Michal Kadlec | lauthals

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Katsche kanns noch: Bayer 04 – Simferopol 3:0

Seit gestern Abend hat Europa uns endlich wieder. Und dazu, dass das auch noch einige Wochen so bleiben wird, wurde gestern der Grundstein gelegt.

Ein gutes Spiel war es nicht, weder von der einen noch von der anderen Seite – wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was “gutes Spiel” bei Simferopol bedeutet. Von Leverkusener Seite hat es letztlich gereicht, schlussendlich war der Sieg angesichts fehlender Chancen des Gegners auch in der Höhe nicht unverdient, wenn auch in der Entstehung vielleicht etwas glücklich.

Technisch war das alles teilweise sehr fein anzusehen, insbesondere von Renato Augusto. Leute, ich sach euch: Das wird seine Saison. Mutig, spritzig, überraschend, intelligent. Zugegebenermaßen hat er bzw. sein Glück im Laufe der zweiten Halbzeit etwas nachgelassen, doch die Ansätze, die er schon jetzt wieder zeigt, sind mehr als vielversprechend.

Ungewohnt selbstbewusst agierte auch Daniel Schwaab, der von dem Spielwitz  Renatos Inspiration zu schöpfen scheint. Blinde Flanken aus dem Halbfeld sind mir von gestern nicht in Erinnerung, wohl aber die ein oder andere Situation, in der er sich im Zusammenspiel mit Renato gegen ein oder zwei Gegner durchzusetzen versucht. Die auffälligste Szene von ihm war sicher der Zweikampf an der gegnerischen Torauslinie vor seinem Pass auf Michael Ballack zu dessen ersten Torchance. Nach hinten agierte Schwaab allerdings etwas fahrlässig. Mehr als einmal stand er hinten rechts so weit weg vom Mann, dass man auf den ersten Blick nicht mal erkennen konnte, dass er dafür zuständig gewesen sein könnte. Ein Glück, dass Simferopol seine Konter nie konsequent ausspielte.

Auf der anderen Seite zeigte Katsche, wieso er 2008/2009 bei uns zum Publikumsliebling aufstieg. Hinten sicher und vorne mit Übersicht und Gewalt. Bravo.

Ansonsten fiel positiv auf, dass es Barnetta gut zu tun scheint, dass Sidney Sam auf seiner Position Druck macht, obgleich dieser gestern unauffällig war und zumeist glücklos wirkte. Außerdem hat Michael Ballack offensichtlich nichts verlernt, seit er uns verlassen hat. Hätte sein Linksschuss aus der Ferne den Kasten getroffen, hätte Leverkusen Kopf gestanden. Geht es nur mir so, oder habt ihr auch das Gefühl, dass einfach nichts Schlechtes passieren kann, wenn der Mann am Ball ist? Solche Spieler gibt es ja, in Leverkusen ist mir so einer jedoch lange nicht mehr aufgefallen. Der Letzte war Berbatov. Für einige Monate hatte ich dieses Gefühl auch mal bei Franca. Davor fällt mir nur noch Micha selbst ein. Und nein, Schnix habe ich nicht vergessen. Doch diesen “Zauber” versprühte er nicht. Er hatte andere Qualitäten.

So positiv sich dieser Bericht jetzt auch liest, ich habe hier wirklich nur die Glanzpunkte herausgepickt. Über den nicht genannten negativen Punkten schwebt indes  ein einziger Grund, aus dem diese Punkte resultieren: Phlegma. Man führt nach der ersten Minute 1:0 und geht davon aus, das Spiel von nun an im Vorbeigehen 4 oder 5:0 nach Hause zu bringen. So läuft das natürlich nicht. Aber das wird der Jupp den Jungs schon klarmachen. Fraglich ist lediglich, ob das so einfach ist, ob der deutlichen Ergebnisse, die bislang eingefahren wurden.

Sonntag geht es also zum BVB nach Dortmund. Für mich war das Ordern eines Tickets für dieses Spiel natürlich Pflicht. Für viele anderen scheint das anders auszusehen, demnach gibt es noch einige wenige Tickets für die Gästeblöcke an der Stadionkasse. Ich hoffe doch, dass sich reichlich Kurzentschlossene finden, um den SVB im vermutlich ersten Bundesligaspiel der Saison zu unterstützen. (Update: Das vermutlich kann ich streichen. Der Satz sollte erst anders enden ;-) Ich bin mir hingegen relativ sicher, dass am Sonntag definitiv das erste Bundesligaspiel der neuen Saison von Bayer 04 stattfinden wird.)

Ein Luxusproblem als Weihnachtsgeschenk?

