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Im Schatten Ballacks

Wenn zur Zeit über Bayer 04 Leverkusen berichtet wird, steht meistens die Personalie Michael Ballack im Zentrum des Interesses. Auch hier im Blog. Dies geschieht auch nicht ganz zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass ein Charakter wie Ballack uns in der letzten Saison zum Sprung in die Champions League gefehlt haben mag. Doch in der Vorbereitung auf die neue Saison ist noch viel mehr passiert. Wie formulierte es einst ein großer Mann?

Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.

Aber sowas von. Richten wir nun also einen Blick auf die weiteren Neuzugänge. Wagen wir eine Prognose in Hinsicht auf ihre Einsatzzeiten und ihr Leistungsvermögen. Für Prognosen zur gesamten Mannschaft, inklusive möglicher Startaufstellungen, möchte ich hingegen auf Stefans Taktik-Grafik und Jens’ detaillierte Kaderplanung verweisen.

Der Verliehene: Marcel Risse (1.FC Nürnberg)

Vor knapp 20 Monaten schaffte Marcel Risse den Sprung aus der U19 von Bayer 04 ins Profigeschäft, wurde jedoch sogleich in die zweite Liga zum 1.FC Nürnberg verliehen. Dort spielte er sich in der Rückrunde immer näher an die erste Elf heran, blieb meist aber lediglich Einwechselspieler Nummer Eins. Doch wie auch der Club aufstieg, so stieg auch Marcel Risse innerhalb des Teams auf. In der vergangenen Bundesliga-Saison kam er auf 20 Spiele (zehn davon von Beginn an) und ordentliche sechs Assists (alle innerhalb einer Zeitspanne von zehn Spieltagen). Nürnberg hätte ihn (wie auch Jens Hegeler (wie auch Stefan Reinartz (ach ja, wie auch Peter Hermann)) gerne gehalten. Jupp Heynckes sieht in ihm allerdings eine brauchbare Alternative für die vermeintlichen Stammkräfte Tranquillo Barnetta und Renato Augusto. Dafür muss er sich allerdings ersteinmal an Sidney Sam und Burak Kaplan vorbeikämpfen. Insbesondere von Sidney Sam verspreche ich mir allerdings deutlich mehr. Mehr dazu weiter unten. Zwischen Kaplan und Risse könnte indes ein Kampf der Eigengewächse um Platz Nummer Vier auf den Außenbahnen entstehen – respektive um Platz Nummer Zwei der Außenbahnalternativen. Kaplan, von dem Jupp Heynckes in der kommenden Saison mehr Robustheit erwartet, genießt vermutlich noch einen kleinen Bonus durch seine überragende Effektivität in der vergangenen Spielzeit.

In den bisherigen Testspielen lieferte Risse eine ordentliche Leistung ab. Drei Mal stand er in der Startelf, drei Mal wurde er eingewechselt, drei Treffer hat er zu verbuchen, zuletzt gestern Abend gegen St. Gallen.

Der Wackelkandidat: Domagoj Vida (NK Osijek)

Mit 2,4 Millionen € ist Domagoj Vida der teuerste Transfer, den Bayer 04 in dieser Sommerpause gestemmt hat – sollte nicht noch etwas völlig Unerwartetes passieren. Nominell spielt Vida in der Innenverteidigung, wird angesichts der Konkurrenz in Kombination mit erwähnter Ablösesumme jedoch mit Sicherheit auch als Alternative für die Außenverteidigung geplant sein. Die Vorbereitung deutet dies mit vier Spielen auf der rechten Außenposition auch an. Dem gegenüber stehen zwei Spiele, in denen Vida in der Inneverteidung auflief.

Zur Zeit sieht es allerdings so aus, als hätte er sich noch nicht an das Leistungsniveau angepasst. Bislang trat Vida häufig durch unnötige Fouls in Erscheinung, die offenbar aus fehlender Fittness und der daraus entstehenden, oft zitierten halben Sekunde, die einem zu einem sauberen Tackling häufig fehlt, resultierten. Zudem spricht Vida bislang kein Deutsch und nur wenig englisch. Einer glücklichen Fügung des Schicksals ist es allerdings zu verdanken, dass Zvonko Komes erstens Konditionstrainer ist und zweitens Kroate. Meine Prognose: Das wird schon noch.

