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Willkommen zu Hause

Ballack13TrikotEs ist wohl perfekt: Die 13 ist wieder dort, wo sie hingehört. Auch wenn es wohl letzte Details zu klären gibt, wird Michael Ballack in den nächsten zwei bis drei Tagen einen Vertrag bei Bayer 04 unterschreiben und somit bis 2012 das Kreuz auf der Brust tragen.

Wie kurzzeitig hier zu lesen war, haben auch die Aktionen der Fans einen Ausschlag für Michas Entscheidung gegeben. Mittlerweile ist die Seite allerdings wieder verschwunden und es ist nur ein Foto Ballacks dort zu sehen. Offenbar hat ein übereifriger Redakteur den Artikel zu schnell online gestellt. ;-) (EDIT: Der Text ist wieder da.)

Doch ich bin mir relativ sicher, dass die Sache in trockenen Tüchern ist. Wenn jetzt noch was passiert, ist da Hexerei im Spiel.

Zum ersten Mal überhaupt findet am kommenden Montag das Auftakttraining zur nächsten Saison in der BayArena statt.  Nicht nur der Ort, auch die Uhrzeit ist ungewöhnlich. Diese Information, die schon seit wenigen Tagen bekannt ist, nährte die Gerüchte, die in der Bayer04-Fangemeinde kursierten, dass der Wechsel noch bis zum Wochenende vollzogen werden würde. Schließlich wäre ein Auftakttraining abends in der BayArena, bei dem auch die weiteren Neuzugänge vorgestellt werden, die perfekte Bühne für Michael Ballack um sich zum ersten Mal wieder im Trikot der Werkself zu zeigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es tatsächlich so kommen wird.

Junge, Junge. Michael Ballack entscheidet sich gegen 3-4 Millionen Jahresgehalt, das er angeblich beim VfL Wolfsburg mehr verdient hätte. Es ist irrelevant, dass Ballack ohnehin schon ausgesorgt hat. Das muss man trotzdem erst mal schaffen. Danke Micha. Und danke Rudi Völler.

Leute, ich ich lass die Korken knallen.

Leverkusens Transferwahnsinn 1997-2009

Probek hat vor ein paar Tagen eine Auflistung der Transfers seines FC Bayern der letzten Jahre gemacht, diese Transfers bewertet und Bilanz gezogen. Weil ich nichts besseres zu tun habe und mir momentan auch nichts eigenes einfällt, was ich bloggen könnte, hab ich das auch mal gemacht. Für Bayer 04 versteht sich.

Hiermit wage ich zu behaupten, dass diese Arbeit für kaum einen anderen Verein nerviger ist als für Bayer 04. Ende des letzten und Anfang des aktuellen Jahrtausends wurde alles verliehen, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Ein paar Jahre später kamen diese Leute mit einem mal alle zurück… oder auch nicht… oder sie kamen zurück und wurden gleich wieder verliehen. Wir erinnern uns wohl alle, wie der Bayer damals dafür belächelt wurde. Doch das war uns egal, wir verwiesen auf internationale Spitzenclubs, Ajax, Arsenal und Co, die machen das genau so, das ist die Zukunft, ihr werdet euch noch wundern.

Na ja, einen Versuch war es ja wert. Im Endeffekt bin der Gelackmeierte jetzt ich (Mal ehrlich, hier blickt doch kein Mensch durch).

Hinzu kommt, dass ich im zarten Alter von elf Jahren – und dies bedeutet 97/98 – gerade damit anfing mich für Fußball und für Bayer Leverkusen zu interessieren. Das macht die Bewertung der frühen Transfers nicht gerade einfacher, aber Änderungsvorschläge werden gerne angenommen, bzw. diskutiert.

Voller Stolz präsentiere ich euch nun das dokumentierte Chaos der Bayer’schen Transferpolitik:

Erklärung

Um eine kurze Erläuterung der Tabelle komme ich wohl nicht herum.

