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Meckern unerwünscht: TSG Hoffenheim – Bayer 04 0:3

Ich hatte es ja gesagt: Hoffenheim tritt erneut ohne Abwehr an, wie das dritte Tor deutlich belegt. Ebenfalls vakant: Der Sturm. Dies wiederum zeigt die Anzahl der von Hoffenheim geschossenen Tore.

Doch schauen wir der Wahrheit ins Gesicht, so schwer es fallen mag. Dieser Sieg, gerade in solcher Höhe, ist mehr als schmeichelhaft und nur einigen wenigen Einzelkönnern zu verdanken, die da wären: Hyypiä, Schwaab, Reinartz, Barnetta und, na ja, ihr wisst schon wer (Ja genau, der schon wieder). Der Rest des Teams wirkte erschreckend fehleranfällig.

Insgesamt war es vielleicht das zerfahrenste Spiel, dass die Mannschaft in der bisherigen Saison abgeliefert hat. Viel Hick Hack, viel Klein-Klein, wie man so schön sagt, viel Unsicherheit. Bezeichnend sind die beiden Chancen von Vukcevic, denen haarsträubende Fehler von Friedrich, respektive Adler vorausgegangen waren. Ich hätte ihm eine Kiste gegönnt. Ein ganz großer Spieler, dem der Torschuss wichtiger ist als ein geschindetes Foul.

Insgesamt wussten defensiv nur Hyypiä, Schwaab (vielleicht sein bestes Spiel bisher, das möchte ich schon hervorheben) und Reinartz zu überzeugen. Gerade letzterer hat gezeigt, wie man als moderner Sechser seinen Stammplatz verteidigt. Schade, dass der Schiri häufiger Fouls von ihm gesehen hat, wo meiner Ansicht nach keine waren. Doch wieso Vidal zur Pause nicht durch Rolfes ersetzt wurde, ist mir ein Rätsel. Dabei lag für ihn, wie in alten Zeiten, ständig die Gelb-Rote Karte in der Luft. Im Übrigen kam auch Helmes für mich zu spät. Wenn er Leistung zeigen soll um sich wieder heran zu kämpfen, muss er schließlich auch die Chance dazu bekommen. Heute, wo nach vorne nicht viel ging, wäre eine frühere Einwechslung durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Doch “nicht viel” kann für ein Team mit diesem Lauf natürlich immer noch genug sein, um drei Tore zu schießen, daher hat Jupp die Argumente sicher noch immer auf seiner Seite.

Das Wenige, was offensiv stattfand, war teilweise aber mal wieder allererste Sahne. Barnetta, der in letzter Zeit unglaublich aufdreht, was Tempo und Kampfgeist angeht, leitete fast jede Aktion ein und wurde am Ende mit dem eigenen Tor belohnt. Leute, den Jungen hatte ich vor einem Jahr schon längst abgeschrieben. Asche auf mein Haupt.

Auch Reinartz, der, wie ich es wahrnahm, als einziger Spieler sowohl defensiv als auch offensiv stattfand, wusste zu gefallen. Seine Flanke  vor dem 3:0 war der wichtigste und schwierigste Pass im gesamten Spielzug. Wo andere blind zur Grundlinie durchgelaufen wären und dort den Ball ans Schienbein des Verteidigers gehämmert hätten, bremst er überraschenderweise auf Höhe der 16m-Linie ab und flankt auf den einzigen freien Mann in der Mitte. Der Rest ist ein Mix aus Gewurschtel, Eingespieltheit und Übersicht.

Und über Toni müssen eigentlich nicht mehr viele Worte verloren werden. Wer noch ernsthaft glaubt, der Mann würde die nächste Saison noch immer mit dem Kreuz auf der Brust auflaufen, kann nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Nerlinger müsste hochkant rausgeschmissen werden, wenn er nicht alles daran setzt, ihn zurück zu holen. Nicht, dass Kroos das gesamte Spiel an sich reißen würde. Das macht dann tatsächlich eher Barnetta. Doch Kroos ist ein Meister der Effektivität. Ich möchte soweit gehen und behaupten: Kroos ist für uns so wertvoll wie Ballack 2001/2002. Natürlich haben beide gänzlich andere Spielanlagen, doch selten waren wir von der Effizienz eines Spielers so abhängig wie bei diesen beiden Typen. 15 Scorerpunkte in 19 Spielen, alleine 8 Scorerpunkte an den letzten vier Spieltagen, das sucht seinesgleichen.

