Dietmar Hopp | lauthals

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Souveränität

Gestern spielte der SVB gegen Werder Bremen. Dass es in diesem Artikel nicht um dieses Spiel gehen kann, sollte jedem klar sein, der die Bedeutung des Wortes “Souveränität” kennt. Obwohl. Eigentlich ist das Thema dieses Artikels weniger Souveränität, sondern das Fehlen einer solchen. Nichtsdestotrotz geht es hier um ein Spiel des Samstages, nämlich um das der TSG Hoffenheim gegen die Borussia aus Dortmund.

Bei diesem Spiel wurde der Gästeblock offenbar mit Störgeräuschen beschallt, sobald dort Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp ertönten. Nun sitze ich also hier und bin fest dazu entschlossen meine Gedanken dazu niederzuschreiben. Allein: Mir fehlen die Worte.

Womöglich hatte der Verein damit tatsächlich nichts zu tun und nichts davon gewusst. Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber das sollen andere ermitteln. Mich erschüttert hingegen vielmehr, dass einigen (meinetwegen auch nur einigen wenigen), die Tragweite einer solchen Aktion (so sie denn tatsächlich durch den Verein gebilligt war) nicht bewusst zu sein scheint.

Es mag nicht in Ordnung sein, es mag sogar gegen den ein oder anderen Gesetzesparagraphen verstoßen, was aus der Dortmunder Kurve tönte (Nein, das Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Höhö). Natürlich ist es nicht okay, wenn gar die Mutter Dietmar Hopps mit in die Sache hineingezogen wird. Aber jetzt tun wir doch mal nicht so, als hätte man damit nicht rechnen können, als man sich entschloss, Mäzen einer Fußballmannschaft zu werden. Jetzt tun wir doch mal nicht so, als hätten gewisse Herren nicht schon lange vor Hopp ähnliche Schmähungen für viel weniger ertragen müssen. Uli Hoeneß, Tim Wiese, Oliver Kahn – die Liste ist natürlich endlos. Interessant ist, dass auch der Dortmunder Anhang selbst in dieser Liste vertreten ist, gelten die Mütter der Dortmunder doch mitunter als, nun, Arbeitnehmerinnen einer Branche, der die Mutter Hopps vermeintlich ebenfalls angehöre.

Jetzt kann es keine Rechtfertigung sein, dass etwas, das schon sehr lange praktiziert wird auch gleichzeitig in Ordnung ist. Doch durch die Konditionierung von Fußballfans stellt man sich nicht nur auf die gleiche Stufe wie die Schmähsänger, man platziert sich sogar noch weit unter deren Niveau. Es ist schließlich schlicht ein Unterschied, ob eine Aktion von einer spontan agierenden, lebenden und privaten Masse ausgeht oder von einer öffentlichen, professionellen und – hoffentlich – vorausdenkenden Struktur.

Meine Theorie ist ja, dass die TSG zu wenig Zeit hatte in den Alltag des Profifußballs hineinzuwachsen. Sowohl der Verein als auch die Anhängerschaft wurden mit der Bundesliga überrollt und sind noch immer dabei sich zu orientieren. Ich kann da schlicht zu mehr Souveränität raten. Der SVB wird selbst nicht gerade ständig mit Sympathie überschüttet, wir wissen also wie das ist¹. Wir versuchen es mit dem Prinzip Selbstironie – und das nicht erst seit der Werkselfkampagne von Seiten des Vereins. Und ich würde mal darauf wetten, dass sich kein BVB-Fan darüber beschweren würde, wären ihre Gesänge, statt durch einen Lautsprecher, durch Kontergesänge der TSG-Fans übertönt worden. Auch dann nicht, wenn aus dem 1899-Block Pfiffe gekommen wären, die so ähnlich geklungen hätten wie die Störgeräusche. Mit autoritären Mitteln schießt man sich hingegen nur Eigentore.

¹ Wobei ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass es mich unfassbar nervt, wenn mein Verein in einen Topf mit der TSG geschmissen wird, was schlicht und einfach unsinnig ist. Auch mir gefällt vieles nicht, was bei der TSG passiert.

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