Die Quelle meiner Daten ist transfermarkt.de. Die Kriterien der Bewertungen sind selbstverständlich subjektiv und an einigen Stellen definitiv streitbar. Ich muss mir selber vorwerfen, dass es mir teilweise nicht möglich war, mir selbst gegenüber konsequent zu bleiben: Es gibt Fälle, wie Gekas (+/-) oder Athirson (-), die ich persönlich zwar eine Stufe besser finde, bei denen ich mir aber relativ sicher bin, dass sie im Allgemeinen anders eingestuft werden. In anderen Fällen wiederum – Ponté ist ein solcher – habe ich mich durchgesetzt und ihm die bessere Einstufung gegeben.

Wie dem auch sei, subjektiv ist es so oder so. Wenn ich mir nicht sicher war, stellte ich mir einfach die Fragen: “Habe ich mehr von ihm erwartet?” und “Würde ich das Geld für diesen Mann noch einmal ausgeben?”. Leute, die hin und her verliehen wurden, und uns dadurch nichts kosteten und bei uns so gut wie nie zum Zuge kamen, wurden meist neutral bewertet.

Die Gehaltskosten, die zum Teil auch für verliehene Spieler anfielen, habe ich übrigens nicht berücksichtigt.

Bei Probek wird zur Zeit kontrovers darüber diskutiert, wie aussagekräftig diese Tabelle ist. Er hat sich scheinbar dazu entschieden, die Geld-Spalten zu eliminieren. Ich lasse sie stehen, da sie zum einen nicht schaden und ich mir zum anderen einfach ansehen möchte, welcher Euro ein gut- und welcher ein schlecht-ausgegebener war.

Die berechtigte Kritik an diesem System lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die 1,1 Mio. für Bernd Schneider waren ein “besserer” Transfer als die 8,5 Mio. für Lúcio. Trotzdem lassen die 8,5 Mio. von Lúcio die Statistik besser erscheinen.

Die Anzahl der Spiele habe ich im Gegensatz zu Probek rausgelassen. Das war mir schlicht und einfach zu viel Aufwand, da ich konsequenterweise die Spielanzahl eines Spielers, der mehrmals bei uns unter Vertrag stand, entsprechend hätte aufteilen müssen. Vielleicht hole ich das nach (Wobei die Betonung auf “vielleicht” liegt).

Fazit

Wie allgemeingültig ein Fazit aus dieser subjektiven Zusammenstellung sein kann, ist fragwürdig. In jedem Fall ist es eine nette Spielerei, aus der jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Ebenfalls ist es interessant, die vergangenen Jahre, vor allem die Jahre der Ära Calmund, Revue passieren zu lassen.

Festhalten kann man aber sicher Folgendes:

Unsere Transfermenge ist aus schon benannten Gründen unverhältnismäßig hoch. Insbesondere die 84 neutral bewerteten Zugänge resultieren daraus. Die Bilanz der positiven und negativen Einkäufe ist ausgesprochen ausgeglichen, wie sich auch beim FC Bayern zeigt. Schaut man sich die Kohle an, die dafür geflossen ist, können wir zufrieden feststellen, dass der Großteil der Ausgaben offenbar gut investiert war (79 Mio. € positiv gegenüber 23 Mio. € negativ).

Und zu guter letzt möchte ich noch eine Frage stellen: Wer freut sich eigentlich noch darüber, dass “Chancentod” Berbatov damals nicht im Ausleih-Sumpf gelandet ist?

Weitere Listen:

Ein Spielfeld voller Pillen

Ich will mich wirklich nicht dranhalten. Aber es scheint ja tatsächlich etwas dran zu sein. Womöglich werden wir also in den folgenden Tagen unseren nächsten defensiven Mittelfeldmann begrüßen können: Lars Bender. U19-Europameister, dementsprechend deutsch und vor allen Dingen jung. Sicher ein guter Mann. Bayer’sche Transferpolitik der Neuzeit par excellence. Gefällt mir ja eigentlich.

Dennoch motiviert mich dieser Umstand dazu, einmal ein Schaubild anzufertigen. Das ganze erinnert ein wenig an Tapeten aus den 70ern, ergibt aber dennoch etwas Sinn. Et Voilà:

pillenfeldSmall

Klick für größeres Bild

Was soll das alles bedeuten, bitte?

