Tranquillo Barnetta | lauthals

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Katsche kanns noch: Bayer 04 – Simferopol 3:0

Seit gestern Abend hat Europa uns endlich wieder. Und dazu, dass das auch noch einige Wochen so bleiben wird, wurde gestern der Grundstein gelegt.

Ein gutes Spiel war es nicht, weder von der einen noch von der anderen Seite – wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was “gutes Spiel” bei Simferopol bedeutet. Von Leverkusener Seite hat es letztlich gereicht, schlussendlich war der Sieg angesichts fehlender Chancen des Gegners auch in der Höhe nicht unverdient, wenn auch in der Entstehung vielleicht etwas glücklich.

Technisch war das alles teilweise sehr fein anzusehen, insbesondere von Renato Augusto. Leute, ich sach euch: Das wird seine Saison. Mutig, spritzig, überraschend, intelligent. Zugegebenermaßen hat er bzw. sein Glück im Laufe der zweiten Halbzeit etwas nachgelassen, doch die Ansätze, die er schon jetzt wieder zeigt, sind mehr als vielversprechend.

Ungewohnt selbstbewusst agierte auch Daniel Schwaab, der von dem Spielwitz  Renatos Inspiration zu schöpfen scheint. Blinde Flanken aus dem Halbfeld sind mir von gestern nicht in Erinnerung, wohl aber die ein oder andere Situation, in der er sich im Zusammenspiel mit Renato gegen ein oder zwei Gegner durchzusetzen versucht. Die auffälligste Szene von ihm war sicher der Zweikampf an der gegnerischen Torauslinie vor seinem Pass auf Michael Ballack zu dessen ersten Torchance. Nach hinten agierte Schwaab allerdings etwas fahrlässig. Mehr als einmal stand er hinten rechts so weit weg vom Mann, dass man auf den ersten Blick nicht mal erkennen konnte, dass er dafür zuständig gewesen sein könnte. Ein Glück, dass Simferopol seine Konter nie konsequent ausspielte.

Auf der anderen Seite zeigte Katsche, wieso er 2008/2009 bei uns zum Publikumsliebling aufstieg. Hinten sicher und vorne mit Übersicht und Gewalt. Bravo.

Ansonsten fiel positiv auf, dass es Barnetta gut zu tun scheint, dass Sidney Sam auf seiner Position Druck macht, obgleich dieser gestern unauffällig war und zumeist glücklos wirkte. Außerdem hat Michael Ballack offensichtlich nichts verlernt, seit er uns verlassen hat. Hätte sein Linksschuss aus der Ferne den Kasten getroffen, hätte Leverkusen Kopf gestanden. Geht es nur mir so, oder habt ihr auch das Gefühl, dass einfach nichts Schlechtes passieren kann, wenn der Mann am Ball ist? Solche Spieler gibt es ja, in Leverkusen ist mir so einer jedoch lange nicht mehr aufgefallen. Der Letzte war Berbatov. Für einige Monate hatte ich dieses Gefühl auch mal bei Franca. Davor fällt mir nur noch Micha selbst ein. Und nein, Schnix habe ich nicht vergessen. Doch diesen “Zauber” versprühte er nicht. Er hatte andere Qualitäten.

So positiv sich dieser Bericht jetzt auch liest, ich habe hier wirklich nur die Glanzpunkte herausgepickt. Über den nicht genannten negativen Punkten schwebt indes  ein einziger Grund, aus dem diese Punkte resultieren: Phlegma. Man führt nach der ersten Minute 1:0 und geht davon aus, das Spiel von nun an im Vorbeigehen 4 oder 5:0 nach Hause zu bringen. So läuft das natürlich nicht. Aber das wird der Jupp den Jungs schon klarmachen. Fraglich ist lediglich, ob das so einfach ist, ob der deutlichen Ergebnisse, die bislang eingefahren wurden.