Insgesamt sind es natürlich die positiven Aspekte, die man heute hervorheben muss, einfach deshalb, weil sie keinesfalls gewöhnlich sind, gerade für Bayer 04: Etwa, dass Spieler wie Schwaab, die eine eher durchwachsene Saison spielen, zur richtigen Zeit ihre Leistung abrufen, um andere Spieler, die heute morgen am besten im Bett geblieben wären, aufzufangen.

Nach solchen Spielen, wird man doch langsam zuversichtlicher, was die Chancen auf eine Meisterschaft (Hoppla, das verbotene Wort) angeht. Sogar ich. Beschissen spielen und 3:0 gewinnen, das hat schon etwas bajuwarisches.

Nachtgewäsch

Zu solch später Stunde kommen einem meist ja nochmal einige Gedanken – gesetzt den Fall, man ist wach und wenigstens halbwegs nüchtern¹ . Es handelt sich um Dinge, die man unbedingt noch schnell loswerden möchte, ehe man sich in die Falle haut. Gewissermaßen ist es bezeichnend und schockierend zugleich, dass sich auch um diese Uhrzeit meine Gedanken zu einem Großteil mit dem Thema Fußball beschäftigen. Im Folgenden wird nicht für den Zusammenhang einzelner Absätze garantiert. Da müssen wir jetzt durch.

Flauschige Pressekonferenzen und Akupu… wiebiddewas?

Habe ich schon mal erwähnt, dass die Pressekonferenzen am Freitag vor jedem Spiel sehenswert sind? Sicher, beim Bayer gibt es keine Action in bajuwarischen Ausmaßen. Es gibt keine Van Gaals, keine Trapattonis, erst recht keine Hoeneße und noch nicht mal Klinsis. In Leverkusen ist es eher… heimelig. Da sitzen geschätzte 10 bis 15 Journalisten im Presseraum während Pressesprecher Dirk Mesch und Trainer Jupp Heynckes zum gemütlichen Fußball-Talk bei Kaffee und Cola bitten.

Mit den Worten “Samma! … Also Pluspunkte ham se da nich mit gesammelt” und einem bösen Blick quittierte Heynckes Meschs Aussage als dieser das Hinrundenspiel gegen Hoffenheim als “müdes 1:0″ tituliert hatte. Da wird dann laut geschmunzelt unter den Journalisten. Und nun ja, das war in der heutigen PK dann auch schon der dramaturgische Höhepunkt. Ich finde das nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich mag es so. Insbesondere seit Jupp Heynckes da ist, läute ich jedes Bundesligawochenende mit dem Konsum der obligatorischen Pressekonferenz ein. Man fühlt sich daheim. Geborgen in Jupps Obhut, der einem Wort für Wort die Ängste des nächsten Spieltags nimmt. Ob die Serie hält, ob die drei Ex-Patienten Unruhe ins Team bringen könnten, ob Simon Rolfes und Stefan Reinartz nicht auch nebeneinander spielen könnten. Letztendlich läuft die Antwort auf eine jede Frage immer auf ein “Machen se sich mal keine Sorgen, das geht schon alles seinen Weg” hinaus, doch die Souveränität und Gelassenheit der Antwort befriedigt alle Gemüter. Auf Platz eins argumentiert es sich sowieso einfacher.

Schön an diesen Pressekonferenzen ist auch, dass man hin und wieder Details erfährt, die von den meisten Journalisten bei späterer Berichterstattung entweder verschluckt oder als irrelevant eingestuft werden. Zum Beispiel erfährt man, dass die Muskelverhärtung Renato Augustos offenbar mit Akupunktur behandelt wurde. Nun fühlt sich der Dribbelkönig angeblich “wie befreit”. Eigentlich dachte ich ja, dass bei Bayer04 seit dem Wechsel von Tscholli keine Zauberei fragwürdigen Behandlungsmethoden mehr angewandt werden. Aber ich bin natürlich kein Mediziner und vielleicht auch falsch informiert. Daher möchte ich das jetzt auch nicht abschließend bewerten. Jedenfalls nicht persönlich (Ich bin selbstverständlich auch offen für weitere Informationen).