Das Ganze ist vielleicht nicht vollkommen selbsterklärend, daher folgt nun eine Anleitung, wie dieses Schaubild zu lesen ist:

Wir sehen elf bzw. 20 Kreise (streng genommen sind es sogar 22)  auf einem Spielfeld verteilt. Sie sind angeordnet wie das 4-4-2 mit Raute, das Bayer 04 derzeit zu spielen pflegt. Die Größe der Kreise steht für die Anzahl der Spieler, die uns auf der jeweiligen Position zur Verfügung stehen.

Die äußeren (bzw. unteren) Kreise stehen dabei jeweils für alle Spieler, die laut ihrem Profil bei transfermakt.de auf der jeweiligen Position spielen können. Dabei musste ich allerdings eine Ausnahme machen: Gonzo Castro ist auf dem Schaubild nicht nur rechts in der Abwehr und im Mittelfeld, sondern auch auf der von ihm präferierten Position des defensiven Mittelfeldspielers anzutreffen. Das System von transfermarkt.de kennt allerdings keine Außenspieler, die gleichzeitig die 6er-Position ausfüllen können.

Des Weiteren habe ich dieses Bild zunächst nur für die Hinrunde erstellt, Patrick Helmes entfällt also aus der Wertung.

Diese Daten von tm.de zu nehmen ist zwar halbwegs objektiv, passt mir aber nicht an allen Stellen.  So mag es sein, dass Barnetta beide Außenbahnen beackern kann – auf der rechten Abwehrposition möchte ihn dennoch nicht sehen.  Daher existieren die inneren Kreise, die jene Spieler repräsentieren, die auf der jeweiligen Position meiner Einschätzung nach tatsächlich zu gebrauchen wären.

Der Farbton soll die “Qualitätshomogenität” auf einer Position symbolisieren. Dies kann in den vielen Fällen so verstanden werden: “Wie groß ist der Konkurrenzkampf auf dieser Position?” Ganz korrekt ist diese Fragestellung allerdings nicht. Ein kurzes Beispiel dazu: Nur weil laut tm.de sieben Spieler auf der rechten Abwehrseite spielen können, findet dort ja nicht weniger Konkurrenzkampf statt als zwischen den beiden Spielern, die ich auf diese Position gesetzt habe (denn im Endeffekt finden sich diese beiden Spieler ja auch im großen Kreis wieder). Ein “weniger tauglicher” Spieler wertet daher nicht den Konkurrenzkampf ab, sondern eben die Qualitätshomogenität, was, wie ich glaube, ein ganz passender Begriff dafür ist.

Speziell zu betrachten sind des Weiteren die Positionen der Innenverteidiger und der Stürmer, da es es von diesen Spielern jeweils zwei in der Startaufstellung gibt, die weitestgehend austauschbar sind. Auf diesen Positionen habe ich die verfügbaren Spieler aufgeteilt. Dennoch gleichen sich weder die Mittelstürmer- noch die IV-Positionen. Dies liegt daran, dass ich denke, dass zum einen Sami Hyypiä schon relativ fest im Sattel sitzt (demnach ist Hyypiä im Bild auf der linken, dunkleren Seite zu finden), während es Richard Sukuta-Pasu auf seiner Position im Sturm nicht einfach hat (ergo ist offensichtlich auch dieser links, ebenfalls im dunklen Kreis, anzutreffen).

Und worauf möchtest du nun hinaus?

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieser große, feuerrote Punkt dort in der Mitte – braucht der noch einen Mann mehr? Jetzt sofort?

Aber auch davon abgesehen, bietet dieses Bild Raum für Interpretationen, wie ich finde. Soll keiner glauben, ich hätte dieses Ding nur wegen meinem persönlichen DM-Problems erstellt.

Wozu die Eile?

Der 20-jährige Mittelfeldspieler [Lars Bender] “wäre bereit”. Bayer auch. Sportchef Rudi Völler verriet am Dienstag: “Wir sind bereits seit Wochen in Gesprächen mit 1860 München. Wir würden ihn gerne bereits jetzt gerne bei uns im Kader sehen.”

Steht jedenfalls hier.

