Robin Dutt | lauthals

Posts tagged: Robin Dutt

Robin Dutt

Eine ausführliche und anschauliche Analyse des Werdegangs und der Spielphilosophie Robin Dutts liefert uns “TE” von spielverlagerung.de:

Mit seinem neuen Verein Bayer Leverkusen hat er nach wenigen Spieltagen bereits eine ganze Handvoll Probleme. Als neutraler Beobachter sollte man jedoch verstehen, dass Dutts Idee vom Fußball eine gewisse Zeit braucht, bis sie bei einem Verein hundertprozentig funktionieren kann – ballbesitzorientierter Fußball ist immer schwerer zu vermitteln als eine Kontertaktik aus einer sattelfesten Defensive. Die Fans sollten ihm Zeit geben, seine Idee vom Spiel zu entwickeln.

Zum vollständigen Artikel, den ich wärmstens empfehlen möchte, bitte hier entlang.

Druck und Selbstvertrauen

Erwartungen, Druck. Die Pflicht, gewinnen zu müssen. Die Pflicht des Vizemeisters. Der Druck auf das Kollektiv, eine erbrachte Leistung zu bestätigen. Gar der Druck, eine Leistung noch weiter auszubauen. Der Druck auf einen Einzelnen, die Erwartungen zu erfüllen, es noch einmal allen zeigen zu wollen. Druck auf einen anderen, der dadurch entsteht, dass er nicht nachgesagt bekommen möchte, gegen den Ex-Verein nicht alles gegeben zu haben. Der Druck auf einen Trainer, nicht den gleichen Fehler zwei mal zu machen. Der Druck auf einen Trainer, richtig zu handeln, obwohl er zu Recht davon überzeugt ist, beim ersten Mal schon keinen Fehler gemacht zu haben. Wenn auch nur insgeheim. Und dann doch: Zweifel. Druck auf einen Torhüter, der endlich diese eine Chance erhält. Druck, durch die Gewissheit, dass ein anderer Torhüter ein Thema ist.

Selbstvertrauen, Unbekümmertheit. Das Selbstvertrauen desjenigen, der nicht bloß Zweiter geworden ist. Unbekümmertheit, die daraus entsteht, zu wissen, dass einem die Nation ohnehin schon zu Füßen liegt. Selbstvertrauen, dass auch ein Gegentor nach einer 3:0-Führung eben nicht zwangsläufig das Ende bedeuten muss. Selbstvertrauen, immer die richtige Entscheidung zu treffen. Unbekümmert darauf vertrauen zu können, dass das, was Spaß macht, nicht verkehrt sein kann. Selbstvertrauen, zu wissen, dass man es einfach drauf hat.

Im Gegensatz zu dem Druck, der daraus entsteht, sich bloß sehr, sehr sicher zu sein, dass man genau so viel drauf hat. Druck, entstanden aus einer Tradition der Misserfolge. Druck, der aus fehlgedeutetem Selbstbewusstsein entsteht. Zum Beispiel aus dem Selbstbewusstsein, One-Touch-Fußball zu spielen, auch wenn man Torwart ist.

Damit hier auch mal wieder der Name Ballack in der Überschrift steht.

Ballack nervt. Und zwar jeden. Und das Beste ist: dafür kann der Mann gar nichts. In Ordnung, er hat ein paar Probleme mit dem DFB, aber Herr Gott: Wer von uns hat die nicht? Im Gegensatz zu unserer, ist seine Antipathie natürlich öffentlich gemacht worden. Aber wenn man sich in der Funktion des prägendsten deutschen Spielers der letzten zehn Jahre befindet, wird jedes Knöllchen fürs Falschparken in der Öffentlichkeit diskutiert.

Aber selbst der Streit mit dem DFB wurde, zumindest von seiner Seite aus, in den letzten Wochen nicht weiter fortgeführt. Und trotzdem geht es in jedem Artikel auf den Sportseiten dieser Welt, der auch nur im Entferntesten mit dem SVB zu tun hat, um Michael Ballack. Zur Zeit liegt das angeblich daran, dass, und jetzt haltet euch fest, er vergangene Woche ein schlechtes Spiel gemacht hat. Und das, obwohl er es diese Saison doch allen zeigen wollte! (!!!1!1eins11elf… ihr wisst schon). Nicht, dass er solche Worte je tatsächlich öffentlich in den Mund genommen hätte. Allerdings macht es natürlich Spaß, sich vorzustellen, wie der Capitano einen vorlauten investigativen Journalisten umgrätscht, zornig auf ihn hinabblickt und brüllt: “Euch werd ichs nochmal zeigen!”

Meines Erachtens gibt er sich zur Zeit eher zurückhaltend, was ich so deuten würde, als dass er die Antwort tatsächlich auf dem Platz geben wolle. Am letzten Samstag hat das freilich noch nicht geklappt. Das wird er auch selber wissen. Vielleicht klappt es auch überhaupt nicht mehr, aber auch das wäre kein Grund jeden Tag das Volk mit dem Thema Ballack zu langweilen. Dutt betont stets und ständig, dass Ballack sich professionell verhalte und dass er sich eingliedere, wenn er, Ballack, zuweilen auch – selbstverständlich – “sportlich enttäuscht” sei. Spektakulär oder gar sensationell ist daran nichts.

Aber dennoch: “Dutt gibt Ballack Teilschuld” hieß es heute zum Beispiel  in einer Überschrift bei Spox (die inzwischen löblicherweise in die – zugegeben – weniger knackige Überschrift “Dutt: ‘Jedem Spieler kann die Bank drohen’” geändert wurde, nachdem in den Kommentaren Beschwerden laut wurden). Die Überschrift hätte allerdings genau so gut “Dutt gibt Balitsch Teilschuld” oder “Dutt gibt Schürrle Teilschuld” heißen können. Laut Dutt hatte nämlich jeder Spieler auf dem Platz eine solche, wie man erst erfährt, nachdem man sich das Interview durchgelesen hat.

Jetzt können wir – als einfache Fußballfans – natürlich nicht einfach die Medienlandschaft umkrempeln, obgleich wir wissen, dass es auch abseits des Themas Ballack genügend Gründe dafür gibt. Was uns bleibt, ist, dass wir die Ballack-Fanchöre wieder anstimmen können, vielleicht müssen. Selbst dann, wenn wir von Ballacks Leistung ebenfalls enttäuscht sein sollten. Auch wenn wir denken, und das tun viele von uns, Ballack gehöre nicht in die Startelf, weil andere zur Zeit stärker sind als er. Einfach nur, um zu zeigen, dass wir nicht auf jeden beknackten Zug aufspringen, der von der Presse befeuert wird.

WordPress Themes