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Ein Spielfeld voller Pillen

Ich will mich wirklich nicht dranhalten. Aber es scheint ja tatsächlich etwas dran zu sein. Womöglich werden wir also in den folgenden Tagen unseren nächsten defensiven Mittelfeldmann begrüßen können: Lars Bender. U19-Europameister, dementsprechend deutsch und vor allen Dingen jung. Sicher ein guter Mann. Bayer’sche Transferpolitik der Neuzeit par excellence. Gefällt mir ja eigentlich.

Dennoch motiviert mich dieser Umstand dazu, einmal ein Schaubild anzufertigen. Das ganze erinnert ein wenig an Tapeten aus den 70ern, ergibt aber dennoch etwas Sinn. Et Voilà:

pillenfeldSmall

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Was soll das alles bedeuten, bitte?

Das Ganze ist vielleicht nicht vollkommen selbsterklärend, daher folgt nun eine Anleitung, wie dieses Schaubild zu lesen ist:

Wir sehen elf bzw. 20 Kreise (streng genommen sind es sogar 22)  auf einem Spielfeld verteilt. Sie sind angeordnet wie das 4-4-2 mit Raute, das Bayer 04 derzeit zu spielen pflegt. Die Größe der Kreise steht für die Anzahl der Spieler, die uns auf der jeweiligen Position zur Verfügung stehen.

Die äußeren (bzw. unteren) Kreise stehen dabei jeweils für alle Spieler, die laut ihrem Profil bei transfermakt.de auf der jeweiligen Position spielen können. Dabei musste ich allerdings eine Ausnahme machen: Gonzo Castro ist auf dem Schaubild nicht nur rechts in der Abwehr und im Mittelfeld, sondern auch auf der von ihm präferierten Position des defensiven Mittelfeldspielers anzutreffen. Das System von transfermarkt.de kennt allerdings keine Außenspieler, die gleichzeitig die 6er-Position ausfüllen können.

Des Weiteren habe ich dieses Bild zunächst nur für die Hinrunde erstellt, Patrick Helmes entfällt also aus der Wertung.

Diese Daten von tm.de zu nehmen ist zwar halbwegs objektiv, passt mir aber nicht an allen Stellen.  So mag es sein, dass Barnetta beide Außenbahnen beackern kann – auf der rechten Abwehrposition möchte ihn dennoch nicht sehen.  Daher existieren die inneren Kreise, die jene Spieler repräsentieren, die auf der jeweiligen Position meiner Einschätzung nach tatsächlich zu gebrauchen wären.

Der Farbton soll die “Qualitätshomogenität” auf einer Position symbolisieren. Dies kann in den vielen Fällen so verstanden werden: “Wie groß ist der Konkurrenzkampf auf dieser Position?” Ganz korrekt ist diese Fragestellung allerdings nicht. Ein kurzes Beispiel dazu: Nur weil laut tm.de sieben Spieler auf der rechten Abwehrseite spielen können, findet dort ja nicht weniger Konkurrenzkampf statt als zwischen den beiden Spielern, die ich auf diese Position gesetzt habe (denn im Endeffekt finden sich diese beiden Spieler ja auch im großen Kreis wieder). Ein “weniger tauglicher” Spieler wertet daher nicht den Konkurrenzkampf ab, sondern eben die Qualitätshomogenität, was, wie ich glaube, ein ganz passender Begriff dafür ist.

Speziell zu betrachten sind des Weiteren die Positionen der Innenverteidiger und der Stürmer, da es es von diesen Spielern jeweils zwei in der Startaufstellung gibt, die weitestgehend austauschbar sind. Auf diesen Positionen habe ich die verfügbaren Spieler aufgeteilt. Dennoch gleichen sich weder die Mittelstürmer- noch die IV-Positionen. Dies liegt daran, dass ich denke, dass zum einen Sami Hyypiä schon relativ fest im Sattel sitzt (demnach ist Hyypiä im Bild auf der linken, dunkleren Seite zu finden), während es Richard Sukuta-Pasu auf seiner Position im Sturm nicht einfach hat (ergo ist offensichtlich auch dieser links, ebenfalls im dunklen Kreis, anzutreffen).

Und worauf möchtest du nun hinaus?

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieser große, feuerrote Punkt dort in der Mitte – braucht der noch einen Mann mehr? Jetzt sofort?

Aber auch davon abgesehen, bietet dieses Bild Raum für Interpretationen, wie ich finde. Soll keiner glauben, ich hätte dieses Ding nur wegen meinem persönlichen DM-Problems erstellt.