Wieso eigentlich? Haben wir so sehr Not am Mann? Reichen Rolfes, Vidal, Reinartz, Zdebel, Castro und Sinkiewicz im defensiven Mittelfeld nicht aus (Ich würde mich nicht mal wundern, wenn ich jemanden in all meiner Spontanität vergessen hätte)? Ich muss gestehen, dass ich Lars Bender im letzten Jahr so gut wie gar nicht beobachtet habe – Hand aufs Herz: “So gut wie gar nicht” ist sogar noch sehr übertrieben untertrieben, daher frage ich: Spielt er vielleicht gar keinen 6er, sondern wirbelt im offensiven Mittelfeld, so dass wir einen adäquaten Backup für Kroos hätten? Oder spielt er tatsächlich auf der 6er-Position und konnte dort letztes Jahr in der zweiten Liga so überzeugen, dass er eine ernstzunehmende Konkurrenz für den Käpt’n wäre? Oder wollen wir allen anderen Mannschaften einfach nur die 6er wegkaufen? Oder hat Rudi einfach nur einen Faible für defensive Mittelfeldspieler?

Mir gefällt unsere zukunftsorientierte Einkaufspolitik zur Zeit ja ausgesprochen gut, aber dennoch leuchtet mir nicht alles ein. Ich bitte flehentlich um Aufklärung.

Kaderanalyse 09

Wie versprochen wollen wir nun einmal den Kader der nächsten Saison genauer beleuchten. Im Gegensatz zu manch anderem Verein ist bei uns nicht viel passiert. Die einzigen wirklichen Zugänge sind Samy Hyypiä, Eren Derdiyok und Daniel Schwaab. Stefan Reinartz, Pirre De Wit, Assimiou Touré, Theofanis Gekas, Burak Kaplan und Fabian Giefer kamen von ihren Ausleihstationen (Osnabrück, Nürnberg, Portsmouth) zurück oder wurden befördert.

Den Verein haben Henrique, Angelos Charisteas (beide zurück zum Verleiher), Pirmin Schwegler, Karim Haggui, Vratislav Gresko und Erik Domaschke gewechselt.  Constant Djakpa wird ausgeliehen und Bernd Schneider musste seine Karriere leider beenden. Den bisherigen Testspielen zufolge dürfte die etatmäßige Stammelf momentan etwa so aussehen:

Aufstellung 09

Aufstellung 09¹ (Klick für ein größeres Bild)

Obwohl ich persönlich es interessant gefunden hätte in der Vorbereitung mal ein 4-3-3 ohne Kroos, dafür mit Derdiyok, Gekas und Kies, auszuprobieren, hat Heynckes sich offensichtlich für das klassische 4-4-2 entschieden. Fein, damit kann ich auch leben, zumal sich die Stürmer beim 4-3-3 wohl auch nur gegenseitig auf den Füßen gestanden hätten. Aber schauen wies damit läuft, hätt ich schon gewollt. Na, ein ander mal.

Hier also die Kaderanalyse im Detail für ein 4-4-2 System:

Tor

Der Keeper befindet sich quasi nicht im akuten Konkurrenzkampf. Als Nationaltorhüter ist Adler die unangefochtene Nummer 1 beim Bayer.  Als Backups stehen Fernandez und Giefer bereit. Fernandez musste in der Vorbereitung drei der insgesamt fünf Gegentore hinnehmen, an denen er allerdings schuldlos war. Alle drei Treffer fing er in dem einzigen Spiel, das er absolvieren konnte, gegen Wydad Casablanca. Zur Zeit laboriert er an einem Meniskusschaden. In Folge dessen kam Giefer in den übrigen Testspielen häufiger zum Einsatz, genau genommen zwei mal über 90 und zwei mal über 45 Minuten. Die übrigen beiden Gegentreffer teilten sich gerecht unter Adler und Giefer auf. Sobald Fernandez fit ist, darf man davon ausgehen, dass er die Nummer zwei sein wird.

Abwehr

Hier wird es langsam interessant.  Meine favorisierte Abwehrreihe lautet

Kadlec – Friedrich – Hyypiä – Castro.

