Stefan Kießling | lauthals

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Ach, äh…

…ich habe gestern übrigens was geschrieben. Im bayer04blog. Ihr kennt ja den Weg, einfach den Gang runter, zweite Tür links.

Unterm Strich ordentlich: Bayer 04 – VfL Wolfsburg 2:1

Bayer04.de – zumindest die Club-Seite – titelt “Bayer reißt Wölfe auseinander”. Ist das ein Kalauer, den ich nicht verstehe? Das Spiel war ordentlich, aber übertreiben wollen wir doch mal nicht.

Nachdem mir das Spiel gegen Bochum überhaupt nicht gefallen hat, war das, was Bayer 04 am Samstag abgeliefert hat, aber tatsächlich wieder recht zufriedenstellend. Wir waren spielerisch überlegen und wandelten diese Überlegenheit auch in Torchancen um – freilich nicht in Tore, sonst wäre es am Ende nicht noch einmal eng geworden. Sicher lag diese Leistungssteigerung auch am Gegner, der, anders als Bochum, sich nicht hinten reinstellte, nicht auf Konter lauern wollte, dem andererseits aber trotzdem nicht viel anderes übrig blieb.

In der ersten Hälfte wurde es genau einmal wirklich kritisch für Bayer 04: Nach einem sensationellen Fehlpass von Stefan Reinartz auf den vielleicht einzigen Wolfsburger Spieler, dem man zur Zeit keinen solchen Fehlpass servieren sollte, und durch den nicht aus den Startlöchern kommenden Manuel Friedrich. Doch Reinartz machte seinen Patzer, der ja ohnehin folgenlos blieb, da man nicht André Lenz René Adler im Tor stehen hat, kurz nach dem Seitenwechsel gedankenschnell wieder wett. Doch genau nach diesem Treffer hat sich gezeigt, wieso Bayer 04 die Wölfe nicht “zerrissen” hat: Sicher, wir haben weiterhin gut nach vorne gespielt, doch Chancen, wie die von Derdiyok kurz nach dem 1:0, wären noch vor wenigen Spieltagen nicht so lässig vergeben worden. Weiterhin schade, dass Derdiyok die beiden Klaus-Fischer-Gedächtnis-Fallrückzieher nicht besser getroffen hat. Es wäre ihm zu gönnen. Dafür hatte er beim 2:0 das verdiente Glück des Tüchtigen, als André Lenz seinen tollen Latten-Kopfball über die Linie drückte. Schade, dass dieses Tor nicht auf Erens Konto verbucht wird (Update, 20:04 Uhr: Och, fein, scheinbar doch; via). Generell wundert es mich, dass ein so fantastischer Kopfballspieler noch nicht mehr Kopfballtore erzielen konnte.

Momentan ist Derdiyok wohl die Nummer 1 im Sturm, da auf Kießlings Zeugnis mal wieder nur das Wörtchen “bemüht” zu finden ist. Aber Kopf hoch, Kies. Es stehen ja elf begabte Jungs auf dem Platz, da kann auch eine längere Schwächeperiode mal überwunden werden.

Bis zur 80. Minute hatte ich wirklich nie das Gefühl, dass wir in diesem Spiel Punkte lassen könnten. Doch mit einem Dzeko muss man wohl immer rechnen, egal wie schlecht der Rest seiner Mannschaft spielt. Und schon geht die große Zitterei mal wieder los. Man stelle sich vor Josué hätte am Schluss die Nerven bewahrt. Doch wäre es so gewesen hätte ich auf meinen Kalender geguckt um festzustellen, dass wir uns noch immer in der Saison 08/09 befinden. Doch wir haben 2010 und da gewinnen wir solche Spiele einfach.

Nun gilt es den Blick auf Werder Bremen zu richten. Das könnte ein richtungsweisendes Spiel werden. Die Bayern werden gegen Nürnberg unter Garantie gewinnen, sogar bei einem Sieg von Bayer 04 am nächsten Wochenende ist es nicht unwahrscheinlich, die Tabellenführung durch eine schlechtere Tordifferenz abzugeben. Damit müssen wir umgehen können.

Kies kanns noch: Bayer 04 – SC Freiburg 3:1

Heute mal ein sehr kompakter Spielbericht, quasi als Hommage an das kompakte Spiel unserer Mannschaft. Alles was man wissen muss in knapp 15 Zeilen:

Bislang dachten wir: Dem Bayer reichen zehn gute Minuten um ein Spiel zu entscheiden. Heute wissen wir: Es reichen vier. Eat this, FC Bayern Munich!

