Simon Rolfes | lauthals

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Ein Luxusproblem als Weihnachtsgeschenk?

Ich geb’s ja zu: Ich habe bis zum Ende nicht daran geglaubt. An die Herbstmeisterschaft. Doch tatsächlich hat es funktioniert, auch mit einigen schwächeren Spielen am Ende der Hinrunde. Sicher, einen Großteil des Erfolges haben wir dem Unvermögen der Konkurrenten zu verdanken, die es nicht fertig brachten, sechs (!) Unentschieden aus den letzten neun Spielen zu nutzen. Doch unbesiegt die Vorrunde zu beenden, verdient schon seine Anerkennung. Von einer Mannschaft zu reden, die “nicht mehr mit jener aus der letzten Saison vergleichbar ist”, ist inzwischen keine Spinnerei mehr.

Und doch wird man es als Bayer 04 Fan nie schaffen können, frei von jeglichem Zweifel zu sein. Überall und jederzeit muss man damit rechnen, dass sich Probleme anpirschen, auf den denkbar kuriosesten Zeitpunkt warten und dann gnadenlos zuschlagen. Selbst bei eigentlich erfreulichen Nachrichten, muss man damit rechnen, auf einen Wolf im Schafspelz hereinzufallen. Die erfreuliche Nachricht, der Schafspelz also, besteht in aktuellem Fall freilich aus der Rückkehr lang vermisster Leistungsträger. Der Wolf existiert in der Tatsache, dass das Wort “vermisst” oder zumindest die Kombination der Wörter “lang” und “vermisst” im vorherigen Satz zweifelhaft bis falsch ist.

«Wir haben noch einige Nationalspieler. Wenn die wiederkommen, ich will ja nicht drohen, dann wird es noch besser.»

(Jupp Heynckes)

Nicht, dass ich unserem Coach gerne widerspreche. Und nicht, dass ich gerne den Schwarzmaler markiere, und dennoch: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir mit einem Schlag sinnvoll und beschwerdefrei vier “neue” Leute in die Aufstellung integrieren wollen.

Schwaab, der seinen Job solide, aber nicht immer fehlerfrei ausführte, stellt mich noch vor das geringste Problem. Gonzo rückt wieder auf rechts, Kadlec wieder auf links, Schwaab lauert auf der Bank auf seine Chance. Fertig.

Doch spätestens bei Stefan Reinartz geht es los. Dass ein Rolfes spielen muss, wenn er fit ist, steht zu keiner Diskussion. Doch es stellt sich fast schon die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, Stefan auf die Bank zu setzen, wo er keinen geringen Anteil an der Herbstmeisterschaft trägt und zudem ein Eigengewächs ist. Da wird wohl oder übel Vidal dran glauben müssen… und die Bank und er waren noch nie die besten Freunde.

Der Sturm gestaltet sich dagegen noch relativ harmlos, auch wenn es zunächst nicht diesen Anschein hat. Kießling ist gesetzt, wie seit Berbatov kein anderer Stürmer mehr. Derdiyok, der derzeitig “nur” sechstbester Torschütze der Bundesliga ist, muss die Chance erhalten, seinen Platz zu verteidigen, während Helmes durch 20-minütige Einsätze seinerseits die Chance erhalten wird, seinen Platz zurück zu erkämpfen. Konfliktpotenzial hat diese Konstellation allemal. Im Angriff gestaltet sich eine Entscheidung aber generell etwas einfacher, da die harten Fakten, die Tore eben, leichter zu zählen sind.

Doch im offensiven Part des Mittelfeldes, wo vor einigen Monaten Renato Augusto durch Toni Kroos ersetzt werden musste, was ist dort am wichtigsten? Kroos hatte einige überragende Spiele, die er darüber hinaus mit Toren¹ krönte, so viel steht fest. Doch wenn ich mir die Zusammenfassung aller unserer Tore in der Hinrunde noch einmal ansehe, so stelle ich fest, dass ich auch Renatos unwiderstehlich unberechenbare Sololäufe vermisse. Renato kann doch nicht auf der Bank sitzen. Und Kroos auch nicht. Und Barnetta, der in letzter Zeit den halben Platz umpflügt, doch auch nicht. Mir ist das alles zu hoch. Ich kann das nicht entscheiden und muss es zum Glück auch nicht. Aber Tatsache ist doch: Ganz egal, wie die Entscheidung ausfällt, sie kann nur falsch sein und fast nur zum Schlechteren führen.

Da ist sie wieder. Meine Angst. Aber auch beim letzten mal war sie ja nur halb gerechtfertigt

¹ Ist der Plural dort korrekt? Oder war es nur ein einziges Tor in sechsfacher Ausführung?

Ehe es zu spät ist: VfL Wolfsburg – Bayer 04 2:3

Wie schon nach dem letzten Spieltag bin ich wieder viel zu spät dran mit dem Spielbericht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es leider wieder ein Wochenende ohne bewegte Bilder war (nun ja, Bayer 04 TV hab ich mir angesehen, aber das ist ja nicht unbedingt üppig). Meine Ausrede für dieses Wochenende sind die Tischtennis Kreismeisterschaften im Kreis Rur-Wurm, bei denen ich spielerisch¹ und organisatorisch tätig war.  Lange Rede, kurzer Sinn: Die Muße war danach dahin. Also die Muße einen Spielbericht zu verfassen. Dieser wird im Folgenden kurz und knackig nachgereicht.

Simon Rolfes setzt zur Aufholjagd auf Stefan Kießling an. Während der Stümper Kies es noch immer nicht schafft mehr als ein Tor pro Spiel zu schießen, trifft unsere Nummer 6 gleich zwei mal. Summa summarum ergibt das drei Treffer gegen den amtierenden Meister VfL Wolfsburg. Das Schlimme daran: Die waren auch allesamt nötig. Nach der 3:0-Führung durch Renatos schöne Vorarbeit, schaffte es der Gegner in den Schlussminuten tatsächlich noch zwei Tore zu schießen. Verfolgt habe ich den ganzen Spaß via Radio in einer tischtennis-bespielten Mehrzweckhalle. Dass mein negatives Abschneiden bei den Kreismeisterschaften nicht zuletzt aus dem zweiten Gegentreffer resultierte, ist unnötig zu erwähnen. Fühlte ich mich doch an das Spiel gegen den Karlsruher SC in der letzten Saison erinnert.

Und sonst? Eine rote Karte gegen den gegnerischen Torhüter, die man nicht geben muss, aber geben kann. Auf jeden Fall aber eine Karte, die uns in selbige gespielt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt war der VfL nämlich überlegen.

Eine gelb/rote Karte gegen Derdiyok, die man ebenfalls nicht hätte zeigen müssen, die aber in Anbetracht des Torschützenkönigs von  2007, der bei uns auf der Bank versauert, durchaus zu verkraften ist.

Fest steht: Die erste echte Hürde wurde genommen. Mag der VfL nicht in Topform sein und mag man auch die meiste Zeit glücklich in Überzahl gespielt haben, so ist es immer noch der deutsche Meister gewesen, den man in einer Auswärtspartie geschlagen hat. Noch dazu lag dieses Auswärts in Wolfsburg, wo die Sterne für uns bislang nie besonders günstig standen. Wir haben in dieser Saison die erste echte Spitzenmannschaft geschlagen, so viel steht fest und das tut gut. Das gibt Hoffnung. Für das Spiel gegen Werder.

So viel dazu.

¹ Man suche besser erst gar nicht nach Erfolgen meinerseits.

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