Kaderanalyse 09

Wie versprochen wollen wir nun einmal den Kader der nächsten Saison genauer beleuchten. Im Gegensatz zu manch anderem Verein ist bei uns nicht viel passiert. Die einzigen wirklichen Zugänge sind Samy Hyypiä, Eren Derdiyok und Daniel Schwaab. Stefan Reinartz, Pirre De Wit, Assimiou Touré, Theofanis Gekas, Burak Kaplan und Fabian Giefer kamen von ihren Ausleihstationen (Osnabrück, Nürnberg, Portsmouth) zurück oder wurden befördert.

Den Verein haben Henrique, Angelos Charisteas (beide zurück zum Verleiher), Pirmin Schwegler, Karim Haggui, Vratislav Gresko und Erik Domaschke gewechselt.  Constant Djakpa wird ausgeliehen und Bernd Schneider musste seine Karriere leider beenden. Den bisherigen Testspielen zufolge dürfte die etatmäßige Stammelf momentan etwa so aussehen:

Aufstellung 09

Aufstellung 09¹ (Klick für ein größeres Bild)

Obwohl ich persönlich es interessant gefunden hätte in der Vorbereitung mal ein 4-3-3 ohne Kroos, dafür mit Derdiyok, Gekas und Kies, auszuprobieren, hat Heynckes sich offensichtlich für das klassische 4-4-2 entschieden. Fein, damit kann ich auch leben, zumal sich die Stürmer beim 4-3-3 wohl auch nur gegenseitig auf den Füßen gestanden hätten. Aber schauen wies damit läuft, hätt ich schon gewollt. Na, ein ander mal.

Hier also die Kaderanalyse im Detail für ein 4-4-2 System:

Tor

Der Keeper befindet sich quasi nicht im akuten Konkurrenzkampf. Als Nationaltorhüter ist Adler die unangefochtene Nummer 1 beim Bayer.  Als Backups stehen Fernandez und Giefer bereit. Fernandez musste in der Vorbereitung drei der insgesamt fünf Gegentore hinnehmen, an denen er allerdings schuldlos war. Alle drei Treffer fing er in dem einzigen Spiel, das er absolvieren konnte, gegen Wydad Casablanca. Zur Zeit laboriert er an einem Meniskusschaden. In Folge dessen kam Giefer in den übrigen Testspielen häufiger zum Einsatz, genau genommen zwei mal über 90 und zwei mal über 45 Minuten. Die übrigen beiden Gegentreffer teilten sich gerecht unter Adler und Giefer auf. Sobald Fernandez fit ist, darf man davon ausgehen, dass er die Nummer zwei sein wird.

Abwehr

Hier wird es langsam interessant.  Meine favorisierte Abwehrreihe lautet

Kadlec – Friedrich – Hyypiä – Castro.

Dies lässt allerdings einige Variationen zu. Aus Mangel an gleichwertigen Alternativen dürfte Katsche (wie ich ihn seit kurzem auch liebevoll nenne) am sichersten im Sattel sitzen. Sollte er ausfallen steht Hans Sarpei auf dem Posten, der auf dieser Position bisher eigentlich immer einen ordentlichen Job gemacht hat, dessen Offensivqualitäten allerdings nicht mit denen Katsches zu vergleichen sind. Alternativ steht Touré zur Verfügung, der in der kommenden Saison aber vermutlich erstmal nur wenige Bundesligaminuten sammeln darf.

In der Innenverteidigung ist Sami Hyypiä, der von allen Seiten als  der Heilsbringer angesehen wird, gesetzt. Da auch ich mich nur allzu leicht euphorisieren lasse, hab ich ebenfalls das Gefühl, vor allem aber die Hoffnung, dass unsere Abwehr durch ihn deutlich an Sicherheit gewinnen wird. An seiner Seite wird (zumindest zu Saisonbeginn) Manuel Friedrich seinen Platz finden, da es fraglich ist, ob Sinke bis dahin wieder bei 100% sein wird. Und so sehr ich Sinkiewicz auch mag, so schätze ich, dass sich Friedrich auch langfristig weiterhin durchsetzen wird. Erstaunlicherweise genießt Friedrich bei einem Großteil der Fans nicht ganz das Ansehen, dass er meiner Meinung nach verdient hätte – obgleich doch alle hellauf begeistert sind, sobald er wieder mal nach einer Ecke den Kopf an die richtige Stelle hält (wodurch er zumindest in dieser Kategorie das Erbe des Juan antritt). Als vierter Mann steht Reinartz für die Innenverteidigung bereit, der in der Vorbereitung bislang auf der 6er-Position eine gute Figur machte. Der Platz neben Hyypiä (sollte Hyypiä in der Bundesliga tatsächlich eine so stabile Figur abgeben) dürfte damit hart umkämpft sein.

Auf der rechten Seite findet das Duell der U21-Europameister statt. Gonzo dürfte die Nase zur Zeit vorne haben, doch Schwaab machte in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Die Position des LV könnte in dieser Saison noch eine interessante Angelegenheit werden.