Dies lässt allerdings einige Variationen zu. Aus Mangel an gleichwertigen Alternativen dürfte Katsche (wie ich ihn seit kurzem auch liebevoll nenne) am sichersten im Sattel sitzen. Sollte er ausfallen steht Hans Sarpei auf dem Posten, der auf dieser Position bisher eigentlich immer einen ordentlichen Job gemacht hat, dessen Offensivqualitäten allerdings nicht mit denen Katsches zu vergleichen sind. Alternativ steht Touré zur Verfügung, der in der kommenden Saison aber vermutlich erstmal nur wenige Bundesligaminuten sammeln darf.

In der Innenverteidigung ist Sami Hyypiä, der von allen Seiten als  der Heilsbringer angesehen wird, gesetzt. Da auch ich mich nur allzu leicht euphorisieren lasse, hab ich ebenfalls das Gefühl, vor allem aber die Hoffnung, dass unsere Abwehr durch ihn deutlich an Sicherheit gewinnen wird. An seiner Seite wird (zumindest zu Saisonbeginn) Manuel Friedrich seinen Platz finden, da es fraglich ist, ob Sinke bis dahin wieder bei 100% sein wird. Und so sehr ich Sinkiewicz auch mag, so schätze ich, dass sich Friedrich auch langfristig weiterhin durchsetzen wird. Erstaunlicherweise genießt Friedrich bei einem Großteil der Fans nicht ganz das Ansehen, dass er meiner Meinung nach verdient hätte – obgleich doch alle hellauf begeistert sind, sobald er wieder mal nach einer Ecke den Kopf an die richtige Stelle hält (wodurch er zumindest in dieser Kategorie das Erbe des Juan antritt). Als vierter Mann steht Reinartz für die Innenverteidigung bereit, der in der Vorbereitung bislang auf der 6er-Position eine gute Figur machte. Der Platz neben Hyypiä (sollte Hyypiä in der Bundesliga tatsächlich eine so stabile Figur abgeben) dürfte damit hart umkämpft sein.

Auf der rechten Seite findet das Duell der U21-Europameister statt. Gonzo dürfte die Nase zur Zeit vorne haben, doch Schwaab machte in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Die Position des LV könnte in dieser Saison noch eine interessante Angelegenheit werden.

Mittelfeld

Auch das Mittelfeld stellt sich nicht von alleine auf. Hier würde ich Jupp in der Regel folgendes empfehlen:

Barnetta – Rolfes – Kroos – Renato Augusto

Heynckes hat im Mittelfeld vor allem zwei Optionen: Mit Raute oder mit zwei 6ern. Die erstere ist wahrscheinlicher und darüber hinaus ausgesprochen wünschenswert. Obgleich wir im defensiven Mittelfeld am breitesten besetzt sind (mit Rolfes, Vidal, Zdebel, Sinkewiecz, Castro und Reinartz, die dort spielen können), wird es nötig sein die Offensive durch einen klassischen 10er, seines Zeichen Toni Kroos, zu unterstützen, gerade nach dem Ausfall der Torgefährlichkeit eines Patrick Helmes. Den defensiven Part dürfte dem Kapitän wohl niemand ernsthaft streitig machen können. Sollte manchmal mit zwei 6ern gespielt werden, dürfteVidal den Vorzug erhalten neben Rolfes zu spielen. Die beiden würden sich dann abwechselnd in die Offensive einschalten. Sollte Schwaab sich allerdings mit der Zeit aufdrängen, könnte dies indirekt zu Vidals Verhängnis werden, wenn Heynckes Castro auf dessen eigentlicher Lieblingsposition stärker einstuft als den Chilenen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erfahrung eines Zdebel, über dessen Leistung man sich bislang selten beklagen konnte. Wie erwähnt hat auch Reinartz als Rolfes-Ersatz in der Vorbereitung eine gute Figur gemacht.