Sonntag geht es also zum BVB nach Dortmund. Für mich war das Ordern eines Tickets für dieses Spiel natürlich Pflicht. Für viele anderen scheint das anders auszusehen, demnach gibt es noch einige wenige Tickets für die Gästeblöcke an der Stadionkasse. Ich hoffe doch, dass sich reichlich Kurzentschlossene finden, um den SVB im vermutlich ersten Bundesligaspiel der Saison zu unterstützen. (Update: Das vermutlich kann ich streichen. Der Satz sollte erst anders enden ;-) Ich bin mir hingegen relativ sicher, dass am Sonntag definitiv das erste Bundesligaspiel der neuen Saison von Bayer 04 stattfinden wird.)

Meckern unerwünscht: TSG Hoffenheim – Bayer 04 0:3

Ich hatte es ja gesagt: Hoffenheim tritt erneut ohne Abwehr an, wie das dritte Tor deutlich belegt. Ebenfalls vakant: Der Sturm. Dies wiederum zeigt die Anzahl der von Hoffenheim geschossenen Tore.

Doch schauen wir der Wahrheit ins Gesicht, so schwer es fallen mag. Dieser Sieg, gerade in solcher Höhe, ist mehr als schmeichelhaft und nur einigen wenigen Einzelkönnern zu verdanken, die da wären: Hyypiä, Schwaab, Reinartz, Barnetta und, na ja, ihr wisst schon wer (Ja genau, der schon wieder). Der Rest des Teams wirkte erschreckend fehleranfällig.

Insgesamt war es vielleicht das zerfahrenste Spiel, dass die Mannschaft in der bisherigen Saison abgeliefert hat. Viel Hick Hack, viel Klein-Klein, wie man so schön sagt, viel Unsicherheit. Bezeichnend sind die beiden Chancen von Vukcevic, denen haarsträubende Fehler von Friedrich, respektive Adler vorausgegangen waren. Ich hätte ihm eine Kiste gegönnt. Ein ganz großer Spieler, dem der Torschuss wichtiger ist als ein geschindetes Foul.

Insgesamt wussten defensiv nur Hyypiä, Schwaab (vielleicht sein bestes Spiel bisher, das möchte ich schon hervorheben) und Reinartz zu überzeugen. Gerade letzterer hat gezeigt, wie man als moderner Sechser seinen Stammplatz verteidigt. Schade, dass der Schiri häufiger Fouls von ihm gesehen hat, wo meiner Ansicht nach keine waren. Doch wieso Vidal zur Pause nicht durch Rolfes ersetzt wurde, ist mir ein Rätsel. Dabei lag für ihn, wie in alten Zeiten, ständig die Gelb-Rote Karte in der Luft. Im Übrigen kam auch Helmes für mich zu spät. Wenn er Leistung zeigen soll um sich wieder heran zu kämpfen, muss er schließlich auch die Chance dazu bekommen. Heute, wo nach vorne nicht viel ging, wäre eine frühere Einwechslung durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Doch “nicht viel” kann für ein Team mit diesem Lauf natürlich immer noch genug sein, um drei Tore zu schießen, daher hat Jupp die Argumente sicher noch immer auf seiner Seite.

Das Wenige, was offensiv stattfand, war teilweise aber mal wieder allererste Sahne. Barnetta, der in letzter Zeit unglaublich aufdreht, was Tempo und Kampfgeist angeht, leitete fast jede Aktion ein und wurde am Ende mit dem eigenen Tor belohnt. Leute, den Jungen hatte ich vor einem Jahr schon längst abgeschrieben. Asche auf mein Haupt.

Auch Reinartz, der, wie ich es wahrnahm, als einziger Spieler sowohl defensiv als auch offensiv stattfand, wusste zu gefallen. Seine Flanke  vor dem 3:0 war der wichtigste und schwierigste Pass im gesamten Spielzug. Wo andere blind zur Grundlinie durchgelaufen wären und dort den Ball ans Schienbein des Verteidigers gehämmert hätten, bremst er überraschenderweise auf Höhe der 16m-Linie ab und flankt auf den einzigen freien Mann in der Mitte. Der Rest ist ein Mix aus Gewurschtel, Eingespieltheit und Übersicht.