Der Vizemeister: Thanos Petsos (U19)

Petsos ist 19 Jahre alt und stößt von der U19 in den Profi Kader. Er war einer der Leistungsträger, die Bayer Leverkusen den zweiten Platz in der A-Jungend-Meisterschaft einbrachten. Nachdem er auch in der letzten Saison schon im Regionalligateam zu überzeugen wusste, durfte Petsos auch in der der vergangenen Bundesliga-Saison gegen Hannover 96 sein können für gut zehn Minuten unter Beweis stellen. Meist spielt Petsos im defensiven Mittelfeld, kann allerdings auch in der Innenverteididung und auf den Außen eingesetzt werden. Innerhalb der ersten Mannschaft ist er vermutlich als Ergänzungsspieler in der Verteidigung eingeplant,  da wir im defensiven Mittelfeld eine Überpopulation vorfinden. Gegen Hassia Bingen bestritt er sein bislang einziges Testspiel für die Werkself – in der Innenverteidigung.

Der für seine defensive Ausrichtung durchaus torgefährliche Thanos Petsos (Neun Tore in 28 Spielen der A-Jugend in der letzten Saison) wird sich vermutlich erst einmal hinten anstellen müssen. Potenzial ist dennoch deutlich erkennbar.

Der Hoffnungsträger: Sidney Sam (Hamburger SV)

Offiziell wechselt Sidney Sam vom HSV an die Dhünn, zuletzt aktiv war er allerdings für den 1.FC Kaiserslautern in der zweiten Liga. Vom Kicker wurde er zuletzt deutlich zum besten offensiven Spieler der Rückrunde auf der Außenbahn gewählt, acht Tore und vier Vorlagen in diesem Zeitraum (zehn Tore und sieben Vorlagen insgesamt) unterstreichen diese Wahl. Die Unbekümmertheit, mit der er dort zuweilen auftrat, hat auch mich beeindruckt. So sehr, dass ich relativ viel von ihm erwarte. Ich erwarte einen offenen Konkurrenzkampf mit Tranquillo Barnetta. Interessant wird dieses Duell dadurch, dass sich beide Spielertypen sehr stark unterscheiden. Während Barnetta mittlerweile auf Einsatz und Kampfgeist setzt, setzt Sidney Sam zunehmend auf Spielfreude und Risikobereitschaft. Wenn Sidney Sam, der außerhalb des Platzes durch seine ruhige und lässige Art die Sympathien auf seine Seite zieht, es schafft, sich einen Stammplatz zu erkämpfen, dann, so sage ich vorraus, haben wir einen neuen Publikumsliebling.

In der Vorbereitung stand er bislang vier Mal in der Startaufstellung, drei Mal wurde er eingewechselt, einmal traf er bisher ins Schwarze.

Schon in der Saison 08/09 zeigte Sidney Sam mit fünf Scorer-Punkten in den letzten vier Spielen sein Können. Gegen Augsburg schoss er ein Tor, welches für das Tor der Woche nominiert war. Nicht, dass ich meinen würde, Youtube-Schnipsel könnten die Klasse eines Spielers repräsentieren, aber dennoch: So eigensinnig jenes Tor auch war, so wunderschön war es auch, so sehr macht es Lust auf mehr.

