Gonzalo Castro | lauthals

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Von Schulhöfen und Coladosen

Ich habe gestern geträumt, ich würde Fußball spielen. Also nicht in einem großen Stadion und von Tausenden umjubelt und vom Blitzlichtgewitter halbblind werdend, das meine ich gar nicht. Nein, ich träumte, ich wäre wieder auf dem Schulhof und würde dort kicken. Mit den Jungens.

Der kleine Platz war ja mein zu Hause. Damit meine ich nicht, dass ich bei jeder Gelegenheit dort gespielt hätte, ich war da eher zurückhaltend. Als Zuschauer geboren, möchte man meinen. “Besser gut geschaut als schlecht gespielt”, so oder so ähnlich kommentierte das mal ein Freund von mir. Aber um zurückzukommen: Was ich meine ist, wie gesagt, nicht, dass ich bei jeder Gelegenheit dort gespielt hätte, sondern, dass, wenn ich gespielt habe, ich nur auf dem kleinen Platz gut war. Fünf gegen fünf, besser noch vier gegen vier. Sobald es in die Turnhalle zum Sportunterricht ging war es vorbei mit der Herrlichkeit. Da musste ich dann im Tor stehen, weil die, die nichts auf die Reihe kriegen, immer im Tor stehen müssen in der Schule. Was seltsam ist, da ich auch dort nur äußerst selten glänzen konnte. Ich habe, das ist jetzt kein Scherz, sogar mal den Piplica gemacht. Das waren noch Zeiten.

Und dann gab es ja, nach der Schule, auch noch größere Plätze als die Turnhalle, so richtig mit Rasen, nicht nur, aber auch, und da musste man ja schon wirklich schreien, wenn man einem Teamkollegen auf der anderen Seite des Platzes Kommandos geben wollte. Oder, was meinem Fall häufiger entsprach, man musste sehr, sehr genau hinhören, wenn man sie empfangen musste. Da stand ich dann, nebenbei erwähnt, auch nicht mehr im Tor, denn in ein so großes Tor konnte man mich schließlich dann doch nicht stellen. Bei den kleinen Toren in der Halle bestand immerhin noch die Möglichkeit, dass ich regelmäßig durch Abgeschossenwerden den ein oder anderen Gegentreffer verhinderte, bei den großen Toren sank diese Wahrscheinlichkeit nachvollziehbarerweise immens. Ich spielte dann meistens den rechten Verteidiger. Ein bisschen wie Gonzalo Castro, sah ich meine Stärken doch auch eher in der Offensive. Verschenkt war ich da, sollte man meinen. Tat aber niemand.

Na ja, nach dem Spiel ist vor dem Spiel, sagt man ja so, und meistens hat man ja auch Recht damit. Und manchmal war das nächste Spiel dann doch wieder auf dem Schulhof, in irgendeiner Nische, fünf gegen fünf, besser noch vier gegen vier. Da stand dann ohnehin jeder mal im Tor, also nicht nur ich. Und wenn ich dann mal drin stand, hatte ich nicht mit Piplicabällen zu kämpfen, da, erstens, Schüsse oberhalb der 30-Zentimeter-Marke schon übers Tor (lies: eine Art Bordstein) geflogen sind und, zweitens, Coladosen generell eher selten in solchen Höhenlagen anzutreffen sind. Und wenn ich auf dem Feld stand, konnte ich hier und da tatsächlich brillieren, auch wenn das nie jemand erwartete. Vielleicht lag das daran, dass eine meiner Stärken zwar schon immer das Laufen großer Distanzen war, während es aber gleichzeit eine meiner Schwächen war, eine ebensolche Leistung auch auszuhalten. Auf dem kleinen Platz kam ich gar nicht erst auf die Idee viel zu laufen, also war ich auch nicht zu müde mich auf meine überragende Technik zu konzentrieren.