Und über Toni müssen eigentlich nicht mehr viele Worte verloren werden. Wer noch ernsthaft glaubt, der Mann würde die nächste Saison noch immer mit dem Kreuz auf der Brust auflaufen, kann nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Nerlinger müsste hochkant rausgeschmissen werden, wenn er nicht alles daran setzt, ihn zurück zu holen. Nicht, dass Kroos das gesamte Spiel an sich reißen würde. Das macht dann tatsächlich eher Barnetta. Doch Kroos ist ein Meister der Effektivität. Ich möchte soweit gehen und behaupten: Kroos ist für uns so wertvoll wie Ballack 2001/2002. Natürlich haben beide gänzlich andere Spielanlagen, doch selten waren wir von der Effizienz eines Spielers so abhängig wie bei diesen beiden Typen. 15 Scorerpunkte in 19 Spielen, alleine 8 Scorerpunkte an den letzten vier Spieltagen, das sucht seinesgleichen.

Insgesamt sind es natürlich die positiven Aspekte, die man heute hervorheben muss, einfach deshalb, weil sie keinesfalls gewöhnlich sind, gerade für Bayer 04: Etwa, dass Spieler wie Schwaab, die eine eher durchwachsene Saison spielen, zur richtigen Zeit ihre Leistung abrufen, um andere Spieler, die heute morgen am besten im Bett geblieben wären, aufzufangen.

Nach solchen Spielen, wird man doch langsam zuversichtlicher, was die Chancen auf eine Meisterschaft (Hoppla, das verbotene Wort) angeht. Sogar ich. Beschissen spielen und 3:0 gewinnen, das hat schon etwas bajuwarisches.

Alles wie gehabt: Bayer 04 – Mainz 05 4:2

Für Bayer 04 beginnt das neue Jahr so, wie das Alte endete. Nervenaufreibend, energisch, erfolgreich.

Nach einem schwachen Start mit Tor für Mainz in der 8. Minute, gelingt die fulminante Wende, eingeleitet durch den wiedergenesenen Katsche. Dabei habe ich noch vor und in den ersten Minuten nach seinem Tor gemeckert, das sei wieder typisch Bayer: Zu viele Kombinationen, zu viel Spielerei ohne jeglichen Raumgewinn, zeitweise war aus meiner Sicht jeder Pass kontergefährdet. Und der Barnetta: Zu lässig, zu unkonzentriert, zeitweise zu dumm. Schön dass gerade jener mich nach einem Traumpass von Kies Lügen straft. Selten habe ich einen so wunderschönen Antritt gesehen, wie Tranquillos: Er sieht den Ball auf dem silbernen Tablett, sprintet los, noch 3-4 Meter vor dem Ball zögert er kurz und vergewissert sich über die Position seines Gegenspielers, legt sich die nächsten Schritte gedanklich zurecht, richtet die Augen auf das Spielgerät, beschleunigt wieder für die letzten Meter zum Ball und ab die Post. Wie aus einem Guss. Da tut es auch nichts zur Sache, dass der Ball letztendlich haltbar gewesen wäre. Schade allerdings, dass diese Situation und Kießlings vorzüglicher Pass im Fernsehn einmal mehr fast ausschließlich in der unübersichtlichen Nahaufnahme zu sehen war.

Kroos (Der schon wieder!) und Eren Derdiyok dürfen sich auf Seiten von Bayer 04 noch in die Liste der Torschützen eintragen, die Mainzer erzielten zwischenzeitlich einen Anschlusstreffer durch Bungert.

Schön, dass wieder ein Spiel gedreht wurde. Schön, dass Kadlec schon jetzt wieder das Tor getroffen hat und schön, dass auch Renato Augusto sich durch eine Vorlage zurückmelden konnte.

