als auch offensiv stattfand, wusste zu gefallen. Seine Flanke  vor dem 3:0 war der wichtigste und schwierigste Pass im gesamten Spielzug. Wo andere blind zur Grundlinie durchgelaufen wären und dort den Ball ans Schienbein des Verteidigers gehämmert hätten, bremst er überraschenderweise auf Höhe der 16m-Linie ab und flankt auf den einzigen freien Mann in der Mitte. Der Rest ist ein Mix aus Gewurschtel, Eingespieltheit und Übersicht.

Und über Toni müssen eigentlich nicht mehr viele Worte verloren werden. Wer noch ernsthaft glaubt, der Mann würde die nächste Saison noch immer mit dem Kreuz auf der Brust auflaufen, kann nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Nerlinger müsste hochkant rausgeschmissen werden, wenn er nicht alles daran setzt, ihn zurück zu holen. Nicht, dass Kroos das gesamte Spiel an sich reißen würde. Das macht dann tatsächlich eher Barnetta. Doch Kroos ist ein Meister der Effektivität. Ich möchte soweit gehen und behaupten: Kroos ist für uns so wertvoll wie Ballack 2001/2002. Natürlich haben beide gänzlich andere Spielanlagen, doch selten waren wir von der Effizienz eines Spielers so abhängig wie bei diesen beiden Typen. 15 Scorerpunkte in 19 Spielen, alleine 8 Scorerpunkte an den letzten vier Spieltagen, das sucht seinesgleichen.

Insgesamt sind es natürlich die positiven Aspekte, die man heute hervorheben muss, einfach deshalb, weil sie keinesfalls gewöhnlich sind, gerade für Bayer 04: Etwa, dass Spieler wie Schwaab, die eine eher durchwachsene Saison spielen, zur richtigen Zeit ihre Leistung abrufen, um andere Spieler, die heute morgen am besten im Bett geblieben wären, aufzufangen.

Nach solchen Spielen, wird man doch langsam zuversichtlicher, was die Chancen auf eine Meisterschaft (Hoppla, das verbotene Wort) angeht. Sogar ich. Beschissen spielen und 3:0 gewinnen, das hat schon etwas bajuwarisches.

Nachtgewäsch

Zu solch später Stunde kommen einem meist ja nochmal einige Gedanken – gesetzt den Fall, man ist wach und wenigstens halbwegs nüchtern¹ . Es handelt sich um Dinge, die man unbedingt noch schnell loswerden möchte, ehe man sich in die Falle haut. Gewissermaßen ist es bezeichnend und schockierend zugleich, dass sich auch um diese Uhrzeit meine Gedanken zu einem Großteil mit dem Thema Fußball beschäftigen. Im Folgenden wird nicht für den Zusammenhang einzelner Absätze garantiert. Da müssen wir jetzt durch.

Flauschige Pressekonferenzen und Akupu… wiebiddewas?

Habe ich schon mal erwähnt, dass die Pressekonferenzen am Freitag vor jedem Spiel sehenswert sind? Sicher, beim Bayer gibt es keine Action in bajuwarischen Ausmaßen. Es gibt keine Van Gaals, keine Trapattonis, erst recht keine Hoeneße und noch nicht mal Klinsis. In Leverkusen ist es eher… heimelig. Da sitzen geschätzte 10 bis 15 Journalisten im Presseraum während Pressesprecher Dirk Mesch und Trainer Jupp Heynckes zum gemütlichen Fußball-Talk bei Kaffee und Cola bitten.

Mit den Worten “Samma! … Also Pluspunkte ham se da nich mit gesammelt” und einem bösen Blick quittierte Heynckes Meschs Aussage als dieser das Hinrundenspiel gegen Hoffenheim als “müdes 1:0″ tituliert hatte. Da wird dann laut geschmunzelt unter den Journalisten. Und nun ja, das war in der heutigen PK dann auch schon der dramaturgische Höhepunkt. Ich finde das nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich mag es so. Insbesondere seit Jupp Heynckes da ist, läute ich jedes Bundesligawochenende mit dem Konsum der obligatorischen Pressekonferenz ein. Man fühlt sich daheim. Geborgen in Jupps Obhut, der einem Wort für Wort die Ängste des nächsten Spieltags nimmt. Ob die Serie hält, ob die drei Ex-Patienten Unruhe ins Team bringen könnten, ob Simon Rolfes und Stefan Reinartz nicht auch nebeneinander spielen könnten. Letztendlich läuft die Antwort auf eine jede Frage immer auf ein “Machen se sich mal keine Sorgen, das geht schon alles seinen Weg” hinaus, doch die Souveränität und Gelassenheit der Antwort befriedigt alle Gemüter. Auf Platz eins argumentiert es sich sowieso einfacher.