Hoffenheim hat nur noch ein Mittelfeld

Sonntag also gegen Hoffenheim. Der Punkt ist: Sonntag. Sonntag! Ihr wisst schon. Sonntag. Ich finde es grausam, wenn an Sonntagen gespielt wird. Nicht wegen der Fahrerei als Auswärtsfan oder Ähnlichem. Meine Arbeitszeiten sind flexibel genug, dass ich Montags auch mal ausschlafen kann, wenn eine Heimfahrt länger dauert. Davon abgesehen, dass ich es sowieso nur selten schaffe, auswärts zu fahren. Das Problem am Sonntag ist einfach, dass Sonntag nicht Samstag ist. Rationaler kann ich es nicht begründen. Außerdem habe ich das subjektive Gefühl, dass Sonntags viel öfter Nullnummern stattfinden. Aber sei’s drum. Immerhin können die Bayern dadurch morgen wieder für einen Tag Tabellenführer werden. Das sind sie immerhin inzwischen seit fast sieben Tagen nicht mehr.

Während wir nicht wissen, was wir mit unseren Qualitätsstürmern anfangen sollen, wird Hoffenheim übrigens ohne Sturm antreten². Ohne Abwehr sowieso. Aus Tradition. Statistisch gesehen kann es also nur auf ein 6:0 für Bayer hinauslaufen.

Der Fall Frings

Zum Schluss noch was ganz anderes: Der Trauerfall Frings. Was haben wir uns geärgert oder gelacht, weil andere sich so geärgert haben. Was haben wir philosophiert. Was haben wir kommentiert. Am besten, finde ich, fasst es aber Entscheidend is auf´m Platz zusammen.

Schönes Wochenende wünsch ich.

¹ Nun, viele Gedanken kommen einem natürlich auch wenn man breit ist. Oft sind diese sogar weitaus interessanter als jenes Geschreibsel hier. Ein Vorteil der Nüchternheit ist jedoch, dass man morgens nicht panisch zum Rechner hasten muss um herauszufinden, was man des Nachts noch für einen Driss ins Internet geschrieben hat.

² Der ist entweder verletzt oder spielt beim Afrika-Cup.

Als würde man bei Pro Evolution Soccer von “Top-Spieler” auf “Amateur” umschalten

So oder so ähnlich muss sich Sami Hyypiä vorkommen, nachdem er aus der englischen Premier League in die deutsche Bundesliga gewechselt ist. Ich will nach zwei Spieltagen ja nicht schon ausflippen, zumal nur der letzte richtig überragend war.

Dennoch hatte man am vergangenen Samstag ab und zu das Gefühl, Hyypiä fühle sich unterfordert gegen die Bambinis aus Hoffenheim. Tatsächlich hat es mit ihm auch mal wieder ein Leverkusener zum “Mann des Tages” beim Kicker geschafft: “Er steht da, wo andere hinlaufen (…)”, schreibt das Blatt richtig. Auch die 11 Freunde charakterisieren das Spiel des Finnen in ihrer nicht immer ganz ernst gemeinten “Elf des Spieltages” sehr zutreffend: “Fresse halten, dahin laufen, wo der Ball ist und einfach zum freien Mitspieler passen.”.

So einfach kann Fußball sein.

Das macht Hoffnung: Bayer 04 – TSG Hoffenheim 1:0

Untermalt von Marius Müller-Westernhagens “Wieder Hier”, öffnete die neue BayArena zum ersten Mal ihre frisch lackierten Pforten zu einem Pflichtspiel.

Auch ich konnte sie heute (na, gestern) das erste Mal aus nächster Nähe betrachten und muss sagen: Ja, doch. Ist hübsch. Obwohl ich die Flutlichtmästen vermissen werde.