Jedenfalls – eigentlich wollte ich ja gar nicht so weit abschweifen – ist nach dem Spiel vor dem Spiel, aber nicht immer, sondern eben nur meistens. Was mich betrifft, so ist die Zeit nach dem letzten Spiel momentan schon ziemlich ausgedehnt und wie ich gestern so träumte, von Schulhöfen und von Coladosen, bekam ich wohl Lust die weitere Zeit vor dem nächsten Spiel etwas zu verkürzen. Ich müsste mal wieder telefonieren und mich erkundigen, ob denn jemand Lust hätte, mit einem Gonzalo Castro oder meinetwegen auch nur mit einem Tomislav Piplica, mir doch egal, einen der ruhmreichen Bolzplätze unsicher zu machen.

Auf Dauer nur davon zu träumen, wie man Fußball spielt, ist schließlich auch nichts. Zumal ich mit einem schmerzenden Fuß aufwachen musste, nachdem ich, überzeugt davon, den Ball in die Maschen zu hämmern, gegen die Wand neben meinem Bett getreten hatte. Früher, auf dem kleinen Platz, wäre mir so etwas sicher nicht passiert.

Hier! regiert! der S-V-B!: Borussia Dortmund – Bayer 04 0:2

Selten war die Auswährtsfahrt in eine doch recht nahe Stadt (ich komme aus der Aachener Ecke) so anstrengend. Geschlagene zehn Stunden waren wir letztlich unterwegs, für einen Trip, der planmäßig sechs einhalb Stunden dauern sollte. Spielzeit allerdings inklusive. Schuld daran waren diverse gehäufte Ausfälle der Deutschen Bahn. Gut, dass wir reichlich Zeitpuffer eingeplant hatten.

Aber hey: Es hat sich gelohnt.

Michael Ballack schnupperte seit einer halben Ewigkeit wieder Bundesligaluft. Um ihm den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten, lief die Werkself ausnahmsweise im Chelsea-Trikot auf. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass er schon ziemlich bald gemerkt hat, dass die Mannschaft in der er da spielt, nicht Chelsea sein kann. Dafür wurde vorne zu viel gezaubert und hinten zu sehr gewackelt.

Im Vordergrund standen heute allerdings andere, nicht Michael Ballack. Es ist schwierig einen Spieler des Spiels zu bestimmen, doch was Arturo Vidal, Gonzalo Castro und Renato Augusto vor beiden Treffern gezeigt haben, war schon erste Sahne. Gerade von Gonzo kam im Rest des Spieles nicht viel, doch die Aktion vor dem 1:0 tröstet über vieles hinweg. Vidal und Renato hingegen waren stehts gefährlich, präsent und trickreich. So wird Fußball gespielt. Sagte ich eigentlich bereits, dass es DIE Saison von Renato werden wird?

In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel, doch das war auch nicht nötig. Dortmund spielte optisch überlegen, erarbeitete sich aber kaum zwingende Chancen. Ist natürlich aber auch nicht einfach, wenn der Gegner hinten drin einen blonden, beweglichen Leuchtturm beschäftigt und hinter diesem noch immer ein René Adler in Topform steht.

Würde ich jetzt schreiben, dass der Block 90 Minuten lang vor Heiterkeit tobte, würde mir das hier ja eh wieder keiner abnehmen. Dennoch war es so. Es hat Spaß gemacht. Danke für die 15 Minuten “Bayer Leverkusen .. von 19hundert4″, hoffentlich finde ich davon irgendwann eine Aufnahme im Netz. So stelle ich mir Support vor. Da kann die schwarzgelbe Wand von gegenüber noch so vielzählig sein. Bei einem 2:0 ist es natürlich nicht schwierig, ausgelassen zu sein, aber dadurch macht es ja nicht weniger Spaß.

Als nächstes, das bedeutet Donnerstag, fliegt die Mannschaft in ein Trainingslager in die Ukraine, um drei Tage später gut erholt der anderen Borussia ebenfalls den Hintern zu versohlen. Ich freu mich.

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