So schwer es uns auch fällt, Jens, ich glaube ein solches Spiel zum Auftakt der Rückrunde darf gut und gerne dazu beitragen, das unbestimmte Gefühl in der Magengegend wenigstens im Ansatz zu beruhigen. Sollen die Bayern und die Gelsenkirchener doch gewinnen.

Ein Luxusproblem als Weihnachtsgeschenk?

Ich geb’s ja zu: Ich habe bis zum Ende nicht daran geglaubt. An die Herbstmeisterschaft. Doch tatsächlich hat es funktioniert, auch mit einigen schwächeren Spielen am Ende der Hinrunde. Sicher, einen Großteil des Erfolges haben wir dem Unvermögen der Konkurrenten zu verdanken, die es nicht fertig brachten, sechs (!) Unentschieden aus den letzten neun Spielen zu nutzen. Doch unbesiegt die Vorrunde zu beenden, verdient schon seine Anerkennung. Von einer Mannschaft zu reden, die “nicht mehr mit jener aus der letzten Saison vergleichbar ist”, ist inzwischen keine Spinnerei mehr.

Und doch wird man es als Bayer 04 Fan nie schaffen können, frei von jeglichem Zweifel zu sein. Überall und jederzeit muss man damit rechnen, dass sich Probleme anpirschen, auf den denkbar kuriosesten Zeitpunkt warten und dann gnadenlos zuschlagen. Selbst bei eigentlich erfreulichen Nachrichten, muss man damit rechnen, auf einen Wolf im Schafspelz hereinzufallen. Die erfreuliche Nachricht, der Schafspelz also, besteht in aktuellem Fall freilich aus der Rückkehr lang vermisster Leistungsträger. Der Wolf existiert in der Tatsache, dass das Wort “vermisst” oder zumindest die Kombination der Wörter “lang” und “vermisst” im vorherigen Satz zweifelhaft bis falsch ist.

«Wir haben noch einige Nationalspieler. Wenn die wiederkommen, ich will ja nicht drohen, dann wird es noch besser.»

(Jupp Heynckes)

Nicht, dass ich unserem Coach gerne widerspreche. Und nicht, dass ich gerne den Schwarzmaler markiere, und dennoch: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir mit einem Schlag sinnvoll und beschwerdefrei vier “neue” Leute in die Aufstellung integrieren wollen.

Schwaab, der seinen Job solide, aber nicht immer fehlerfrei ausführte, stellt mich noch vor das geringste Problem. Gonzo rückt wieder auf rechts, Kadlec wieder auf links, Schwaab lauert auf der Bank auf seine Chance. Fertig.

Doch spätestens bei Stefan Reinartz geht es los. Dass ein Rolfes spielen muss, wenn er fit ist, steht zu keiner Diskussion. Doch es stellt sich fast schon die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, Stefan auf die Bank zu setzen, wo er keinen geringen Anteil an der Herbstmeisterschaft trägt und zudem ein Eigengewächs ist. Da wird wohl oder übel Vidal dran glauben müssen… und die Bank und er waren noch nie die besten Freunde.

Der Sturm gestaltet sich dagegen noch relativ harmlos, auch wenn es zunächst nicht diesen Anschein hat. Kießling ist gesetzt, wie seit Berbatov kein anderer Stürmer mehr. Derdiyok, der derzeitig “nur” sechstbester Torschütze der Bundesliga ist, muss die Chance erhalten, seinen Platz zu verteidigen, während Helmes durch 20-minütige Einsätze seinerseits die Chance erhalten wird, seinen Platz zurück zu erkämpfen. Konfliktpotenzial hat diese Konstellation allemal. Im Angriff gestaltet sich eine Entscheidung aber generell etwas einfacher, da die harten Fakten, die Tore eben, leichter zu zählen sind.