Ich bezweifel, dass ich noch einen detaillierteren Spielbericht schreiben muss, denn eigentlich war es ein für Leverkusen in letzter Zeit sehr typisches Spiel. Nennt es Unsicherheit, nennt es Arroganz, nennt das, was die ersten 35 Minuten des Spiels bestimmt hat, wie ihr wollt. Danach gab es drei Tore, das Spiel war gelaufen. Der Gegentreffer hätte zwar nicht mehr sein müssen, aber geschenkt. Weiterhin Spitzenreiter, am nächsten Wochenende wird Bochum abgeschossen.

Nur in der Haut des wertvollsten Bankdrückers der Liga, der sich auch in der Nachspielzeit noch warmlief, möchte ich nicht stecken.

PS: Der schon wieder steckt in der Krise und hat heute nur eine Vorlage zu verzeichnen.

Alles wie gehabt: Bayer 04 – Mainz 05 4:2

Für Bayer 04 beginnt das neue Jahr so, wie das Alte endete. Nervenaufreibend, energisch, erfolgreich.

Nach einem schwachen Start mit Tor für Mainz in der 8. Minute, gelingt die fulminante Wende, eingeleitet durch den wiedergenesenen Katsche. Dabei habe ich noch vor und in den ersten Minuten nach seinem Tor gemeckert, das sei wieder typisch Bayer: Zu viele Kombinationen, zu viel Spielerei ohne jeglichen Raumgewinn, zeitweise war aus meiner Sicht jeder Pass kontergefährdet. Und der Barnetta: Zu lässig, zu unkonzentriert, zeitweise zu dumm. Schön dass gerade jener mich nach einem Traumpass von Kies Lügen straft. Selten habe ich einen so wunderschönen Antritt gesehen, wie Tranquillos: Er sieht den Ball auf dem silbernen Tablett, sprintet los, noch 3-4 Meter vor dem Ball zögert er kurz und vergewissert sich über die Position seines Gegenspielers, legt sich die nächsten Schritte gedanklich zurecht, richtet die Augen auf das Spielgerät, beschleunigt wieder für die letzten Meter zum Ball und ab die Post. Wie aus einem Guss. Da tut es auch nichts zur Sache, dass der Ball letztendlich haltbar gewesen wäre. Schade allerdings, dass diese Situation und Kießlings vorzüglicher Pass im Fernsehn einmal mehr fast ausschließlich in der unübersichtlichen Nahaufnahme zu sehen war.

Kroos (Der schon wieder!) und Eren Derdiyok dürfen sich auf Seiten von Bayer 04 noch in die Liste der Torschützen eintragen, die Mainzer erzielten zwischenzeitlich einen Anschlusstreffer durch Bungert.

Schön, dass wieder ein Spiel gedreht wurde. Schön, dass Kadlec schon jetzt wieder das Tor getroffen hat und schön, dass auch Renato Augusto sich durch eine Vorlage zurückmelden konnte.

So schwer es uns auch fällt, Jens, ich glaube ein solches Spiel zum Auftakt der Rückrunde darf gut und gerne dazu beitragen, das unbestimmte Gefühl in der Magengegend wenigstens im Ansatz zu beruhigen. Sollen die Bayern und die Gelsenkirchener doch gewinnen.

Ein Luxusproblem als Weihnachtsgeschenk?

Ich geb’s ja zu: Ich habe bis zum Ende nicht daran geglaubt. An die Herbstmeisterschaft. Doch tatsächlich hat es funktioniert, auch mit einigen schwächeren Spielen am Ende der Hinrunde. Sicher, einen Großteil des Erfolges haben wir dem Unvermögen der Konkurrenten zu verdanken, die es nicht fertig brachten, sechs (!) Unentschieden aus den letzten neun Spielen zu nutzen. Doch unbesiegt die Vorrunde zu beenden, verdient schon seine Anerkennung. Von einer Mannschaft zu reden, die “nicht mehr mit jener aus der letzten Saison vergleichbar ist”, ist inzwischen keine Spinnerei mehr.