Der Rückkehrer: Hanno Balitsch (Hannover 96)

Er hat es vorgemacht, Ballack nahm sich diese Geschichte nur als Vorbild. Zwischen 2002 und 2005 spielte er bereits 1,5 Jahre für den SVB. Nun kehrt er zurück und wird genau wissen, dass er in erster Linie als erfahrener Ersatzmann eingeplant ist. Ob ihm das reichen wird, weiß ich nicht. Und ob es dabei bleiben wird, möchte ich auch nicht prognostizieren. Der Wille und die Führungsqualität, die sich Hanno Balitsch, gerade in den letzten Jahren bei Hannover, zweifellos angeeignet hat, imponieren mir. Er könnte die Überraschung der Saison werden, mit der niemand gerechnet hat – hat er doch die vermeintlich talentierteren Spieler Ballack, Rolfes, Vidal, vielleicht Reinarzt, noch vielleichter Castro vor sich. Auch Bender klopft an. Ich rechne nicht mit dieser Überraschung, doch es soll mir keiner nachsagen können, ich hätte es nicht gerochen, wenn es doch passieren sollte. Am liebsten würde ich Balitsch mit dem nach Aachen abgewanderten Thomas Zdebel vergleichen, allerdings werde ich mir das verkneifen, da ersterer mit seinen gerade einmal 29 Jahren (meint man gar nicht, was?) durchaus noch eine gewisse Perspektive hat. Man darf also gespannt sein.

Auch Balitsch kam bisher in jedem der sieben Vorbereitungsspiele zum Zug -  drei mal in der Startaufstellung.

Der Unbekannte: Nicolai Jørgensen (Akademisk BK)

Zu guter Letzt: Ein Zauberer-Duett, namentlich bekannt als Rudolf und Wolfgang, ein Zauberhut, getarnt als Scoutingabteilung und ein weißer Hase mit blondem Kurzhaarschnitt. Der weiße Hase, das ist Nicolai Jørgensen. Kennt ihr nicht? Wenn man Jupp Heynckes glauben kann, wird sich das ziemlich schnell ändern. 19 Jahre ist er alt und wechselt aus der zweiten dänischen Liga für stattliche 800.000 € nach Leverkusen. In der 1.Division (nicht irritieren lassen, die erste Liga Dänemarks ist die Superligaen) erzielte er in 23 Spielen sieben Tore und legte den Ball vier Mal zum Torerfolg auf. Was das bedeutet weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass er in fünf Testspieleinsätzen (jeweils von Beginn an) fünf Mal getroffen hat. Da vier dieser Treffer gegen die Zillertaler Auswahl fielen (und auch Wacker Insbruck keine Übermannschaft ist), kann ich allerdings auch das nicht weiter bewerten. Dennoch scheint er ein Mann zu sein, der über eine gesunde Portion Selbstvertrauen verfügt und durchaus auch aus der zweiten Reihe zum Torerfolg kommen kann. Ich gehe davon aus, dass Jørgensen in der kommenden Spielzeit Stürmer Nummer Vier sein wird. Allerdings vertraue ich auch den Worten Heynckes’, der ihm durchaus eine beachtliche Einsatzzeit vorraussagt.

Zur Zeit laboriert Jørgensen an einem Außenbandriss, den er sich gegen Altach nach einem Foul zugezogen hat.

¹der Vollständigkeit halber sei hiermit erwähnt: Der Spieler Zvonko Pamic vom HNK Rijeka hat ebenfalls bei uns unterschrieben, wird jedoch mit sofortiger Wirkung an den SC Freiburg verliehen. Ebenso kehrte Jens Hegeler von Augsburg zurück zu Bayer 04, reiste jedoch sofort nach Nürnberg weiter.

Fühlt ihr auch schon die Schwingungen?

Ich glaub, es geht bald wieder los. Das fühl ich irgendwie.

Wird aber auch Zeit – dieses ganze Getestspiele ist ja ein lustiger Zeitvertreib für zwischendurch… aber irgendwie… ist das ja doch nix Handfestes. Nach so langer Zeit freut man sich fast wieder auf ein womögliches 0:0 gegen Mainz. Da weiß man wenigstens was man hat.

Morgen schon findet natürlich die erste Runde des DFB-Pokals statt. Ich will das nicht unterschlagen, aber hochmütigerweise umgibt mich in Bezug darauf noch immer ein gewisses 5:0-Testspiel-Feeling. Wir treten gegen dieses Babelsberg an.  Man verzeihe mir meine Respektlosigkeit – vielleicht werde ich ja morgen schon auf den Boden der Tatsachen zurückgeschleudert.