Bei der Variante mit Raute dürfte Kroos uneingeschränkt gesetzt sein, während De Witt als Ergänzung zur Verfügung steht. Auch auf den Flügeln ergeben sich neben Barnetta und Renato Augusto wenig Alternativen. Obwohl man Barnetta häufig anmerkt, dass die Bundesliga ihn zu langweilen scheint und er keinen Hehl daraus macht, sich zu Höherem berufen zu fühlen,  dürfte er sich gegen die einzige echte Alternative Sascha Dum durchsetzen. Dennoch weiß man dessen Qualitäten als Flügelflitzer zu schätzen, wodurch er als Ergänzung nicht abzuschreiben ist. Ich bin ausgesprochen froh, dass wir ihn nicht abgegeben haben und hoffe, dass er seine Chancen bekommen wird. Renato Augusto verkörpert die Kreativität des Bayerspiels und dürfte nicht adäquat zu ersetzen sein. Bei einem Ausfall wäre es denkbar, dass Castro (welcher bei der U21-EM auf ähnlicher Position gesetzt war und zum Teil brillierte) vorrückt, oder der junge Burak Kaplan seine Chance erhält.

Sturm

Mein Sturm sieht zunächst wie folgt aus:

Derdiyok – Kießling

Im Sturm wird Kießling definitiv gesetzt sein. Ähnlich wie bei Friedrich, allerdings für mich noch deutlich erstaunlicher, steht auch dieser häufig in der Kritik eines Teils der Fans. Also der Mann, der in der letzten Saison zwölf Tore und neun Vorlagen für Leverkusen geliefert hat. Der Stürmer, der die besten Zweikampfwerte aller Stürmer der Bundesliga aufweist (Quelle: mein Gedächtnis; kann als verlässlich angesehen werden). Der Mann, der eigentlich überall auf dem Platz anzutreffen ist. Ein Mann, dem man tatsächlich abkaufen könnte, sich mit dem Verein zu identifzieren und von dem ich noch nie Abwanderungswünsche gehört habe. Aber lassen wir das. Selbstverständlich wird sich Kies durchsetzen und nichts Anderes zählt. Freut mich, dass er es bei uns aushält, obwohl er davon ausgehen könnte, bei jedem anderen Verein (außer den Bayern vermutlich) der Publikumsliebling zu sein. Neben ihm wird zunächst wohl Derdiyok gesetzt sein, obwohl es Gekas ist, der in der Vorbereitung durch Tore auf sich Aufmerksam machte. Auch Heynckes scheint viel von Gekas zu halten. Man darf wohl gespannt sein, gerade wenn man bedenkt, dass beide wissen, dass in der Rückrunde (oder aber doch etwas früher?) ein gewisser Patrick Helmes wieder fit sein wird, den man de facto nicht verdrängen kann. Nicht unterschlagen werden soll Richard Sukuta-Pasu, dem in Fankreisen einiges zugetraut wird. Doch gegen die drei, respektive vier Top-Stürmer, wird es schwer für ihn sein, sich schon in dieser Saison durchzusetzen.

Es könnte also eine interessante Saison werden, ich halts kaum noch aus.

¹Alle Spielerbilder von Bayer 04, das Bild der Arena von funky1opti bei flickr.

Stand der Dinge

Wie bereits erwähnt, gibt es einiges aufzuarbeiten (denn seit spätestens heute ist dies hier ein Bayer04-Blog).

Der Coach…

…wird mir immer sympathischer. Wie die meisten war ich anfangs ziemlich skeptisch, als ich von Jupps Verpflichtung hörte. Mir sind nunmal hauptsächlich Gladbach und Schalke als letzte Stationen von Jupp Heynckes im Gedächtnis geblieben und weniger die paar Wochen bei den Bayern. Doch die Interviews, die man von ihm und über ihn hört, stimmen mich immer optimistischer. Aber ganz egal was man von Heynckes hält oder erwartet: Seine Verpflichtung war die einzige mögliche Antwort auf die Entwicklung der letzten Jahre. Endlich wieder ein Fußballlehrer der alten Schule. Einer, der Ruhe ins Team bringt. Einer, der die Euphorie des Umfelds in Grenzen hält, nur weil man gegen Leipzig 5:0 gewinnt. Einer, der dadurch auch den Spielern den Druck nimmt. Einer, der weiß, dass attraktiver Offensivfußball in Leverkusen zwar Tradition hat, ein ordentliches Umschalten auf die Defensive aber Grundvorraussetzung für Erfolg ist. Wenn in der nächsten Saison nicht das internationale Geschäft erreicht wird, dann liegt es nicht am Trainer. Woran es dann liegt, sollte jedem klar sein, doch schreiben werde ich es nicht, da ich es nicht wahrhaben will.