Und doch wird man es als Bayer 04 Fan nie schaffen können, frei von jeglichem Zweifel zu sein. Überall und jederzeit muss man damit rechnen, dass sich Probleme anpirschen, auf den denkbar kuriosesten Zeitpunkt warten und dann gnadenlos zuschlagen. Selbst bei eigentlich erfreulichen Nachrichten, muss man damit rechnen, auf einen Wolf im Schafspelz hereinzufallen. Die erfreuliche Nachricht, der Schafspelz also, besteht in aktuellem Fall freilich aus der Rückkehr lang vermisster Leistungsträger. Der Wolf existiert in der Tatsache, dass das Wort “vermisst” oder zumindest die Kombination der Wörter “lang” und “vermisst” im vorherigen Satz zweifelhaft bis falsch ist.

«Wir haben noch einige Nationalspieler. Wenn die wiederkommen, ich will ja nicht drohen, dann wird es noch besser.»

(Jupp Heynckes)

Nicht, dass ich unserem Coach gerne widerspreche. Und nicht, dass ich gerne den Schwarzmaler markiere, und dennoch: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir mit einem Schlag sinnvoll und beschwerdefrei vier “neue” Leute in die Aufstellung integrieren wollen.

Schwaab, der seinen Job solide, aber nicht immer fehlerfrei ausführte, stellt mich noch vor das geringste Problem. Gonzo rückt wieder auf rechts, Kadlec wieder auf links, Schwaab lauert auf der Bank auf seine Chance. Fertig.

Doch spätestens bei Stefan Reinartz geht es los. Dass ein Rolfes spielen muss, wenn er fit ist, steht zu keiner Diskussion. Doch es stellt sich fast schon die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, Stefan auf die Bank zu setzen, wo er keinen geringen Anteil an der Herbstmeisterschaft trägt und zudem ein Eigengewächs ist. Da wird wohl oder übel Vidal dran glauben müssen… und die Bank und er waren noch nie die besten Freunde.

Der Sturm gestaltet sich dagegen noch relativ harmlos, auch wenn es zunächst nicht diesen Anschein hat. Kießling ist gesetzt, wie seit Berbatov kein anderer Stürmer mehr. Derdiyok, der derzeitig “nur” sechstbester Torschütze der Bundesliga ist, muss die Chance erhalten, seinen Platz zu verteidigen, während Helmes durch 20-minütige Einsätze seinerseits die Chance erhalten wird, seinen Platz zurück zu erkämpfen. Konfliktpotenzial hat diese Konstellation allemal. Im Angriff gestaltet sich eine Entscheidung aber generell etwas einfacher, da die harten Fakten, die Tore eben, leichter zu zählen sind.

Doch im offensiven Part des Mittelfeldes, wo vor einigen Monaten Renato Augusto durch Toni Kroos ersetzt werden musste, was ist dort am wichtigsten? Kroos hatte einige überragende Spiele, die er darüber hinaus mit Toren¹ krönte, so viel steht fest. Doch wenn ich mir die Zusammenfassung aller unserer Tore in der Hinrunde noch einmal ansehe, so stelle ich fest, dass ich auch Renatos unwiderstehlich unberechenbare Sololäufe vermisse. Renato kann doch nicht auf der Bank sitzen. Und Kroos auch nicht. Und Barnetta, der in letzter Zeit den halben Platz umpflügt, doch auch nicht. Mir ist das alles zu hoch. Ich kann das nicht entscheiden und muss es zum Glück auch nicht. Aber Tatsache ist doch: Ganz egal, wie die Entscheidung ausfällt, sie kann nur falsch sein und fast nur zum Schlechteren führen.

Da ist sie wieder. Meine Angst. Aber auch beim letzten mal war sie ja nur halb gerechtfertigt

¹ Ist der Plural dort korrekt? Oder war es nur ein einziges Tor in sechsfacher Ausführung?

Herbstmeister: Bayer 04 – Borussia Mönchengladbach 3:2

Hui, war das ein Spiel. Zeitweise beschlich mich in den letzten Wochen die Befürchtung, dass, wenn Kießling mal zwei, drei Spiele nicht trifft, Leverkusen nur noch mit Platzpatronen schießt. Aber wie schon gegen die Hertha, wo es am Ende wenigstens zu einem Unentschieden reichte, hat es auch gestern wieder funktioniert die Dinger irgendwie hinter die Linie zu prügeln. Einmal Derdiyok, zweimal Kroos.