Wie dem auch sei: Da warte ich nun seit Wochen, dass der Tageskartenverkauf für Clubmitglieder beginnt und kaum isser da, verpenn ich ihn fast. Nördlich sind die Tickets selbstverständlich rar, zumal wir einen (nicht gerade überraschenden) Dauerkartenverkaufsrekord erzielt haben. Ansonsten scheint der Ansturm auf das erste Heimspiel in der aufgemotzten BayArena zum Glück nicht allzugroß zu sein, so dass ich mir immerhin schonmal Hoffenheim, Dortmund und Gladbach gesichert habe für die Hinrunde.

Von mir aus kanns jetzt jedenfalls losgehn.

Kaderanalyse 09

Wie versprochen wollen wir nun einmal den Kader der nächsten Saison genauer beleuchten. Im Gegensatz zu manch anderem Verein ist bei uns nicht viel passiert. Die einzigen wirklichen Zugänge sind Samy Hyypiä, Eren Derdiyok und Daniel Schwaab. Stefan Reinartz, Pirre De Wit, Assimiou Touré, Theofanis Gekas, Burak Kaplan und Fabian Giefer kamen von ihren Ausleihstationen (Osnabrück, Nürnberg, Portsmouth) zurück oder wurden befördert.

Den Verein haben Henrique, Angelos Charisteas (beide zurück zum Verleiher), Pirmin Schwegler, Karim Haggui, Vratislav Gresko und Erik Domaschke gewechselt.  Constant Djakpa wird ausgeliehen und Bernd Schneider musste seine Karriere leider beenden. Den bisherigen Testspielen zufolge dürfte die etatmäßige Stammelf momentan etwa so aussehen:

Aufstellung 09

Aufstellung 09¹ (Klick für ein größeres Bild)

Obwohl ich persönlich es interessant gefunden hätte in der Vorbereitung mal ein 4-3-3 ohne Kroos, dafür mit Derdiyok, Gekas und Kies, auszuprobieren, hat Heynckes sich offensichtlich für das klassische 4-4-2 entschieden. Fein, damit kann ich auch leben, zumal sich die Stürmer beim 4-3-3 wohl auch nur gegenseitig auf den Füßen gestanden hätten. Aber schauen wies damit läuft, hätt ich schon gewollt. Na, ein ander mal.

Hier also die Kaderanalyse im Detail für ein 4-4-2 System:

Tor

Der Keeper befindet sich quasi nicht im akuten Konkurrenzkampf. Als Nationaltorhüter ist Adler die unangefochtene Nummer 1 beim Bayer.  Als Backups stehen Fernandez und Giefer bereit. Fernandez musste in der Vorbereitung drei der insgesamt fünf Gegentore hinnehmen, an denen er allerdings schuldlos war. Alle drei Treffer fing er in dem einzigen Spiel, das er absolvieren konnte, gegen Wydad Casablanca. Zur Zeit laboriert er an einem Meniskusschaden. In Folge dessen kam Giefer in den übrigen Testspielen häufiger zum Einsatz, genau genommen zwei mal über 90 und zwei mal über 45 Minuten. Die übrigen beiden Gegentreffer teilten sich gerecht unter Adler und Giefer auf. Sobald Fernandez fit ist, darf man davon ausgehen, dass er die Nummer zwei sein wird.

Abwehr

Hier wird es langsam interessant.  Meine favorisierte Abwehrreihe lautet

Kadlec – Friedrich – Hyypiä – Castro.

Dies lässt allerdings einige Variationen zu. Aus Mangel an gleichwertigen Alternativen dürfte Katsche (wie ich ihn seit kurzem auch liebevoll nenne) am sichersten im Sattel sitzen. Sollte er ausfallen steht Hans Sarpei auf dem Posten, der auf dieser Position bisher eigentlich immer einen ordentlichen Job gemacht hat, dessen Offensivqualitäten allerdings nicht mit denen Katsches zu vergleichen sind. Alternativ steht Touré zur Verfügung, der in der kommenden Saison aber vermutlich erstmal nur wenige Bundesligaminuten sammeln darf.

