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Verkehrte Welt: Bayer 04 – Borussia Mönchengladbach 3:6

Freuen wir uns: Dieses Jahr gibt es keine endlose Serie von Spielen ohne Niederlage, an deren Ende wir die Schande über uns ergehen lassen müssen, trotz allem nicht mehr als den vierten Platz erreicht zu haben. Ihr merkt schon, mein Glas ist meistens halbvoll.

Ich bin mit einem guten Gefühl ins Stadion gegangen. Wie könnte es auch anders sein? Nie kann man drei Punkte fester einplanen als gegen Gladbach. 4:0 war mein Tipp. Kann auch 5:0 ausgehen. Vielleicht wirds auch nur ein 2:0. Aber ne Null steht hinten am Ende definitiv. So viel zur Theorie, das Ende ist bekannt.

In den ersten Minuten lief es auch ganz gut, obgleich eine gewisse Lässigkeit zu Erkennen war. Konnte ich der Mannschaft gar nicht übel nehmen, der Gegner war schließlich Gladbach. Irgendwann wird das erste Tor schon fallen. Das einzige, was mich richtig genervt hat war dieser Herrmann im rechten Mittelfeld. Vielleicht war das, was mich genervt hat aber auch unsere linke Defensiv-Seite. Ansichtssache. Fakt ist: Ein ums andere mal gelang es Herrmann mit einem steilen Pass, meist auf Idrissou, unsere Abwehr zu entblößen. Häufig musste Sami Hyypiä dort aushelfen, da Kadlec sich bereits in der Offensive düpieren ließ. Leider Gottes konnte man in diesen Szenen gestern schon erkennen, dass Hyypiä keine 25 mehr ist. Meistens war er einen Schritt zu spät wodurch regelmäßig der Strafraum brannte.

Letzten Endes war es jener Herrmann, der nach einem Weltklasse-Patzer von Arturo Vidal zur Stelle war und das 1:0 für die Gäste markierte.

“Passiert”, dachte ich mir, ein blindes Huhn findet schließlich auch mal ein Korn. Der Ausgleich konnte nur eine Frage der Zeit sein. Diese Prognose war die einzige, die mir am gestrigen Abend zuverlässig gelang. Nach Castros Flanke aus dem Halbfeld macht Derdiyok das, was er am besten kann: Humorlos einköpfen.

Dass der Bayer-Express nun warmlaufen würde, war allerdings ein Fehlschluss.

Bayer spielte gestern quasi ohne Innenverteidigung. Ein zusätzliches Problem war, dass man sich nicht sicher sein konnte, ob mit Friedrich und Vida noch eine echte Innenverteidigung auf der Bank saß. Ob es so war, werden wir nie herausfinden – Hyypiä und Reinartz durften mussten bis zum Ende durchspielen. Wenn dann noch der Torwart patzt (der ansonsten sehr gute Szenen hatte) ist das eine ganz unglückliche Konstellation. Das 1:2 fiel nach einem flachen Fernschuss, den Adler nicht festhalten konnte und dadurch Brouwers Tür und Tor öffnete.

Es ergibt keinen Sinn, den restlichen Spielverlauf im Detail zu erklären. Man nehme das bisherige Resultat und multipliziere es mit Drei, da kann man nicht viel falsch machen. Es ist nicht so, dass Bayer sich aufgab. Das war wirklich nie der Fall – auch nach dem 2:6 nicht. Doch die Tore schossen letztendlich meistens die Gladbacher. Dies lässt als einzigen Schluss zu, dass das Training der Gladbacher unter der Woche relativ eintönig aussah: Torschusstraining, Torschusstraining, Torschusstraining. Selten habe ich Bälle so zielstrebig gen Winkel fliegen sehen, wie gestern.

Ebenso bin ich nach einer Niederlage selten so gleichgültig nach Hause gefahren. Ein Sieg war einfach nicht drin. Gladbach hat verdient gewonnen. Bayer hat weder clever, noch gut, noch sicher gespielt. Aber die Mannschaft hat von Anfang bis Ende alles versucht und sich nie aufgegeben, was will ich als Fan mehr? Die Entschlossenheit, mit der Vidal sich nach dem 2:4 (58.Minute) und dem 3:6 (70.) noch den Ball geschnappt hat und Richtung Mittelpunkt gelaufen ist, war schon beeindruckend. Wenn ich das richtig sehe, sah das gestern auch der Großteil des restlichen Blocks so. Vielleicht ist diese Niederlage zu dieser Zeit gar nicht so verkehrt. Ein zweites Mal wird das nicht passieren. Hut ab, Gladbach! Mund abwischen und weitermachen, Leverkusen.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal: FK Pirmasens – Bayer 04 1:11

Eigentlich wollte ich gar nichts zu diesem Spiel schreiben. Zu den anderen Testspielen habe ich schließlich auch nichts weiter geschrieben. Aber irgendwie ist die Saison gestern ja tatsächlich offiziell gestartet, demnach muss ich das hier natürlich würdigen.

Die Mannschaft, so viel steht fest, hat den Saisonstart zu würdigen gewusst. Das war keine Glanztat, schon gar nicht in der ersten Hälfte. Es war ein Kantersieg gegen einen Fünftligisten, nichts weiter. Und dennoch muss man ein solches Spiel erstmal in solcher Konsequenz spielen.  Ich habe keine Geschichtsbücher zur Hand, aber so weit ich mich entsinne, entstehen solche Ergebnisse auch in der ersten Pokalrunde nicht sehr häufig.

Ich muss zugeben: ich konnte die ersten 35 Minuten nicht sehen, habe es später auch nicht mehr geschafft mir die Zusammenfassung anzugucken und habe auch vom restlichen Spiel nur die Konferenzschaltung gesehen. Angeblich (und an diesen Angaben zweifel ich im Geringsten) standen wir in der ersten halben Stunde häufig recht wacklig hinten drin. Das zeigt allerdings doch nur, dass auch Bayer Leverkusen nur mit Wasser kocht. Das ist natürlich für jeden eine faustdicke Überraschung. Im ersten Saisonspiel, noch dazu gegen einen Gegner, gegen den – bei allem Respekt für den FKP – kein Bundesligaspieler problemlos 100% seines Potenzials abrufen könnte, darf so etwas mal passieren. Vorraussetzung ist natürlich, dass man sich im Laufe des Spieles am Riemen reißt und zeigt, wo der Kapitän der Nationalmannschaft spielt Hammer hängt. Indem die Konferenzschaltung quasi in eine Liveübertragung von FK Pirmasens gegen Bayer 04 verwandelt wurde, wurde dies auch bravourös bewerkstelligt.

Wenn man diesem Spiel wirklich unbedingt eine Bewertung geben möchte, darf diese nur positiv ausfallen. In erster Linie würde es mich freuen, dass insbesondere die drei Stürmer gezeigt haben, dass sie wissen, wo die Kiste steht und dass Renato Augusto seine Spielfreude nicht verloren hat. Und eins steht fest: Wir haben unsere Chancen schon schlechter genutzt.

Ich möchte diesen Artikel weder als Schönrederei noch als Euphoriebremse verstanden wissen. Dieser Artikel hat lediglich den Anspruch die gleiche Wichtigkeit und Aussagekraft zu besitzen wie das Testspiel von gestern: Gar keine.

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