“Der schon wieder” hörte ich jemanden hinter mir im Block sagen, als wollte er mir helfen, meinen ersten Gedanken nach dem Blick auf die Anzeigetafel in Worte zu fassen. Richtig. Der schon wieder. Und in dieser Aussage, in aller Freude über seine Tore und in den lautesten “Toni Kroos”-Gesängen schwingt doch immer etwas Verzweiflung mit, ob der ziemlichen Sicherheit, dass uns der Junge im Sommer wohl wieder verlassen muss.

Aber darüber soll jetzt nicht nachgedacht werden. Wir sind schließlich Herbstmeister. Nach einem Spiel, in dem es der Mannschaft sichtlich um nichts anderes als genau diese Herbstmeisterschaft ging. Es ging nicht um irgendwelche drei Punkte. Es ging darum, sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen zu lassen. Es ging darum, zu beweisen, dass man auch dann noch gewinnen kann, wenn es langsam ernst wird. Und dabei war sich die Mannschaft auch auf einem gefrorenen Boden nicht zu schade, die ganz weiten Wege zu gehen. Man sah zwar eine Abwehr, die in den wenigen Momenten, in denen sie gefordert war, nicht immer sattelfest stand, doch man sah ebenfalls einen Tranquillo Barnetta, der einen ordentlichen Batzen Kilometergeld kassiert haben wird, einen Toni Kroos, der trifft, wenn es nötig ist und einen Arturo Vidal, der dazwischen haut, wenn die Mannschaft ein Zeichen braucht.

Nach dem zweiten Tor der Gladbacher, dem auch noch eine unfaire Liebkosung Dantes an Sami Hyypiä im Gladbacher Strafraum vorangegangen war, brauchte sowohl die Mannschaft, als auch der Anhang etwas Zeit wieder ins Spiel zu finden. Diese Phase der Verunsicherung konnten die Gladbacher zum Glück nicht ausnutzen. Irgendwann wurde dann allen wieder bewusst, dass ein Spiel eben doch mindestens 90 Minuten hat. Ohne viel Struktur dafür aber mit einer großen Portion Wille gegen Gladbacher, die inzwischen mit Mann und Maus hinten drin standen, wurde letzten Endes die Herbstmeisterschaft festgenagelt.

Und der Rest war Freude. Herbstmeister, juchei. Und nun tun wir einfach so, als würden wir die Hinrunde nochmal spielen. Nur, dass wir jetzt fünf Leistungsträger mehr haben und mit einem Punkt Vorsprung in die Saison starten.

Ehe es zu spät ist: VfL Wolfsburg – Bayer 04 2:3

Wie schon nach dem letzten Spieltag bin ich wieder viel zu spät dran mit dem Spielbericht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es leider wieder ein Wochenende ohne bewegte Bilder war (nun ja, Bayer 04 TV hab ich mir angesehen, aber das ist ja nicht unbedingt üppig). Meine Ausrede für dieses Wochenende sind die Tischtennis Kreismeisterschaften im Kreis Rur-Wurm, bei denen ich spielerisch¹ und organisatorisch tätig war.  Lange Rede, kurzer Sinn: Die Muße war danach dahin. Also die Muße einen Spielbericht zu verfassen. Dieser wird im Folgenden kurz und knackig nachgereicht.

Simon Rolfes setzt zur Aufholjagd auf Stefan Kießling an. Während der Stümper Kies es noch immer nicht schafft mehr als ein Tor pro Spiel zu schießen, trifft unsere Nummer 6 gleich zwei mal. Summa summarum ergibt das drei Treffer gegen den amtierenden Meister VfL Wolfsburg. Das Schlimme daran: Die waren auch allesamt nötig. Nach der 3:0-Führung durch Renatos schöne Vorarbeit, schaffte es der Gegner in den Schlussminuten tatsächlich noch zwei Tore zu schießen. Verfolgt habe ich den ganzen Spaß via Radio in einer tischtennis-bespielten Mehrzweckhalle. Dass mein negatives Abschneiden bei den Kreismeisterschaften nicht zuletzt aus dem zweiten Gegentreffer resultierte, ist unnötig zu erwähnen. Fühlte ich mich doch an das Spiel gegen den Karlsruher SC in der letzten Saison erinnert.

Und sonst? Eine rote Karte gegen den gegnerischen Torhüter, die man nicht geben muss, aber geben kann. Auf jeden Fall aber eine Karte, die uns in selbige gespielt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt war der VfL nämlich überlegen.

Eine gelb/rote Karte gegen Derdiyok, die man ebenfalls nicht hätte zeigen müssen, die aber in Anbetracht des Torschützenkönigs von  2007, der bei uns auf der Bank versauert, durchaus zu verkraften ist.