In der Innenverteidigung ist Sami Hyypiä, der von allen Seiten als  der Heilsbringer angesehen wird, gesetzt. Da auch ich mich nur allzu leicht euphorisieren lasse, hab ich ebenfalls das Gefühl, vor allem aber die Hoffnung, dass unsere Abwehr durch ihn deutlich an Sicherheit gewinnen wird. An seiner Seite wird (zumindest zu Saisonbeginn) Manuel Friedrich seinen Platz finden, da es fraglich ist, ob Sinke bis dahin wieder bei 100% sein wird. Und so sehr ich Sinkiewicz auch mag, so schätze ich, dass sich Friedrich auch langfristig weiterhin durchsetzen wird. Erstaunlicherweise genießt Friedrich bei einem Großteil der Fans nicht ganz das Ansehen, dass er meiner Meinung nach verdient hätte – obgleich doch alle hellauf begeistert sind, sobald er wieder mal nach einer Ecke den Kopf an die richtige Stelle hält (wodurch er zumindest in dieser Kategorie das Erbe des Juan antritt). Als vierter Mann steht Reinartz für die Innenverteidigung bereit, der in der Vorbereitung bislang auf der 6er-Position eine gute Figur machte. Der Platz neben Hyypiä (sollte Hyypiä in der Bundesliga tatsächlich eine so stabile Figur abgeben) dürfte damit hart umkämpft sein.

Auf der rechten Seite findet das Duell der U21-Europameister statt. Gonzo dürfte die Nase zur Zeit vorne haben, doch Schwaab machte in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Die Position des LV könnte in dieser Saison noch eine interessante Angelegenheit werden.

Mittelfeld

Auch das Mittelfeld stellt sich nicht von alleine auf. Hier würde ich Jupp in der Regel folgendes empfehlen:

Barnetta – Rolfes – Kroos – Renato Augusto

Heynckes hat im Mittelfeld vor allem zwei Optionen: Mit Raute oder mit zwei 6ern. Die erstere ist wahrscheinlicher und darüber hinaus ausgesprochen wünschenswert. Obgleich wir im defensiven Mittelfeld am breitesten besetzt sind (mit Rolfes, Vidal, Zdebel, Sinkewiecz, Castro und Reinartz, die dort spielen können), wird es nötig sein die Offensive durch einen klassischen 10er, seines Zeichen Toni Kroos, zu unterstützen, gerade nach dem Ausfall der Torgefährlichkeit eines Patrick Helmes. Den defensiven Part dürfte dem Kapitän wohl niemand ernsthaft streitig machen können. Sollte manchmal mit zwei 6ern gespielt werden, dürfteVidal den Vorzug erhalten neben Rolfes zu spielen. Die beiden würden sich dann abwechselnd in die Offensive einschalten. Sollte Schwaab sich allerdings mit der Zeit aufdrängen, könnte dies indirekt zu Vidals Verhängnis werden, wenn Heynckes Castro auf dessen eigentlicher Lieblingsposition stärker einstuft als den Chilenen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erfahrung eines Zdebel, über dessen Leistung man sich bislang selten beklagen konnte. Wie erwähnt hat auch Reinartz als Rolfes-Ersatz in der Vorbereitung eine gute Figur gemacht.

Bei der Variante mit Raute dürfte Kroos uneingeschränkt gesetzt sein, während De Witt als Ergänzung zur Verfügung steht. Auch auf den Flügeln ergeben sich neben Barnetta und Renato Augusto wenig Alternativen. Obwohl man Barnetta häufig anmerkt, dass die Bundesliga ihn zu langweilen scheint und er keinen Hehl daraus macht, sich zu Höherem berufen zu fühlen,  dürfte er sich gegen die einzige echte Alternative Sascha Dum durchsetzen. Dennoch weiß man dessen Qualitäten als Flügelflitzer zu schätzen, wodurch er als Ergänzung nicht abzuschreiben ist. Ich bin ausgesprochen froh, dass wir ihn nicht abgegeben haben und hoffe, dass er seine Chancen bekommen wird. Renato Augusto verkörpert die Kreativität des Bayerspiels und dürfte nicht adäquat zu ersetzen sein. Bei einem Ausfall wäre es denkbar, dass Castro (welcher bei der U21-EM auf ähnlicher Position gesetzt war und zum Teil brillierte) vorrückt, oder der junge Burak Kaplan seine Chance erhält.