Doch im offensiven Part des Mittelfeldes, wo vor einigen Monaten Renato Augusto durch Toni Kroos ersetzt werden musste, was ist dort am wichtigsten? Kroos hatte einige überragende Spiele, die er darüber hinaus mit Toren¹ krönte, so viel steht fest. Doch wenn ich mir die Zusammenfassung aller unserer Tore in der Hinrunde noch einmal ansehe, so stelle ich fest, dass ich auch Renatos unwiderstehlich unberechenbare Sololäufe vermisse. Renato kann doch nicht auf der Bank sitzen. Und Kroos auch nicht. Und Barnetta, der in letzter Zeit den halben Platz umpflügt, doch auch nicht. Mir ist das alles zu hoch. Ich kann das nicht entscheiden und muss es zum Glück auch nicht. Aber Tatsache ist doch: Ganz egal, wie die Entscheidung ausfällt, sie kann nur falsch sein und fast nur zum Schlechteren führen.

Da ist sie wieder. Meine Angst. Aber auch beim letzten mal war sie ja nur halb gerechtfertigt

¹ Ist der Plural dort korrekt? Oder war es nur ein einziges Tor in sechsfacher Ausführung?

Herbstmeister: Bayer 04 – Borussia Mönchengladbach 3:2

Hui, war das ein Spiel. Zeitweise beschlich mich in den letzten Wochen die Befürchtung, dass, wenn Kießling mal zwei, drei Spiele nicht trifft, Leverkusen nur noch mit Platzpatronen schießt. Aber wie schon gegen die Hertha, wo es am Ende wenigstens zu einem Unentschieden reichte, hat es auch gestern wieder funktioniert die Dinger irgendwie hinter die Linie zu prügeln. Einmal Derdiyok, zweimal Kroos.

“Der schon wieder” hörte ich jemanden hinter mir im Block sagen, als wollte er mir helfen, meinen ersten Gedanken nach dem Blick auf die Anzeigetafel in Worte zu fassen. Richtig. Der schon wieder. Und in dieser Aussage, in aller Freude über seine Tore und in den lautesten “Toni Kroos”-Gesängen schwingt doch immer etwas Verzweiflung mit, ob der ziemlichen Sicherheit, dass uns der Junge im Sommer wohl wieder verlassen muss.

Aber darüber soll jetzt nicht nachgedacht werden. Wir sind schließlich Herbstmeister. Nach einem Spiel, in dem es der Mannschaft sichtlich um nichts anderes als genau diese Herbstmeisterschaft ging. Es ging nicht um irgendwelche drei Punkte. Es ging darum, sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen zu lassen. Es ging darum, zu beweisen, dass man auch dann noch gewinnen kann, wenn es langsam ernst wird. Und dabei war sich die Mannschaft auch auf einem gefrorenen Boden nicht zu schade, die ganz weiten Wege zu gehen. Man sah zwar eine Abwehr, die in den wenigen Momenten, in denen sie gefordert war, nicht immer sattelfest stand, doch man sah ebenfalls einen Tranquillo Barnetta, der einen ordentlichen Batzen Kilometergeld kassiert haben wird, einen Toni Kroos, der trifft, wenn es nötig ist und einen Arturo Vidal, der dazwischen haut, wenn die Mannschaft ein Zeichen braucht.

Nach dem zweiten Tor der Gladbacher, dem auch noch eine unfaire Liebkosung Dantes an Sami Hyypiä im Gladbacher Strafraum vorangegangen war, brauchte sowohl die Mannschaft, als auch der Anhang etwas Zeit wieder ins Spiel zu finden. Diese Phase der Verunsicherung konnten die Gladbacher zum Glück nicht ausnutzen. Irgendwann wurde dann allen wieder bewusst, dass ein Spiel eben doch mindestens 90 Minuten hat. Ohne viel Struktur dafür aber mit einer großen Portion Wille gegen Gladbacher, die inzwischen mit Mann und Maus hinten drin standen, wurde letzten Endes die Herbstmeisterschaft festgenagelt.