Fest steht: Die erste echte Hürde wurde genommen. Mag der VfL nicht in Topform sein und mag man auch die meiste Zeit glücklich in Überzahl gespielt haben, so ist es immer noch der deutsche Meister gewesen, den man in einer Auswärtspartie geschlagen hat. Noch dazu lag dieses Auswärts in Wolfsburg, wo die Sterne für uns bislang nie besonders günstig standen. Wir haben in dieser Saison die erste echte Spitzenmannschaft geschlagen, so viel steht fest und das tut gut. Das gibt Hoffnung. Für das Spiel gegen Werder.

So viel dazu.

¹ Man suche besser erst gar nicht nach Erfolgen meinerseits.

Nur zu. (Große Sätze unterm Bayer-Kreuz [1])

Wenn der Klub morgen käme und den Wunsch hätte, würde ich meinen Vertrag direkt um zehn Jahre verlängern. Ich bin komplett glücklich hier.

- Stefan Kießling

Irgendwann schnallen auch die Letzten, dass Kießling, gerade durch diese Vereinsidentifikation, der vielleicht wichtigste Mann im Team ist.

Update, 21.01.2010: Jetzt, wo es einen zweiten Teil gibt, kann dieser auch offiziell zum ersten ernannt werden.

Nur noch fürs Protokoll: Bayer 04 – VfL Bochum 2:1

Ja, ich weiß. Das Spiel interessiert schon keinen mehr in dieser kurzlebigen Welt. Soeben wurde verkündet, dass Tranquillo Barnetta tief in Gesprächen zur Vertragsverlängerung steckt und schon übermorgen kämpft René Adler um seine WM. Das ist ja eigentlich alles viel wichtiger als diese drei Pünktchen gegen das Mittelklasseteam aus Bochum, zumal dieser Sieg auch noch den faden Beigeschmack hat, nicht zur Verteidigung der Tabellenspitze gereicht zu haben. Und wer steht nun ganz oben? Der Bruno. Na sowas.

Dabei hatte dieses Spiel alles, was man für spannende Geschichten benötigt. Ein sicheres wahrscheinliches womögliches vermutliches Eigentor von Manuel Friedrich. Der daraus resultierende Rückstand. Und zwar ein Rückstand, der anlässlich der unzumutbar vielen vergebenen Torchancen der Werkself an längst vergangen geglaubte Tage erinnerte. Dann der Ausgleich durch den gerade erwähnten Manuel Friedrich, der spätestens dadurch all seine Kritiker wieder verstummen lässt. Und vorallem: Die Führung. Eine Führung, die über die Zeit gerettet wurde. Mit anderen Worten: Ein echt gedrehtes Spiel. Ohne Wenn und Aber. Wann gabs das zum letzten Mal?

Und natürlich und kaum der Rede wert: Ein Stefan Kießling, der trifft, nachdem er bereits getroffen, getroffen und getroffen hat. Die 34 Tore sollten drin sein dieses Jahr. Fehlen ja nur noch 30.

Womit der kürzeste aller Spielberichte hiermit schon beendet wäre. Der Blogeintrag freilich noch nicht,  denn am Ende eines jeden Artikels versuche ich gerne noch eine Flanke¹ zum Artikelanfang zu schlagen. Die Vorlage hierzu liefert mir diesmal der im letzten Absatz erwähnte Stefan Kießling. Wir erinnern uns: Zunächst schwadronierte ich über unsere kurzlebige Welt, eine Vertragsverlängerung und, ach ja, die Nationalmannschaft. Dort steht Kies nämlich im Gegensatz zu seinem Schlussmann am Samstag nicht auf dem Platz. Die Schwaben² hatten ja schon immer eine seltsame Vorstellung von Leistung.

¹ Diese Flanke wird Ihnen übrigens präsentiert von JAKO

² Nach oberflächlicher Recherche scheint es so, als sei Löw gar kein Schwabe, sondern Badener. Aber das ist mir gerade eigentlich relativ schnuppe.