Ich geb’s ja zu: Ich habe bis zum Ende nicht daran geglaubt. An die Herbstmeisterschaft. Doch tatsächlich hat es funktioniert, auch mit einigen schwächeren Spielen am Ende der Hinrunde. Sicher, einen Großteil des Erfolges haben wir dem Unvermögen der Konkurrenten zu verdanken, die es nicht fertig brachten, sechs (!) Unentschieden aus den letzten neun Spielen zu nutzen. Doch unbesiegt die Vorrunde zu beenden, verdient schon seine Anerkennung. Von einer Mannschaft zu reden, die “nicht mehr mit jener aus der letzten Saison vergleichbar ist”, ist inzwischen keine Spinnerei mehr.

Und doch wird man es als Bayer 04 Fan nie schaffen können, frei von jeglichem Zweifel zu sein. Überall und jederzeit muss man damit rechnen, dass sich Probleme anpirschen, auf den denkbar kuriosesten Zeitpunkt warten und dann gnadenlos zuschlagen. Selbst bei eigentlich erfreulichen Nachrichten, muss man damit rechnen, auf einen Wolf im Schafspelz hereinzufallen. Die erfreuliche Nachricht, der Schafspelz also, besteht in aktuellem Fall freilich aus der Rückkehr lang vermisster Leistungsträger. Der Wolf existiert in der Tatsache, dass das Wort “vermisst” oder zumindest die Kombination der Wörter “lang” und “vermisst” im vorherigen Satz zweifelhaft bis falsch ist.

«Wir haben noch einige Nationalspieler. Wenn die wiederkommen, ich will ja nicht drohen, dann wird es noch besser.»

(Jupp Heynckes)

Nicht, dass ich unserem Coach gerne widerspreche. Und nicht, dass ich gerne den Schwarzmaler markiere, und dennoch: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir mit einem Schlag sinnvoll und beschwerdefrei vier “neue” Leute in die Aufstellung integrieren wollen.

Schwaab, der seinen Job solide, aber nicht immer fehlerfrei ausführte, stellt mich noch vor das geringste Problem. Gonzo rückt wieder auf rechts, Kadlec wieder auf links, Schwaab lauert auf der Bank auf seine Chance. Fertig.

Doch spätestens bei Stefan Reinartz geht es los. Dass ein Rolfes spielen muss, wenn er fit ist, steht zu keiner Diskussion. Doch es stellt sich fast schon die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, Stefan auf die Bank zu setzen, wo er keinen geringen Anteil an der Herbstmeisterschaft trägt und zudem ein Eigengewächs ist. Da wird wohl oder übel Vidal dran glauben müssen… und die Bank und er waren noch nie die besten Freunde.

Der Sturm gestaltet sich dagegen noch relativ harmlos, auch wenn es zunächst nicht diesen Anschein hat. Kießling ist gesetzt, wie seit Berbatov kein anderer Stürmer mehr. Derdiyok, der derzeitig “nur” sechstbester Torschütze der Bundesliga ist, muss die Chance erhalten, seinen Platz zu verteidigen, während Helmes durch 20-minütige Einsätze seinerseits die Chance erhalten wird, seinen Platz zurück zu erkämpfen. Konfliktpotenzial hat diese Konstellation allemal. Im Angriff gestaltet sich eine Entscheidung aber generell etwas einfacher, da die harten Fakten, die Tore eben, leichter zu zählen sind.

Doch im offensiven Part des Mittelfeldes, wo vor einigen Monaten Renato Augusto durch Toni Kroos ersetzt werden musste, was ist dort am wichtigsten? Kroos hatte einige überragende Spiele, die er darüber hinaus mit Toren¹ krönte, so viel steht fest. Doch wenn ich mir die Zusammenfassung aller unserer Tore in der Hinrunde noch einmal ansehe, so stelle ich fest, dass ich auch Renatos unwiderstehlich unberechenbare Sololäufe vermisse. Renato kann doch nicht auf der Bank sitzen. Und Kroos auch nicht. Und Barnetta, der in letzter Zeit den halben Platz umpflügt, doch auch nicht. Mir ist das alles zu hoch. Ich kann das nicht entscheiden und muss es zum Glück auch nicht. Aber Tatsache ist doch: Ganz egal, wie die Entscheidung ausfällt, sie kann nur falsch sein und fast nur zum Schlechteren führen.

Da ist sie wieder. Meine Angst. Aber auch beim letzten mal war sie ja nur halb gerechtfertigt

¹ Ist der Plural dort korrekt? Oder war es nur ein einziges Tor in sechsfacher Ausführung?

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