Sturm

Mein Sturm sieht zunächst wie folgt aus:

Derdiyok – Kießling

Im Sturm wird Kießling definitiv gesetzt sein. Ähnlich wie bei Friedrich, allerdings für mich noch deutlich erstaunlicher, steht auch dieser häufig in der Kritik eines Teils der Fans. Also der Mann, der in der letzten Saison zwölf Tore und neun Vorlagen für Leverkusen geliefert hat. Der Stürmer, der die besten Zweikampfwerte aller Stürmer der Bundesliga aufweist (Quelle: mein Gedächtnis; kann als verlässlich angesehen werden). Der Mann, der eigentlich überall auf dem Platz anzutreffen ist. Ein Mann, dem man tatsächlich abkaufen könnte, sich mit dem Verein zu identifzieren und von dem ich noch nie Abwanderungswünsche gehört habe. Aber lassen wir das. Selbstverständlich wird sich Kies durchsetzen und nichts Anderes zählt. Freut mich, dass er es bei uns aushält, obwohl er davon ausgehen könnte, bei jedem anderen Verein (außer den Bayern vermutlich) der Publikumsliebling zu sein. Neben ihm wird zunächst wohl Derdiyok gesetzt sein, obwohl es Gekas ist, der in der Vorbereitung durch Tore auf sich Aufmerksam machte. Auch Heynckes scheint viel von Gekas zu halten. Man darf wohl gespannt sein, gerade wenn man bedenkt, dass beide wissen, dass in der Rückrunde (oder aber doch etwas früher?) ein gewisser Patrick Helmes wieder fit sein wird, den man de facto nicht verdrängen kann. Nicht unterschlagen werden soll Richard Sukuta-Pasu, dem in Fankreisen einiges zugetraut wird. Doch gegen die drei, respektive vier Top-Stürmer, wird es schwer für ihn sein, sich schon in dieser Saison durchzusetzen.

Es könnte also eine interessante Saison werden, ich halts kaum noch aus.

¹Alle Spielerbilder von Bayer 04, das Bild der Arena von funky1opti bei flickr.

Stand der Dinge

Wie bereits erwähnt, gibt es einiges aufzuarbeiten (denn seit spätestens heute ist dies hier ein Bayer04-Blog).

Der Coach…

…wird mir immer sympathischer. Wie die meisten war ich anfangs ziemlich skeptisch, als ich von Jupps Verpflichtung hörte. Mir sind nunmal hauptsächlich Gladbach und Schalke als letzte Stationen von Jupp Heynckes im Gedächtnis geblieben und weniger die paar Wochen bei den Bayern. Doch die Interviews, die man von ihm und über ihn hört, stimmen mich immer optimistischer. Aber ganz egal was man von Heynckes hält oder erwartet: Seine Verpflichtung war die einzige mögliche Antwort auf die Entwicklung der letzten Jahre. Endlich wieder ein Fußballlehrer der alten Schule. Einer, der Ruhe ins Team bringt. Einer, der die Euphorie des Umfelds in Grenzen hält, nur weil man gegen Leipzig 5:0 gewinnt. Einer, der dadurch auch den Spielern den Druck nimmt. Einer, der weiß, dass attraktiver Offensivfußball in Leverkusen zwar Tradition hat, ein ordentliches Umschalten auf die Defensive aber Grundvorraussetzung für Erfolg ist. Wenn in der nächsten Saison nicht das internationale Geschäft erreicht wird, dann liegt es nicht am Trainer. Woran es dann liegt, sollte jedem klar sein, doch schreiben werde ich es nicht, da ich es nicht wahrhaben will.