Immer mal was Neues: SC Freiburg – Bayer 04 0:5

Eigentlich bin ich der Falsche dafür, ein Spiel wie das Gestrige zu kommentieren. Dieses Spiel hatte so viel und doch so wenig von der letzten Saison. Plötzlich ballern wir wieder aus allen Rohren, sind bis dato mal wieder die torgefährlichste Mannschaft der Liga und haben auch noch zwei Stürmer in den eigenen Reihen, die zusammen mit Jiri Stajner die Torschützenliste anführen. Spitzenreiter sind wir zwischenzeitlich auch noch. 5:0 hieß es am Ende eines Spieles, das nicht auf diese Weise hätte enden müssen. Im letzten Jahr wären es vermutlich noch wir gewesen, die die roten Trikots getragen hätten. Gestern trug Freiburg sie. Die Gastgeber spielten domininant und arbeiteten sich Chancen am Fließband heraus. Getroffen haben wir. Sachen gibt’s.

Das macht es so schwierig dieses Spiel einzuordnen. Unweigerlich muss nach einem solchen Sieg die Phrase “Im Stile einer Spitzenmannschaft” fallen. Genauso unausweichlich ist aber die Redewendung “Es ist nicht alles Gold, was glänzt”. Die defensive Sicherheit des Spieles gegen Hoffenheim wurde in der ersten halben Stunde sehnlichst vermisst. Wie kann es sein, dass die Idrissous dieser Welt jederzeit unbedrängt die Bälle in unserem Strafraum annehmen können? Wie kann es sein, dass die Griechen dieser Welt, deren Namen keinen anständigen Plural zulassen, aus allen Lagen schießen dürfen?

Und doch: Eine wirklich 100 prozentige Chance der Freiburger war nicht dabei. Wir hingegen hatten vielleicht zwei davon und machen daraus fünf Tore. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, als die Maschinerie nach Kießlings 1:0 ins Rollen kam. Doch ist das Gesamtbild, das in diesen 90 Minuten gezeichnet wurde, tatsächlich eines, das Hoffnung macht? Bisher hatte Heynckes die Zügel noch relativ fest in der Hand, doch muss es ihm, nach einem solchen Spiel nicht unendlich schwer fallen, die Euphorie in Grenzen zu halten?

Gerade weil es so schwer fällt, sich nach einem solchen Spiel zu beschweren, läuft man Gefahr, sich blenden zu lassen. Leider bin ich, als leicht euphorisierbare Person, wie schon oben erwähnt, der Falsche um authentisch darauf hinzuweisen, dass man den Ball flach halten sollte. Darüberhinaus würde ich ja auch nicht gehört werden :) . Ich hoffe, das machen daher andere. Ich dagegen finde es einfach nur gut, dass Kießling trifft, dass Derdiyok die Erwartungen, die man an ihn stellte, zu übererfüllen scheint und dass Barnetta endlich anfängt sein Potenzial abzurufen, worauf ich schon seit zwei langen Jahren warte.

Leverkusen lässt den Gegner also anrennen und fährt überlegen einen Sieg nach Hause, nachdem der Gegner seiner Erschöpfung erliegt. So weit, so anders. Was sich im Gegensatz zur letzten Saison zusätzlich noch verändert hat, stimmt mich aber tatsächlich außerordentlich freudig: Der Trainer handelt, wenn es sein muss. Schon nach 29 Minuten nimmt er den rot-gefährdeten Vidal aus dem Spiel. Für ihn kommt Schwaab, der Castros Position einnimmt, welcher sich seinerseits darüber freuen darf, endlich auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld sein Können unter Beweis stellen zu dürfen. Auch schön: Die Reaktion Vidals auf seine Auswechselung. Nicht wortlos, aber zumindest ohne ein freundliches Wort, stürmt er wütend in die Kabine. Ist da plötzlich Feuer im Team? Recht so. Bei nächster Gelegenheit darf auch ruhig mal ne Tonne zertreten werden.

Wir haben eines der leichtesten Auftaktprogramme der Liga, sieben Punkte sind nach diesen drei Spieltagen eigentlich nicht überraschend. Wenn nichts Unerwartetes passiert, werden es in einer Woche zehn Punkte sein. Danach fahren wir nach Wolfsburg und erst da wird sich zeigen, wo wir wirklich stehen.

Update, 19:51 Uhr: Das mit dem torgefährlichsten Team der Liga hat sich erledigt. Dafür wurde die Tabellenführung souverän gehalten. Genießt es, liebe Leute.

Update, 23:44 Uhr: Sehr lustig: Wie kann es sein, dass ich für einige Minuten dachte, wir hätten gegen Frankfurt gespielt und hätten Schüsse von Amanatidis abwehren müssen, der “aus allen Lagen schoss”? :D

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