Und der Rest war Freude. Herbstmeister, juchei. Und nun tun wir einfach so, als würden wir die Hinrunde nochmal spielen. Nur, dass wir jetzt fünf Leistungsträger mehr haben und mit einem Punkt Vorsprung in die Saison starten.

Nur noch fürs Protokoll: Bayer 04 – VfL Bochum 2:1

Ja, ich weiß. Das Spiel interessiert schon keinen mehr in dieser kurzlebigen Welt. Soeben wurde verkündet, dass Tranquillo Barnetta tief in Gesprächen zur Vertragsverlängerung steckt und schon übermorgen kämpft René Adler um seine WM. Das ist ja eigentlich alles viel wichtiger als diese drei Pünktchen gegen das Mittelklasseteam aus Bochum, zumal dieser Sieg auch noch den faden Beigeschmack hat, nicht zur Verteidigung der Tabellenspitze gereicht zu haben. Und wer steht nun ganz oben? Der Bruno. Na sowas.

Dabei hatte dieses Spiel alles, was man für spannende Geschichten benötigt. Ein sicheres wahrscheinliches womögliches vermutliches Eigentor von Manuel Friedrich. Der daraus resultierende Rückstand. Und zwar ein Rückstand, der anlässlich der unzumutbar vielen vergebenen Torchancen der Werkself an längst vergangen geglaubte Tage erinnerte. Dann der Ausgleich durch den gerade erwähnten Manuel Friedrich, der spätestens dadurch all seine Kritiker wieder verstummen lässt. Und vorallem: Die Führung. Eine Führung, die über die Zeit gerettet wurde. Mit anderen Worten: Ein echt gedrehtes Spiel. Ohne Wenn und Aber. Wann gabs das zum letzten Mal?

Und natürlich und kaum der Rede wert: Ein Stefan Kießling, der trifft, nachdem er bereits getroffen, getroffen und getroffen hat. Die 34 Tore sollten drin sein dieses Jahr. Fehlen ja nur noch 30.

Womit der kürzeste aller Spielberichte hiermit schon beendet wäre. Der Blogeintrag freilich noch nicht,  denn am Ende eines jeden Artikels versuche ich gerne noch eine Flanke¹ zum Artikelanfang zu schlagen. Die Vorlage hierzu liefert mir diesmal der im letzten Absatz erwähnte Stefan Kießling. Wir erinnern uns: Zunächst schwadronierte ich über unsere kurzlebige Welt, eine Vertragsverlängerung und, ach ja, die Nationalmannschaft. Dort steht Kies nämlich im Gegensatz zu seinem Schlussmann am Samstag nicht auf dem Platz. Die Schwaben² hatten ja schon immer eine seltsame Vorstellung von Leistung.

¹ Diese Flanke wird Ihnen übrigens präsentiert von JAKO

² Nach oberflächlicher Recherche scheint es so, als sei Löw gar kein Schwabe, sondern Badener. Aber das ist mir gerade eigentlich relativ schnuppe.

Immer mal was Neues: SC Freiburg – Bayer 04 0:5

Eigentlich bin ich der Falsche dafür, ein Spiel wie das Gestrige zu kommentieren. Dieses Spiel hatte so viel und doch so wenig von der letzten Saison. Plötzlich ballern wir wieder aus allen Rohren, sind bis dato mal wieder die torgefährlichste Mannschaft der Liga und haben auch noch zwei Stürmer in den eigenen Reihen, die zusammen mit Jiri Stajner die Torschützenliste anführen. Spitzenreiter sind wir zwischenzeitlich auch noch. 5:0 hieß es am Ende eines Spieles, das nicht auf diese Weise hätte enden müssen. Im letzten Jahr wären es vermutlich noch wir gewesen, die die roten Trikots getragen hätten. Gestern trug Freiburg sie. Die Gastgeber spielten domininant und arbeiteten sich Chancen am Fließband heraus. Getroffen haben wir. Sachen gibt’s.