Die Zugänge…

…wissen zu gefallen. Allen voran Eren Derdiyok (21, FC Basel). Was ich bisher sehen durfte löst schon eine gewisse Begeisterung in mir aus. Er ist vermutlich nicht der 21-Tore-Stürmer, den wir nach dem Ausfall von Helmes sicher gebrauchen könnten. Doch mit einer (für einen Stürmer dieser Größe) feinen Technik und astreinem Kopfballspiel ausgestattet, scheint er sich perfekt ins Team zu integrieren. Im Gegensatz zu Helmes schießt er nicht aus allen Lagen, braucht dafür allerdings auch deutlich weniger Chancen für ein Tor.

Ebenfalls als treffsicher erweist sich bislang Fanis Gekas (29, Portsmouth, war verliehen). Ich dachte mir doch, dass er nicht alles verlernt haben kann. Wenn er sich damit abfinden kann nur Stürmer Nummer drei oder vier zu sein ist das natürlich wunderbar. Schade ist das ganze allerdings für Sukuta-Pasu, zumal er es in der bisherigen Vorbereitung nicht geschafft hat, sich aufzudrängen.

In der Defensiv-Abteilung hat sich ebenfalls einiges getan. Sami Hyypiä (35, FC Liverpool) ist natürlich der Startransfer überhaupt. Zusammen mit Stefan Reinartz (20, 1.FC Nürnberg, war ausgeliehen) soll er die Lücke schließen, die Henrique (planmäßig zurück zum FC Barcelona) und Haggui (zu Hannover 96) hinterlassen. Sami gibt sich bislang routiniert und kopfballstark. Außerdem hab ich das Gefühl, dass wir von dem Finnen nicht das gleiche Phlegma erwarten müssen, dass Roque Junior (als ebenfalls ein Spieler, der bereits alles erreicht hat) phasenweise in der Bundesliga an den Tag gelegt hat. Reinartz spielt sich zur Zeit insbesondere als Rolfes-Ersatz auf der 6er-Position in den Vordergrund und wird in höchsten Tönen gelobt. Wenn jener zum Bundesligastart wieder fit ist, wird sich Reinartz wohl dennoch zunächst auf der Bank wiederfinden müssen, da neben Hyypiä garantiert (und zu Recht meiner Meinung nach) Friedrich in der Innenverteidigung gesetzt sein wird. Ebenfalls interessant wird das Duell sein, dass sich Gonzalo Castro und Neuzugang Daniel Schwaab (20, SC Freiburg) auf der rechten Abwehrseite liefern werden. Gonzo ist selbstverständlich im Vorteil, auch weil er als Eigengewächs zu einer Rarität in der Bundesliga geworden ist. Beide kennen sich aus der U21, sind vor kurzem beide Europameister geworden. Während Andreas Beck (TSG Hoffenheim) dort allerdings die Position des rechten Außenverteidigers einnahm, rückte Castro ins Mittelfeld und erzielte von dort gar wichtige Tore (das 1:1 gegen England zum Einzug ins Halbfinale und das 1:0 gegen England im Finale). Schwaab kam indessen im Finale in der 69. Minute zu seinem Debüt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Schwaab den Konkurrenzkampf auf der rechten Seite ankurbeln wird.

Des Weiteren kehren mit Pierre de Wit und Assimiou Touré (beide 21, beide Vfl Osnabrück, waren beide ausgeliehen) zwei weitere Eigengewächse zurück. De Wit hat bislang noch mit seinem Kreuzbandriss zu kämpfen, wird, sobald er fit ist, jedoch eine Ergänzung im zentralen Mittelfeld darstellen. Touré wurde zur WM 2006 überraschend unter Otto Pfister togolesischer Nationalspieler, seit dem erwartete man teilweise Wunderdinge von ihm. Talentiert ist er und schnell ist er auch, wodurch er als brauchbare Alternative auf den Außenbahnen angesehen werden kann.