Die Zugänge…

…wissen zu gefallen. Allen voran Eren Derdiyok (21, FC Basel). Was ich bisher sehen durfte löst schon eine gewisse Begeisterung in mir aus. Er ist vermutlich nicht der 21-Tore-Stürmer, den wir nach dem Ausfall von Helmes sicher gebrauchen könnten. Doch mit einer (für einen Stürmer dieser Größe) feinen Technik und astreinem Kopfballspiel ausgestattet, scheint er sich perfekt ins Team zu integrieren. Im Gegensatz zu Helmes schießt er nicht aus allen Lagen, braucht dafür allerdings auch deutlich weniger Chancen für ein Tor.

Ebenfalls als treffsicher erweist sich bislang Fanis Gekas (29, Portsmouth, war verliehen). Ich dachte mir doch, dass er nicht alles verlernt haben kann. Wenn er sich damit abfinden kann nur Stürmer Nummer drei oder vier zu sein ist das natürlich wunderbar. Schade ist das ganze allerdings für Sukuta-Pasu, zumal er es in der bisherigen Vorbereitung nicht geschafft hat, sich aufzudrängen.

In der Defensiv-Abteilung hat sich ebenfalls einiges getan. Sami Hyypiä (35, FC Liverpool) ist natürlich der Startransfer überhaupt. Zusammen mit Stefan Reinartz (20, 1.FC Nürnberg, war ausgeliehen) soll er die Lücke schließen, die Henrique (planmäßig zurück zum FC Barcelona) und Haggui (zu Hannover 96) hinterlassen. Sami gibt sich bislang routiniert und kopfballstark. Außerdem hab ich das Gefühl, dass wir von dem Finnen nicht das gleiche Phlegma erwarten müssen, dass Roque Junior (als ebenfalls ein Spieler, der bereits alles erreicht hat) phasenweise in der Bundesliga an den Tag gelegt hat. Reinartz spielt sich zur Zeit insbesondere als Rolfes-Ersatz auf der 6er-Position in den Vordergrund und wird in höchsten Tönen gelobt. Wenn jener zum Bundesligastart wieder fit ist, wird sich Reinartz wohl dennoch zunächst auf der Bank wiederfinden müssen, da neben Hyypiä garantiert (und zu Recht meiner Meinung nach) Friedrich in der Innenverteidigung gesetzt sein wird. Ebenfalls interessant wird das Duell sein, dass sich Gonzalo Castro und Neuzugang Daniel Schwaab (20, SC Freiburg) auf der rechten Abwehrseite liefern werden. Gonzo ist selbstverständlich im Vorteil, auch weil er als Eigengewächs zu einer Rarität in der Bundesliga geworden ist. Beide kennen sich aus der U21, sind vor kurzem beide Europameister geworden. Während Andreas Beck (TSG Hoffenheim) dort allerdings die Position des rechten Außenverteidigers einnahm, rückte Castro ins Mittelfeld und erzielte von dort gar wichtige Tore (das 1:1 gegen England zum Einzug ins Halbfinale und das 1:0 gegen England im Finale). Schwaab kam indessen im Finale in der 69. Minute zu seinem Debüt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Schwaab den Konkurrenzkampf auf der rechten Seite ankurbeln wird.

Des Weiteren kehren mit Pierre de Wit und Assimiou Touré (beide 21, beide Vfl Osnabrück, waren beide ausgeliehen) zwei weitere Eigengewächse zurück. De Wit hat bislang noch mit seinem Kreuzbandriss zu kämpfen, wird, sobald er fit ist, jedoch eine Ergänzung im zentralen Mittelfeld darstellen. Touré wurde zur WM 2006 überraschend unter Otto Pfister togolesischer Nationalspieler, seit dem erwartete man teilweise Wunderdinge von ihm. Talentiert ist er und schnell ist er auch, wodurch er als brauchbare Alternative auf den Außenbahnen angesehen werden kann.