Der zweite Eindruck war allerdings eher mau. Der Einlass ins Stadion beim C-Block lief noch ausgesprochen zähflüssig. Das Handling mit den BayArena-Cards lief erwartungsgemäß noch nicht reibungslos, was sich auch am Bierstand zeigte. Dort hätte es eventuell allerdings schon geholfen eine dritte Bude aufzustellen, statt zweien den Andrang einer ganzen Kurve zu überlassen. Zumal es nach dem Spiel auch noch Freibier gab. Aber ich bin mir sicher, dass sich das alles einspielen wird. Außerdem ging es ja nicht ums Saufen, sondern darum endlich wieder Fußball in heimischen Gefilden zu sehen. So denn:

Schön war das Spiel freilich nicht. Dennoch war es ein Spiel, nach dem wir uns in der vergangenen Spielzeit ein ums andere Mal die Finger geleckt hätten. Den Hoffenheimern war anzumerken, dass sie sich kein weiteres Mal vier oder fünf Dinger einfangen wollten und so standen sie tief und verhältnismäßig sicher in der eigenen Hälfte. Daraus resultierten gefühlte 80% Ballbesitz und vorerst dennoch nur zwei Chancen. Zunächst ein schöner, von Barnetta geschossener und von Hildebrand parierter Schuss aus der zweiten Reihe. Später ein Kopfball von Hyypiä, den zunächst Hildebrand mit der Hand regelgerecht und danach Carlos Eduardo, ebenfalls mit der Hand, dafür weniger regelgerecht, von der Linie wischten. Abhaken. In einer Saison gleicht sich alles aus. Sagt man.

Aber überhaupt: Hyypiä! Den Typen kannst du auch ins Tor stellen wenn Not am Mann ist. Man sollte meinen, es gibt keinen Ball, den er nicht mit dem Kopf erwischt. Er und Friedrich, der neben seinem finnischen Kollegen richtig aufzublühen scheint, waren ein wichtiger Grund dafür, dass Hoffenheim im kompletten Spiel lediglich zu zwei echten Chancen kam. Die restliche Zeit konnte Adler damit verbringen im Kopf knifflige Sodoku-Aufgaben zu lösen, in der Hoffnung wenigstens auf diese Weise bei Jogi Löw Eindruck zu schinden.

Was gabs sonst noch? Ach ja, das Tor. Ein gut aufgelegter, zu Recht gefeierter aber manchmal zu verspielt wirkender Renato Augusto schaffte es über die rechte Seite Eren Derdiyok freizuspielen, welcher, von Compper bedrängt, mit der Hacke auf Stefan Kießling, dem besten Offensivakteur auf dem Platz, weiterleiten konnte, der nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte.

Hinten sicher stehen. Nicht immer spektakulär, dafür aber effizient spielen. Abwarten, auch wen das Tor in der Mitte der zweiten Hälfte noch immer nicht gefallen ist. Auch mal nur 1:0 gewinnen. Das ist nicht gerade die Art von Bayer 04 Leverkusen.  Aber die Art von Jupp Heynckes, dessen Handschrift schon recht deutlich zu erkennen ist. Natürlich ist noch mehr drin. Natürlich möchte ich auch wieder einmal eine schöne Kombination und etwas mehr Bayer’schen Hurra-Fußball sehen. Doch die Leichtigkeit kommt mit dem Erfolg. Wenn es sich so weiterentwickelt wie bisher, – so fern man nach drei Pflichtspielen eine Entwicklung ausmachen kann – ist einiges möglich. Das bedeutet nicht, dass man deutscher Meister werden muss. Das bedeutet auch nicht, dass man in die Champions League muss. Das bedeutet nicht mal, dass man zwangsläufig die Europliga erreichen muss. Aber das bedeutet zumindest, dass am nächsten Wochenende in Freiburg der nächste Dreier eingefahren werden muss. Auf, auf, Kameraden.

Update: Bei Kießlings Tor war es Compper, der Derdiyok bedrängte, nicht Simunic, wie ich ursprünglich schrieb.

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