Schön an diesen Pressekonferenzen ist auch, dass man hin und wieder Details erfährt, die von den meisten Journalisten bei späterer Berichterstattung entweder verschluckt oder als irrelevant eingestuft werden. Zum Beispiel erfährt man, dass die Muskelverhärtung Renato Augustos offenbar mit Akupunktur behandelt wurde. Nun fühlt sich der Dribbelkönig angeblich “wie befreit”. Eigentlich dachte ich ja, dass bei Bayer04 seit dem Wechsel von Tscholli keine Zauberei fragwürdigen Behandlungsmethoden mehr angewandt werden. Aber ich bin natürlich kein Mediziner und vielleicht auch falsch informiert. Daher möchte ich das jetzt auch nicht abschließend bewerten. Jedenfalls nicht persönlich (Ich bin selbstverständlich auch offen für weitere Informationen).


Hoffenheim hat nur noch ein Mittelfeld

Sonntag also gegen Hoffenheim. Der Punkt ist: Sonntag. Sonntag! Ihr wisst schon. Sonntag. Ich finde es grausam, wenn an Sonntagen gespielt wird. Nicht wegen der Fahrerei als Auswärtsfan oder Ähnlichem. Meine Arbeitszeiten sind flexibel genug, dass ich Montags auch mal ausschlafen kann, wenn eine Heimfahrt länger dauert. Davon abgesehen, dass ich es sowieso nur selten schaffe, auswärts zu fahren. Das Problem am Sonntag ist einfach, dass Sonntag nicht Samstag ist. Rationaler kann ich es nicht begründen. Außerdem habe ich das subjektive Gefühl, dass Sonntags viel öfter Nullnummern stattfinden. Aber sei’s drum. Immerhin können die Bayern dadurch morgen wieder für einen Tag Tabellenführer werden. Das sind sie immerhin inzwischen seit fast sieben Tagen nicht mehr.

Während wir nicht wissen, was wir mit unseren Qualitätsstürmern anfangen sollen, wird Hoffenheim übrigens ohne Sturm antreten². Ohne Abwehr sowieso. Aus Tradition. Statistisch gesehen kann es also nur auf ein 6:0 für Bayer hinauslaufen.

Der Fall Frings

Zum Schluss noch was ganz anderes: Der Trauerfall Frings. Was haben wir uns geärgert oder gelacht, weil andere sich so geärgert haben. Was haben wir philosophiert. Was haben wir kommentiert. Am besten, finde ich, fasst es aber Entscheidend is auf´m Platz zusammen.

Schönes Wochenende wünsch ich.

¹ Nun, viele Gedanken kommen einem natürlich auch wenn man breit ist. Oft sind diese sogar weitaus interessanter als jenes Geschreibsel hier. Ein Vorteil der Nüchternheit ist jedoch, dass man morgens nicht panisch zum Rechner hasten muss um herauszufinden, was man des Nachts noch für einen Driss ins Internet geschrieben hat.

² Der ist entweder verletzt oder spielt beim Afrika-Cup.

Alles wie gehabt: Bayer 04 – Mainz 05 4:2

Für Bayer 04 beginnt das neue Jahr so, wie das Alte endete. Nervenaufreibend, energisch, erfolgreich.

Nach einem schwachen Start mit Tor für Mainz in der 8. Minute, gelingt die fulminante Wende, eingeleitet durch den wiedergenesenen Katsche. Dabei habe ich noch vor und in den ersten Minuten nach seinem Tor gemeckert, das sei wieder typisch Bayer: Zu viele Kombinationen, zu viel Spielerei ohne jeglichen Raumgewinn, zeitweise war aus meiner Sicht jeder Pass kontergefährdet. Und der Barnetta: Zu lässig, zu unkonzentriert, zeitweise zu dumm. Schön dass gerade jener mich nach einem Traumpass von Kies Lügen straft. Selten habe ich einen so wunderschönen Antritt gesehen, wie Tranquillos: Er sieht den Ball auf dem silbernen Tablett, sprintet los, noch 3-4 Meter vor dem Ball zögert er kurz und vergewissert sich über die Position seines Gegenspielers, legt sich die nächsten Schritte gedanklich zurecht, richtet die Augen auf das Spielgerät, beschleunigt wieder für die letzten Meter zum Ball und ab die Post. Wie aus einem Guss. Da tut es auch nichts zur Sache, dass der Ball letztendlich haltbar gewesen wäre. Schade allerdings, dass diese Situation und Kießlings vorzüglicher Pass im Fernsehn einmal mehr fast ausschließlich in der unübersichtlichen Nahaufnahme zu sehen war.

Kroos (Der schon wieder!) und Eren Derdiyok dürfen sich auf Seiten von Bayer 04 noch in die Liste der Torschützen eintragen, die Mainzer erzielten zwischenzeitlich einen Anschlusstreffer durch Bungert.

Schön, dass wieder ein Spiel gedreht wurde. Schön, dass Kadlec schon jetzt wieder das Tor getroffen hat und schön, dass auch Renato Augusto sich durch eine Vorlage zurückmelden konnte.

So schwer es uns auch fällt, Jens, ich glaube ein solches Spiel zum Auftakt der Rückrunde darf gut und gerne dazu beitragen, das unbestimmte Gefühl in der Magengegend wenigstens im Ansatz zu beruhigen. Sollen die Bayern und die Gelsenkirchener doch gewinnen.

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