Das macht es so schwierig dieses Spiel einzuordnen. Unweigerlich muss nach einem solchen Sieg die Phrase “Im Stile einer Spitzenmannschaft” fallen. Genauso unausweichlich ist aber die Redewendung “Es ist nicht alles Gold, was glänzt”. Die defensive Sicherheit des Spieles gegen Hoffenheim wurde in der ersten halben Stunde sehnlichst vermisst. Wie kann es sein, dass die Idrissous dieser Welt jederzeit unbedrängt die Bälle in unserem Strafraum annehmen können? Wie kann es sein, dass die Griechen dieser Welt, deren Namen keinen anständigen Plural zulassen, aus allen Lagen schießen dürfen?

Und doch: Eine wirklich 100 prozentige Chance der Freiburger war nicht dabei. Wir hingegen hatten vielleicht zwei davon und machen daraus fünf Tore. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, als die Maschinerie nach Kießlings 1:0 ins Rollen kam. Doch ist das Gesamtbild, das in diesen 90 Minuten gezeichnet wurde, tatsächlich eines, das Hoffnung macht? Bisher hatte Heynckes die Zügel noch relativ fest in der Hand, doch muss es ihm, nach einem solchen Spiel nicht unendlich schwer fallen, die Euphorie in Grenzen zu halten?

Gerade weil es so schwer fällt, sich nach einem solchen Spiel zu beschweren, läuft man Gefahr, sich blenden zu lassen. Leider bin ich, als leicht euphorisierbare Person, wie schon oben erwähnt, der Falsche um authentisch darauf hinzuweisen, dass man den Ball flach halten sollte. Darüberhinaus würde ich ja auch nicht gehört werden :) . Ich hoffe, das machen daher andere. Ich dagegen finde es einfach nur gut, dass Kießling trifft, dass Derdiyok die Erwartungen, die man an ihn stellte, zu übererfüllen scheint und dass Barnetta endlich anfängt sein Potenzial abzurufen, worauf ich schon seit zwei langen Jahren warte.

Leverkusen lässt den Gegner also anrennen und fährt überlegen einen Sieg nach Hause, nachdem der Gegner seiner Erschöpfung erliegt. So weit, so anders. Was sich im Gegensatz zur letzten Saison zusätzlich noch verändert hat, stimmt mich aber tatsächlich außerordentlich freudig: Der Trainer handelt, wenn es sein muss. Schon nach 29 Minuten nimmt er den rot-gefährdeten Vidal aus dem Spiel. Für ihn kommt Schwaab, der Castros Position einnimmt, welcher sich seinerseits darüber freuen darf, endlich auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld sein Können unter Beweis stellen zu dürfen. Auch schön: Die Reaktion Vidals auf seine Auswechselung. Nicht wortlos, aber zumindest ohne ein freundliches Wort, stürmt er wütend in die Kabine. Ist da plötzlich Feuer im Team? Recht so. Bei nächster Gelegenheit darf auch ruhig mal ne Tonne zertreten werden.

Wir haben eines der leichtesten Auftaktprogramme der Liga, sieben Punkte sind nach diesen drei Spieltagen eigentlich nicht überraschend. Wenn nichts Unerwartetes passiert, werden es in einer Woche zehn Punkte sein. Danach fahren wir nach Wolfsburg und erst da wird sich zeigen, wo wir wirklich stehen.

Update, 19:51 Uhr: Das mit dem torgefährlichsten Team der Liga hat sich erledigt. Dafür wurde die Tabellenführung souverän gehalten. Genießt es, liebe Leute.

Update, 23:44 Uhr: Sehr lustig: Wie kann es sein, dass ich für einige Minuten dachte, wir hätten gegen Frankfurt gespielt und hätten Schüsse von Amanatidis abwehren müssen, der “aus allen Lagen schoss”? :D

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