Mittelfeld

Auch das Mittelfeld stellt sich nicht von alleine auf. Hier würde ich Jupp in der Regel folgendes empfehlen:

Barnetta – Rolfes – Kroos – Renato Augusto

Heynckes hat im Mittelfeld vor allem zwei Optionen: Mit Raute oder mit zwei 6ern. Die erstere ist wahrscheinlicher und darüber hinaus ausgesprochen wünschenswert. Obgleich wir im defensiven Mittelfeld am breitesten besetzt sind (mit Rolfes, Vidal, Zdebel, Sinkewiecz, Castro und Reinartz, die dort spielen können), wird es nötig sein die Offensive durch einen klassischen 10er, seines Zeichen Toni Kroos, zu unterstützen, gerade nach dem Ausfall der Torgefährlichkeit eines Patrick Helmes. Den defensiven Part dürfte dem Kapitän wohl niemand ernsthaft streitig machen können. Sollte manchmal mit zwei 6ern gespielt werden, dürfteVidal den Vorzug erhalten neben Rolfes zu spielen. Die beiden würden sich dann abwechselnd in die Offensive einschalten. Sollte Schwaab sich allerdings mit der Zeit aufdrängen, könnte dies indirekt zu Vidals Verhängnis werden, wenn Heynckes Castro auf dessen eigentlicher Lieblingsposition stärker einstuft als den Chilenen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erfahrung eines Zdebel, über dessen Leistung man sich bislang selten beklagen konnte. Wie erwähnt hat auch Reinartz als Rolfes-Ersatz in der Vorbereitung eine gute Figur gemacht.

Bei der Variante mit Raute dürfte Kroos uneingeschränkt gesetzt sein, während De Witt als Ergänzung zur Verfügung steht. Auch auf den Flügeln ergeben sich neben Barnetta und Renato Augusto wenig Alternativen. Obwohl man Barnetta häufig anmerkt, dass die Bundesliga ihn zu langweilen scheint und er keinen Hehl daraus macht, sich zu Höherem berufen zu fühlen,  dürfte er sich gegen die einzige echte Alternative Sascha Dum durchsetzen. Dennoch weiß man dessen Qualitäten als Flügelflitzer zu schätzen, wodurch er als Ergänzung nicht abzuschreiben ist. Ich bin ausgesprochen froh, dass wir ihn nicht abgegeben haben und hoffe, dass er seine Chancen bekommen wird. Renato Augusto verkörpert die Kreativität des Bayerspiels und dürfte nicht adäquat zu ersetzen sein. Bei einem Ausfall wäre es denkbar, dass Castro (welcher bei der U21-EM auf ähnlicher Position gesetzt war und zum Teil brillierte) vorrückt, oder der junge Burak Kaplan seine Chance erhält.

Sturm

Mein Sturm sieht zunächst wie folgt aus:

Derdiyok – Kießling

Im Sturm wird Kießling definitiv gesetzt sein. Ähnlich wie bei Friedrich, allerdings für mich noch deutlich erstaunlicher, steht auch dieser häufig in der Kritik eines Teils der Fans. Also der Mann, der in der letzten Saison zwölf Tore und neun Vorlagen für Leverkusen geliefert hat. Der Stürmer, der die besten Zweikampfwerte aller Stürmer der Bundesliga aufweist (Quelle: mein Gedächtnis; kann als verlässlich angesehen werden). Der Mann, der eigentlich überall auf dem Platz anzutreffen ist. Ein Mann, dem man tatsächlich abkaufen könnte, sich mit dem Verein zu identifzieren und von dem ich noch nie Abwanderungswünsche gehört habe. Aber lassen wir das. Selbstverständlich wird sich Kies durchsetzen und nichts Anderes zählt. Freut mich, dass er es bei uns aushält, obwohl er davon ausgehen könnte, bei jedem anderen Verein (außer den Bayern vermutlich) der Publikumsliebling zu sein. Neben ihm wird zunächst wohl Derdiyok gesetzt sein, obwohl es Gekas ist, der in der Vorbereitung durch Tore auf sich Aufmerksam machte. Auch Heynckes scheint viel von Gekas zu halten. Man darf wohl gespannt sein, gerade wenn man bedenkt, dass beide wissen, dass in der Rückrunde (oder aber doch etwas früher?) ein gewisser Patrick Helmes wieder fit sein wird, den man de facto nicht verdrängen kann. Nicht unterschlagen werden soll Richard Sukuta-Pasu, dem in Fankreisen einiges zugetraut wird. Doch gegen die drei, respektive vier Top-Stürmer, wird es schwer für ihn sein, sich schon in dieser Saison durchzusetzen.

Es könnte also eine interessante Saison werden, ich halts kaum noch aus.

¹Alle Spielerbilder von Bayer 04, das Bild der Arena von funky1opti bei flickr.

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