Des Weiteren erhalten Fabian Giefer (19, Leverkusen II) und der in der Vorbereitung groß aufspielende Burak Kaplan (19, Leverkusen U19) Profiverträge. Während Giefer sich als Torhüter selbstverständlich hinten anstellen muss, wird der ein oder andere Einsatz für Kaplan sicher drin sein.

Die Abgänge…

…sind kaum der Rede wert. Mensch, klingt das hart. Aber es entspricht der Wahrheit. Der Transfer von Henrique (22, FC Barcelona, war ausgeliehen) ist schade, war aber vorrauszusehen und unumgänglich. Ebenfalls zurück zum Absender gehts für Angelos Charisteas (29, 1. FC Nürnberg, war ausgeliehen). Obwohl er mir in seinen wenigen Joker-Einsätzen nicht so schlecht gefallen hat, ist der Abschied zu verschmerzen. Mit Karim Haggui (25, Hannover 96) bricht schon eher eine Säule weg – allerdings ebenfalls keine, die nicht zu ersetzen wäre. Constant Djakpa (22, Hannover 96, ist ausgeliehen), der talentierte Linksverteidiger wird in Hannover hoffentlich Erfahrung sammeln, denn an Kadlec führt zur Zeit kein Weg vorbei. Erik Domaschke (23) wechselt zum SV Wehen Wiesbaden, während die Wege des Vratislav Gresko (31) noch offen sind, so weit ich weiß. Dann wäre da noch Pirmin Schwegler (22, Eintracht Frankfurt). Ich ziehe nicht gerne über Ex-Spieler her und werde das auch hier nicht tun. Allerdings sind mir nicht viele Spieler in Erinnerung, die beim Bayer so wenig Eindruck hinterlassen haben (im Verhältnis zu den Erwartungen, die man an sie knüpft). Na ja, vielleicht schafft er unter Skibbe ja diesmal den Durchbruch, zu wünschen ist es ihm.

Die bisherige Vorbereitung…

…läuft doch eigentlich ganz prima. Wir sind bislang ungeschlagen gegen recht passable Gegner und haben sogar dieses komische Turnier da in Wattenscheid gewonnen. Phasenweise (in der ersten Hälfte gegen Istanbul beispielsweise) könnte man glatt meinen, dass man den guten alten Bayer04-Style wiederentdeckt hat. Die Jungs haben offensichtlich Spaß zusammen, der Trainer ist zufrieden, die Stimmung großartig. Alles wie immer also – das kann eigentlich nichts Gutes bedeuten.

Zur Zeit findet ein Trainingslager in Elztal statt, in dessen Rahmen der Kaiserstuhlcup ausgetragen wird. Gegner werden am 24.07., bzw. 25.07. der SC Freiburg und der Bahlinger SC sein. Endlich richtig los gehts dann am 31.07. im DFB-Pokal gegen den SV Babelsberg, selbstverständlich in Babelsberg.

Die Stammelf…

…bekommt in den nächsten Tagen noch ihren eigenen Artikel, denk ich mal.

Bernd Schneider…

…wird hier aus Prinzip nicht im Abschnitt der Abgänge genannt, da er seinen eigenen Abschnitt verdient hat. Ohne Zweifel ist es der herbste Verlust an Spielqualität und Charakter, den wir in den letzten Jahren hinnehmen mussten. Schnix war der Grundstein der Leverkusener Spielkultur. Der Initiator, der Vordenker, der Kapitän. Mit ihm verlässt ein ganz Großer die Fußballbühne, ohne auch nur einen namenhaften Titel gewonnen zu haben. Spielerisch hat es in der letzten Saison phasenweise auch ohne ihn funktioniert, dennoch bricht ein großer Brocken Identifikation weg. Und das so plötzlich. Wenn ich an das DFB-Pokalfinale denke und an den ganzen Block, der Schneider gefordert hat und an Bruno Labbadia, der trotz allem nicht mal mit der Wimper gezuckt hat, könnte ich kotzen. Das hätte ein würdiger Abschied werden können. Doch nun hoffen wir einfach, dass er das Abschiedsspiel bekommt, dass er verdient.

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