Des Weiteren erhalten Fabian Giefer (19, Leverkusen II) und der in der Vorbereitung groß aufspielende Burak Kaplan (19, Leverkusen U19) Profiverträge. Während Giefer sich als Torhüter selbstverständlich hinten anstellen muss, wird der ein oder andere Einsatz für Kaplan sicher drin sein.

Die Abgänge…

…sind kaum der Rede wert. Mensch, klingt das hart. Aber es entspricht der Wahrheit. Der Transfer von Henrique (22, FC Barcelona, war ausgeliehen) ist schade, war aber vorrauszusehen und unumgänglich. Ebenfalls zurück zum Absender gehts für Angelos Charisteas (29, 1. FC Nürnberg, war ausgeliehen). Obwohl er mir in seinen wenigen Joker-Einsätzen nicht so schlecht gefallen hat, ist der Abschied zu verschmerzen. Mit Karim Haggui (25, Hannover 96) bricht schon eher eine Säule weg – allerdings ebenfalls keine, die nicht zu ersetzen wäre. Constant Djakpa (22, Hannover 96, ist ausgeliehen), der talentierte Linksverteidiger wird in Hannover hoffentlich Erfahrung sammeln, denn an Kadlec führt zur Zeit kein Weg vorbei. Erik Domaschke (23) wechselt zum SV Wehen Wiesbaden, während die Wege des Vratislav Gresko (31) noch offen sind, so weit ich weiß. Dann wäre da noch Pirmin Schwegler (22, Eintracht Frankfurt). Ich ziehe nicht gerne über Ex-Spieler her und werde das auch hier nicht tun. Allerdings sind mir nicht viele Spieler in Erinnerung, die beim Bayer so wenig Eindruck hinterlassen haben (im Verhältnis zu den Erwartungen, die man an sie knüpft). Na ja, vielleicht schafft er unter Skibbe ja diesmal den Durchbruch, zu wünschen ist es ihm.

Die bisherige Vorbereitung…

…läuft doch eigentlich ganz prima. Wir sind bislang ungeschlagen gegen recht passable Gegner und haben sogar dieses komische Turnier da in Wattenscheid gewonnen. Phasenweise (in der ersten Hälfte gegen Istanbul beispielsweise) könnte man glatt meinen, dass man den guten alten Bayer04-Style wiederentdeckt hat. Die Jungs haben offensichtlich Spaß zusammen, der Trainer ist zufrieden, die Stimmung großartig. Alles wie immer also – das kann eigentlich nichts Gutes bedeuten.

Zur Zeit findet ein Trainingslager in Elztal statt, in dessen Rahmen der Kaiserstuhlcup ausgetragen wird. Gegner werden am 24.07., bzw. 25.07. der SC Freiburg und der Bahlinger SC sein. Endlich richtig los gehts dann am 31.07. im DFB-Pokal gegen den SV Babelsberg, selbstverständlich in Babelsberg.

Die Stammelf…

…bekommt in den nächsten Tagen noch ihren eigenen Artikel, denk ich mal.

Bernd Schneider…

…wird hier aus Prinzip nicht im Abschnitt der Abgänge genannt, da er seinen eigenen Abschnitt verdient hat. Ohne Zweifel ist es der herbste Verlust an Spielqualität und Charakter, den wir in den letzten Jahren hinnehmen mussten. Schnix war der Grundstein der Leverkusener Spielkultur. Der Initiator, der Vordenker, der Kapitän. Mit ihm verlässt ein ganz Großer die Fußballbühne, ohne auch nur einen namenhaften Titel gewonnen zu haben. Spielerisch hat es in der letzten Saison phasenweise auch ohne ihn funktioniert, dennoch bricht ein großer Brocken Identifikation weg. Und das so plötzlich. Wenn ich an das DFB-Pokalfinale denke und an den ganzen Block, der Schneider gefordert hat und an Bruno Labbadia, der trotz allem nicht mal mit der Wimper gezuckt hat, könnte ich kotzen. Das hätte ein würdiger Abschied werden können. Doch nun hoffen wir einfach, dass er das Abschiedsspiel bekommt, dass er verdient.

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